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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bludgeons Prog 1x1



bludgeon
23.07.2008, 18:44
Prog kennenlernen - leicht gemacht, mit denen hier:

Genesis -Trespass (1971)
Dieses Album wird gern übersehen, wenn es um die Gabrielphase geht und ist doch wert, entdeckt zu werden: Kirchenatmosphäre. Feierlich. Romantisch. Versponnen.
Spätere Werke werden perfekter sein, dieses aber ist eine interessante Vorausschau auf all die abartig-schönen Storys, die Peter G. noch erzählen wird.:bea:

Eloy - Ocean (1977)
Eloys beste Platte. Ein Konzeptwerk aus 4 Tracks, die den Untergang von Atlantis zum Inhalt haben. Jedoch reichen die Überschriften dem Hörer, um sich sein eigenes Untergangsszenario in Hollywoodmanier verkitscht zusammenträumen zu können.
Seeehr romantisch. Und gaaanz typischer 70er Sound. Irgendwie ein passendes Bindeglied zwischen Trespass und Wish you were here. Es hat von beidem etwas.

Pink Floyd - Wish you were here (1975)
Der Nachfolger von Dark Side … Sicher sattsam bekannt.
Die Dark side of the moon ist mir mittlerweile zu abgedroschen, vor allem „Money“ kann ich nicht mehr ertragen.
Die WYWH hat dem Zahn der Zeit nach meinem Geschmack jedenfalls besser widerstanden als Ummagumma und Dark Side…

Yes – Album (1970)
Soll ich zum millionsten Mal den Uraltwitz erzählen, dass anno 71 ausgerechnet Aretha Franklin DIESES Album gelobt hat?
Egal. Eine Progliste ohne Yes? Der Rockzirkus hat schon mehrere davon! In jedes Weltliteraturverzeichnis gehört Shakespeare – in jede Progsammlung MUSS etwas von Yes.
Die Auswahl ist schwer, mir gefällt zuviel von denen.
Das Yes-Album ist eine kantige abwechslungsreiche Mischung sämtlicher Yes-Stärken:
Laut und leise, filigran und ruppig, melodisch und verfrickelt; enthält „I’ve seen all the good people“:lac: jedoch noch nicht „the heart of the sunrise“.:flenn:

Lift - Meeresfahrt (1978)
Aus der ostdeutschen Progdreifaltigkeit Lift/Stern-Combo-Meissen/Electra entscheide ich mich wie immer dann doch für das eine der beiden sehr guten Lift Werke, die mir einen kleinen Tick besser gefallen als 2 andere der Stern Combo. Gegen Electra bin ich irgendwie immun.
Auf diesem Lift Meisterwerk mischen sich in perfekter Weise Satzgesänge a la Crosby Stills & Nash mit Melotron-/Orgelbombast, Stevie Wonder Einflüssen, She’ leaving home Schrägheit und und und …
Aber alles passt; ergänzt sich auf wundersame Weise. Musikalisch-melancholischer Hochleistungssport!

Locanda delle fate - Forse le Lucciole ... (1977)
Proghochburg Italien:
Die hier klingen wie die Spaghettivariante von Lift (siehe oben) oder wie Eloy mit ein bißchen Flöte, aber trotzdem weit weg von Jethro Dingsbums – oder andersrum verglichen: Drupi (Piccola e fragileeeee!) mit Genesisbegleitung

Mike Oldfield - Incantations (1977)
Das ehemalige Doppelalbum zum Abschluss seiner 1. Schaffensphase.
Hassen oder vergöttern? Weder noch! An seinen „Zaubersprüchen“ kommt man aber nicht vorbei. Und dass in Part 2 eine echt romantische Ballade des 19. Jahrhunderts eingewoben ist, die noch dazu von Maddy Prior gesungen wird, macht es noch spannender. (Entspricht meiner immer noch unerfüllten Lieblingshoffnung, dass sich doch mal eine deutsche Progband ums deutsche Balladenerbe kümmert und es romantisch-schwülstig aufrockt. Novalis sind ja leider im Ansatz stecken geblieben.:virrt:)

Gentle Giant - acquiring the taste (1971)
Mit denen tat ich mich immer schwer. Aber unter DIE KLASSIKER gehören sie auf alle Fälle.
Mir scheint allerdings, dass sie auf einigen ihrer Werke Musik mit Klangakrobatik verwechseln: Wir können auch Songs im 12/23stel Takt! Die „Acquiring…“ und die „Octopus“ jedoch funktionieren noch richtig, klingen YES verwandt.

Camel – dust and dreams (1991)
Der beste Grabbeltischfund ever! Das Cover macht zunächst nichts her. Aber Camel steht drauf! Sind das DIE Camel von Mirage und Snowgoose? Jein. Latimer ja, Bardens nicht.
Latimer setzt hier sein Lebenswerk um: die fast ausschließlich instrumentale Vertonung der „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck.
Auch hier gilt, wie bei Eloy oben: Man muss das Buch nicht kennen. Man muss nicht auf die spärlichen gesungenen Passagen achten. Man kann sich dieser Musik einfach überlassen.
Viel Tastenarbeit, Flöte und Akustikgitarre auf unaufdringlicher Schlagwerkuntermauerung.
Immer wieder werden Spannungsbögen erschaffen, an deren Ende eines dieser göttlich-melodischen E-Gitarren-Soli Mr. Latimers für Entladung sorgt. Inselplatte!
(Spöttische Vergleiche mit Barclay James Harvest oder gehobener Caféhausmusik werden
nicht zur Kenntnis genommen! Pah! Ick steh’ ooch uff olle Elvis, da jibbtet janze Lawin’von Männeken, die den nich’ mögen! Na und! Soo is ditte nämich!:baeh:)

Haggard - awaking the centuries (2000)
18! In Worten ACHTZEHN Musiker!
4 Rocker und 14 klassisch geschulte Leute erzählen unterhaltsame Geschichten von Nostradamus oder Galilei in 3 Sprachen. Für mich klingen ihre Konzeptwerke wie harte Versionen von Branduardiplatten. Ganz harte! La pulce d’aqua wird gewissermaßen zum Walross!:jau:

derdude
23.07.2008, 21:54
coole liste mit einigen anregungen und tipps auch abseits der ausgetretenen pfade :jau:

genesis - trespass auch von mir eine empfehlung, steht hier auch noch im wunderschönen aufklappbaren vinylcover mit "messerschnitt".

gentle giant - acquiring the taste: auch hier, eine unbedingte empfehlung meinerseits, klasse album wie das meiste der band. wie du auch schreibst, schwer - aber wenn man mal drinnen ist, hat man mit den giants ewige freundschaft geschlossen.

eloy - ocean: das album selbst kenne ich nicht, aber die frühen eloy werke mag ich. da werde ich mal ein ohr riskieren ;-)

pink floyd - wish you were here. ein klassiker wohl, allerdings geht es mir da schon wie bei der dark side, vielleicht zu oft gehört. ne eigentlich auch nicht. eher nicht so mein ding.

yes - album. bin mit yes generell nicht so klar gekommen, habe ich auch erst spät kennen gelernt, eben über die späten alben die mir nie gefielen, die frühen lasse ich aber schon gelten.

lift, kenne ich wie auch die anderen angeführten leider gar nicht.

Locanda delle fate - Forse le Lucciole. italienischer prog ist mir in seiner vielfalt bewußt, kenne da aber nur recht wenige auszugsweise. das ist wahrlich eine hochburg, auch was die coverart angeht! fantastisch!
zugang gefunden habe ich bisher wenig, das liegt oftmals
a) am gesang. italienisch paßt für mich unglaublich gut zur beat musik - bei prog mag ich das einfach nicht und
b) bei vielen, vor allem mitte bis spät 70ern wird mir der prog zu synphonisch
(also wie du vielleicht bemerkt hast stehe ich auf prog anfang 70 ;-)

den namen werde ich mir trotzdem merken und mal reinhören, interessant allemal!

mike oldfield - Incantations. die scheibe kenne ich auch nicht und auch oldfield kenne ich zuwenig um darüber zu urteilen, halt schon sehr spät für mich ;-)

camel, noch später :-)) klingt aber interessant und eine hörprobe ist da nicht auszuschließen.

haggard, wie auch "lift" nie gehört.

klasse vorstellung/tipps. so listen mag ich. da kenne ich von 10 nur zwei so richtig und die sind gewaltig, da können ja von den anderen auch noch ein paar dabei sein die meinen geschmack treffen.

:prost:

remo4
23.07.2008, 22:13
Genesis Trespass - Meine Holde mag dieses Album.

Pink Floyd wish you... - Das Kapitel Pink Floyd wurde nach Ummagumma abgeschlossen, die wurden mir einfach zu poppig.

Yes Album - Ja, kann man sich heute noch anhören.

Eloy Ocean, Lift Meeresfahrt, Locanda delle fate und Oldfield Incantations sind Unbekannte.

Gentle Giant Acquiring... - Manchmal höre ich mir Gentle Giant noch an, auch dieses Album.

Camel Dust and Dreams - Camel ist eine der wenigen Bands aus dem Progrockbereich die ich fast durchgehend mag.

Haggard awaking the centuries - Noch nie was von gehört.

Tango Whiskyman
23.07.2008, 23:09
Hm, interessant sind die fast alle für mich, kennen tu ich bisher leider nur zwei: Acquiring the Taste (zuletzt heut morgen angehört, Spitzenalbum, der Höhepunkt ist für mich "Plain Truth") und Wish You Were Here.


Genesis sind erst für nächstes Jahr geplant, das Eloy-Album kenne ich nicht und die Yes fehlt mir auch (noch).

Black Dog
24.07.2008, 13:44
Hübsch-interessante Liste, mit einigen der üblichen Verdächtigen. :blink:


Haggard, Lift und die Italiener sind für mich völlig unbekannte Namen.
Die Platten von Genesis, Gentle Giant, Yes und Pink Floyd sind für mich nach wie vor hörenswerte Alben.

Incantations von Oldfield hab ich zwar noch im Regal, aber inzwischen finde ich diese Scheibe ziemlich dröge.

Eloy.... ich gehöre nicht zu denjenigen, die auf Eloy draufdreschen, nur weil es irgendwie schick ist.
Eine Zeitlang (vor mehr als 30 Jahren) fand ich Eloy's "Dawn" ganz gut und habe in der Folgezeit auch noch andere Scheiben probiert. Damals kannte ich mich allerdings noch nicht so gut aus. Heute ist so gut wie alles von Eloy aus den 70ern bombastischer Schmalzrock für mich, fürchterlich pathetisch, leblos und teilweise sogar schlecht gespielt.
Neee... da kann man mir noch 50 Euro als Zugabe geben, ich würde mir keine 40 Minuten Eloy mehr am Stück anhören, das ertragen meine empfindlichen Ohren nicht mehr.


.. tja... und "Wish you were here" (http://www.rockzirkus.de/forum/thread-9880.html) ist ja streng genommen ne Bluesplatte und hat mit Prog nix mehr am Hut, nicht wahr ? :blink:


Nun zu Camel:
Das war mal ne Band, die Bezüge zum Progrock hatte.
Die "Dust and Dreams" hab ich mal angetestet, allerdings im Moment keine prägnante Erinnerung mehr an die Musik.
Ist diese Platte wirklich noch irgendwie proggig oder gehts hier nicht viel mehr um Folkrockiges ? :bo: :häh:

:prost:

bludgeon
24.07.2008, 22:34
Hübsch-interessante Liste, mit einigen der üblichen Verdächtigen. :blink:

Incantations von Oldfield hab ich zwar noch im Regal, aber inzwischen finde ich diese Scheibe ziemlich dröge.


Hab ich auch mal eine Zeit lang gedacht. Aber dann hab ich gelesen (weiß nicht mehr wo), dass der Einfluss von Steve Reich hier zu hören sei. Selbst wenn das nicht stimmt, kann man es sich immerhin einbilden, dass das, was scheinbar endlos wiederholt wird, um halbe Töne variiert wird, und schon klingt das komplette Opus unter neuem Aspekt wieder sehr interessant.



.. tja... und "Wish you were here" (http://www.rockzirkus.de/forum/thread-9880.html) ist ja streng genommen ne Bluesplatte und hat mit Prog nix mehr am Hut, nicht wahr ? :blink:


Ooch ... muss jede melancholische Melodie gleich Blues sein? Haste schon mal versucht "Shine on you crazy diamond" auf den Rhythmus vom Hoochie coochie man zu singen? :danc: :wall: Der Titelsong mag meinethalben noch als Blues durchgehen, für den Rest würde ich, wenn wirklich Prog verworfen wird, dann doch lieber Slow-Punk oder Non-Brass-Jazz in Anwendung bringen. :hihi:



Nun zu Camel:
Das war mal ne Band, die Bezüge zum Progrock hatte.
Die "Dust and Dreams" hab ich mal angetestet, allerdings im Moment keine prägnante Erinnerung mehr an die Musik.
Ist diese Platte wirklich noch irgendwie proggig oder gehts hier nicht viel mehr um Folkrockiges ? :bo: :häh:

:prost:


Nee. Dust and dreams = Folkrock; geht gar nicht.
Es ist schon eine relativ ruhige Angelegenheit mit pathetischen Höhepunkten. Passt problemlos in eine Schublade mit Incantations und Wish you were here.
Für "bloß Pop" zu anspruchsvoll und als "wir frickeln jetzt mal alle um die Wette-Prog" zu abwechslungslos - ist es einfach reife Musik von Könnern, die ihr Handwerk beherrschen und etwas mehr mitzuteilen haben, als "I love you, I need you". Wie nennen wir's? Keyboard-Blues?
:roley:

For me its Prog. :prost:

22 Punktekäfer
24.07.2008, 22:45
:oop:
Außer der Yesscheibe steht hier nix.
Von Mike Oldfield, Pink Floyd und Gentle Giant gibt´s andere Werke in der Sammlung, ansonsten Fehlanzeige.

Jersch
25.07.2008, 19:42
Na ich als "Ex-Ossi" helf Dir natürlich mit LIFT gern aus der "Patsche".Tolles Album mit einem ungeheuer stimmigen "15 Minüter",sich langsam aufbauend und vollentwickelnd.Die "Tagesreise" der Hit von Heubach,ist dann schon ein wenig an FRUMPY`s "How The Gypsy Was Born" angelehnt und hat für mich bei HORST KRÜGER in der Ur-Version mit HEINZ JÜRGEN GOTTSCHALK den besseren Sänger!

YES das "Album ist mir bis heut aus der Vielzahl Ihrer Werke das liebste.Hier entwickeln sie sich auf unwiederstehliche Weise und Ihr orginärer Sound wird geschaffen."Perpetual Change" und "Yours Is No Disgrace" sowie "Starship Trooper" sind für Jersch echte "Prog-Rock-Granaten"!

GENTLE GIANT auch ein Meisterwerk des "Artrocks".Musizierkunst auf höchstem Niveau,von den Kompositionen soll erst gar nicht die Rede sein.Hervorragend einfach alles!

Darf ich Dich noch auf eine kleine Unstimmigkeit hinweisen?Der Ausspruch von ARETHA FRANKLIN ist von Ihr,wenn ich nicht irre,auf das "Fragile" Album hin getroffen wurden!

Alle anderen Bands sind mir bekannt,berühren mich aber nicht so sehr,um Ihnen meine Stimme und ein paar Zeilen zu widmen,ausser natürlich PINK FLOYD. Aber ist das wirklich Prog-Rock?Deswegen fehlt genau da mein Klick!

Besten Dank für diesen schönen Thread:rck::jau::jumpg:

remo4
12.07.2009, 00:31
Nach oben mit der Abstimmung.

Zaphod
17.07.2009, 01:40
Ja also da wäre Pink Floyd mit Wish You Were Here, und dann... muss ich passen. Ich hab zu Genesis und Yes nie Zugang gefunden, ich bin einfach kein Progger. Die restlichen Alben kenn ich nicht, Mike Oldfield war auch nie mein Ding. Ich müsste mal gucken ob ich genug Prog zusammenbekomme um auch ne Umfrage zu starten, aber das sind entweder Sachen die schon genannt wurden oder Sachen die eh keiner kennt. Da müsst ich aber lange grübeln..

Knut
17.07.2009, 10:52
Tja was soll ich dazu sagen?

Eine spannende Liste, zumal ich hiervon vieles nicht kenne und mir dann wieder aufzeigt, wie beschränkt mein Musikhoriziont ist. Aber, es ist auch eine Anregung selbst mal eine ProgRockliste zu erstellen. Mal schauen was da zusammen kommt, zumal auch viele meiner Favoriten hier schon erwähnt wurden.

Die Auqiring the Taste steht bei mir ganz oben, Gentle Giant machte neue, teilw. vertrackte Musik. Das Debut, Octopus und In a Glass House sind meine Favoriten.

Dann käme Trespass, die "Gabriel Genesis" sind einfach gut gewesen, speziell Live eine Offenbarung. Foxtrot, Nursery Crime und Selling England.. habe ich mehr gemocht.

Wish you were here höre ich garnicht mehr. Hat aber ihren Platz in dieser Liste sicherlich unbestritten.

Yes und Oldfield. Kann mit beiden was anfangen, obwohl ich beide Alben nicht kenne. Habe nur Yessongs und Tubular, das reicht...

Alles andere kenne ich nicht. Camel und Eloy's Existenz ist mir bewußt, hatte aber nie Interesse mir etwas anzuhören. Und die anderen, wie gesagt, nie etwas gehört. Sollte sich das ändern?

Dankfür die Anregungen!:jau:

Dr. Dunbar
05.08.2009, 01:33
Was ist ProgRock? Wenn es das ist was ich meine, dann hat das Yes Album wie wohl auch Eloy in dieser Liste irgendwie seinen Platz, aber sonst (die Exoten aus Ossiland und Italien kenne ich nicht) fällt mir dazu nur folgendes ein:

ProgRock ist in meinen Ohren keine wirklich Musikrichtung, sondern eine Zeiterscheinung, eine Bezeichnung für einen nicht näher definierten Wust von Musik aus den frühen 70er Jahren, der damals in den Diskotheken und Jugendzimmern von Gymnasiasten gehört wurde - ohne das die Hörer wussten, was daran eigentlich so progressiv war.

Vor zwei Jahren war ich in einer interessanten Ausstellung in Jever (Ostfriesland): "Break On Through To The Other Side" hieß die - im Untertitel: "Tanzschuppen, Musikclubs und Diskotheken im Weser-Ems-Gebiet in den 1960er, 70er und 80er Jahren". Im Katalog tauchen auch einige Playlists auf. Die "Scala" in Löningen (existierte bis ca. Mitte der 70er) hatte unter den Top 100 u.a. folgende Bands zu bieten:

Fever Tree
Flasket Brinner (hä?)
Wishbone Ash
Caravan
Cressida (auch hä?)
Audience
Van Der Graaf Generator
Solution
Sweet Smoke
Curved Air
Jody Grind
Nektar
Steel Mill (und nochmal hä?)
Malo (das vierte hä?)
Amon Düül II
Aphrodite's Child
Paladin (das fünfte...)
Help Yourself
Jade Warrior
May Blitz
und
Quartermass

aber auch:

Eloy
Birth Control
Manfred Mann's Earthband
Novalis
Epitaph
Frumpy
Jane
Hölderlin
Tangerine Dream
Triumvirat
Ramases
und
Atlantis

Das war die Zeit des Progrock. Die Liste zeigt: es ist keine Musikrichtung, sondern eher ein Zeitgeschmack. Damals war "progressiv" ein Modewort, eine Moderichtung und eine Modemusik. Was haben Bands wie Jody Grind und Triumvirat gemeinsam? Was Caravan und Epitaph?

Und so sehe ich auch die Liste: sehr persönlich, ohne irgendeinen - für mich - definierbaren Zusammenhang. Man kann zu jeder dieser Bands einen Bezug haben, kann das ein oder andere Album für sich als relevant oder sogar zeitlos empfinden, aber dennoch bleibt der Begriff "ProgRock", der hier im Forum gern genannt wird, schwammig, allenfalls einer Zeitspanne zuzuordnen, nicht aber einem musikalischen Stil.

Tango Whiskyman
05.08.2009, 03:33
aber dennoch bleibt der Begriff "ProgRock", der hier im Forum gern genannt wird, schwammig, allenfalls einer Zeitspanne zuzuordnen, nicht aber einem musikalischen Stil.


Und genau das ist auch gut so. Stell dir vor, wenn jede Band, jeder Künstler peinlich genau in eine Schublade eingeordnet werden könnte, wie langweilig wäre das denn. :blink:

Der Mensch strebt nach rationalen Erklärungen und rationalen Lösungen, aber damit scheitert er immer wieder an der für solche banalen Schublädelchen weit zu komplexen Realität. Ich mag das. Man muss nicht alles erklären können. Ach ist das herrlich! :rck:

bludgeon
05.08.2009, 08:42
Was ist ProgRock?

ProgRock ist in meinen Ohren keine wirklich Musikrichtung, sondern eine Zeiterscheinung, eine Bezeichnung für einen nicht näher definierten Wust von Musik aus den frühen 70er Jahren, der damals in den Diskotheken und Jugendzimmern von Gymnasiasten gehört wurde - ohne das die Hörer wussten, was daran eigentlich so progressiv war.



Das stimmt so sehr, wie's falsch ist ---
keine Angst ich komm'jetz'nich'mit Frauenlogik.

Das Gemeinsame an dieser Progvielfalt ist die Phantasiefülle, die (nicht immer, aber weitgehend) auf Schemen, wie Blues oder Hitformate a la 3 Minutensong verzichtet. Es musste kompliziert und/oder klassisch angehaucht klingen. Wünschenswert war auch, wenn es textlich ein bissel mehr Anspruch als "I love you, I need you" hatte. Artrock war der ursprünglichere und treffendere Begriff, der deutlicher vom Hardrock trennte. Roberto hat mal in irgendeinem anderen Thread was von "Musik für die Jungs aus dem anderen Stadtteil" geschrieben, das ist das verbindende Hauptmerkmal der "Progschublade": Prog war/ist die musikalische Gegenwelt zu Deep Purple (denn die Mk I wird mehrheitlich gern vergessen) und Co.

Dr. Dunbar
05.08.2009, 13:06
@ bludgeon:
So kann man's auch sagen. Als ich Mitte der 70er Jahre mit dem Konsumieren von Musikzeitschriften anfing, gab's in den richtigen Blättern noch klare Feindbilder: Metal - oder damals noch Hardrock genannt - für die Doofen und der Rest war Prog und gut.

Vielleicht ist das Ausschlusskriterium, das Du genannt hast, der Blues, wirklich eine einfache Unterscheidungsmöglichkeit, denn der Hardrock hat ja seine Wurzeln nun wirklich tief im Blues, während der Artrock eindeutig mehr Klassikelemente verbrät.

Verdammt - aber warum galten dann immer Bands wie Led Zeppelin als Prog?

@ tango:
Es geht mir nicht um Schubladen, sondern um häufig nachlässig benutzte Begriffe.

Tango Whiskyman
05.08.2009, 13:19
@ tango:
Es geht mir nicht um Schubladen, sondern um häufig nachlässig benutzte Begriffe.


Nun, die gibts ja wohl massenweise. Nicht nur in der Musik, überall. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass genau das den Reiz ausmacht, jede Band ist anders.

Mir persönlich geht weniger dieser schwammige Ausdruck aufn Senkel, sondern vielmehr gewisse hochtrabende Fans des "Klassischen Progs (die grossen halt, Genesis, ELP, und Co), die kein Herz für sogenannte "kleine Bands" haben und auch oftmals keinen Sinn für schräge Töne und abgefahrenes haben... insofern kein Wunder dass VdGG nie so richtig zu den grossen gezählt werden. Uii, die sind ja auch zu widerborstig, da hören wir uns lieber die eingängigeren Sachen an! :jau:


Ach ja, noch was: der Fieberbaum passt da nicht so recht rein. :blink:

street66
05.08.2009, 15:23
Genesis Trespass
Pink Floyd wish you...
Yes Album
Oldfield Incantations
Gentle Giant Acquiring...
Camel Dust and Dreams

Diese 6 stehen hier auch, werden allerdings sehr selten bis gar nicht gehört und erscheinen mir daher nicht soo interessant, als das ich hier eine qualifizierte Meinung beitragen könnte. Von Progrock hab ich keine Ahnung.

Dr. Dunbar
06.08.2009, 12:33
Ach ja, noch was: der Fieberbaum passt da nicht so recht rein. :blink:[/QUOTE]

Das war die Top 100 Playlist aus der Progodisko "Scala" in Lastrup (Landkreis Cloppenburg/Niedersachsen), die 1977 dicht gemacht wurde. Fever Tree sind nicht die einzigen, die da nicht reinpassen - aber wir beide wollten doch die Schubläden zu lassen, Tango! Alles, was Du in dieser Liste liest, galt - damals - als Prog. Und das meinte ich auch mit Zeiterscheinung. Aus der historischen Distanz ist diese Liste zwar authetisch, aber natürlich nicht sortenrein.

bludgeon
06.08.2009, 14:32
@Dunbar + Tango

Meiner unmaßgeblichen Privatmeinung nach hat die Zeiterscheinung "massentauglicher Prog" mit den Nachwehen von 68 zu tun. Aufbruchstimmung, alles anders machen als die Vorfahren, Räwäluschn ...
aber "wegen schlechten Wetters fand die Revolution in der Musik statt". Tucholsky rules again!
Lindenberg brachte es auf den Punkt. Im Moment kein Trend es wird reichlich gepennt..., als alle Soli ausprobiert waren.

Close to the edge war's supper dann ready und thick as a brick begab man sich auf den Stairway to heaven, bis der Punk kam und die Kinderzimmer wieder durchlüftete.

"dont know what I want, but know what I get! Anarchy! Passing by!"

roberto
21.09.2009, 23:00
@ Bludgeon - Klasse Liste (soweit ich mich da auskenne)

Da habe ich ja noch garnichts dazu gesagt . . . :häh:

Angekreuzt habe ich Genesis, Yes und Gentle Giant meine drei noch immer gehörten Bands.

Alle drei Bands stehen bei mir noch ganz oben wenn auch mit anderen Alben. . warum??

Bei Trespass bin ich durch den Winter 1977 vorbelastet. Dieses Album kam als letztes Genesis Album ins Haus, etwa zeitgleich mit einigen Altarkerzen, die in diesem Winter dauernd brannten, viel schwarzem Samson, echt ungarischer Pferdesalami und feinem Schafskäse, zwei Motorrädern, Rotwein - und einem zu all dem passenden Mädel . . Nee, bei Genesis bleibe ich bei "Selling" oder "Lamb" - aber Genesis muss sein. Und bei Trespass laufen noch immer Filme gleichzeitig los / ehrlich....

Yes - Ja! aber meine Favouriten sind "Close to the Edge" und "Fragile". Close to the Edge, weil nur drei lange, dafür aber wunderschöne Stücke drauf sind. Und Fragile, weil man an diesem sehen kann, zu welchem Kreativitärtsspagat die Jungs von Yes damals fähig waren. Da ist von Klassik bis Pop und von hart bis veträumt alles drauf in einer einmaligen Mischung. Die beiden Scheiben sind für mich fast schon die Quintessenz von ProgRock . .

Gentle Giant - die viel besprochenen, immer und überall. Die "Aquiring" war auch mal meine liebste - genau solange, bis ich das erste Mal "In a Glasshouse" hörte. Auf der erscheinen mir die Strukturen wesentlich ausgefeilter und die Buben nehmen sich auch mal nicht so ernst, da sind so richtige Fiorituren und Pralltriller drauf und drin . .

und der Rest?

Eloy - war noch nie mein Fall, die haben einfach nicht gezündet. Machten Eloy wirklich jemals Prog??

Pink Floyd - Wenn Prog dann "Umma Gumma". Als diese Scheibe rauskam und so ganz proggig loswubberte, war ich hin und weg - damals gab es die Schublade Prog noch garnicht - Höre ich heute noch gerne, so als Digestiv quasi.

Lift + Locanda delle fate + Haggard. Alle drei Gruppen sind mir bis dato unbekannt. Die Beschreibungen sind gut und auch anregend, aber der Appetit ist nicht so recht gekommen.

Mike Oldfield - ewig nicht mehr gehört. An die Incantations kann ich mich schon garnicht mehr erinnern . . steht die überhaupt noch hier???

Camel – davon haben nur noch die ersten drei hier überlebt. Mirage habe ich vor einigen Jahren zum letzten Mal gehört und fand sie noch immer ansprechend . . .

Mir fällt dabei auf, dass ich auch früher auf diese "Hauptsache schräg" exaltierten "prog dich oder ich fress dich" Alben nie wirklich gestanden habe. Handwerk hatte da immer Vorrang. Ich schätz(t)e - wenn auch nicht immer und absolut - einen klaren Kopf bei der Arbeit. Und als Fotograf lernst du, ob einer ein verwackeltes Foto als "kreative Unschärfe" verkaufen will.

Dass da aber kein Album von Van der Graaf (Generator) in dieser Liste vorkommt . . :häh:

tlw
27.03.2010, 22:55
Was ist ProgRock? ... aber dennoch bleibt der Begriff "ProgRock", der hier im Forum gern genannt wird, schwammig, allenfalls einer Zeitspanne zuzuordnen, nicht aber einem musikalischen Stil.

hi Dr. Dunbar (by the way: DER "Dunbar" aus "Catch22"?),
deiner "zeitspannen"-definition von 'progrock' kann ich leider nicht ganz zustimmen. waren die späten 60er bis mittigen 70er die klassische start- und erste blüte-phase dieser musikalischen richtung, so ist seitdem doch wohl einiges mehr im zirkusrund erschienen, als nur diese "dinos". als aktuelle beispiele aus den letzten jahren seien hier mal nur the mars volta, tool, porcupine tree, oceansize, aerogramme, kinski oder dredg genannt. selbst den grenzwertig neumetallischen deftones ('white pony') oder ewigem 90er-undergroundkult wie gypsy kyss oder last crack kann man eine 'proggige' schlagseite wohl kaum absprechen. - insofern: nein, 'progrock' ist keine "zeit(geist)spannen"-erscheinung! / lg, tlw

Dr. Dunbar
28.03.2010, 19:16
Hm, Epigonen? Kenne nicht all diese neuen Bands, aber einige schon: machen Spaß, aber ich glaube, die Zeit des Progrock ist, wie die des Southern Rock, eine gewesene...

Und nein, den Dunbar aus Joseph Heller's "IKS-Haken" (Catch 22) hatte ich gar nicht mehr auf der Agenda ;o) Ist schon fast profan der aus Aynsley Dunbar's dritter Retaliation LP...oder war's die zweite? "Dr. Dunbar's Prescription" passt auch besser zum Forum ;o) Obwohl: der Bezug zum 60er Jahre Theater gefällt mir (oder hattest Du nur den Film im Kopf?) :jau:

tlw
29.03.2010, 15:23
epigonen? - hm, spätestens bei the mars volta hätte ich da probleme mit. oder opeth, dream theater etc. wenn man allerdings den hang zu ausufernden live-jams und vertracktem gefrickel a la yes oder gentle giant oder van der graaf als maßstab nimmt, hast du natürlich teilweise schon recht...
wobei: hör dir mal die live-platte von 'pure reason revolution' an... und die sind definitiv modern und heutig.


@dunbar: ja nee, ich hatte schon den kultroman im kopf - bis heute einer meiner lieblingsschmöker und ob seiner aktualität (auch ohne direkte kriegsbezüge) immernoch gern empfohlen. Außerdem gibt das buch jede menge geiler nicks her. Ich sach nur 'major major'... :lac:



aynsley dunbar ist auf meiner musikalischen landkarte leider bis heute ein weißer fleck. kannst du mir da was empfehlen? und was für mugge macht der eigentlich...?

viele grüße, tlw

remo4
29.03.2010, 17:03
aynsley dunbar ist auf meiner musikalischen landkarte leider bis heute ein weißer fleck. kannst du mir da was empfehlen? und was für mugge macht der eigentlich...?

Eigenwerbung: Aynsley Dunbar (http://www.rockzirkus.de/lexikon/bilder/d/dunbar_aynsley/dunbar.htm)

Demon
29.03.2010, 17:30
Außer Wish you were here und Incantations kannte ich bisher nix aus
der Liste, und diese beiden sind mir unverändert wichtig. Diese Musik finde
ich zeitlos gut, sie ist so anspruchsvoll und abwechslungsreich, mehr als nur
Hintergrund-Unterhaltung.

street66
29.03.2010, 20:07
Hab jetzt doch abgestimmt und mich für Pink Floyd, Oldfield und Genesis entschieden, da die tatsächlich immer noch irgendwie im Player landen.

KUZ
30.03.2010, 14:16
Ich finde auch wie Dr. Dunbar, dass der Begriff " ProgRock" keine Musikrichtung sondern dem Zeitgeist geschuldet war. Bludgeon hat es schon gesagt, dass das damalige Format eine ca 3min Musik war, die für Hitparadenplazierungen gemacht wurden. Alles , was den damaligen Standard nicht entsprach (keine Single, sondern das Album war der Ausgangspunkt) , wurde damals, in den Endsechzigern, dann zum " ProgRock". Also z.B. Jethro Tull ( Bouree) ebenso wie Uriah Hepp ( Gypsy) oder auch Curved Air, Spooky Tooth , Ekseption, Nice , Fairport Convention, Free, Chicago (Transit Authority) , selbst Black Sabbath " Paranoid" ( kann man schön auf dem Cover der Single erkennen, auf dessen Rückseite für weitere "Progressive" Musikempfehlungen Werbung betrieben wurde)usw. In Bayern wurde zum Beispiel " Atomic Rooster: In Hearing of " mal zum perfekten Album gekürt. "Progressive Musik" war " fortschrittliche Musik", ein neuer Musikpfad. Als das dann zu vielfältig wurde, kam auch noch der Begriff " Avantgarde" auf, in die Musik von Gentle Giant, Van der Graaf und auch Yes gepackt wurde, also alles , was ein wenig " verzwackter" war als die teilweise ganz eingängigen " ProgRocker". Bei uns gabs da schon wieder die " Kämpfe" ( Igittigitt, nur ein Progressiver!!) Ich habe mich damals schon amüsiert ( ähnlich wie bei der Waschmittelwerbung, ein nahezu identischer Begriff, nur " neuer" ausgedrückt. In diesem Fall statt englisch eine französische Variante, die ja identisch ist). Nachdem also die entsprechenden Schubladen gefunden waren, fanden auch diese " Stile" Einzug in Hitparaden bzw konnten einer breiteren Hörerschaft näher gebracht werden ( Traffic, Blind Faith u.ä.). In den 70ern ist dann doch dieser Begriff eigentlich verschwunden. Ganz gut so, weil ja sonst später " Rap" auch als "Progressive Musik" eingestuft hätte werden müssen.... Wobei, mit Musik hat das Zeug ja auch nix zu tun....

Demon
30.03.2010, 14:44
Eine gute und einleuchtende Analyse!


In den 70ern ist dann doch dieser Begriff eigentlich verschwunden.
Hmm... die damit gemeinte Musik ist zwar auch seltener geworden,
aber gänzlich verschwunden ist sie nicht, siehe z.B. vieles von
Mike Oldfield. Da fehlt uns jetzt eine griffige Bezeichnung für
-- oder sollte man sich trauen, weiterhin "Prog Rock" zu sagen?
Mir käm' das bei neuerer Musik irgendwie missverständlich vor,
obwohl es im Lichte obiger Ausführungen korrekt wäre.