Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 2.versuch: wer hatte die besseren bands?
seit jahrzehnten gibts immer wieder diskussionen, wer denn die
besseren bands hatte; England oder Amerika.
es geht um die großen ikonen der 60s.
waren es nun die Stones, Cream, (Peter Green's) Fleetwood Mac,
Led Zeppelin; Family, Traffic, Ten Years After und immer so weiter,
oder kamen sie, wie die gegenseite behauptet nicht an die Dead,
Allmans, Airplane, Doors, Hendrix, Zappa, Canned Heat, etc.
heran?
wer hatte die besseren und kreativeren ideen, wer die bessere
instrumentale umsetzung?
war es vielleicht einfach nur so, daß die Amis eine sattere und
voluminösere aufnahmetechnik hatten und dadurch kraftvoller klangen.
hatten die Engländer vielleicht doch die innovativeren ideen, oder
waren sie nur kopierer?
oder waren es weder die einen noch die anderen, sondern die
krautrocker; Amon Düül besser als die Dead; das wär aber wohl
doch etwas zu provokant, oder?
was meint ihr?
Dr.House
24.05.2009, 19:09
Für mich ganz klar die Engländer da so ziemlich alles was ich höre von der Insel kommt! Selbst wenn sie nur die Beatles u. Stones hätten wäre es für mich alleine deshalb klar!
nach neueren und neuesten Gesprächen (wirklich guten!) zu diesem und ähnlichen Themen:
Mir ist völlig wurst, wo eine Band herkommt, Hauptsache sie macht was eigenständiges, was man (Nichtmusiker wie ich zB) sofort wieder erkennen kann, also zB
die Flöte und den Gesang von Ian Anderson,
den Gesang von Peter Gabriel
die Trommeln von Billy Cobham
die Atmosphäre von den Smashing Pumpkins
die Musik von VdGG
die langsame Gitarre von Peter Green
das Dahingesagt(-gesungene) von P.I.L.
die Musik von Gentle Giant
die Kraft von RatM
die Stimme von Jim Morrison
das Timbre von Yes
U.
S.
W.
Diese Auswahl ist zufällig und spontan, stellt also keine Wertung dar.
Ergo: also alles unverwechselbare, eigenständige, egal aus welcher Garage, welchem Studio, von welchem Kontinent oder aus welchem Land die Musikanten kommen etc . . . :prost:
Wenn mir die Zusatzfrage erlaubt ist: wer denkt sich wann und wieso solche wertenden Fragen aus??? was steckt hinter solchen Fragen; die Antworten darauf scheinen mir allemal interessanter . . .
Solche Fragen provozieren und regen zu Diskussionen an und ein Forum ohne Diskussionen ist öde. Deshalb finde ich Fragen dieser Art gut. Natürlich kann es keine vernünftige Antwort geben, ist auch nicht Sinn der Sache. Mit Vernunft hat Musik auch nichts zu tun.
In der Abstimmung hab ich mal England angeklickt. Wenn ich meine Sammlung ansehe und die Einträge im Lexikon des Rockzirkus, dann steht es ungefähr 60:40 für GB.
Natürlich kann es keine vernünftige Antwort geben, ist auch nicht Sinn der Sache.
100% richtig. Das können keine "vernünftigen" Antworten sein, wenn einer meint, das seine Sammlung die Antwort schon vorgibt und der andere schreibt, das sei doch klar, da er fast alles was er hört aus England kommt.
Ein bißchen arrogant vielleicht, aber da es ja auch keinen Sinn machen soll...:baeh:
Black Dog
24.05.2009, 19:59
seit jahrzehnten gibts immer wieder diskussionen, wer denn die
besseren bands hatte; England oder Amerika.
es geht um die großen ikonen der 60s.
Ach ja ?:häh:
Vermutlich habe ich bisher auf einem anderen Planeten gelebt, denn an mir sind diese schwachsinnigen "Schwanz"-Vergleiche bisher vorbei gegangen.
Nachtrag:
Um es noch deutlicher auszudrücken:
ich finde Themen, die im Kern um die Feststellung kreisen "wer hatte die besseren Bands - USA oder UK" - wie aktuell hier wieder -
Oder auch: "wer machte die aufregenderen Platten" .... und alles ähnlich gelagerte, dieses dauernde Kräfte messen....
ich finde es infantil und pubertär.
Punkt.
Ausnahme: die vom derdude ins Leben gerufene Schlacht der Titane.
Das ist ein erkennbarer Spaß und als solches agiere ich auch in den entsprechenden Themen.
Ein bißchen arrogant vielleicht,
Mit Arroganz hat doch eine Zählung nichts zu tun. :häh:
Diese Vergleiche sind doch weit verbreitet, warum nicht? Wenn jemand kein Interesse daran hat, das ist das auch in Ordnung. Warum aber soll man dem Rest der Bevölkerung derartige Fragen nicht stellen dürfen?
Genau die von Badger gestellte Frage ist uralt. Die Diskussion fand bereits Ende der 60er Jahre statt. Da war zum Beispiel eine Radiosendung. Saarbrücken(?), an die ich mich gut erinnern kann. Eine Zeitschrift, New Musical Express (?), beschäftigte sich ebenfalls damit und verglich die englischen und amerikanischen Charts. Haben wir das nicht auch bei den Charts von Sleeper angeschnitten?
Vorab @Remo mit Arroganz meinte ich nicht die gestellte Frage, sondern die Antworten. So nach dem Motto weil ich alles aus England höre oder weil ich das meiste aus England im Regal stehen habe, müssen die besseren Bands aus England kommen.
Zumindest ist es so bei mir angekommen.
Und Frage hin, Frage her, mag sein, daß mal die Charts verglichen wurden. Aber wo kommen die denn her? Das war erstmal - wertfrei - Mainstreampublikum. Und wann hatten denn die hier so gepriesenen -wertfrei - Bands denn Chartplatzierungen? Als es doch richtig spannend wurde, waren die doch schon nicht mehr vertreten.
So könnte man höchstens werten welcher Hit denn besser sei. Der US oder UK Hit. Und da mit Verlaub, bin ich nicht dabei. Auf das Spiel habe ich keine Lust.
Und wer die besseren Bands hervorgebracht hat? Auch da kann ich nichts zu sagen.
Es gibt Genres die sind einerseits in Europa entwickelt worden und andere wiederum in den USA. Nicht umsonst gab es den Begriff British Invasion und entsprechende Bands. Auf der "anderen Seite" aber Leute wie CSN, Zappa die es in dieser Art nicht annäherend in UK gab. Da gibt es noch mehr Beispiele hüben wie drüben. Und das werten?
Sorry, da mache ich nicht mit, das ist mir zu blöd.
Aber, wie erwähnt, man muß ja nicht mitmachen. Bin trotzdem gespannt auf
andere Beiträge.
Und nichts für ungut. :prost:
Und Frage hin, Frage her, mag sein, daß mal die Charts verglichen wurden. Aber wo kommen die denn her? Das war erstmal - wertfrei - Mainstreampublikum. Und wann hatten denn die hier so gepriesenen -wertfrei - Bands denn Chartplatzierungen? Als es doch richtig spannend wurde, waren die doch schon nicht mehr vertreten.
Das seh ich etwas anders.
Es waren immer wieder Interpreten in den Charts, die abseits des Mainstreams agierten und über die hier auch gelesen wird. Fast jede 7'' von Jefferson Airplane war ein Hit, fast jede der Byrds, Steppenwolf, Blue Cheer, Canned Heat, Van Morrison, Zappa, Crosby & Co, Buffalo Springfield, Sopwith Camel. Und was nicht in den Single Charts war, das kam in die LP Charts, da finden wir fast jedes Zappaalbum. Es war schon eine Kunst, nicht in den Charts gelistet zu werden.
Ich find die Frage von Badger überhaupt nicht abwegig.
Ich wuchs mit einer ganz strengen US/UK Trennung auf, weil ich von AFN runterlebte, dem einzigen Sender hier, der Rock und Pop (auch Soul und Country) 24 Stunden am Tag spielte. Das prägte amerikanisch und ganz früh wurde mir der Unterschied zu England bewusst. Die US Musik, nicht ohne Ausnahmen, aber die bestätigen die Regel, kam mir immer gradliniger vor, die englischen Bands verspielter. Im Songaufbau waren die US Bands regelhafter, es lief auf den Refrain zu, die Hookline, oft fast unerbittlich, während die Engländer da mehr Schnörkelchen reinsetzten, da noch ein französisches Horn, hier ein Pling, Schemen durchbrachen und zum Teil auch experimentierfreudiger waren. Manche US Bands klangen englisch, manche UK Bands klangen wie von jenseits des Teiches, aber dieser Unterschied, der ist mir immer aufgefallen.
Vermutlich kam das von der Hörgeschichte der Musiker, die in den USA oft mit Country, Soul und Blues sozialisiert wurden, ich weiss es nicht, ich bin kein Musiker und kein Musikwissentschaftler, das sind nur subjektive Empfindungen.
diese frage (die schon ende der 60er zum ersten mal intensiv diskutiert wurde) gerade in diesen tagen wieder auf.
im zuge des aktuellen soundboard- und radio-show-fiebers wurden mir
gestern fast gleichzeitig folgende aussagen gemacht:
(über Fleetwood Mac anläßlich einer show im Fillmore 1968)
'die jammen alles an die wand. brilliant. besser gehts nicht'
- von einem eingefleischten Deadhead, der sich vormalig über UK-bands
nur lustig machen konnte;
(über Country Joe & Quicksilver anläßlich ihrer shows im Fillmore 1971)
'ich bin begeistert. die haben ja viel mehr muskeln als unsere jungs'
- von einem englischen kumpel, der sich bis dato gerne negativ über
US-bands ausließ.
tja, was denn nun???
So könnte man höchstens werten welcher Hit denn besser sei. Der US oder UK Hit. Und da mit Verlaub, bin ich nicht dabei. Auf das Spiel habe ich keine Lust.
Darum geht es doch gar nicht.
Ich gehe ja nicht in den Plattenladen und frage: "Habt ihr was Neues aus England?"
Wohl mache ich mir Gedanken, aus welchem Land 60% meiner umfangreichen CD-Sammlung kommt. Und das ist tatsächlich England.
Es gibt unfassbare gute Band aus Übersee (ich sage nur Allman Brothers), dennoch geben mir englische Bands in der Regel mehr. Ich habe mich schon oft gefragt, warum das so ist.
Es hängt vielleicht mit der prinzipiellen Kultur und auch Natur zusammen. Wenn ich ich schäbigen Arbeitersiedlungen aufgewachsen bin, dass "passiert" sowas wie Quadrophenia von The Who. Das geht nicht in Amerika. Das geht nicht in Frankreich. Das geht nicht in Deutschland. Darum liebe ich England.
In Amerika ist alles offener, cooler, natürlicher mit endlosen Weiten. Dann passt County. Southern Rock ist sicher perfekt in verlassenen Bars in der amerikanischen Provinz. Irgendwo in den Rockys war ich mal in so ner Location. Ich sah aus wie ein 20 jähriger Bubi, um mich rum lauter verschwitzte Holzfäller, die verachtend vor sich hin brummelten. Sensationell! Das ist Amerika, da würde ich unter Umständen andere Musik hören.
Jedes Land hat einen Stil und dafür bin ich dankbar. Aber England gab mir emotional bisher am meisten.
Da muss ich nochmal zu der Häufigkeit von Scheiben aus GB und USA kommen. Im Gegensatz zu Sleepers AFN gab es bei uns nur BFBS auf UKW. Irgendwie waren das schon zwei Welten, verspielte Engländer gegen Amerikaner mit Gebläse. Für mich gab es, wie für alle Jugendlichen der 60er Jahre, viel mehr von der Insel zu hören. Alexis Korner war nicht unschuldig an den Rolling Stones, den Pretty Things, Animals oder Spencer Davis. Die haben den Blues ans Tageslicht gezerrt und nicht die US-Boys. Das ganze Beat-Zeuchs kam anschließend aus England und nicht aus den USA. Der British-Bluesboom kam und machte viele von uns strubbelig.
USA war 196x Soul und sonst nichts. OK, einen Mitch Ryder gab es da noch. In Deutschland, und speziell NRW, tauchten die Doors, Santana und so erst Ende der 60er auf.
Den Jamrock haben die Bands von der Westcoast erfunden, aber Fleetwood Mac und Cream haben ihn verfeinert. Hört ech mal die Session in Boston von Fleetwood Mac an oder die Sachen von Cream. da kommt Grateful Dead noch lange nicht mit.
Noch mal zu dem Verhältnis GB zu USA in der Plattensammlung. Die Engländer sind einfach in der Überzahl und das ist auch eine Frage des Geschmacks. Al Kooper, Blues Image, Doors, Zappa und so weiter, sind einfach klasse und wurden von mir schon immer gerne gehört, aber den Briten (und Iren, gab es eine Rory in den USA?)) gehört meine Stimme.
Interessant wurde die Entwicklung dann in den 70s, ab da war ich Ohrenzeuge.
Punk und New Wave konnten in den USA erstmal nur in zwei Zentren Fuss fassen, in New York und in L.A., beides hochgradig urbanisierte Küstengebiete, wo man etwas offener war, schon traditionell offener als etwa im mittleren Westen. In beiden Städten entwickelte sich dann eine eigene Spielart, die lange auch darauf beschränkt blieb. Der US Mainstream, den ging das erstmal gar nichts an, während in Europa die Quelle nur so sprudelte, ging das weiter mit den Eagles, mit Hall & Oates, mit R.E.O Speedwaggon und so weiter und so fort.
Nwe Order, Joy Division, die Smiths, all das gab es im Amiland kaum. Police klangen bald amerikanischer als die Amerikaner, und wenn man sich die UK Bands der 80s sonst noch so anguckt, die in Amerika Erfolg hatten, dann waren das etwa "The Fixx", "Spandau Ballet", "Thompson Twins", "Billy Idol" und "Frankie Goes To Hollywood", das waren nicht unbedingt die aufregendsten Sachen, die in der alten Welt so erklangen.
Die Amis quetschten die Rockzitrone erbarmungslos aus. Oh je, ich erinnere mich an das AFN der 80s nur mit Grausen. Es gab nur REM, die Talking Heads und die Smithereens und ganz wenige andere, die mir noch was sagen. Das war eine trübe Zeit dort drüben. Was ich halt davon mitbekam. Punk, wie er sich dann dort entwickelte, endlich, nach langen Wehen, mit den Dead Kennedys, mit Black Flag, mit "X", das war zwar hart, modern und schnell, aber nicht mehr die Welt.
Ich sass wieder fest in England. Mit XTC etwa, die wieder dieses verspielte Zeugs machten, mit Billy Bragg, den Smiths eben, The Fall, das ganze Rave Zeugs mit den Happy Mondays oder den Soup Dragons etwa.
Erst in den 90s regte sich was. Da begannen langsam die Konturen zu verschwimmen, Globalisierung. Bei Bands wie Mercury Rev, den Lemonheads, Go-Betweens oder Dinosaur Jr musste man schon nachschlagen, wo die herkamen. Mit Nirvana hatte sich der Schwerpunkt mal wieder verlagert.
Es wurde für mich etwa ab dieser Zeit unwesentlich. Der Planet ist kleiner geworden, alles ist überall sofort verfügbar. Man kann alles überall hören.
Lokale Szenerien haben sich gehalten, mal gab es eine in Schottland um Belle & Sebastian und das JEEPSTER Label, dann hatte man Bergen in Norwegen ausgemacht, dann Tucson in Arizona, oder Athens/Georgia aber das waren so lokale Sachen, die gab es ein Jahr lang, oder auch mal drei.
Tango Whiskyman
25.05.2009, 02:30
Eine sehr einfach klingende Frage, die für mich im Grunde nicht ernsthaft zu beantworten ist. Da sie aber ne schöne Diskussion auslöst, finde ich die Kritik daran ein wenig übertrieben... :roley:
In meiner Sammlung sind ebenfalls mehr Briten als Amis. Trotzdem werde ich nicht für sie stimmen, da ich das als eine zu grobe Verallgemeinerung empfinden würde. Es gab auf beiden Seiten des Atlantiks sehr verschiedene Bands die sich alle gegenseitig beeinflusst haben, da kann man schwer sagen wer was erfunden hat. Es ist ein grosses Ganzes, eine komplexe vielschichtige Entwicklung die man unmöglich in ihrer gesamten Komplexität begreifen kann. Man kann sie höchstens erahnen.
Ich kann aber sagen, dass mir der SF-Sound von den Airplane, Mad River oder Quicksilver genauso liegt/gefällt wie der Prog von VdGG oder Gentle Giant, oder der UK Underground von May Blitz, High Tide und Konsorten, oder auch die frühen Beat/Rockbands wie Kinks, Who, Beatles, oder die sogenannten "Progbands" der ersten Stunde (für mich Protoprog) - Traffic, Family, usw. All diese Bands schaffen es, mich in Begeisterung zu versetzen und das hängt nicht wirklich vom Stil ab. Mich kann erdige, natürliche Musik genauso begeistern wie etwas kunstvoll verspieltes. Allgemein stimmt es sicherlich, dass die Engländer verspielter waren. Ausnahmen gibts wie immer, die frühen Spirit sind ein gutes Beispiel... alles andere als bodenständig/erdig, im Gegensatz zu vielen anderen US-Bands. Stimmt genau was der TMBlues da schreibt, das ist eine Frage der Herkunft. Für mich ist jede dieser Bands ein kleines kulturelles Phänomen.
oder waren es weder die einen noch die anderen, sondern die
krautrocker; Amon Düül besser als die Dead; das wär aber wohl
doch etwas zu provokant, oder?
Nein, gar nicht. Ich denke mal, dass du das zwangsläufig so siehst, für dich waren die US- und UK-Bands die du in den 60ern erlebt hattest, eine Offenbarung. Der Krautrock hat sich dir viel später erst erschlossen. Und das merke ich manchmal ein wenig in dem was du schreibst (ab und zu)... da schwingt immer so ne kleine Haltung mit, dass Cream, Airplane, Mac und co die grössten waren... die Krautrocker sind zwar gut, aber gegen die Grossen aus den beiden englischsprachigen Ländern kommen sie dann doch nicht an (das mit dem "provokant" in Zusammenhang mit dem Dead-Düül-Vergleich zeigt es gut)... :blink:
Und das ist auch ein Punkt den ich noch ansprechen wollte: US und GB haben sicher die meisten Bands zu bieten (ich spreche von dem besagten Zeitraum, nicht von heute!), aber aus anderen Ländern kamen auch viele tolle Combos, allein Tasavallan Presidentti (die ich vor kurzem kennenlernen durfte) können sich beispielsweise mit jeder aber auch wirklich jeder britischen Jazzrock-Fusion-Band messen. :jau:
...
In Amerika ist alles offener, cooler, natürlicher mit endlosen Weiten. Dann passt County. Southern Rock ist sicher perfekt in verlassenen Bars in der amerikanischen Provinz. Irgendwo in den Rockys war ich mal in so ner Location. Ich sah aus wie ein 20 jähriger Bubi, um mich rum lauter verschwitzte Holzfäller, die verachtend vor sich hin brummelten. Sensationell! Das ist Amerika, da würde ich unter Umständen andere Musik hören.
Jedes Land hat einen Stil und dafür bin ich dankbar. Aber England gab mir emotional bisher am meisten.
Einspruch Euer Ehren: falls du mit "offener, cooler, natürlicher" irgendwas im Sinne von oder mit Hinblick auf Verhalten, Mentalität, Geisteshaltung oder ähnliches in jenen Landstrichen meinst, dann würde mich interessieren, wie du das meinst . . . :prost:
firebyrd
25.05.2009, 10:13
erstens gab es bei mir unterschiedliche Entwicklungen hinsichtlich des Kennenlernens und zweitens entwickelten sich daraus auch unterschiedliche Bewertungen...
Mein Einstieg in Musik schlechthin war die britische Musikszene, warum auch immer, kann ich nicht nachvollziehen. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich immer einem Spezialprogramm der BBC, deutschsprachig damals, lauschen konnte, namentlich, so glaube ich, waren das Sendungen mit den Namen "Hit 67", "Hit 68" u.s.w.(ich habe noch diese runden Badges von damals).
Hier gelangte ich in der Regel zunächst an die Titel der britischen Charts, sehr beeindruckend einst für mich!
Hier auch noch ein Stück "Zeitgeschichte" dazu:
http://www.chartsfreak.de/21.html
Einige der Titel hatten es mir jedoch besonders angetan, und das waren Titel von Bands aus Amerika, nämlich der Byrds und der Beach Boys.
Hinzu kam, dass ich bald den American HOT 100 im Radio lauschen konnte.
Da bemerkte ich, dass die Musik der amerikanischen Szene viel weit gefächerter war und mein Interesse wesentlich stärker weckte!
Im Ergebnis daher, als Zwischenstand: 1:1
Als ich dann dem Bluesboom "erlag", war das zunächst wieder ein Sieg für die Briten, denn der britische Bluesboom war es, der mich dem Blues näher brachte!
Erst nach und nach kam dann die Entdeckung, dass es auch in den USA weisse Bluesbands gab, und mit der "Entdeckung" des Blues für mich öffeneten sich abermals die Schleusen zugunsten Amerikas.
Zwischenstand : 2:2
Im Nachhinein betrachtet, habe ich den Eindruck, das die britischen Inseln ein ungeheuer kreatives Potential hatten, angeschoben oft jedoch durch Einflüsse aus den USA. Gegenseitige Befruchtung offensichtlich!
Die Musiker der USA schienen mir jedoch viel "lockerer" und wirkten oft eleganter und professioneller, aber auch "glatter" und abgeklärter!
Letzlich kann man es "halten wie ein Dachdecker", denn, wenn es um Kopieren kreativer Ideen ging, kämen wir automatisch zur Entwicklung der Musikgeschichte, landen bei der Musik, die europäische Auswanderer nach Amerika brachten, landen bei dem ersten grossen musikalischen Beitrag der USA, dem Blues, landen bei jenen, die diesen Musikeinfluss gezwungenermassen aus Afrika mitbrachten...
Wie ich vorab bereits sagte, Musik befruchtete sich gegenseitig.
Alles geschah innerhalb der Wechselwirkung eines grossen Ganzen.
Für mich persönlich ist die mich mehr ansprechende Musik letztlich jene aus den USA, jene, die sich im 20.Jahrhundert dort etablierte.
Wolfgang:jau:
Jetzt melde ich mich doch noch einmal zu dem Thema. Alle Beiträge hierzu finde ich spannend und die meisten auch differenziert.
Aber die Konklusion für mich hieraus ist, daß ich wieder mal reingefallen bin..
Ich selbst habe versucht die Frage zu verstehen und dann auch zu beantworten. Mittlerweile geht es hierum wohl garnicht mehr. Sondern vielmehr wo die Vorlieben jedes einzelnen sind. Und das kann ich auch nachvollziehen. Bei der Diskussion, die ich dann auch Klasse fänd, wäre ich voll dabei.
Aber es ging doch darum wer besser ist und nicht wo meine Vorlieben sind oder? Oder ist das Resümee - meine Vorlieben bedeutet gleichzeitig das es die besseren Bands sind? Das würde ich verstehen, akzeptieren nur bedingt.
Oder versteh ich das nur falsch oder sehe es zu verkniffen?:virrt:
Meine Top-5-Bands/Künstler
Die Reihenfolge ist nur alphabetisch, keine Wertung:
1. Beatles
2. Jethro Tull
3. Saga
4. Santana
5. Young Rascals / Rascals
:bnm:
So hatte ich letztes Jahr abgestimmt und das hat immer noch Gültigkeit.
Beatles - England
Jethro Tull - England
Saga - Kanada
Santana - USA
Young Rascals / Rascals - USA
:bnm:
Einspruch Euer Ehren: falls du mit "offener, cooler, natürlicher" irgendwas im Sinne von oder mit Hinblick auf Verhalten, Mentalität, Geisteshaltung oder ähnliches in jenen Landstrichen meinst, dann würde mich interessieren, wie du das meinst . . . :prost:
Gott bewahre! Das habe ich so natürlich nicht gemeint. Wir verstehen uns! :prost:
mich persönlich interessiert die frage seit mehr als 40 jahren und eine
antwort habe ich bisher nicht gefunden. deswegen sind mir die
ansichten der gurus; firebyrd, sleeper, knut, remo und konsorten, willkommene einsichten.
bin ja selbst mit den briten aufgewachsen, sogar noch sehr viel
enger als die meisten hier, schon aus familiären gründen, und hab
deswegen natürlich immer einen besonderen draht zu ihnen gehabt.
ich denke, sie haben viel angestoßen, haben viel bereits vorhandenes
weiterentwickelt, aber gleichzeitig auch total neue ideen vorgelegt.
auch in bezug auf intellektuelle qualität oder gar humor (in der musik)
sind sie nicht zu schlagen. sogar an großartigen instrumentalisten hat
es nie gefehlt.
aber dann wieder neigten sie zu extremen; mal zu überkandidelt, mal zu kinderpop-artig.
auch die amis waren keine stümper. manche dinge können sie
einfach besser umsetzen, andere wieder nicht.
sie hatten sicherlich die besseren aufnahmetechniken; beim ihnen
kommt alles einen tick voller, satter, kräftiger rüber. überhaupt scheinen mir ihre sänger sonorer und ihre oktaven etwas tiefer zu liegen; grad so wie ich's mag.
sie hatten einfach mehr fleisch auf dem knochen, alles etwas
substantieller. und lockerer, ungezwungener auch
(aber locker und ungezwungen waren die briten ebenfalls...).
in manchen bereichen, z.b. in der psychedelia waren die Amis nicht zu schlagen; ihre acidtriefenden gitarren gegen britische toytown-klimpereien; na, da gibts für mich keine frage, da weiß ich was ich bevorzuge.
und die west coast liegt nun mal in den USA, logisch,
daß sie dieses lebensgefühl besser rüberbringen konnten.
und trotzdem: sie hatten keine Beatles, keine Stones, ihre
besten garagenbands taten nichts anderes, als die Kinks, Them,
Yardbirds nachzuspielen...
und wenn Ten Years After oder Fleetwood Mac oder Humble Pie
ins Fillmore kamen und voll aufdrehten, dann waren sie keinen deut
weniger kräftig als die Amis und konnten (fast) genausogut und
leichtfingerig jammen....
also, ich sags nochmal, ich hab selbst keine antwort, obwohl ich
naturgemäß ein bißchen was zu den kräftigeren klängen und sonoreren
tönen tendiere.
-------------------------
in bezug auf die späteren jahre sieht die sache ganz anders aus.
da hab ich für mich längst entschieden,
wer und zu welcher zeit jeweils die besseren bands hatte.
bludgeon
25.05.2009, 22:14
Wohl mache ich mir Gedanken, aus welchem Land 60% meiner umfangreichen CD-Sammlung kommt. Und das ist tatsächlich England.
Ui, fetzt. Sooorum hab ich das überhaupt noch nicht betrachtet und wenn ich nun damit anfange, dann ist die Verblüffung gleich perfekt:
Amerika überwiegt hier; Deutschland (Ost+ West zusammengezählt) auf zwo und England kriegt nur Bronze.:häh:
Karl May und Gojko Mitic haben Spuren hinterlassen.
Dieser Hang zum Überspitzten, zum Exzentrischen bisweilen, der hat in England irgendwie Tradition. Ich ziehe da gerne meine Kreise und wühle herum in den Kammern des Langzeitgedächtnisses.
Erinnert hab ich mich an ein Buch über englische Exzentriker, extreme Menschen, die ihre Unangepasstheit fast nirgendwo so kultivierten wie in England, dieses Schrullige und Groteske. Oscar Wilde war so ein Beispiel, und das war in diesem Buch noch einer der Angepassteren.
Heute bin ich über verschlungene Pfade beim "Decorated Style" der Gotik gelandet, da kann jeder sich in der Google Bildersuche Beispiele anschauen, da haben wir auch wieder diesen verspielten Ansatz, den man in dieser Dichte sonst nirgends findet, der diese Baukunst in das Extrem getrieben hat. Schau ich mir diese Gewölbe an, dann passt das, was hier von Bagder völlig zutreffend als Toytown bezeichnet wird, als überkandidelt, als verspielt.
"Toyland" vom Alan Bown Set gibt so einen Eindruck, wo man da steht. Mir gefällt das besser. Gefiel mir immer besser als die dagegen nüchternere Art der Amis, die hatten gerade Strassen, die brauchten gerade Strassen, weil das Land weit war.
Interessant ist es, da den Blick nach Australien zu richten, das vieles mit beiden Kulturkreisen gemeinsam hat. Es wurde von England her besiedelt, es gehört noch heute zum Commonwealth, es hat viel stärkere Bindungen nach England als die USA, aber es hat die Weite der USA, es gibt Gemeinsamkeiten. Oder Neuseeland. Da muss ich erst mal nachdenken......
ich kann die frage natürlich auch nicht beantworten.
beginnen wir mal mit hendrix. war die experience jetzt dem us oder dem brit teil zuzurechnen?
aber spaß beiseite. ich glaube wir hatten hier in europa eher einen zugang bzw früheren zugang zu britischen sachen - also mich haben vermutlich die briten zu anfang stärker geprägt, die standen eine zeitlang übermächtig im regal, ich sortiere ja meine scheiben nach ländern - also da waren fast 3/4 britisch und nur 1/4 aus den staaten.
das hat sich später geändert, irgendwann hat man die interessanten britischen alben im regal - dann holen die anderen fast automatisch auf.
ich denke der westcoast sound und ähnliches ist teilweise "adult" tauglicher - oder man wird einfach mit dem älter werden sentimentaler, da kommt das dann wieder besser.
heute würde ich rückblickend auf ein klassisches 1:1 tippen, haben alle so ihre momente, westcoast hatten die briten nicht im programm, klassischen prog gab es in den staaten nicht. bei der psych einschätzung bin ich zu 100% bei badger - da kommen die amis besser.
heute würde ich mich aus der diskussion raushalten und im zweifel für die australier stimmen.
nach den stückzahlen je land möchte ich nicht gehen; da steht es bei
mir ca. 2:1 im verhältnis für die USA.
ABER: die haben auch 5 oder 6 mal soviele einwohner; und damit wäre
dann im pro kopf-verhältnis wieder die UK vorn...
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