PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Shear, Jules



firebyrd
21.03.2006, 08:25
...hier noch einmal zur "Vertiefung":

JULES SHEAR

Nie hatte er einen eigenen Hit, und hat doch so viele geschrieben.
Die vielleicht bekanntesten sind „If she knew what she wants“ von den BANGLES und
„All through the night“ von CINDY LAUPER.

Shear hat das perfekte Gefühl für griffige, aber nicht flache, Popsongs, die sehr harmonisch sind, ähnlich vielleicht wie jene der Finn-Brüder von Crowded House.

The FUNKY KINGS, JULES & THE POLAR BEARS , THE RECKLESS SLEEPERS, das sind seine Stationen mit Bands.

Darüber hinaus hat er etwa 10 eigene Platten veröffentlicht, inclusive einer Collection.

Zum „Kennenlernen“ möchte ich „Horse of a different color – The Jules Shear Collection 1976-1989“ empfehlen. Die oben genannten Hits sind hier auch im Original enthalten.

Ansonsten ein hervorragenden Überblick über einen der , wie ich meine, sehr großartigen Komponisten hervorragender Popsongs.

All’ seine „Karrierestationen“ sind hier aufgeführt durch repräsentative Beispiele.

Wolfgang
:jumpg:

Yannick
28.10.2011, 23:48
Nachdem ich seinen Namen in den Credits zu Roger McGuinn's "Back From Rio" (1991) CD als Komponist des Songs "If We Never Meet Again" gefunden hatte, welcher einer der besten der Scheibe ist, und dann im monatlich mit der Post zu meinem Onkel beförderten Mailorder-Katalog eine neue CD von Jules Shear angeboten wurde, griff ich das erste Mal in der Geschichte meiner CD-Sammlung zu, ohne vorher im Geschäft in eine Platte reingehört zu haben.

Das betreffende Album ist "The Great Puzzle" (1992), bei dem Jules Shear (Gesang, Gitarre) unter anderem von Stewart Lerman (Gitarre, Produktion), dem späteren Eagles-Sideman Steuart Smith (Gitarre) und Sammy Merendino (Drums) unterstützt wird. Neben dem vom Text her wirklich treffenden Titelsong sind meine Favoriten der Opener "The Trap Door", "The Sad Sound Of the Wind", das Duett mit Shears Lebensgefährtin Pal Shazar namens "Dreams Dissolve in Tears" sowie das rockige "Jewel in A Cobweb". Songwriter-Rock vom Feinsten mit Folk, Pop und Alternative-Einflüssen.

Dann wurde es wieder still um Jules Shear.

1998 sah ich in einem Plattenladen seine Duett-Platte "Between Us" (1998). Diese kaufte ich mir aber nicht, weil ich sie nach dem Reinhören für langweilig hielt. Ich hörte auch später immer wieder mal rein und es blieb dabei. Daß den Kritikern die Platte gefällt, hat da aber auch nix dran geändert. Vielleicht höre ich in 10 Jahren noch mal rein. Vielleicht gefällt sie mir dann.

Dank des inzwischen nicht mehr existierenden US-Import-Mailorder-Katalogs, den ich in den späten 90ern mit der Post bekam, hatte ich doch noch die Gelegenheit, mir das Album zu bestellen, welches dazwischen erschien: "Healing Bones" (1994). Darauf wird Shear unter anderem von dem Keyboarder Rod Argent und dem The Cars-Gitarristen Elliot Easton begleitet. Der Titelsong ist gut, aber um diesen zu genießen, muß man schon Shears recht nasale Stimme gern mögen.
Anspieltips fürs erste Hören wären "A Bird in That Cage", "Two Friends", "When You Finally Gonna Come Through", "Listen To What She Says" und das Cover von "The Sun Ain't Gonna Shine Anymore".

Nachdem ich diese Scheibe noch nicht allzu lang hatte, wurde sie von Shears Neuer sogleich in den Schatten gestellt: "Allow Me" (2000) ist wie ich finde nach wie vor sein bestes Werk in Albumlänge. Produziert hat wieder Stewart Lerman und Steuart Smith und Sammy Merendino sind auch wieder dabei. Ein Trio aus Backgroundsängerinnen mit Suzy Roche von The Roches hilft, gar so nasale Momente etwas zu kaschieren. Highlights sind das rockige "Love With You", das melodiöse "The More That I'm Around You", "(Convict With) The Soul Of A Child", "Hard Enough", "May the Hard Road", "Hugging Her Guitar" und "Just Another Railroad Train". Hier enthalten ist auch ein Song den Shear für The Band schrieb, auf deren 1993er Album "Jericho" er von Rick Danko gesungen wurde.

Wo genau ich Raisins In the Sun (2001), das Supergroup-Projekt von Jules Shear (Gesang), Chuck Prophet (Gesang, Gitarre), Sean Slade (Gitarre, Produktion), Paul Q. Kolderie (Bass, Produktion), Jim Dickinson (Gesang, Keyboards) und Winston Watson (Drums) entdeckte, weiß ich nicht mehr. Aber ich finde die Scheibe gelungen. Der Klappentext im Cover ist etwas merkwürdig, aber durchaus witzig. Und die Songs sind zum größten Teil rockig. "All the Way", "Chicken Fried", "Stringbean", "Post-Apocalyptic Observations", "Nobody Loses", "I Taught Her Everything" und "Candy From A Stranger" sind meine Anspieltips. Mit den Solowerken von Chuck Prophet und James Luther Dickinson habe ich bisher noch nicht wirklich etwas anfangen können, obwohl ich schon mal in die ein oder andere Scheibe reingehört habe. Könnt ihr mir da etwas bestimmtes empfehlen?

Dann wurde es wieder still. In der Anfangszeit des Internets war das auch noch nicht so ungewöhnlich wie heute.

Auf einer Website, die im Prinzip eine Liste mit angekündigten CD-Neuerscheinungen darstellt, sah ich bei meinen regelmäßigen Besuchen ein paar Jahre später eine neue Scheibe von Jules Shear: "Sayin' Hello To the Folks" (2004). Es handelt sich hierbei um ein Covers-Album. Zuerst hatte ich Bedenken, denn Shear war für mich doch eher Songwriter als ein interpretativer Sänger. Zumal seine knödelnde, näselnde Stimme doch auf Leute, denen ich ihn vorspielte zuerst eher gewöhnungsbedürftig wirkte (ähnlich wie die von Elvis Costello zum Beispiel auch). Trotzdem ist dies eine gelungene CD. Das Booklet besteht nur aus einer Seite, daher ist die Info über die Musiker spärlich. Stewart Lerman hat wieder produziert und bürgt also auch hier wieder für Qualität. Shear hat auf dieser CD eine Horn Section/Bläsergruppe dabei und das Saxophon davon wird von dem 90er Jahre-Popsänger Curtis Stigers gespielt, dank dem Nick Lowe Tandiemen-Schecks vom Bodyguard-Soundtrack bekommt. Anspieltips hier wären Bob Dylans "In the Summertime", der Closer "Breakfast In Bed", James Browns "Ain't That A Groove", "I've Got To Have A Reason", "Something You Got" und "Guess I'm Dumb".

Dann wurde es wieder still, bis in meiner Myspace-Phase mit eine Jules Shear-Seite begegnete, auf der ein neues Album angekündigt war. Allerdings wurde bei "Dreams Don't Count" (2005) auf eine etwas ungewöhnliche Instrumentierung gesetzt: Cello, Akkordion und Flugelhorn, dafür keine Drums. Ob das der Grund war, warum die Scheibe bei mir beim Probehören durchfiel, kann ich nicht sagen. Jedenfalls habe ich sie nicht angeschafft.

Irgendwann später surfte ich zufällig wieder über Jules Shears Myspace-Seite und da entdeckte ich eine Grafik, auf die weder der Text der Seite noch sonst irgend etwas Bezug nahmen. Dargestellt war das Cover eines Albums des Sängers namens Jules Mark Shear mit dem Titel More (2008). Erschienen ist dies bei dem Minilabel von Shears Publisher. Produziert haben es Sean Slade und Paul Kolderie, eine recht laute, rotzige Leadgitarre wird von Anthony Saffery gespielt. Dies dürfte die bis dato rockigste CD von Jules Shear sein. Mit "Stood Up To Leave" und "The Tide Had Turned" sind aber auch wunderbare Poprock-Perlen drauf. Weitere Anspieltips sind der Opener "I'm Coming Back", "Sea Shell", "Thick Cut Grass", "Table And Chairs" und "Her Beauty".

Mitte diesen Jahres entdeckte ich erstmals recht günstig eine gebrauchte CD von dem Album, das als die "Mutter der Unplugged-Welle" gelten muß, da Jules Shear bei den ersten Shows von MTV Unplugged sozusagen Houseband gewesen ist. Die Rede ist von "The Third Party" (1989), das Shear als Sänger mit Marty Wilson-Piper an der akustischen Gitarre im Duo-Format aufgenommen hat. Ich hatte nicht damit gerechnet, daß es gar so spärlich arrangiert ist, aber die Songs trösten problemlos darüber hinweg. Empfehlenswert sind "The Once Lost Returns", "The Girl's On Fire", der Closer "Repetition, Repetition, Repetition", "And That Was Yesterday" und "She Don't Understand You Now".

Der Allgemeinheit ist Shear eher als Autor von Songs für andere Interpreten bekannt, darunter die oben genannten Roger McGuinn, The Band, aber auch poppigere Leute wie z.B. Cyndi Lauper oder The Bangles.

Ich hoffe, mit meinem Ausgraben dieses Threads habe ich etwas Interesse geweckt, ihn euch mal anzuhören.

firebyrd
31.10.2011, 08:55
Danke für diese ausführliche Unterstützung meines Begehrens!:jumpg:

Yannick
02.11.2011, 13:51
Danke für diese ausführliche Unterstützung meines Begehrens!:jumpg:

firebyrd, was ist denn deine Lieblingsscheibe von Jules Shear (incl. diverser Bands)? Für mich ist es eindeutig "Allow Me".

firebyrd
02.11.2011, 18:44
Wenn ich so recht überlege, ist das eigentlich „The Great Puzzle“, und , weil sie so richtig schön unfertig ist, die Scheibe, die bei mir noch als LP steht – „Demo-Itis“

http://digivinyltal.blogspot.com/2008/10/jules-shear-1987-demo-itis.html

Wolfgang

Yannick
04.11.2011, 11:50
firebyrd, danke für die Antwort. Kennst du die Scheibe des Cars-Gitarristen Elliot Easton aus den 80er Jahren auf der Jules Shear (fast?) alle Songs geschrieben hat? Falls ja, ist die zu empfehlen?

firebyrd
06.11.2011, 13:42
firebyrd, danke für die Antwort. Kennst du die Scheibe des Cars-Gitarristen Elliot Easton aus den 80er Jahren auf der Jules Shear (fast?) alle Songs geschrieben hat? Falls ja, ist die zu empfehlen?


Nein, die Platte kenne ich nicht, man kann nur nicht viel Gutes darüber lesen, vor allem wird ja wohl der Gesang stark kritisiert.