roberto
01.09.2010, 22:03
Meister Zimmermann, der soll auch vertreten sein . . . denn Dylan gilt als Meister der kryptischen Andeutungen; da gibt es Texte, die auf mehreren Ebenen durchaus sinnhaft sind. Metaphern als Gelenke der Syntax – mit all dem rief und ruft er natürlich Sinndeuter auf den Plan, die sich die Köpfe heiss reden.
Ich persönlich halte es da mit Marianne Faithfull, die in ihrer Autoboigrafie sehr eindrücklich beschreibt, wie bei Bob Dylan das Texteschreiben funktioniert(e). Er gab damals im illustren Londoner Zirkel ebenso wenig Erklärungen zu seinen Texten ab, wie er das in Interviews oder sonst irgendwo bis heute tut.
Ein schönes Beispiel dafür mag „Shelter from the Storm“ sein. Das Stück wurde während der Trennung von seiner Frau Sara geschrieben, lässt sich also durchaus als Erkenntnis nach einer Trennung lesen, dass da einem klar wird, welche Frau er da verloren hat. Andererseits hatte er zu jener Zeit eine gewisse Nähe zu Joni Mitchell, jener Frau, deren Attribut eine Menge silberner Armbänder war. Und wer mag, kann die zahlreichen biblischen Metaphern aufspüren, die ausser der augenfälligen „crown of thorns“ noch in diesem Text sind.
Zur Musik.
Auch da gibt es auf den offziell zugänglichen Alben drei verschiedene Versionen. Das Original erschien 1975 auf „Blood on the Tracks“ – eine ruhige Einspielung mit akustischer Gitarre als vorherrschendem Instrument. Kurz darauf, im Jahr 1976, erschien das Live Album „Hard Rain“, die Version darauf kommt reichlich rockig daher und die 79er Version, ebenfalls live, findet sich auf „Live at Budokan“. Diese dritte Fassung ist quasi eine Mischung der beiden vorigen, die Stimmung ist wieder ruhiger trotz der elektrischen Gitarre, zusätzlich gibt es eine Bläserbegleitung. Das ist meine Lieblingsversion, weil die Stimmung am eindrücklichsten rüberkommt, und die Musik eine bestimmte Dramatik mitliefert.
„Shelter from the Storm“ als Metapher genommen, konnte man vorher bereits in dem Stück „Who´ll stop the Rain“ von Creedence Clearwater Revival hören . .
# 19 Shelter from the Storm – Bob Dylan (1978)
In einem anderen Leben war ich einer aus Qual und Blut;
als Niedertracht eine Tugend war und die Strasse voller Dreck.
Ich kam aus der Wildnis her, eine Kreatur ohne Struktur
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Und wenn ich den Weg nochmal mache, da kannst du sicher sein,
werde ich für sie mein bestes geben, da gebe ich mein Wort drauf.
In einer Welt stahläugiger Tode und Männer, die kämpfen um warm zu werden.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“
Kein Wort wurde zwischen uns gesprochen, da war kaum Risiko dabei.
Bis zu diesem Augenblick blieb vieles ungeklärt.
Stell dir einen Platz vor, an dem es immer warm und sicher ist.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
ich war vor Überarbeitung ausgebrannt, im Hagel verscharrt,
vergiftet in den Büschen, ausgelöscht auf der Spur,
gejagt wie ein Krokodil, verwüstet im Getreide.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“
Schlagartig drehte ich mich um und sie stand da
mit silbernen Armbändern am Handgelenk und Blumen in ihren Haaren.
Sie kam so anmutig auf mich zu und nahm mir die Dornenkrone ab.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Jetzt steht eine Mauer zwischen uns, irgendwas ist verloren gegangen.
Ich nahm zu viel für selbstverständlich, hielt meine Arme verschränkt –
nur um zu denken, dass alles an einem lang vergessenen Morgen begann.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Tja, der Stellvertreter marschiert stahlhart und der Prediger erklimmt einen Berg.
Aber das tut alles nichts, der Urteilsspruch allein zählt.
Und der einäugige Bestatter, der bläst sein Flügelhorn.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Ich habe eben geborene Säuglinge wimmern gehört wie eine trauernde Taube.
Und alte Männer mit zerbrochenen Zähnen, gescheitert ohne Liebe.
Verstehe ich deine Frage, Mann, ist es hoffnungslos und scheußlich?
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
In einem kleinem Gipfelbergdorf haben sie um meine Kleider gespielt.
Ich handelte für Erlösung und sie gaben mir eine tödliche Dosis.
Ich bot meine Unschuld an und erntete nur Verachtung.
„Komm rein“, sagte sie
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Ich lebe halt in einem fremden Land, ich werde aber bestimmt die Grenze überschreiten.
Die Schönheit geht auf Messers Schneide. Eines Tages hole ich sie mir.
Könnte ich nur die Uhr dahin zurückdrehen als Gott und sie geboren wurden.
„Komm rein“, sagte sie.
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
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Ich persönlich halte es da mit Marianne Faithfull, die in ihrer Autoboigrafie sehr eindrücklich beschreibt, wie bei Bob Dylan das Texteschreiben funktioniert(e). Er gab damals im illustren Londoner Zirkel ebenso wenig Erklärungen zu seinen Texten ab, wie er das in Interviews oder sonst irgendwo bis heute tut.
Ein schönes Beispiel dafür mag „Shelter from the Storm“ sein. Das Stück wurde während der Trennung von seiner Frau Sara geschrieben, lässt sich also durchaus als Erkenntnis nach einer Trennung lesen, dass da einem klar wird, welche Frau er da verloren hat. Andererseits hatte er zu jener Zeit eine gewisse Nähe zu Joni Mitchell, jener Frau, deren Attribut eine Menge silberner Armbänder war. Und wer mag, kann die zahlreichen biblischen Metaphern aufspüren, die ausser der augenfälligen „crown of thorns“ noch in diesem Text sind.
Zur Musik.
Auch da gibt es auf den offziell zugänglichen Alben drei verschiedene Versionen. Das Original erschien 1975 auf „Blood on the Tracks“ – eine ruhige Einspielung mit akustischer Gitarre als vorherrschendem Instrument. Kurz darauf, im Jahr 1976, erschien das Live Album „Hard Rain“, die Version darauf kommt reichlich rockig daher und die 79er Version, ebenfalls live, findet sich auf „Live at Budokan“. Diese dritte Fassung ist quasi eine Mischung der beiden vorigen, die Stimmung ist wieder ruhiger trotz der elektrischen Gitarre, zusätzlich gibt es eine Bläserbegleitung. Das ist meine Lieblingsversion, weil die Stimmung am eindrücklichsten rüberkommt, und die Musik eine bestimmte Dramatik mitliefert.
„Shelter from the Storm“ als Metapher genommen, konnte man vorher bereits in dem Stück „Who´ll stop the Rain“ von Creedence Clearwater Revival hören . .
# 19 Shelter from the Storm – Bob Dylan (1978)
In einem anderen Leben war ich einer aus Qual und Blut;
als Niedertracht eine Tugend war und die Strasse voller Dreck.
Ich kam aus der Wildnis her, eine Kreatur ohne Struktur
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Und wenn ich den Weg nochmal mache, da kannst du sicher sein,
werde ich für sie mein bestes geben, da gebe ich mein Wort drauf.
In einer Welt stahläugiger Tode und Männer, die kämpfen um warm zu werden.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“
Kein Wort wurde zwischen uns gesprochen, da war kaum Risiko dabei.
Bis zu diesem Augenblick blieb vieles ungeklärt.
Stell dir einen Platz vor, an dem es immer warm und sicher ist.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
ich war vor Überarbeitung ausgebrannt, im Hagel verscharrt,
vergiftet in den Büschen, ausgelöscht auf der Spur,
gejagt wie ein Krokodil, verwüstet im Getreide.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“
Schlagartig drehte ich mich um und sie stand da
mit silbernen Armbändern am Handgelenk und Blumen in ihren Haaren.
Sie kam so anmutig auf mich zu und nahm mir die Dornenkrone ab.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Jetzt steht eine Mauer zwischen uns, irgendwas ist verloren gegangen.
Ich nahm zu viel für selbstverständlich, hielt meine Arme verschränkt –
nur um zu denken, dass alles an einem lang vergessenen Morgen begann.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Tja, der Stellvertreter marschiert stahlhart und der Prediger erklimmt einen Berg.
Aber das tut alles nichts, der Urteilsspruch allein zählt.
Und der einäugige Bestatter, der bläst sein Flügelhorn.
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Ich habe eben geborene Säuglinge wimmern gehört wie eine trauernde Taube.
Und alte Männer mit zerbrochenen Zähnen, gescheitert ohne Liebe.
Verstehe ich deine Frage, Mann, ist es hoffnungslos und scheußlich?
„Komm rein“, sagte sie,
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
In einem kleinem Gipfelbergdorf haben sie um meine Kleider gespielt.
Ich handelte für Erlösung und sie gaben mir eine tödliche Dosis.
Ich bot meine Unschuld an und erntete nur Verachtung.
„Komm rein“, sagte sie
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
Ich lebe halt in einem fremden Land, ich werde aber bestimmt die Grenze überschreiten.
Die Schönheit geht auf Messers Schneide. Eines Tages hole ich sie mir.
Könnte ich nur die Uhr dahin zurückdrehen als Gott und sie geboren wurden.
„Komm rein“, sagte sie.
„ich werde dir Zuflucht vor dem Sturm geben“.
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