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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Max's Kansas City



Knut
06.11.2010, 14:28
Es gab eine Zeit in meinem Leben in der ich definitiv mehr Zeit verbrachte als zuhause. Etwa fünf Jahre, so Ende der 60er/Anfang 70er dauerte diese Phase, in der ich (fast) täglich in verschiedenen Musikkneipen zu finden. Meistens jedoch in einer. Jeder, der mich treffen wollte, wusste, dass ich irgendwann vorbei komme. Und wenn es nur für ein paar Minuten war.

An diese Zeit fühlte ich mich erinnert, als ich jetzt Fotos aus dieser Zeit sah. Es war aber nicht die Kneipen und Clubs aus meiner Stadt, nein es waren Aufnahmen aus New York. Aus dem legendären Max’s Kansas City.

In diesem Club spielte eine Dekade lang die Musik. Er wurde Ende 65 von Mickey Ruskin eröffnet und schloss Ende 74 um dann 1975 wieder neu eröffnet zu werden. Unter anderen Besitzern.

Ich wäre gerne in den fünf Jahren dort Stammgast gewesen, in der ich jedoch in der Provinz aufwuchs und dort Musik kennenlernte. Jedoch nur bedingt live und nicht so intensive, wie es in Clubs möglich war und ist. Ob ich es „überlebt“ hätte, ist eine andere Frage.

Die Atmosphäre bei Max’s machte nicht nur die Musik aus, sondern auch andere, regelmäßige, Gäste. Künstler wie Liechtenstein, Judd, Serra, de Kooning waren zu sehen, aber auch Leute wie Borroughs, Glass, Castelli etc. Ebenfalls der Clan um Warhols Factory, incl. der Velvet Underground. Eine endlos lange Liste wäre es, hier alle aufzuschreiben die dazu beitrugen Max’s zu einem angesagten Club zu machen.

Downstairs wurde getrunken und gegessen, upstairs spielte die Musik. Und was für welche.

Egal ob Blues, Rock, Reggae, Folk, Glam und später Punk, es gab keine Grenzen. Hier mal ein Teil der Gigs aus dem Jahre 1973. Es spielten

Bands – Bachmann Turner Overdrive, Little Feat, Dan Hicks and his Hot Licks, Bob Marley and the Wailers, If (!)

Blueser wie – Sonny Terry/Brownie McGhee, Howlin’ Wolf, Taj Mahal, Al Kooper

Singer/Songwriter – Tim Buckley, John Martyn, Willie Nelson, Waylon Jennings, Maria Muldaur, Tom Waits, Gram Parsons mit Emmylou Harris

und Bruce Springsteen, Garland Jeffries, Bonnie Raitt, Doug Sahm, Iggy Pop und, und….

Im Jahr danach waren u.a. die Atlantic Rhythm Section, Captain Beefheart, Charles Mingus, Pattie Smith und Bands wie Television und Suicide zu Gast. Überhaupt wurde der Club nach der Wiedereröffnung im Jahre 1975 ein „Hort“ des aufkommenden Punk.

Ruskin hatte den Club Ende 74 geschlossen nach dem die Kunstszene weiterwanderte,der Glamrock zurückging und das das Etablissment an Popularität verlor.

Unter dem neuen Besitzer existierte Max’s weitere fünf Jahre bis 1981. Es war die Bühne der Punkbands wie New York Dolls, Ramones, Pattie Smith, Mink deVille, B-52, The Fleshtones, Blondie, Talking Heads usw. Sid Vicious gab viele Solokonzerte hier.

Die jetzt gezeigten, vorrangig schwarz-weißen Fotos, geben einen Eindruck, wie die Atmosphäre gewesen muss. Hier passen die Begriffe Sex and Drugs and Rock in allen Varianten.

Es gibt Aufnahmen mit Janis Joplin zusammen mit Buckley, Morrissey and Warhol, Pattie Smith und ihrem Freund Mapplethorpe, Joan Baez und – immer wieder – Iggy Pop. Aber auch eine Aufnahme von Gram Parsons, der im gleichen Jahre starb, mit der jungen Emmylou Harris. Viele Aufnahmen mit bekannten und unbekannten Gästen, einige davon völlig derangiert, manche teilweise entblößt und einige völlig nackt.

Derjenige, der es nicht besser weiß würde sagen – Sodom und Gomorrha.

Trotzdem – oder vielleicht deswegen – ich wäre gerne dort gewesen. Ich bin sicher – ich hätte heute eine andere Sicht und vielleicht auch andere Einstellung zur Musik und Kunst. Und Zugang zu Punk und Glamrock.

Lou Reed hat ein schönes Nachwort über Mickey Ruskin, den Schöpfer von Max's Kansas City, geschrieben. Zu finden in dem Fotoband der zur Ausstellung in der Steve Kasher Gallery erschienen ist.

Thousands of words have been written about Max's and many mor will come. For me, it was the all-time hang, a place where I had a tab and was able to eat every day. Mickey never asked for any money. Years later, when I actually made some, I settled up. You had to have a sense of humor in those days. When Tiny Malace, editor of the Lavender Movie Review, tried to kill herself, Mickey and friends visited her in the hospital to ask her to pay her bill first should she try again.