Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Musikdiktators Progressive-Rock Leitfaden
Musikdiktator
16.07.2007, 10:18
Wie an anderer Stelle schon erwähnt unterscheide ich ja gerne zwischen Progressive Rock und Prog-Rock, wobei für mich Musiker, die zur ersten Generation von Neuerern gehören, zum Progressive Rock gehören, weil sie sich auf unsicheres Terrain begeben. D.h. also nicht nur in die Art-Rock-Richtung, sondern eben auch in andere Gebiete hinein.
Unter dem Ausdruck Prog Rock addiere ich dann all die zahlreichen Nachfolger, die sich bemühen spiel- und kompositionstechnisch anspruchsvollerer Rockmusik zu machen, was natürlich keinerlei Qualitätsurteil sein soll, sondern lediglich eine vielleicht etwas gekünstelte Unterscheidung darstellt. Für mich waren aber Bands wie Dream Theater oder Transatlantic nie wirkliche Neuerer, wie der Ausdruck progressiv eigentlich sonst ausdrücken würde.
Ansonsten erst mal kommentarlos die Alben (ausschließlich solche, die ich auch besitze, es gibt selbstredend progressive ROCK-Musik, mit der ich nichts anfangen kann):
Beatles: Revolver
Moody Blues: Days of Future Passed
Kaleidsoscope (US): Side Trips
United States of America: same
Sly and the Family Stone: A whole new Thing
Miles Davis: Bitches Brew
Blood, Sweat & Tears: same (die zweite)
The Clash: Sandinista
Chemical Brothers: Exit Planet Dust
Archive: Londinium
Aus Platzgründen hab ich The Byrds: "Sweetheart of the Rodeo" und Bee Gees: "Main Course" weggelassen, obwohl natürlich auch die auf ihre Art wegweisend waren (ob man's mag oder nicht). Und Walter(Wendy) Carlos: Switched on Bach hab ich doch weggelassen, weil's ja eigentlich wenig mit Rock zu tun hat.
Und es ist scheixschwer als Spätgeborener wirklich zu beurteilen, was seinerzeit innovativ war.
Tango Whiskyman
16.07.2007, 10:52
Eins gleich vorweg: ich werd hier jetzt nicht rumschwafeln, ob das nun Prog ist oder nicht. Ich freu mich einfach, dass du drei Scheiben reingestellt hast die mir auch sehr zusagen.
Vor allem Revolver und Days of the Future Passed sind für mich bahnbrechende Alben, die ihresgleichen suchen. Sie waren auch beide revolutionär und wenn man die Bedeutung des Ausdruckes "progressiv" ein wenig ausweitet, dann passen solche Werke da schon gut rein finde ich. Man muss das ja nicht immer aus dem Blickwinkel des "klassischen Progs" sehen.
Ach ja, und die Side Trips habe ich auch. Kaleidoscope sind eine meiner Lieblingsbands, und schon auf dem Debüt zeigten sie was sie können - eine einzigartige Verschmelzung westlicher und orientalischer Musik. Die Vorbereiter des "Gypsy-Sounds", lange bevor ein solches Genre überhaupt definiert war...insofern also sehr fortschrittlich (progressiv).
Die restlichen Scheiben hab ich nicht, einige täten mich interessieren, kommt noch irgendwann.
:jau:
firebyrd
16.07.2007, 11:00
Beatles: Revolver
Für mich ein Wendepunkt der "Fab Four", keine Frage, aber typische Rockmusik??? Progressiv sicher auf ihre Weise, mit diesem Album...(steht auch hier)
Moody Blues: Days of Future Passed
Das packe ich dann schon eher in die Schiene der Entwicklung des progressiven Rocks, der Sound der Moodys ward geboren...(steht auch hier)
Kaleidsoscope (US): Side Trips
Die Truppe um Lindley und Darrow hat mit dem Einbezug orientalischer Elemente sicher wegweisend gearbeitet... (auch anwesend bei mir)
United States of America: same
eine überdrehte Scheibe, hat sicher ihren Stellenwert, bei mir als LP, für die CD habe ich mich noch nicht "getraut"...
Sly and the Family Stone: A whole new Thing
"New Thing", ja, hier die Annäherung von Rock und Soul, sicher eine ganz andere "Schublade"..., diese Scheibe habe ich nicht...
Miles Davis: Bitches Brew
Die halte ich in der Auflistung für völlig falsch.
Davis war definitiv nie Rockmusiker, hat nie Rockmusik gespielt, hat die Elemente für SEINE MUSIK lediglich benutzt, hier allerdings noch nicht so wie später..., dennoch , im Bereich der Entwicklung des Jazz-Rocks sicher ein Meilenstein, der bei mir seinen festen Platz in der Sammlung hat..
Blood, Sweat & Tears: same (die zweite)
habe ich auch, mag ich auch, eine der frühen Exponate gelungenen Brassrocks, progressiv insofern schon auf diese Weise, aber ob das die Kriterien des Prog-Rocks erfüllt?? (ich bin hier nicht der Fachmann...)
The Clash: Sandinista
Dazu kann ich gar nichts sagen, Clash waren nie mein Fall..
Chemical Brothers: Exit Planet Dust
Die kenne ich nur namentlich, daher Stimmenthaltung
Archive: Londinium
Ich kenne LONDINIUM,wer aber war/ist ARCHIVE???
So, oben "angekreuzt" habe ich dann jene, die ich für Beispiele progressiven Rocks halte hinsichtlich ihrer Bedeutung...
Musikdiktator
16.07.2007, 11:26
Das sind doch mal interessante Stetments! Es ging mir darum, Scheiben auszuwählen, auf denen Rockmusik sich in andere Richtungen bewegt, eben progressiven Rock und nicht Prog-Rock. Das ist ja der die Unterscheidung, die ich gerne vornehme. Prog-Rock ist für mich eine (festgefahrene) Schiene.
Und für mich rockt die "Bitches Brew" schon, aber vielleicht hätte ich doch was aus der anderen Richtung her nehmen sollen (Ich dachte an "Larks' Tongue in Aspic", aber die ist halt erst von 1973). Das gleiche gilt dann natürlich für die Chemical Brothers, die ja auch eigentlich keine Rockband sind.
Und Londinium ist die 1996er Debüt-Scheibe von Archive, auf der sie psychedelische Musik mit HipHop-Elementen vermischen. Bei der Platte habe ich mich zugegeben auch ein wenig von dem Bemühen was Ausgefallenes, was mir besonders gut gefällt, reinzubauen (und wer hier kann sich davon freisprechen?) leiten lassen.
22 Punktekäfer
16.07.2007, 13:58
Ich bin ja kein Schubladenfreak, aber die Auswahl sprengt für mich den Rahmen.
Einzig Miles Davis Bitches Brew steht hier, aber in der Abteilung mit dem Anfangsbuchstaben "J".
Von Sly and the Family Stone, Moody Blues, Clash und Blood, Sweat & Tears sind hier andere Werke vertreten.
Triskell
16.07.2007, 14:32
Bei Miles Davis bin ich mit Firebyrd konform. Ausser den Beatles und Moody Blues kenne ich nichts weiter!
ich habe hier auch schwerste probleme mit der definition. es gibt natürlich verschiedene spielweisen des progressiven rock und ich kann deine erläuterung dazu auch gut nachvollziehen - allerdings bin ich der meinung sich bei schubladen nicht unbedingt am ursprünglichen sinn des wortes festzuhalten.
grund für mich: sich möglichst nah an der bedeutung festzuhalten wie es sammler auch tun, prog-rock bezeichnet schon einen bestimmten zeitrahmen und spielart. (zeitgenössisches kann man ja getrost als neo-prog oder gegebenenfalls nach einer neuen bezeichnung suchen) sonst würden ja alle sammler aneinander vorbeireden. für mich stehen eben alben wie revolver oder united states in der psych ecke (die schubladen haben ja auch nix mit qualität zu tun) aber wenn jemand prog, psych oder sonstwas für alben "anbietet" habe ich schon eine bestimmte vorstellung was das sein soll).
nichts desto trotz sind da gute alben gelistet: eben die united states, kaleidoscope, miles davis, blood sweat and tears, clash.
die letzten beiden kenne ich nicht (chemical brothers nur dem namen nach), bei sly and the family stone habe ich eventuell nachholbedarf - da bin ich, bis auf eine best of total blank).
Musikdiktator
16.07.2007, 16:29
Nun ja, es ging mir hier auch nicht darum, die Musikschublade umzudefinieren.
Aber wer sich an alte Vinyls erinnert, der weiß dass in den späten 60ern auf allerlei Scheiben, die man heute nicht mehr zu Prog-Rock zählen würde, "Progressive Rock"-Aufkleber prangten. Daher stammt auch meine Idee der Unterscheidung zwischen Prog-Rock und Progressive Rock.
Sei es wie es sei, diese Aufzählung enthält meiner Meinung nach 10 Scheiben, die die Rockmusik mit mehr oder weniger gewichtigem Einfluss in verschiedene Richtungen ausdehnte.
Ich hatte eh noch vor, ein Prog-Rock Auflistung abzuliefern.
Ich hatte eh noch vor, ein Prog-Rock Auflistung abzuliefern
yep, laß mal hören :prost:
ich dachte auch noch über ein, zwei weitere progressive listen nach (vor allem die rockigere komponente möchte ich noch dazunehmen (die ganzen vertigo alben mit prog-sticker ;-) warhorse, may blitz... )
es wäre aber auch durchaus möglich in einer anderen rubrik stilbildende, stilprägende oder auch stilübergreifende alben zu listen.
sonst könnten wir unter dem begriff volksmusik ja auch ein paar alphorn bläser mit britischen folk und us-country mixen :blink:
Interessanter Leitfaden,aber auch ich hab ein wenig meine Probleme.Ich verbinde mit Prog halt Prog-Rock und nichts anderes.Es ist ja auch ein Ausdruck für ein zeitliches Musik-Phänomen,was damals in der Rockmusik auftauchte.
Es lassen sich mit diesem Ausdruck viel leichter bestimmte Bands festmachen,die BEATLES oder SLY&THE FAMILY STONE,KALEIDOSCOPE passen da halt nicht so rein,obwohl sie ja in Ihrer damaligen musikalischen Richtung sehr "progressiv" ankamen.
Black Dog
19.07.2007, 00:18
Bin ich Non-Konformist ?
Ich bin Non-Konformist !
Insofern habe ich mich sehr gefreut, dass musikdiktator diesen - seinen speziellen - Ansatz gewählt hat.
Ich finde, sein Ansatz hat jede Menge Argumente auf seiner Seite und dass ihm so frontal der Wind ins Gesicht bläßt, kann nur die Richtigkeit seines Wegs bestätigen.
Auch wenn ich auch nicht 100% mit seiner Auswahl konform gehe.....
- Clash haben nicht unbedingt das Rad erfunden, insbesondere, wenn es um Punk/simplen R'n'R geht...aber sie waren immer sehr geschickt und bisweilen sehr innovativ.
Anyway... vielleicht hilft dieses Thema dem einen oder anderen Schubladendenker, seine eingefahrenen Hörgewohnheiten zu überdenken.
Cooler Versuch ! :prost:
Black Dog
19.07.2007, 00:27
Zurück zum Thema:
Beatles: Revolver
In der Tat progressiv
Moody Blues: Days of Future Passed
Hübsch und ich mag den Sound, aber sie waren die Zweitgeborenen.
Vorher gab es schon The Nice und Procul Harum
Kaleidsoscope (US): Side Trips
Ebenfalls meine Kragenweite.
Im Grunde genommen führten sie nur fort, was The Byrds begonnen haben.
United States of America: same
Überschätzt.
Sly and the Family Stone: A whole new Thing
.. und was wäre Sly ohne James Brown gewesen ? ;-)
Miles Davis: Bitches Brew
Progressiv bis in die Haarspitzen, auch wenn hier mancher Schubladenfreak eine Diskussion über die Grenzen von Rock vom Zaun zu brechen versucht.
Blood, Sweat & Tears: same
Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei ? BS&T oder Chicago ?
The Clash: Sandinista
s.o.
Chemical Brothers: Exit Planet Dust
Die Chemiebrüder werden zwar weithin als sehr innovativ gelobt, ich jedoch kann mit dieser Art von Musik gar nix anfangen
Archive: Londinium
gänzlich unbekannt
street66
19.07.2007, 00:51
Ich kenne hier nur die Revolver und die Sandinista. Zusätzlich noch einige Stücke von Days of future passed.
Musikdiktator
19.07.2007, 07:25
Zurück zum Thema:
Beatles: Revolver
In der Tat progressiv
Moody Blues: Days of Future Passed
Hübsch und ich mag den Sound, aber sie waren die Zweitgeborenen.
Vorher gab es schon The Nice und Procul Harum
Kaleidsoscope (US): Side Trips
Ebenfalls meine Kragenweite.
Im Grunde genommen führten sie nur fort, was The Byrds begonnen haben.
United States of America: same
Überschätzt.
Sly and the Family Stone: A whole new Thing
.. und was wäre Sly ohne James Brown gewesen ? ;-)
Miles Davis: Bitches Brew
Progressiv bis in die Haarspitzen, auch wenn hier mancher Schubladenfreak eine Diskussion über die Grenzen von Rock vom Zaun zu brechen versucht.
Blood, Sweat & Tears: same
Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei ? BS&T oder Chicago ?
The Clash: Sandinista
s.o.
Chemical Brothers: Exit Planet Dust
Die Chemiebrüder werden zwar weithin als sehr innovativ gelobt, ich jedoch kann mit dieser Art von Musik gar nix anfangen
Archive: Londinium
gänzlich unbekannt
Nun, es freut mich natürlich, dass Du meinen Ansatz unterstützt. Trotzdem muss ich natürlich an einer Stelle widersprechen. Zwar begannen die Moody Blues wohl erst ziemlich genau an dem Tag mit den Aufnahmen von "Days of future passed" als "A whiter shade of Pale" veröffentlicht wurde (12.05.1967 lt Wikipedia), aber orchestral arrangierte Scheiben wie "Ars Longa, Vita brevis" von The Nice oder "Shine on brightly" von Procol Harum erschienen definitiv nach dem "Days of future passed" Album. Aber anyway, es ging mir ja nur um die erste Generation und da gehören die Moody Blues wohl unbestritten dazu.
Blood, Sweat & Tears oder Chicago? Auch die Frage habe ich mir natürlich gestellt; weil Blood, Sweat & Tears den Sound meines Erachtens konsequenter umgesetzt haben, wurden die es.
"Sandinista" von The Clash hab ich drin wegen der zahlreichen Dub und Reggae-Einflüsse. Ich bin da zugegeben nicht so firm, ob wes andere Punkbands gab, die seinerzeit damit früher dran waren. Wenn das jemand weiß, fände ich es interessant zu erfahren.
Ja und an James Brown habe ich zugegeben gar nicht gedacht, aber Sly steht m.E. trotzdem nicht ganz zu Unrecht da.
Und nochmal, ich möchte keineswegs die Schublade Prog-Rock neu definieren, aber wenn von progressiver Musik die Rede ist, denke ich halt an so Scheiben wie oben erwähnt.
Tango Whiskyman
19.07.2007, 10:11
Vielleicht hätte man vorher genauere Regeln definieren müssen und das Ganze etwas genauer eingrenzen. Nämlich ob mit "progressiv" das gemeint sein soll was sonst darunter verstanden wird - klassischer Prog eben... oder ob es einfach Bands/Alben sein sollen, die zur Zeit der Entstehung besonders fortschrittlich oder innovativ waren, egal auf welchem Gebiet.
firebyrd
19.07.2007, 10:52
Vielleicht hätte man vorher genauere Regeln definieren müssen und das Ganze etwas genauer eingrenzen. Nämlich ob mit "progressiv" das gemeint sein soll was sonst darunter verstanden wird - klassischer Prog eben... oder ob es einfach Bands/Alben sein sollen, die zur Zeit der Entstehung besonders fortschrittlich oder innovativ waren, egal auf welchem Gebiet.
Die Überschrift lautet : PROGROCK.....:vc:
..und sonst nix:blink:
Der Ansatz ist aber interessant und sollte auch etwas ausgewaltzt werden:
Wendepunkte oder Neuerer in der Rockgeschichte
wäre ein Ansatz. Den Begriff "Meilensteine" gibt es auch, ist mir persönlich zu abgegriffen und es tauchen immer die gleichen Alben auf.
firebyrd
19.07.2007, 13:10
Der Ansatz ist aber interessant und sollte auch etwas ausgewaltzt werden:
Wendepunkte oder Neuerer in der Rockgeschichte
wäre ein Ansatz. Den Begriff "Meilensteine" gibt es auch, ist mir persönlich zu abgegriffen und es tauchen immer die gleichen Alben auf.
Das allerdings könnte ein interessanter neuer THREAD werden...
"Welche Alben haben die Welt verändert" wäre vielleicht zu hoch gegriffen, aber,egal, welche "Schublade", jeder mag hier vielleicht andere Ansichten dazu haben, wodurch oder durch welches Album eine Wende eintrat..
Ich bin gespannt...:jumpg:
street66
19.07.2007, 16:21
:häh: werden die Fab Four hier immer noch in der Kategorie Rock gehandelt?
Sie hatten zwar immer wieder einige Stücke auf ihren Alben, die rockiger sind, aber sie dann insgesamt als Rockband zu sehen...
Ich meine hier nicht die Anfangsphase der Liverpooler Buben.
Revolver mag wohl progressiv für damalige Zeit gewesen sein und ist für viele ein Meilenstein der Pop-/Rock-Geschichte, sie entfernt sich aber immer mehr meinem Geschmack. Ich mochte sie mal sehr. Mir scheint sie "zu weit weg", als dass ich mich wieder damit anfreunden kann. Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich in letzter Zeit oft "nur" das Rote oder das Blaue Album auflege. Das reicht mir meistens.
Sandinista ist wahrlich progressiv. Die Vermischung etlicher Stile gab es in diesem Ausmass kaum. Heute würde man wohl Crossover dazu sagen. Es befinden sich einige ausgesprochen gute Stücke auf dem Album. Allerdings hätte man auch das ganze auf ein Doppelalbum reduzieren können.
Ob es Clash nun gut getan hat ist eine andere Frage.
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