• Tigerlily

    Japanischer Rock'n'Roll/Rockabilly ist faszinierend. Vermutlich hat das was mit dem gefühlten Enthusiasmus dieser Musiker zu tun. Handwerklich sind diese Musiker ebenfalls auf der Höhe und normalerweise schaffen die den Spagat zwischen den 50's und den 00's mit einer Verve, dass solche Bands fast so etwas wie ein eigenes Genre geschaffen haben. Die japanische Ausrichtung ist allerdings ziemlich traditionsbehaftet. Im Zusammenspiel mit Sängern/Sängerinnen die ausser japanisch keine Sprache können (aber doch so tun müssen, als würden sie englisch singen), kommt dabei eine ziemlich kurlige Mischung heraus.

    Tigerlily sind so ein Unternehmen. Der Vierer besteht aus einer Frontfrau (Junko - Vocals) und drei Typen die die Instrumente bedienen (Miyuki - Guitar, Hiroshi - Upright Bass
    und Miu-Ken - Drums). Ich weiss nicht, ob es Tigerlily je in unsere Breitengrade geschafft haben, befürchte aber irgendwie, dass die, wie viele andere Bands dort drüben, innerhalb der eigenen Landesgrenzen stecken geblieben sind. Versauern wollte ich nicht gerade sagen, haben die Japaner doch eine enorme Musikszene. Wenn auch die Auftrittsmöglichkeiten
    für Combos wie die Tigerlilys überhaupt nicht lukrativ sein dürften. Nicht mal im musikverrückten Japan.
    Same

    Ist ein Mini-Album mit nur sechs Songs auf knapp über 12 Minuten Länge. Allerdings greift hier schon wieder mal die alte Regel, lieber 12 Minuten Klassemusik als 80 Minuten einen Langweiler. So vom Schiff aus betrachtet, sind das 5 Coverversionen und ein Original. So kann Rock'n'Roll/Rockabilly ca. 2004 tönen. Die Musikrichtung ist noch lange nicht tot, wenn da so viel Herzblut drinsteckt. Musikalisch auf höchstem Stand und aufnahmetechnisch absolute Klasse. Das ist weder unter- noch überproduziert sondern genau der Sound, den ich mir ohne weiteres noch ein paar hundert Mal ins Regal stellen würde.

    Junko hat echt eine Superstimme. Die Frau hats echt drauf. Sie variiert da wo es zu variieren gibt. Macht einen auf Sweetheart einerseits und andererseits kann sie ganz schön das Biest raushängen lassen. Lasst euch nicht von dem Cover täuschen. Die Sängerin kanns mit praktisch jeder anderen Vokalistinnen in diesem Genre aufnehmen. In der Fremdsprachenliga allerdings, da geht sie unter. Es ist wieder hier, dieses eigenartige Mischung zwischen Englisch/Japanisch. Ich hörs bei den meisten Bands nicht ob sie nun die eine oder andere Sprache singen. Das geht ineinander über. Ich vermute mal, die mixen das tatsächlich. Die englischen Teile sind sowieso nur nach Gehör gesungen und tönen dann so ähnlich wie "ma ba äilwi" (Song: "My Boy Elvis").

    You're The One

    Was beim Song "You're The One", des gleichnamigen Albums, erstaunlicherweise aber nicht zutrifft. Hier singt die Junko zwar noch immer mit einem japanischen Zungenschlag, aber das ist einer der wenigen Songs, die man tatsächlich ohne Probleme textlich verstehen kann. Hier lispelt sie sogar etwas, was mir bei den anderen Songs überhaupt nicht aufgefallen ist. Meine Güte, der pure Wahnsinn! Und das ist der grandiose Abschluss dieses Albums. Alleine schon die Tatsache, dass der Tonträger mit "Lock'n'Loll" anfängt (ungelogen, sie singt nicht R sonder L, wies im Handbuch der Klischees, Seite 263, drin steht), macht das zu einer CD von der man(n) noch träumt.

    Die zwölf Songs stammen aus dem Jahr 2005 und davon sind acht Coversongs. D.h., es kommt etwas darauf an wie man zählt. Ein mal "unknown" hab ich zu Covers hinzugezählt, andererseits ein Song eines R.Self(geddit!), grosszügigerweise der Band zugeschrieben. Diese CD fällt keinen Deut hinter das Mini-Album ab. Man höre sich mal den Uraltsong "Over And Over" an und dann sieht man was man aus solch alten Kamellen noch machen kann. Das ist autenthischer als manche bierernste Version sonst einer Combo. Obwohl, damit ich nicht falsch verstanden werde, das ist keine Komikertruppe, die nehmen die Musik sehr seriös. Ein Song wird übrigens von einem der anderen Bandmitglieder gesungen ("Come On Sugar"). Natürlich ist die Gesamtlaufzeit trotz immerhin 12 Tracks noch immer nur knapp über 28 Minuten.

    Keine Ahnung was die Truppe nach 2005 gemacht hat (oder ob überhaupt was). Müsste ich mich mal darum kümmern, aber leider ist der japanische Markt noch immer so was von abgeschottet, dass Informationen zur dortigen Szene nur sehr schwer zu erhalten sind. Beide CDs sind übrigens auf Thousands Records erschienen.


    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Tigerlily - Erstellt von: Canvey Original-Beitrag anzeigen
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