Ziemlich kurzfristig habe ich mich entschieden, Deep Purple in der Europahalle Karlsruhe anzusehen. Normalerweise meide ich solche Großevents ja. Aber Purple habe ich noch nie gesehen und man weiß ja nie, wie oft man dazu noch die Chance hat.
Überpünktlich begann Gotthard als Opener und blieben ziemlich genau 70 Minuten auf der Bühne. Die waren überhaupt nicht mein Ding.
Purple hingegen waren eine positive Überraschung für mich. Die Setlist war spannend und zog sich quer durch die Jahrzehnte guter Rockmusik. Der Sound war klasse, mir aber viel zu laut. Bekannte, mit denen ich den Gig besuchte, störte das jedoch nicht so sehr. Nachdem ich beim Grobschnitt-Review schon verwunderte "zu laut?"-Kommentare bekam, mache ich mir so langsam doch Gedanken, ob ich da zu sensibel bin. Aber meine Ohren sind nun mal die Schnittstelle zur guten Musik und ich möchte diese nicht unnötigerweise belasten. Weder mit zu lauter noch mit schlechter Musik.
Schlechte Musik gab es zum Glück keine. Klar, Ian Gillan ist bei weitem nicht mehr so gut wie früher. Er war wirklich bemüht, wirkte körperlich aber doch etwas schwach. Stimmliche Eskapaden sind leider auch nur noch sehr wenige zu erwarten. Komischerweise störte mich das nicht wirklich.
Don Airey fand ich klasse. Ich habe schon öfters gelesen, dass er nicht zu Purple passe, kann das aber in keinster Weise unterschreiben. Neben seinen unbestrittenen Fähigkeiten gefiel mir seine ruhige Ausstrahlung. Wie eigentlich von der ganzen Band.
Steve Morse an der Gitarre war aber die große Überraschung. Technisch eine eigene Welt hätte er die komplette Band sicherlich an die Wand spielen können. Tat er aber nicht. Im Gegenteil, er bewies sich als perfekter Teamplayer. Er spielte sich nicht auf, wenn er im Mittelpunkt stand und unterstützte die Band, wenn die Anderen am Zug waren. Fantastisch auch, wie er Gillans Schwächen bei dessen hohen Gesangspassagen kaum merklich überspielte. Sehr schön zu sehen, wie die Band das anerkennt und er sich in der Band wohl fühlt.
Der Gig ging ziemlich genau 1:50h. Leider gab es zum Schluss ein gellendes Pfeifkonzert, als die Jungs keine weitere Zugabe gaben. Da hatten Einige wohl vergeblich noch auf Child in Time gehofft.
Egal, ich fand's klasse! Für knappe 47€ bekam man doch einiges geboten.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Der Kerl am Videomischer, der den Gig live auf den zwei Videoleinwänden präsentierte, war RICHTIG gut. Kaum zu glauben, dass er diesen Videoschnitt live machte. Alle Achtung!


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