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Thema: Grabbelbox 2009

  1. #1
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    Standard Grabbelbox 2009

    Neues Jahr, neues Grabbelbox-Glück?
    Tja, der heutige Griff in die Altplastikschachtel-Kiste beim Roten Riesen hat sich gelohnt, jedenfalls für einen Glücksritter wie mich. Her mit dem mülligen Soundzeux, her mit den als Schrott klassifizierten Unverkäuflichkeiten...

    The Black Seeds - Into The Dojo (2007)
    Hier ist's draussen momentan so kalt wie in einem Eisschrank, vielleicht noch frostiger. Da kommen mir die Neuseeländer The Black Seeds gerade recht: Reggae, Dub, sommerlich heiss und bei solchen durch den Raum flirrenden Gute-Laune-Groove-Monstern wie "Heavy Mono E", "The Prince" oder dem herzerwärmenden "One By One" müsste meines Erachtens eigentlich gleich Tauwetter einsetzen. Meine Güte, es ist erst Januar, aber diese Scheibe wird garantiert noch so manche unserer Gartenparties veredeln... tschagatschagatschagatschaga... irgendwann wirds wieder Sommer...

    http://www.theblackseeds.com




    Spice And The RJ Band - The Will (2007)
    Immer wieder Schweden, das Land in dem offenbar schon vor Jahren sämtliche Uhren stehen geblieben sind. Anders lässt es sich kaum erklären, denn sonst würde ich nicht immer wieder auf Alben stossen die dermassen kompromisslos in den Seventies verwurzelt sind. Spice And... ist ein unbeschwert drauflos agierendes Trio um den Gitarristen/Sänger Spice (Spiritual Beggars). "The Will" könnte man grob definiert in die Stoner-Ecke stellen, aber so ganz passt das dann auch nicht so ganz, das Album ist gar nicht mal so duster, die 12 Songs glänzen immer wieder mit gelungener, eingängiger Melodieführung ("Hold On") und den Hammonds von Gastmusiker Olle Blomström. Gitarren findet man hier natürlich auch, meist hart, laut, kernig, knurrend, in passenden Situationen aber auch mal samtpfotig sanft. Fazit: Klasse Rock-Scheibe die keine Wünsche offen lässt.

    Web: Siehe irgendwo im myspace-Universum.
    (myspace-Seiten mag ich immer noch keine, auch nicht anno 2009)




    Sugarbeans - Second Hand (2007)
    Zu denen finden sich fast keine Hinweise, die Website dieser Band (sugarbeans.net) ist offenbar nicht in Betrieb. Ich tippe anhand einiger Bilder im Booklet mal auf die Ecke London, Camden Town. Nun, die Indie-Truppe um Mastermind Ray Cole (Vocals, Guitar, Piano, Songwriting) pflügt sich luftig und unbeirrt durch die Songs ihres Anführers, erinnert mich mit dieser Lockerheit durchaus an The Fratellis. Scheppernde Gitarren, Reminiszenzen an New Wave, die Sixties, die Seventies. Vom Albumtitel "Second Hand" sollte man sich nicht täuschen lassen, stimmt nicht, bloss schlecht gewählt und wer weiss, vielleicht sogar ein übles Omen in Bezug auf die Erfolgsaussichten dieser witzigen Band...

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  2. #2
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    Meine "Neverendingstory", respektive meine innige Liebesbeziehung zu den Grabbelkisten geht weiter, siehe die nachfolgenden drei Neuzugänge:

    Patty Loveless - Dreamin' My Dreams (2005)
    Countrymusic erstreckt sich bekanntlich über einen breiten Acker, reicht von traditionellem Liedgut über poliertes Hochglanzparkett bis 'rüber in den Folk-, Blues- und Rockbereich. Patty Loveless scheint ja ein richtiger Star zu sein wie meine Recherche im Nachhinein ergeben hat, trotzdem habe ich ihren Namen noch nie zuvor gehört. Klar, C&W ist nicht meine Hausweide, aber ich stolpere da immer wieder über richtig goldglänzende Nuggets die es wert sind angehört zu werden, Patty Loveless gehört auch dazu. Von "lieblos" (Loveless) übrigens keine Spur, im Gegenteil, die Dame geht beherzt zur Sache, zeigt viel Gefühl ohne auch nur einmal in den Kitsch abzugleiten und das liegt sicher auch an ihrer hochkarätigen Begleittruppe der auch der Saitenhexer Albert Lee angehört. Mehrheitlich ist "Dreamin' My Dreams" eine verträumte, eher ruhige Scheibe, erinnert mich teilweise an Platten von Linda Ronstadt und Emmylou Harris. Ach ja, Emmylou findet man hier auf der Liste der Gastmusiker, Dwight Yoakam auch...

    http://pattyloveless.com/




    Don Byron - Do The Boomerang (2006)
    Ich und der Jazz habens nicht immer leicht miteinander, aber was hier der New Yorker Klarinettist/Saxophonist Don Byron abgeliefert hat, das begeistert mich. Okay, irgendwie habe ich Glück gehabt, denn ausufernder Jazz ist das gar nicht, viel mehr Funk mit den Koordinaten von James Brown, ganz leichte Tupfer aus dem Easy-Listening-Farbtöpfchen, Motown-Soul, Bluesrock, Jazzrock. Und die Kiste wackelt und tanzt, mal undercover, mal ganz vordergründig abgeklärt, angetrieben von einer 1a-Rhythmsection, garniert mit lecker groovy Gitarren und noch grooviger Hammond, man höre sich bloss mal "Ain't That The Truth" an. Alles in allem 12 durchgehend gelungene Tracks, kein einziger Ausfall. Im Untertitel heisst die Scheibe "The Music Of Junior Walker": Don Byron hat hier wirklich eine gelungene Hommage an das einstige Pferdchen aus dem Motown-Stall fabriziert...

    http://www.donbyron.com/




    Milburn - Well Well Well (2006)
    Das Debutalbum einer Truppe aus Sheffield, Blindkauf aus der Sparte "gitarrenorientierter britischer Indierock". Mittlerweile haben sich MILBURN bereits wieder aufgelöst. Eventuell war der Erfolgsdruck doch zu gross nachdem man sie den Arctic Monkeys ins Vorprogramm gesteckt hatte. Im Prinzip ist das nicht schlecht was diese Youngsters zusammenstrickten, allerdings machen sie es dem Zuhörer nicht leicht den Zugang zu finden. Ich habe fast ein wenig den Eindruck, dass hier allzuviele Lego-Bauteile verwendet wurden und die Konstrukteure dann die Übersicht ein wenig verloren haben. Die Songs sind irgendwie nicht wirklich zwingend, haben schlussendlich zuwenig Wiedererkennungsmerkmale um sich auf Dauer an sie zu erinnern. Trotz aller Kritik gibt es schöne Ansätze, z.B. bei "Last Bus" oder dem ziemlich wilden Ausritt "Brewster".

    http://www.milburnmusic.com/

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    Geändert von Mellow (20.01.2009 um 12:21 Uhr)

  3. #3
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    Minimaler Einsatz (3 x 2 Swiss-Alpendollars) = Maximaler Gewinn (3 x extrascharfe Silberdinger)
    Klar, diese Gleichung haut nicht immer hin, aber diesmal hatte ich wieder ein goldenes Pfötchen als ich der MM-Wühlkiste zu Leibe rückte.

    The Spinatras - @midnight.com (1999)
    Schade... eine Band aus New York die offenbar nur gerade diese eine Platte produziert hat ehe sich die Bandmitglieder wieder in Big Apples Häuserschluchten zersträut haben. Gitarrist Ross "The Boss" Friedmann (Ex Dictators / Manowar) schloss sich wieder den Diktatoren an, die Spur der übrigen Mitstreiter verliert sich irgendwo zwischen Queens und Brooklyn...
    Die auf Platte gebannte Hinterlassenschaft der Spinatras darf sich hören lassen: Elektrifizierender US-Powerpop/Rock/Punk mit krachenden Drums, Säbelgitarren und einschmeichelnden Gesangsparts mit Sixties-Flair. Dylans "My Back Pages" erhält hier eine Generalüberholung die sich gewaschen hat, aber auch Zöglinge wie "Comfort Zone" oder "Ketchup" aus dem eigenen Gewächshaus brauchen sich dahinter nicht zu verstecken. Toll... ich liebe diese bunten und unbeschwerten NYC-Truppen...




    The Evaporators - Gassy Jack And Other Tales (2007)
    Von New York City nach Vancouver zu den Spasspunks THE EVAPORATORS.
    Also hier brettern, nageln und hageln die Riffs im Sekundentakt... herrlich... Sänger "Nardwuar The Human Serviette" hat es voll drauf, hangelt sich leicht angeschrägt durch die witzigen Texte, lässt sich von der Band hochschiessen wie eine Feuerwerksrakete. Yes, hier detonieren 15 schillernde Knallkörper, explodieren sinnlos am Nachthimmel und zaubern ein Lächeln ins behaarte Face des Schreiber-Bären! Und dann erst der kiss'sche Discobeat von "What If I Care About The People Who Live In The Seas Around Me?", inklusive Schummer-Farfisa... I LOVE IT!
    Die Undertones gibts schon lange nicht mehr, dafür habe ich jetzt THE EVAPORATORS entdeckt.

    http://www.theevaporators.com/




    Leaf Hound - Unleashed (2007)
    Aus der Sparte "reaktiviertes Urgestein aber bei so 'nem Comeback darf man ungeniert hinhören auch wenn das Rockrad nicht gerade neu erfunden wird". Shouter Pete French bellte anno '72 auf meiner Lieblings-Cactus "Ot'n'Sweaty" und seine Stimme hat absolut nichts an Faszination verloren, er röhrt sich gekonnt durch die 9, meist im Midtempo angesiedelten und ziemlich gitarrenlastigen Tracks. Guter alter Seventies-Hardrock, manchmal gar mit leichtem Southern-Touch, bestens geeignet um eingeschlafene Füsse zum Mitwippen zu bewegen. Einzig die Allerwelts-Ballade "Nickles And Dimes" ist etwas langweilig geraten, aber als Ersatz gibt es knochentrockene Klopfer wie "Stop, Look And Listen" oder das mit "Dedicated To The Memory Of Vincent Crane" vermerkte "Breakthrough". Das darf er natürlich covern der Mr. French, bekanntlich stand er ja anno dazumals auch bei Atomic Roosters "In Hearing Of" hinterm Mikro.

    http://www.leafhound.net

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  4. #4
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    Glen Of Guinness - No. 7 (2007)
    Eine ziemlich verrückte Band aus den Schweizer Alpen, genauer gesagt aus dem Wallis. Die geistern schon seit Beginn der 90er durch die Szene und sind mit ihrem Gute-Laune-Irish-Folk immer wieder gern gesehene Gäste in Kneipen und auf Festivals.
    Auf "No. 7" geht es 17 Pop-Hits an den Kragen. Sie zerfetzen Madonnas "La Isla Bonita", statten "Tainted Love" mit einem Banjo aus, und selbst "Sunday Bloody Sunday" wird so arrangiert, dass ich mir die Nummer anhören kann. Das Krasse an der ganzen Sache ist, dass der Bass kein Elektrobass oder Stehbass ist, nein, mich dünkt die tiefen Töne werden durchgehend von einer Tuba übernommen und verleihen den Songs einen leicht vaudevilleartigen Charakter. Stört aber keineswegs, no, ich überlege mir wirklich ob ich nicht auch umsatteln sollte. Aber dann werde ich ganz sicher aus meiner Metall-Kapelle geworfen und das will ich nun auch wieder nicht... "No. 7" jedoch macht so richtig Spass, ist ein gelungenes Abenteuer und so kann ich die Scheibe problemlos Verehrern der Pogues und dergleichen empfehlen. Das Booklet geizt leider etwas mit Informationen, dafür betrachte ich die Fotosession auf dem Flugplatz Sion als durchaus gelungen...

    http://www.glenofguinness.ch/




    Pe Werner - Beinfreiheit (2002)
    Deutschsprachige Sängerinnen werden von Deutschen selbstverständlich immer in den Schlagertopf geworfen, jedenfalls in Deutschland. Als Nichtdeutscher darf ich also frei schreiben, ohne selbstauferelegte Deutsch-Zensur im Kopf, ich darf geniessen wie ich will. Und das mache ich wann immer ich Lust und Zeit habe, ich werfe eine Platte von Pe in den Player, schliess' die Augen und lass' mich von meiner liebsten "Sonnenmacherin" abholen, mich von ihren Songs, Texten und von ihrer herzerwärmenden Stimme entführen. Ja klar, ich bin ein Romantiker, und ich mag die Pe und die deutsche Sprache und habe überhaupt kein Problem damit.
    Noch Fragen?

    http://www.pewerner.de/



    PS.
    "Beinfreiheit" entdeckte ich in einer Kiste zwischen Tekkno und durchgefallenem "Sucht-den-Superstar-Schrott".
    Ey Pe, ich denke da war das bunte CD-Cover dran schuld, dass du dermassen falsch einsortiert worden bist. Der Angestellte in dem Silberlingsgeschäft der dich in die Grabbelkiste verfrachtet hat, der war sich garantiert nicht bewusst welch' tolle und vielschichtige Musik er da entsorgt hat.


    Billy Cox & Buddy Miles - The Band Of Gypsys Return (2006)
    Im Grunde genommen mag ich ja die Musik von Jimi Hendrix, aber diese Platte ist eine Zumutung.
    Zwei nette Veteranen die sich mit nervigen "Junspundgitarristen auf dem Stevie-Ray-Trip" (Eric Gales, Kenny Olson,Sheldon Reynolds, Andy Aledort) umgeben und denken sie könnten einfach so mal am Hendrix-Vermächtnis vergreifen. Sorry Buddy, über Verstorbene soll man nicht schlecht reden (mach' ich auch nicht, "Booger Bear" war toll damals!), aber diese Produktion am Ende deines Weges ist kein Ruhmesblatt, ich liess' mich beim Kauf von deinem Namen leiten und bin absolut selber schuld wenn ich mehr (viel mehr) von "Return" erwartet habe...

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  5. #5
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    DEAD MEADOW - Old Growth (2008)
    Indiana?
    Dead Meadow?
    Alles Bahnhof?
    Richtig, mir geht es wie dem Grossteil der Musikliebhaber hier, wenn man Indiana hört, dann denkt man erst mal ans US-amerikanische Hinterland, an ellenlange unheimlich dustere Wälder und an heruntergekommene Nester die den Anschein machen, die Zeit sei vor 50 Jahren stehen geblieben. Nun, DEAD MEADOW sind zwar jüngeren Datums, die Musik mit der sie so locker herumspielen ist allerdings uralt, fast so alt wie die Gegend in der offenbar die Uhren angehalten worden sind. Aber sympathisch, sehr sympathisch sogar, verziert mit freakig psychedelischen, sinnlos durch den Raum irrenden Gitarren und Bässen, mit seltsamem Flüster-Gesang des Bandoberhauptes Jason Simon. Was anfangs träge und bleiern losgeht verwandelt sich aber je länger je mehr in ein schillerndes Farbenmeer, Akustikgitarre und Mellotron werden an den einen Stellen eingeworfen und graue Bretterzäune kriegen so einen neuen Anstrich verpasst. Die Melancholie bleibt trotzdem immer vorhanden, diesen Jungs scheint das Lachen vergangen zu sein, da muss wohl ihr Ursprung die Hand mit im Spiel haben, kann ich mir gar nicht anders vorstellen. Dennoch, DEAD MEADOW sind ein weiterer strahlender Mosaikstein in meinem musikalischen Universum.

    http://www.deadmeadow.com/




    RPWL - World Through My Eyes (2005)
    Die Truppe aus Bayern schrammt den Pink Floyd dermassen nah am Bugsprit vorbei, dass man sie glatt als Kopisten und Raubritter verklagen könnte. Das macht aber niemand weil man von PF seit '75 nichts derartiges mehr gehört hat, also lässt man sie wohl machen wovon sie wohl eh keiner abhalten kann. RPWL haben aber auch eigene Ideen im Koffer, gehen allerdings dermassen locker im floydianischen Hippie-Kostüm übers Hochseil, dass es fast beängstigend ist. Ich weiss echt nicht wie oft hier jetzt schon "Sleep" und "Start The Fire" gelaufen sind, diese beiden Eröffnungsnummer haben eine magische Anziehungskraft auf mich, wollen immer wieder geprüft werden. Ach was, die ganze Scheibe mit ihrem krautig-teutonisch/viktorianischem Flair hat's mir angetan und Yogi Lang als stimmlicher Zwillingbruder von David Gilmour ist ganz einfach herrlich. Great, romatisch perlender Artrock der bei mir Asyl kriegt ohne dass er ein Asylantragsformular auszufüllen braucht.

    http://www.rpwl.net/




    THE DUKE SPIRIT - Neptune (2008)
    Aus den Wäldern Indianas und Bayerns geht die Reise in die Wälder von Manchester... ach nee... nicht möglich... die haben da vor Jahrhunderten schon alles abgeholzt, umgesägt und zu schwimmenden Kathedralen für ihre Könige vernagelt. Und weil da jetzt dauernd der Nebel herumkriecht haben sich THE DUKE SPIRIT wohl zu Chris Goss nach California verzogen um diese Scheibe einzuspielen. Das Wo und Wie ist letztendlich nicht relevant, die Band um Sängerin Liela Moss rockt sich schwerblütig und unbeeindruckt von der kalifornischen Sonne durch diese umwerfende Platte, stellt sich in die Reihe der Gefrierfach-Unternehmungen der Rockgeschichte. Eine Portion Sixties-Garagenanteile, Wave, Rock, frühe Pretenders, Baby Animals, Indie-Geschepper à la VU, eine genaue Definition ist mir nicht möglich, aber spätestens wenn Liela so wie bei "My Sunken Treasure" loslegt, dann ist's um mich geschehen, was 'ne herrliche Sirene.
    Erschreckend ist, dass sowas ausgemustert wird und in der Wühlkiste landet, erschütternd wie es offenbar mit unserer Kulturgesellschaft talwärts geht und deshalb: Augen auf, "Neptune" ist ein weiterer Schatz den man getrost aus der G-Box ziehen darf, da gebe ich mein grabbelbox'sches Garantiewort drauf...

    http://thedukespirit.com/v2.1/

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    Geändert von Mellow (14.03.2009 um 00:12 Uhr)

  6. #6
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    TIVOL - Early Teeth (2004)
    Bei manchen Produktionen aus manchen Ländern werde ich immer vorsichtiger (oder sollte es zumindest sein!), Finnland beispielsweise ist so ein Alarm-Sirene-Fleck auf der globalen Landkarte, mit TIVOLI habe ich jedenfalls mal wieder einen Stiefel voll rausgezogen. Nun, von musikalischer Warte aus gesehen gibt es nix zu loben, die Truppe ist musikalisch unterirdisch (sollen diese Elfminüter etwa Spacerock sein?), soundtechnisch zudem auf dem Niveau der Diktaphon-Technologie von 1967 (gab es da überhaupt schon welche?). Uff... selten so mieser Mucke begegnet... kann man nicht mal mit viel Goodwill in die Weird-Ecke abschieben... verursacht aber auch dort nur Brechreiz... Kloschüssel... sorry... die schlechteste Band der Welt... und das mit grossem Abstand...




    Glücklicherweise finden sich aber auch solche Hammerdingers in den Wühlkisten:

    THE MATCHES - A Band In Hope (2008)
    Thanx God gibt es aber noch immer Lichtblicke in den Grabbelboxwühlkisten zu entdecken, THE MATCHES aus Oakland/California sind so ein Fall. Da passt alles, vom ersten bis zum letzten Ton: Die haben Esprit, die können umwerfende Pop-Songs schreiben ohne eine Sekunde lang zu nerven, die haben den Unterhaltungsdreh echt raus. THE MATCHES waven und rocken in bester 70ies/80ies-Manier, machen Tempo drauf, nehmen Tempo weg, klatschten dich an die Wand und klauben dich mit sowas wie "Darkness Rising" (Wahnsinnsballade à la Freddie Mercury) wieder weg von der Tapete. Umwerfend. Ein Silberteil das von Anfang bis Ende aufregend und spannend gestaltet ist. Okay, einziges Minus: "Yankee In A Chip Shop Remix" zum Schluss hätten sie sich sparen können, aber der Rest der Scheibe punktet problemlos...

    http://www.thematches.com/




    THE PRESIDENTS OF THE UNITED STATES - These Are The Good Times People (2008)
    Nie bewusst gehört von diesem Trio aus Seattle. Aaaaaaber... wenn einem gleich beim Opener "Mixed Up Son Of Bitch" die Ohren abzureissen drohen... phantastisch... melodiöse Abgehtanzmusik wie sie die Ramones in ihren besten Zeiten nicht besser hingekriegt haben! Dann aber tut sich das Spektrum auf, bringt Song für Song feinen ausgeklügelten Indierock/Folk/Powerpop moderner und junger amerikanischer Prägung. Selbstverständlich ist das nur ein weiterer Raubzug durch die Geschichte der populären Musik von den 1960s bis heute, aber wenn dabei solche Perlen wie "Truck Stop Butterfly" und "Loose Balloon" vom Karren fallen, dann gibt es nichts zu bemängeln. Null Negativ-Kritik meinerseits, nix, nada, niente... alles richtig gemacht und mit einer Landung wie aus dem Lehrbuch in meinem Herzhangar angekommen. Ach ja, "Flame Is Love" sollten sich mal Rhythm&Blues-Sympathisanten anhören: Great... zweieinhalb Minuten Glücksgefühle garantiert...

    http://www.presidentsrock.com/

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    Geändert von Mellow (02.04.2009 um 22:12 Uhr)

  7. #7
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    Zitat Zitat von Mellow Beitrag anzeigen
    THE PRESIDENTS OF THE UNITED STATES - These Are The Good Times People (2008)
    Nie bewusst gehört von diesem Trio aus Seattle.
    Die Same war einst die Lösung eines Rätsels und es gab sie bei ihbähh für ne Mark oder nen Teuro.

    Sie könnte Dir gefallen und geht in die gleiche von Dir beschriebenen Richtung.

  8. #8
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    GODDESS SHIVA - Sabol Sinner Schmidt (2007)
    Armin Sabol (Guitar, Vocals) und der singende Bassist Mat Sinner gehörten in der zweiten Hälfte der 70er zur Band SHIVA. Live kamen die damals offenbar gut an, im Tonstudio wollte es nicht klappen. Am Schluss des Unterfangens stand die Bandauflösung, jeder ging seinen eigenen Weg. Sabol trat vor allem als Produzent in Erscheinung (Peter Schilling, "Major Tom"), Sinner gründete seine eigene Band. Vor ein paar Jahren traf man sich wieder und beschloss das zu machen was man in den Seventies nicht auf die Reihe gekriegt hatte: Richtig, wie könnte es anders sein, ein Album. Mit Martin Schmidt (Ex LEAVES EYES) fand sich schnell der passende Trommler und dieses Mal wurde die Chose im Studio nicht versiebt.

    Der Stuttgarter Truppe GODDESS SHIVA hört man an, dass hier unbelastet und locker zur Sache geschritten wurde. Dennoch ist die Scheibe so richtig druckvoll geraten, fährt stilsicher die metallische Dampfhammerschiene lang und überzeugt mit gelungenem Songwriting. Auserdem wechseln sich Sabol und Sinner bei den Leadvocals ab was dazu führt, dass es auch im Gesangsbereich nie langweilig wird. Trotz zeitweiliger Härte gehen die Melodien nicht verloren, im Gegenteil, hier stehen ein paar feine Ohrwürmer im Angebot. Die bluesige Seite wird auch angeschnitten, allerdings begeistert mich ein Speed-Kracher wie "Red" wesentlich mehr. Fazit: Überzeugender Hardrock aus'm Schwabenland...

    http://www.goddess-shiva.com/




    MELIAH RAGE - The Deep And Dreamless Sleep (2007)
    Koninentwechsel.
    MELIAH RAGE aus Boston geistern schon seit den 80ies durch die Heavy-Szene, der Sprung an die Spitze gelang ihnen jedoch nie. Musikalisch geht es hier ebenfalls kompromisslos und hart zur Sache, die Songs auf "The Deep And Dreamless Sleep" klingen ein wenig als sei die Band auf einer benachbarten Weide von Metallica zuhause. Sie quetschen jedoch mehr heraus aus der Zitrone, gesangstechnisch sind sie da der Hetfield/Ulrich-Combo weit überlegen, Shouter Paul Souza findet immer wieder feine Melodien. Die Songs an sich gehen flüssig ins Ohr, die Gitarren sägen unbeirrt vor sich hin währenddem Drum & Bass in bester 70er/80er-Metal-Tradition das Fundament ausebnen. Eine wirklich unterhaltsame Scheibe ohne Ausfälle und die leichten Sabbath/Stoner-Einflüsse machen zudem vielleicht die Würze aus bei diesem Gebräu. Hard & Heavy muss man allerdings schon mögen, für musikalische Otto-Normalverbraucher ist das eher nichts.

    http://www.meliahrage.com/




    UNCLE EARL - Waterloo, Tennessee (2007)
    Stilwechsel, und zwar radikal.
    UNCLE EARL ist ein Damenquartett das sich leidenschaftlich dem Bluegrass und Folk hingibt. Die Wurzeln reichen hierbei bis hinüber bis in die alte Welt. Irisch angehauchtes Liedgut lässt sich ausmachen genauso wie die Beschäftigung mit Napoleon Bonaparte ("Buonaparte", "Bony On The Isle Of St. Helena"). Die 16 Songs von "Waterloo, Tennessee" sind ein grandioses Bekenntnis zu traditionellem Liedgut und wirken keinen Augenblick lang aufgesetzt. Die gelackte und polierte Country-Welt von Nashville bleibt hier glücklicherweise aussen vor und kann diese brandheisse Scheibe nicht tangieren. Mit anderen Worten: Ein Hammeralbum!

    Als Produzent amtete übrigens kein Geringerer als John Paul Jones, der es sich nicht nehmen liess, da und dort zur Mandoline zu greifen oder sich hinters Piano zu klemmen.

    http://www.uncleearl.net/

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  9. #9
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    JACK McMANUS - Either Side Of Midnight (2008)
    Sowas wie den Singer/Songwriter Jack McManus gibts eigentlich gar nicht mehr, diese Spezies müsste eigentlich wie die Dinosaurier längst ausgestorben sein. Trotzdem, dieser junge mit Piano bewaffnete Engländer der auch schon mal Amy Winehouse begleitete, erinnert mich irgendwie heftig an die Seventies, Elton John, Billy Joel & Co.: Melodiöse Popsongs vom Feinsten und eine Samtstimme die mich beispielsweise beim faszinierenden Opener "Milky Way" sehr an Colin Blunstone und seine grossartigen Soloalben erinnert. Colin mag ich ja über alles... okay, der Jugend also eine Chance, vor allem wenn's dermassen locker wie hier abgeht...

    http://www.jackmcmanus.co.uk/




    THE MOVEMENT - Revolutionary Sympathies (2005)
    Schon das Debut dieses Dänendreiers zog ich aus der Grabbelbox, hier nun also der Nachfolger der mittlerweile aufgelösten Revoluzzer-Combo um Mastermind Lukas Scherfig. Die Booklet-Widmung "Great Inspiration And Encouragement" an Paul Wellers THE STYLE COUNCIL macht auch dem letzten klar wo hier der Hammer hängt. Wer Modrock, Soul, Punk und sozialistische Denkweise mag der liegt hier goldrichtig. Diesmal wird nicht Fidel Castro gewürdigt wie auf dem Debut sondern Karl Marx. Textauszug: "Karl Marx and Friedrich Engels...they worked so hard just to save us...". Und dazu wird gebrettert und genagelt und Lukas' Stimme hängt wie beim grossen Vorbild Paul immer eine halbe Note und leicht schräg darunter. Aber genau so muss das sein...

    http://www.themovement.dk/




    GEM - Tell Me What's New (2004)
    Indie-Rock aus Utrecht der den Beweis antritt, dass offenbar die Holländer ihre Wohnwagen-Unterstände manchmal zu Probelokalen umfunktionieren. Die Band um Sänger Maurits Westerik macht das noch nicht mal schlecht, wirft sich in klassischer Rockformation (flankiert von 2 sägenden Gitarren) in die Schlacht und hantiert mit den Elementarteilchen Sixties, Punk und New Wave herum. In letzter Instanz fehlen GEM's Debut-Platte einzig die grossen Songs und der Sound dürfte etwas druckvoller sein. Anspieltipps: "The Opposite", This Is Your Life".

    Weblink gibts keinen da offenbar keine vernünftige GEM-Band-Site existiert
    und Facebook/MySpace-Dingers find' ich einfach nur grausam...

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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    NELLIE McKAY - Get Away From Me (2004)
    Blond.
    Heftig blond.
    Deswegen dumm, doof oder naiv?
    No, eine uralte Legende an der nichts dran ist, jedenfalls im Falle der New Yorker Singer/Songwriter/Pianistin Nellie McKay.
    Klar zieht sie sich gerne mal ein rosa Ballkleid an, dieses Outfit ist aber wohl eher eine persönliche, leicht spinnerte Vorliebe. Musikalisch hat sie so einiges auf dem Kasten, um nicht zu sagen sie macht mich sprachlos. Die ehemalige Musikstudentin die ihre Ausbildung mittendrin abgebrochen hat, zieht auf ihrem Debut sämtliche Register. Das musikalische Spektrum reicht von gesoftetem Gesangsjazz über Pop, Reggae, Folk, Easy Listening bis hin zum Rap. Tja, einige zappen jetzt der Nennung dieser Modern-Sparte (Rap) natürlich weiter, aber was Nellie einem hier in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Geoff Emerick (...ja der... Beatles, Sgt. Pepper und so...) auf diesen zwei kurzen CD's (insgesamt 60 Minuten, längenmässig einer Vinyl-DoLP nachempfunden) an die Ohren klatscht, ist mit allen Wassern gewaschen. Kurzum ein Juwel, ein Original, in jeder Hinsicht. Da wird auch schon mal zum berüchtigten F...- oder Sh..-Wort gegriffen, aber sie hat ja auch was zu sagen, engagiert sich als Tierschützerin bei PETA und ist auch sonst nicht gerade eine Leisetreterin. Nach dem "Get Away From Me"-Nacholgealbum überwarf sie sich denn auch mit ihrer Plattenfirma (Columbia) und ging lieber zu einem Indie-Label.
    Wie gesagt, eine umwerfende Stimme, eine umwerfende Künstlerin und umwerfende Songs. Hier finden sich reihenweise Lieder die mich auf Wolke 7 katapultieren... absolutely great... wer mal was Besonderes sucht der sollte hier unbedingt mal reinhören... und überhaupt... bei der einleitenden Klavier-Figur zum "Work Song"... da zerfliess' ich wie Butter...

    http://www.nelliemckay.com/




    M'BARKA BEN TALEB - Altocalore (2005)
    When Worlds Collide... oder wenn Orient auf Okzident trifft... oder nordarfrikanisch/arabische Sängerin und Percussionistin gesellt sich zu hochkarätigen Musikern aus Neapel. "Altocalore" ist aufgrund des arabischen Gesangs natürlich nicht unbedingt für westlich geprägte Musik-Ohren geeignet, kann aber durchaus als Brücke zwischen den Kulturkreisen verstanden werden. Klagende, morgenländische Melodien, diverse (auch exotische) Saiteninstrumente, akustisch wie elektrisch, eine Menge Strings, Keyboardteppiche, teilweise mit hypnotische Beats unterlegt. Und über diesen malerischen, manchmal ausschweifenden musikalischen Landschaften M'Barka's Stimme die förmlich zu schweben scheint. Ungewöhnlich, nichtsdestotrotz faszinierend und begeisternd, World-Music vom Feinsten, heiss wie der Scirocco der den Wüstensand aus der Sahara hinaus aufs Meer trägt.
    Glücklicherweise wurden die Texte im Booklet in italienische Sprache und ins weltumspannende Englisch übersetzt, auf diese Weise kriegt man immerhin ein wenig mit worum es in den einzelenen Songs geht...




    COBRA KILLER & KAPAJKOS - Das Mandolinenorchester (2005)
    Ein ziemlich verrücktes Experimental/Folk/Elektropop-Projekt aus Berlin, soll bloss keiner behaupten aus Germany erreiche uns keine innovative Musik aus der Weird-Ecke. COBRA KILLER sind die beiden Sängerinnen Gina V. D'Orio und Annika Line Trost, KAPAJKOS offenbar ein "Mandolinenorchester" in der Besetzung Mandoline/Bass/Keyboard/Percussion. Das ist hier eine ziemlich abgedrehte Sache, die ganzen Mandolinen sicher auch ein klein wenig gewöhnungsbedürftig, aber wenn man den Einstieg mal geschafft hat, dann kriegt man in dieser Ecke auch ein paar witzige Nummern geboten: "Chemie des Alltags" erinnert mich stark an die MONKS, ausser dass man kein Banjo zu hören bekommt sondern... eben... eine Mandoline. Die Übernummer gibts dann gegen Ende - "Lambretta Does It Better" - ein herrlicher Kracher mit dem Blick zurück in die Sixties, THE SHANGRI-LA'S lassen grüssen...

    http://www.cobra-killer.org/

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