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Thema: Grabbelbox 2009

  1. #11
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    Die nächste Runde, diesmal drei Scheiben von Bands aus der Schweiz:

    MOTHERS PRIDE – same (2007)
    Eine Band aus Luzern die schon ziemlich lange im Geschäft ist.
    Auf dem schlicht MOTHERS PRIDE betitelten Album von 2007 gibt's zwei bis drei feine Titel, allen voran den mit "boom-chicka-boom"-garnierten Reisser "Not Worth The Fame" (rechtfertigt alleine den erwerb dieser G-Box-Platte) oder das an Jayhawks/Beatles erinnernde "Old Enough To Die Young". Demgegenüber steht ein solcher wie Schwachsinn wie "Ease My Mind" (merke: wenn schon STATUS QUO dann aber richtig durchgezogen und mit genügend Druck serviert) oder der Langweiler/Gähner "Deep Blue Sea". Die ganze Chose bleibt deshalb unter dem Strich halbgar, mir scheint, MOTHERS PRIDE haben versucht auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen.

    http://www.motherspride.ch/




    PHON ROLL – Sunset Boulevard (1993)
    Tja... Legende... eine der Bands aus der Schweiz von der ich immer und ewig schwärmen werde, die tischten haufenweise gute Musik auf und hatten wirklich Charisma. Die Berner Truppe um Sänger/Gitarrist Huri Hurban und die New Yorker Shouterin Chessy Weaver (sie war mal mit Kuno Lauener, verbandelt, Kuno übrigens Produzent dieses Albums) verstand es hier in einzigartiger Weise amerikanisch geartete Sounds (evtl. "Americana"?), Bluesrock-Grooves und ich behaupte mal frech, den alten Pubrock miteinander zu verschmelzen. Die frühen Rockabilly-Wurzeln der Band sind bei dieser Platte gänzlich verschwunden, haben Platz gemacht für Heuler wie "Ten Miles Away", "Winning Back", den orgelnden Stampfer "Rosie Sue" oder das betörende Cover "Nothing But A Child" von Steve Earle. 12 Songs... kein einziger Ausfall...

    PHON ROLL (die nachdem sie einigermassen bekannt waren, das ursprüngliche "V" im Namen auf Geheiss eines gleichnamigen Konzerns in "PH" ändern mussten) hatten hier einen Volltreffer gelandet. 1995 folgte dann das vierte und (leider) letzte Album "Moon Not Same".

    Weblink: Artikel Berner Zeitung




    THE SHELL – Feel Free (2006)
    Die kleine Tour-de-Suisse endet in der Ostschweiz, genauer gesagt bei THE SHELL in St. Gallen. Obwohl... die scheinen bereits um den halben Planeten gereist zu sein, haben diese Debutplatte beispielsweise in Hamburg und Malaga eingespielt. Tja, mit der Musik kann ich allerdings herzlich wenig anfangen. Sicherlich nicht schlecht (wenn man die nötige Geduld aufbringt), leicht duster angehaucht (Goth?), meistens sehr langatmig und zähflüssig. Sprich da geht ganz einfach zu wenig, die Konstrukte verlieren sich im Nirvana oder sonstwo. Spätestens nach einer Minute beginne ich das Gros der Songs zu zappen, habe nicht die Nerven ewig zu warten ob da wirklich noch was passiert. Tja... meist geht wirklich nichts, das Trio verliert sich in seinen Songs und kommt im Regelfall zu einem Ende ohne dass eine markante Stelle im Ohr hängen geblieben wäre. Ausnahme: Track No. 11,: "Let Go To Hold On", das rockt...

    http://www.theshell.de

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  2. #12
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    THE HOLLOWAYS – So This Is Great Britain? (2007)
    Und manchmal fragt man sich dann ob man eventuell im falschen Forum ist, oder die falschen Zeitschriften liest, oder ob man ganz einfach nicht mehr "up to date" ist. Altershalber und so, weil wenn man ein gewisses Alter erreicht, hört man doch bloss noch die alte "Jugendmusik", das Zeug welches anno domini mal aktuell war.
    ABER HALT - ICH BIN NOCH LANGE NICHT ALT... ich habe Glam und Prog und den ganzen damaligen Seventies-Rumpelrock überlebt, ich stand bei Punk und Wave an vorderster Front, interessierte mich für NWOBHM, normalen Metal, war zur Stelle als in den Eighties erste junge Retrobands in antiken Truhen wühlten, konnte auf einige Brit-Pop-Dinger und im 21. Jahrhundert hab' ich unzählige, unglaublich gute Bands entdeckt.

    Trotzdem.
    Ein Nachgeschmack bleibt.
    Um ein Haar hätt' ich THE HOLLOWAYS verpasst weil ich vielleicht die falsche Bekanntschaft habe. Keiner hat mich darauf aufmerksam gemacht, absolut niemand.

    Nur schon aus diesem Grund liebe ich Grabbelkisten.
    Da verbergen sich manchmal wirkliche Goldstücke darunter, landen in der Rauswurfkiste weil ein Grossteil der Gesellschaft mit riesigen Ohrpfropfen durchs Leben walkt.

    Das Debut dieser jungen Combo aus London ist so'n Teil: Bloss schon der Name des Albums..."So This Is Great Britain?"... da werd' ich hellhörig, das riecht förmlich nach Gasse, Hinterhof, Ehrlichkeit, Ray Davies und Paul Weller, scherbelnden Secondhand-Gitarren, ausgemusterten Amps und guten Texten! Und genauso ist es, ich werde kein bisschen enttäuscht. THE HOLLOWAYS rumpeln wie eine Punkband, haben Ska drauf, können grossartige Melodien schreiben und ziehen Tony (Ex-Britenpremier) auch schon mal eins mit der Fettpfanne über, beispielsweise in der umwerfenden Hymne "Reinvent Myself?". Dabei agieren die Jungs mit nachdenklichen, gesellschaftskritischen und manchmal die eigene Generation hinterfragenden Lyrics. Aber nie wirklich böse, keine No-Future-Parolen, eher "da läuft massiv was schief". Und überhaupt... THE HOLLOWAYS haben nicht vergessen woher sie kommen: Von der Strasse... sonst wäre ein Text wie "Nothing For The Kids Today" gar nicht möglich.

    "So This Is Great Britain?" ist von 2007.
    Ich nehme mal an unter Gordon Brown ist nichts besser geworden.
    Eher im Gegenteil. Finanzkrise, Skandale, Links und Rechts geben sich auf die Nase.
    Und die (Jugend-)Arbeitslosigkeit ist so hoch wie schon lange nicht mehr.
    Es ist offenbar was faul im Staate Britannien.
    Mal schauen wann der Teekessel explodiert, ich freue mich jedenfalls schon mal riesig auf ein etwaiges Nachfolgealbum dieser Jungspunde...




    PS.
    NEWSFLASH: 5. Oktober 2009 - "No Smoke, No Mirrors" - der von mir gewünschte Nachfolge-Longplayer - da spring' ich diesmal von Beginn weg mit auf den Zug...

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  3. #13
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    WELKEN – Wieder Sehen (2004)
    Auf der einen Seite ein kleiner Einsatz, sprich 2 Alpendollars, am anderen Ende ein grosser Gewinn was sich in meiner masslosen Begeisterung für die Songs dieser (mittlerweile offenbar eingegangenen) Rockband aus der Rheinstadt Basel manifestiert.
    Rock mit deutschen Texten wird wohl für viele und auf immer ein ungeliebtes Kind bleiben, aber wenn es so satt wie bei WELKEN zur Sache geht, dann gibts für mich kein zurück: Haudrauf mit Stoner-Tendenz, scharfe Gibson-Gitarren, Donner-Getrommel, die faszinierende Stimme von Gitarrist Pascal Perrot. Die Texte sind direkt, Bestandesaufnahmen jugendlicher Gedanken jenseits von Glanz und Gloria mittelständigen Lebens. Klar, manche setzen selbstverständlich gleich die ohrigen Scheuklappen auf bei Erwähnung des Begriffes Deutschrock, aber wer sich mal die Zeit nimmt in die Ballade "Sonnenschein" oder die Krachrocker, den Titeltrack oder "Dich nicht verstehen" einzuhören, der wird positiv überrascht sein wie gut diese Symbiose funktioniert.
    Wer SELIG mag, dem könnte auch diese regionale Truppe aus der Schweiz gefallen. Und wer weiss, vielleicht findet sich diese CD ja auch in irgendeiner G-Box ennet des grossen Flusses...



    http://www.welken.ch/

    PS.
    Was passieren kann wenn man seine Webpräsenz nicht pflegt: Siehe WELKEN's Gästebuch.

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  4. #14
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    Standard AW: Grabbelbox 2009

    DOGS - Tall Stories From Under The Table (2007)
    Ein feuriger Grabbelboxherbst bis jetzt, das lass' ich mir so gefallen.
    Und wenn mir sowas wie die DOGS unterkommt... meine Güte... die 00er sind ein Spitzenjahrzehnt...

    Die DOGS aus London bescheren mir ziemlich unerwartet wieder so 'ne Grabbelgranate die mich wie stürmische Brandung gegen die Riffe klatscht, mich regelrecht wegspült, mich mitreisst, mich vierzig Minuten später benommen und nach Atem ringend, an einem einsamen Sandstrand aufwachen lässt. Die DOGS schiessen hier eine geballte Ladung Powerpop/Wave/Punk in allerhöchster Vollendung ab, da gibts nichts zu kritisieren, ohne wenn und aber, da lass' ich mich widerstandslos erobern von dieser Truppe. Unruhig, nervös, zappelig und bedrohlich (auch bei den DOGS hängt der britische Sozialfrieden ziemlich schräg an der Wand), aber ebenso druckvoll und hypnotisch. CLASH und JAM geistern mir durch den Kopf und tatsächlich... auf dem abschliessenden Track „Let It Lay“ hat sich doch tatsächlich ein gewisser Paul Weller hinters Piano geklemmt. Und dann erst „Soldier On“ - war echte ehrliche und handgestrickte Rockmusik jemals schöner?



    http://www.dogsmusic.com/
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