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Thema: 4 x Doro Pesch

  1. #1
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    Standard 4 x Doro Pesch

    So. jetz’ kommt’s: meddl from se äyties!

    Sie war die attraktive Powerzwecke von Warlock in den 80ern.
    Warlock wurden gelobt, ließen mich aber trotzdem weitgehend kalt.
    Die Aufmerksamkeit erzeugende Ausnahme war „Catch my heart“. Eine Powerballade, die Appetit auf mehr macht. Aber genau diese „mehr“ ließ auf sich warten.

    1. Force Majeure (1989) - noch unter der Bezeichnung Doro & Warlock, war eigentlich ihr erstes Soloalbum. Unter Beteiligung des Rainbow-Drummers Rondinelli bietet es abwechslungsreiche Wucht. „A whiter shade of pale“ – eine Herausforderung an der man scheitern könnte – gelingt vollkommen. Procol Harum haben den rockhistorischen Ruhm auf ihrer Seite. Doro kann für sich in Anspruch nehmen, der selbstmitleidigen Jammerarie wütendes Leben eingehaucht zu haben. Die übrigen Songs fallen diesem gigantischen Opener gegenüber vor allem textlich kräftig ab. Muss man aber nicht als Manko sehen, denn flache Texte gibt es im Hard&heavy Bereich zuhauf. Werfen wir ihr also nicht weiter vor, was Coverdale, van Halen oder Glenn Danzig auch nur selten gelingt. Und die Gitarren (Jon Devin) reißen es letztlich raus. Komponist und Produzent ist hier Joey Balin und ihm ist deutlich mehr eingefallen als Gene Simmons (!), der den Nachfolger verbockt hat.

    Anschließend geriet die Karriere deutscherseits ins Trudeln. Man kann streiten über die erste Hälfte der 90er im Leben der Doro Pesch. Ihr Management schickte sie aus, um Amerika zu erobern. Vom Ami-Standpunkt betrachtet, machte sie alles richtig: Weichgepülter Hair-Metal für den Mainstream, wildern in den Jagdgründen von REO-Speedwagon und Mr.Big und die ein oder andere Kuschelballade brachten mehr als nur Achtungserfolge und ließen die Spötter in Deutschlands Musikjounaille heimlich staunen.
    Das massenwirksame Gitarrenwürgen des Grunge verhinderte letztlich aber die ganz großen Erfolge.

    In Deutschland begann damals die Hämekampagne. Doroplatten wurden regelmäßig verrissen. Bis mitten in der HOCHzeit der Technoseuche ihre zweite Kollaboration mit Jürgen Engler von den Krupps erschien. Hier stimmt fast alles und die Presse fand wieder Gründe für Lob:

    2. „Love me in black“ (1996) – in der amazon Kritik von Jan Jaedicke wird von „Sound-Bastarden“ gesprochen, die bei den einen Begeisterung auslösen -, während sie die anderen „bierbäuchigen Altfans“ in die Flucht schlagen werden. Das trifft es ziemlich gut.
    Ich gehöre zur ersteren Kategorie.
    Es rummst gehörig, aber Melodien sind auch wieder da. Ich muss allerdings ein wenig einschränken: Das Titelstück ist die Rückkehr zum Kuschelrockmainstream pur. Und „Terrorvision“ rammelt mir zu technoid/pardon zu industrialistisch einfallslos durchs Gehör.
    „Long long way from home“ dagegen reißt schon fast alles wieder heraus. Wie einst „Catch my heart“ eine der wirklich gelungenen Hard Rock Balladen.
    Was noch fehlt, um die beiden genannten Graupen wettzumachen, leistet „Barracuda“.
    I love Heart! Batt ohlsou diss wörschen ohch!

    Dann kamen wieder Jahre der Irrungen und Wirrungen: Promiboxen, Raab/Halmich-Prügel-Show, RTL Chart Shows … Und die Metalqueen sitzt zu oft in der ersten Reihe, bei diesen zweifelhaften Events. Musikalisch kommt wieder Unausgereiftes. „Call me the wild“ enthält mit „Black Rose“ noch eine sehr feine Ballade (hat aber nix mit Thin Lizzy zu tun), klingt ansonsten wie ein schlechterer Aufguss der „Force majeure“.
    Merke: Zurück zu den Wurzeln muss nicht immer gut sein!

    Der Name Doro schien für mich erledigt. Anfang 2009 stieß ich bei youTube per Zufall auf das Video zu „let love rain on me“ von der Classic Diamonds Platte. Da war der Doro-Virus wieder da.

    Folge 1:
    3. „Classic Diamonds“(2004) – Doros Versuch mit Geigen, nach langem Zaudern doch noch als CD. Die erste Aufführung dieses Projektes live war 1996.
    Acht Jahre später kam nun auch ich ins Zaudern, bei der Kaufentscheidung:
    Zuviele Orchesterversionen anderer Bands waren zuvor an meinem Ohr vorbeigerauscht. Lediglich Kiss mit Symphony machen Spaß.
    Und nun Doro:
    Konnte das gut gehen? Aber sischer datt! weiß ich inzwischen. Die Stücke wurden neu arrangiert und Apokalyptica ähnlich übernehmen Streicher die E-Gitarrenparts. Ihre Songs sind generell melodiöser als diejenigen von Metallica, infolgedessen ist das hier für mich auch die bessere CD.

    Folge 2:
    4. „Warrior soul“ (2006), das neueste Output in meinem Archiv und die gesteigerte Bezugnahme zu „Force Majeure“! Kraftstrotzender, melodischer Hardrock, von mir aus Metal. Visitenkarte einer Powerfrau! Kein bloßes Getuckere an den Gitarren, sondern kleine feine Soli hier, großer Chorus da und dazwischen Frau Pesch mit wandelbarer Stimme wie gewöhnt. Eben noch mit ausgefahrenen Krallen - sofort wieder ganz zerbrechlich….
    Auch die unvermeidbare deutsche Nummer auf der CD „Liebe und Freundschaft“ ist meiner Meinung nach endlich mal was akzeptables, wenn man weiß, dass sie dem verstorbenen Vater Pesch gewidmet ist.
    „Ungebrochen-ungebrochen“ dagegen wäre verzichtbar gewesen. Was soll’s. Bevor die Nummer kommt, gab’s 45 Minuten satt-fett-produzierten Adrenalin-Testosteron-animating Sound!

    Interessant fand ich auch die Interviewaussage, dass die CD im Groben bereits fertig war, als sie für den „Anuk“-Film angeworben wurde. Die Dreharbeiten („es war teilweise wie in einem amerikanischen Boot-Camp“) führten zu einer derartigen Konditionserweiterung, dass ihr anschließend der Rohmix ihrer Platte zu lasch vorkam. Teilweise Neueinspielung war angesagt: Heftiger! Härter! Lauter!
    Der CD tat’s gut!
    (Die soeben erschienene „fear no evil“ ist eher wieder ein Auslassungskandidat.)
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  2. The Following 4 Users Say Thank You to bludgeon For This Useful Post:

    ami (07.03.2009), Black Dog (31.07.2011), Canvey (07.02.2009), Demon (17.04.2012)

  3. #2
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    Standard Doro Pesch - True At Heart

    Guck mal einer an, da schau her... der Bludgeon !

    Ich steh ja immer noch, nach etwa 25 Jahren, auf "I Rule The Ruins". (Track eines WARLOCK-Albums). Power-Metal in Frühform.

    Richtig ist, dass Doro Pesch eine markante Stimme hat, die viele Stilrichtungen adeln kann.

    1991 erschien True At Heart, Barry Beckett saß auf dem Produzentenstuhl.

    Nicht alles, das auf diesem Album erklingt, ist Gold. Acht von zwölf Songs sind im Midtempo- oder Balladenspektrum angesiedelt. Acht Pluspunkte.

    Der schnelle Opener "Cool Love", mit Abstrichen, erreicht auch noch knapp das Ziel.

    Drei Nieten, Hardrock. Die Songs und ihre Ausführung sind mir zu formelhaft. 'Speedy', aber für meinen Geschmack zu ausgelutscht. Kein Überraschungsmoment, zu vorhersehbar. Bei diesen Tracks hat Mr. Beckett offensichtlich ein Nickerchen gemacht. Ansonsten hätte er diese Aufnahmen verweigert.
    music was my first love and it will be my last (John Miles)

  4. #3
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    Standard AW: 4 x Doro Pesch

    Zitat Zitat von bludgeon Beitrag anzeigen
    Warlock wurden gelobt, ließen mich aber trotzdem weitgehend kalt.
    Das ist auch meine Erinnerung.

    Und den Namen "Doro Pesch" habe ich damals zwar wahrgenommen, aber
    ihre Solokarriere ist dann völlig an mir vorübergegangen. (Ja ja, Demon
    und seine 90s...).
    Nach der Erwähnung hier im Forum und Holgers Tip (danke!) hab' ich jetzt
    bisschen was nachgeholt; folgende drei Alben, nach obigen Empfehlungen:

    Force Majeure (1989)
    ... ist bester 80er-Hardrock genau nach meinem Geschmack.


    Classic Diamonds(2004)
    – Doros Versuch mit Geigen [...]
    Konnte das gut gehen? Aber sischer datt! weiß ich inzwischen. Die Stücke
    wurden neu arrangiert und Apokalyptica ähnlich übernehmen Streicher die
    E-Gitarrenparts. Ihre Songs sind generell melodiöser als diejenigen von
    Metallica, infolgedessen ist das hier für mich auch die bessere CD.
    Bitte nicht lachen: Mich erinnert die Art, wie Doro hier die Streicher
    einsetzt, teilweise fast bisschen an Disco-Musik. Nein, das ist nicht
    abwertend gemeint; ich finde es wahnsinnig unterhaltsam und stehe
    dazu.

    Nur für eine Kleinigkeit gehört Doro geteert und gefedert: Das
    gehauchte "Jaaah..." am Ende von "Tausend mal gelebt". Das macht
    aus einem gar nicht mal so schlechten Song eine Lachnummer.
    Arrgh...!!!


    Warrior soul (2006)
    [...]die gesteigerte Bezugnahme zu „Force Majeure“! Kraftstrotzender,
    melodischer Hardrock,
    aber 100 %ig!
    von mir aus Metal.
    Nein. Langsam, schwerfällig, stampfend, basslastig, in die Tiefe gehend,
    jede Note auskostend - für mich das Gegenteil von Metal. Traditioneller als
    Force Majeure. Dass ich sowas im 21. Jahrhundert nochmal erleben darf!



    PS: Die Cover von "Force Majeure" und "Warrior Soul", die gehen natürlich
    gar nicht. Zum Davonlaufen! Das sind Beiträge zum Grand Prix des schlechten
    Geschmacks. Schon 1989 war das nur schwer entschuldbar, aber 2005...
    tsss....

  5. #4
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    Standard AW: 4 x Doro Pesch

    Zitat Zitat von Demon Beitrag anzeigen

    Nur für eine Kleinigkeit gehört Doro geteert und gefedert: Das
    gehauchte "Jaaah..." am Ende von "Tausend mal gelebt". Das macht
    aus einem gar nicht mal so schlechten Song eine Lachnummer.
    Arrgh...!!!
    Echt? Ist das so? Die deutschen Nummern programmiert meine Anlage inzwischen schon selber weg, bzw. der Skiptastenreflex ist praktisch angeborn. Nee, ihre deutschen Nummern gehen gar nicht. Nicht erst wegen der Schlussseufzer.


    Zitat Zitat von Demon Beitrag anzeigen
    PS: Die Cover von "Force Majeure" und "Warrior Soul", die gehen natürlich
    gar nicht. Zum Davonlaufen! Das sind Beiträge zum Grand Prix des schlechten
    Geschmacks. Schon 1989 war das nur schwer entschuldbar, aber 2005...
    tsss....
    Was das angeht, da bleib ich Barbar!
    Was soll daran schlecht sein? Dass man was erkennt?
    Wär'n dir 3 Kandinsky-Dreiecke (mit Untertitel "Frau") gemalt in blassen Pastelltönen lieber gewesen?
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  6. #5
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    Standard AW: 4 x Doro Pesch

    Zitat Zitat von bludgeon Beitrag anzeigen
    [re. "Tausend Mal gelebt"] Echt? Ist das so?
    In der Tat. Ich reagiere sonst sehr empfindlich auf deutsche Texte, die ich
    blöd oder peinlich finde, aber bei "Tausend Mal gelebt" war das nicht der Fall.

    Außerdem ist mir Doros Stimme bei dem Titel besonders positiv aufgefallen.
    Beim zweiten Hinhören hatte ich den Eindruck, dass sie überhaupt auf dem
    Album (Classic Diamonds) - anders klingt als auf den beiden anderen.
    Dieser Gesangsstil kommt ihrer Stimme offenbar sehr entgegen.

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