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Thema: Kaleidoscope (US)

  1. #1
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    Standard Kaleidoscope (US)

    I know that we performed for I don't know how many zillions of people that heard that, but I know that absolutely none of them heard the records. (Crill)

    Kaleidoscope war eine angesagte und sehr gute Live Band der 60er, sie produzierten nur vier Alben, und eine der besten der Westcoastband überhaupt. Sie kamen aus dem Umfeld der Doors, der Chamber Brothers, von Taj Mahal und anderen, haben aber nie die Popularität dieser Bands erreichen können. Dabei waren sie unbestritten, was die Beherrschung ihrer Instrumente und Darbietung der unterschiedlichen Musikstile betrifft, im Gegensatz zu vielen anderen, professionelle Musiker.

    Alle Gründungsmitglieder spielten bei den unterschiedlichsten Formationen ( Jug Band, Rock'n-Roll Band, Jazzband etc.) und das machte dann auch die phänomenale Musik aus, die sie in ihren Sets spielten. Es war ein Mix aus Jug, Folk, Cajun, Blues verbunden mit orientalischem Flair, ausgehend durch die extrem ausgeweitete Instrumentierung (Oud, Saz etc.). Über allem lag ein Hauch des angesagtesten Musikstil dieser Zeit - Psychedelic.

    Es gab keine andere Band zu dieser Zeit, die nur annäherend mit der Vielfalt der Instrumente mitkam, die die Jungs aus L.A. spielten und bei ihren Livesets verwendeten. Die Band war als Kollektiv gegründet, d.h.jeder war gleich, jeder hatte seine Rolle. Und das machten sie gut. Und verdienten eine Menge Geld durch ihre vielen Auftritte, hier waren sie sehr gefragt.

    Aber - sie hatten kommerziell nicht den erhofften Erfolg. Sie wurden kaum bekannt und galten als unterbewerteste Rockgruppe der USA. Das lag sicherlich am fehlenden, professionellen Managment. So spielten sie auch, je nach aktuellem Mangament je drei Monate in Black Dance Halls oder Striplokalen.Auch Bill Graham ignorierte sie, er war sowieso ein Mann der mehr an bereits mehr an bekannten Formationen interessiert war. Allerdings spielte die Band mal im East für wenig Geld als Opener für die Airplane.
    Auch ihr Label, EPIC, war nicht an starker Promotion interessiert. Produzierte dafür einige Single.

    So verpasste die Band Auftritte in Monterey und Woodstock. Im Gegenteil, sie spielten in Monterey ein Set auf einem Nebengelände für die Hell`s Angels und die Leute, die nicht mehr auf das Festivalgelände kamen.....

    Andererseits sind sie mit zwei Tracks auf dem Soundtrack des Kultfilm "Zabriskie Point" vertreten (mit Pink Floyd, den Youngbloods u.a.), die Doors hatten hierfür speziell einen Song geschrieben, der es aber nicht schaffte. Die Songs wurden produziert mit dem zweiten Line-up.

    Das Line-up der ersten beiden Alben war:

    David Lindley, war ein extrem guter Banjospieler und wurde später mit seiner Band El RayoX und seiner Zusammenarbeit mit Jackson Brown bekannt
    Banjo, Fiddle, Mandolin, Guitar, Harp Guitar

    Solomon Feldthouse, er brachte den orientalischen Touch in die Musik, hatte eine unverkennbare Stimme, spielte einen Flamencostil wovon Lindley, aber auch ein Jimmy Page beieindruckt war.
    Saz,Oud, Dobro, Bouzouki, Vina, Doumbek, Fiddle, 12 String Guitar, Vocals

    Chester Crill, exzellenter Harpspieler, ist auf den Credits, je nach Album, mit den Pseudonymen Fenrus Epp, Templeton Parcely, Max Buda und Connie Crill vertreten
    Violin, Viola, Bass, Piano, Orga, Harmonic, Vocals

    Chris Darrow, kam aus seiner seiner Band The Floggs, schrieb gute Songs,verliess die Band nach zwei Alben aus musikalischen Differenzen
    Bass,Guitar, Mandolin,Vocals

    John Vidican, wurde später,nach dem zweiten Album, ausgetauscht
    Drums,Timpani

    Das Debutalbum Side Trips erschien im Mitte 1967 und enthielt sieben Songs. Sie wurden in nur einer Session aufgenommen. Es wurde produziert von Barry Friedmann, der auch für Buffalo Springfiled verantwortlich war.
    Herausragend ist der Opener Egyptian Garden, ein Mix von Rock und Middle Eastern und Keep your mind open ein Song von Chris Darrow, im MOJO als No. 19 der Greatest Psychedelic Songs of all Time verzeichnet.

    Anfang 1968 erschien dann das zweite Album Beacon From Mars. Es war als Live Album konzipiert und enthält zwei Longplayer, Taxim (11:20) als akkustisches Stück und Beacon From Mars (12:29) als elektrischer Track,mit einem kontrolliertem Feedback, den es bis dato so noch nie auf einem Album gab. Beide Stück live im Studio eingespielt und ohne Overdubs produziert, bilden auch die Grundlage ihrer Livekonzerte. Zu erwähnen sind auch noch Life will pass you by ein Countyrock von Chris Darrow und der sehr rockige Blues You don't love me der auch jeder British Bluesrock Formation zur Ehre gereicht hätte. Crill mit einer tollen Bluesharp.
    Produziert wurde das Album von Stu Eisen und Mark Goldberg, die eine zeitlang auch als Co-Manager fungierten. Blues From Mars war ein Album mit Musik genau aus dieser Zeit, nämlich psychedelisch. Vielleicht auch das beste Album von Kaleidoscope.

    Die Band machte danach eine Veränderung durch, anstelle von Chris Darrow kam Stuart Brotman und für John Vidican kam Paul Lagos.

    Das zweite Line up für die beiden folgenden Alben bestand aus

    Lindley, Feldthouse, Crill und neu

    Stuart A.Brotman, kam von Canned Heat, er passte gut zur Band da er in beidem gut war - in Blues und ethnologischer Musik
    Bass, Vocals

    Paul Lagos, war vorher in der Band von Little Richard, sehr schnell (Vidican war zu langsam für die Middlle Eastern Music) und setzte sich in der Wahl gegen Jim Keltner durch, der zwar extrem gut war, aber eben nur für 2-3 Dinge, Lagos war dagegen schnell und variabel
    Drums, Vocals

    Die Band wurde, speziell in ihren Live Sets, durch die Rhytmsection Brotman/Lagos kraftvoller und dadurch besser. Gerade weil sie längere Stücke spielten und die Stücke, die teilweise über 40 Min. dauerten, variable und schnelle Musiker forderten. Hier waren auch vielleicht auch Einflüsse auf z.B.die Deads gegeben, die zu dieser Zeit noch 4-5 Min.Stücke, ähnlich der Big Brother, spielten. Quicksilver waren die einzige Band in der Zeit, die bereits extrem lange Songs hatten.

    Das Album Incredible Kaleidoscope erschien im Jahre 1969 und hatte als einziges ein kleinen kommerziellen Erfolg indem es in die Billboards stieg. Produziert von Jackie Mills, einem ehemaligen Jazz Drummer. Die Musik veränderte sich schon ein wenig, sie wurde etwas basslastiger und hatte nicht mehr so starken, orientalischen Einfluss.
    Zu erwähnen sind Lie to me, und Banjo, auf dem Lindley seine enorme Banjoqualitäten zeigt. Dann vor allen Dingen dann das lange Seven-Ate Sweet, das wohl am meisten zeigt, mit welcher Vielfalt an Instrumenten die Band umgehen konnte. Lindley erinnert sich gerne an das Album, zeigt es doch, da hier das Experiment Kaleidoscope am besten geglückt ist. Trotz fehlen eins Songwriters wie Chris Darrow.

    Beim letzten Album Bernice geht schon vieles auseinander. Jeder will jetzt Stücke schreiben und auf der Produktion vertreten sein. Produzent ist wieder Jackie Mills. Der Sound wird glatter, mehr funky und das arabische Elemet ist völlig verschwunden. Es gibt mehr Rock, Blues und Country. Soft and Easy hört sich an wie eine Tamla Mowton Nummer, Lie and Hie wie ein Stück von Zappa, nur To Know Is Not To Be ist noch einmal ein psychedelischer Track alter Tage. Und Lulu Arfin Nanny ein schöner Kaleidoscope -typischer Song (wenn es so etwas gibt) bezeichnenderweise von allen geschrieben, incl. Chris Darrow. Die beiden Stücke Chocolate Whale und Another Lover bereits mit dem neuen Bassisten Ron Johnson, der Brotman ablösen wird. Ebenfalls schon mit dabei Jeff Kaplan als später Sänger, Feldthouse wird dafür aufhören. Das lange, neunminütige New Blue Ooze zum Schluss, eher als Jam gespielt, in der jeder noch einmal zeigen kann was er drauf hat. Paul Lagos mit einem längeren Schlagzeugsolo zum Ende hin, mit Hall gespielt, dann kurzer Einsteig der Band, dannn Schluss.

    Licht aus, the Party is over. Reuinon Alben Jahre später waren kaum gefragt.

    Kaleidoscope hätte sicher mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Musiker mochten sie ob ihrer Qualität und ihres Einfallsreichtumes. Page und Plant voran.

    Vielleicht sind sie gerade daran gescheitert. Sie wollten alles und zuviel. Manchmal einfach zu kompliziert. Musik wie Band. Das Publikum konnte sich nicht mit der Gruppe identifizieren. Es gab keine Kategorie in die man sie stecken konnte. Zuviele Stile, dem Rocker zuwenig, dem Blueser nicht bluesig genug, der Worldmusikfan fühlte sich später verlassen. Zusätzlich kam ihr fehlender Sex Appeal hinzu, sie traten in sehr konservativer Kleidung auf, wenig Show. "Just five very-ugly looking Hippies". (Crill) Sie machten sehr, sehr gute Musik, nicht mehr nicht weniger.

    We are never a group for screaming teeny boppers, but you can bet your sweet ass every damn town we'd play in, all the other professional musicians would show up to catch every last set we'd play. (Feldthouse)


    PS.Zur Zeit gibt es ein schönes 3-CD Set "Pulsating Dreams" The EPIC Recordings, auf dem Markt. Mit allen Alben und Single, also der komplette Output bis 1970. Leider chronologisch aufgemacht, d.h. die Alben zwar komplett hintereinander aber nicht unbedingt auf einer CD. Und das letzte Stück auf dem letzten Album mit besagtem Solo, wäre ein schöner Schluß gewesen, mit einem schönen Klang. Aber nein, dann kommt noch eine Single hinterher. Schade...

  2. #2
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    Standard AW: Kaleidoscope (US)

    erneut eine feine und notwendige vorstellung, die neuauflage der alben hätte man natürlich anders gestalten können, ich kann die schwächen durchaus nachvollziehen.

    trotzdem war die pulsating dreams für mich eines der top re-issues des vorjahres!
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  3. #3
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    Standard AW: Kaleidoscope (US)

    den Herrn Lindley hatte ich auch schon einmal vorgestellt, daher als kleine Ergänzung:

    http://www.rockzirkus.de/forum/threa...hlight=Lindley

    die 3er CD nenne ich auch mein eigen und das ist ein wirklich wunderbarer Reigen eigenwilliger Musik!

  4. #4
    Tango Whiskyman Besucher

    Standard AW: Kaleidoscope (US)

    Eine der wichtigsten Tango-Bands überhaupt, ihre Bedeutung für mich hab ich in diesem Forum schon öfter betont. Kaleidoscope waren vielleicht sowas wie meine erste "schräge" Band, und erst heute wird mir richtig bewusst wie richtungsweisend meine damalige Entdeckung ihrer Musik war. In gewisser Weise wurde damals schon das Fundament erbaut, auf dem meine heutige Faszination für viele progressive Bands steht (Warrior, Düüls, Audience, Eden, all die abenteuerlich gesinnten Bands die bis heute die Gemüter der Rationalisten zum verzweifeln bringen)... insofern, wie schon gesagt, im wahrsten Sinne des Wortes richtungsweisend für meine musikalische Entwicklung.


    Das 3 Cd-Set fehlt mir noch, aber ich werds mir zulegen.. früher oder später. Pflichtkauf für mich.




    Zitat Zitat von Knut Beitrag anzeigen

    Herausragend ist der Opener Egyptian Garden, ein Mix von Rock und Middle Eastern und Keep your mind open ein Song von Chris Darrow, im MOJO als No. 19 der Greatest Psychedelic Songs of all Time verzeichnet.

    Herausragend sind aber auch:


    If the Night
    Please
    Pulsating Dream
    Oh Death
    Why Try


    Und diese schrägen Cajun-Nummern wie "Minne the Moocher" sind sowieso der Hammer. Haben mir anfangs nicht wirklich gefallen, aber seit ich mich generell mehr für Folk und auch für schräges interessiere, hat sich das geändert. Wenn ich Minnie the Moocher höre, seh ich jedes mal einen Haufen schräger Typen vor mir, die auf einem Baumstumpf hockend skurrile Instrumente in den Sümpfen Louisianas spielen. Klasse!

  5. #5
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    Standard AW: Kaleidoscope (US)

    im MOJO als No. 19 der Greatest Psychedelic Songs of all Time verzeichnet.
    hast du die liste noch? @ knut

    ich würde die gerne mit der liste von der rock n roll hall vergleichen
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  6. #6
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    Standard AW: Kaleidoscope (US)

    Die Box ist jetzt auch bei mir gelandet. Stimmt, die Musik ist sehr gut, nur stilistisch geht es ziemlich durcheinander. Wahrscheinlich ist das wirklich der GRund für den fehlenden Bekanntheitsgrad der Band.

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