Umfrageergebnis anzeigen: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

Teilnehmer
19. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • ja

    8 42.11%
  • nein

    8 42.11%
  • jein

    3 15.79%
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Thema: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

  1. #11
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Den Beweis, dass Songs todgenudelt werden können, hat Black Dog mit seinem Thread: Kampf der Titanen "The Green Manalishi" angetreten. Wie sonst sollte ich sowas wie Judas Priest interpretieren?

    Aber mal ehrlich (noch mal ): Natürlich kann jeder noch so gute Song tot genudelt werden. Roberto hat's doch schon gesagt: Ich nudle Songs tot, ich selbst. Manchmal hilft einem dabei das Radio, das ich nicht schnell genug ausgeschaltet krieg, oder ein falsches Auto, aus dessen offenem Fenster der Song tönt.

    Kein Song ist heilig, keiner unvergänglich, jeder ersetzbar. Und das ist doch auch das Gute daran: Willi sagt es doch ganz zurecht "bis eine neue Version (oder ein neuer Song?) kommt..."

    Wie viele Songs haben mir "ernsthafte" Musiker zunichte gemacht? Judas Priest sind als nicht ernst zu nehmend doch nur die stinkende Spitze dieses ******haufens. Gov't Mule haben z.B. mit ihrer brachialen Uncoolness aus Free's "Mr. Big" einen Schrotthaufen gemacht. Cream's "White Room" habe ich nicht nur zu oft gehört, das wurde mir so richtig madig gemacht durch die vielen "nah dran am Original" Versionen von z.B. Jeff Healey u.a.

    Jeder hat so ein Beispiel, egal was man gut oder nicht gut findet. Ich bleibe dabei: JA! Man kann (sich) einen Song totnudeln, entweder durch eine entstellende Version davon oder durch (wie Sleeper es stellvertretend erlebt hat) zu häufiges hören desselben.
    "Wake up the dying, don't wake up the dead. Change what you're saying, don't change what you said." (Eels)

  2. #12
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Na gut, bei der Umfrage habe ich mit "nein" gestimmt. Einen wirklich guten Song totzunudeln ist für mich in etwa so schwer wie ein gutes Essen nicht mehr zu mögen. Mag ja sein, dass dieser Vergleich etwas hinkt, für mich hat er nach wie vor Gültigkeit. Es kommt doch nur darauf an, wie oft ich von dieser leckeren Speise in welchen Zeiträumen koste.

    Es gibt Lieder, die ich schon seit vielen Jahrzehnten höre und immer noch gut finde. Mal ist es der Text, mal das Schlagzeug, mal der Bass, der mich erneut verwundert. Led Zeppelin's "Stairway to heaven" werde ich auch in 50 Jahren noch hören, der Song hat einfach zuuu viele Facetten, wird zudem von vielen anderen Interpreten überraschend frisch, langweilig, provozierend dargeboten.

    Miles Davis' "Portia" könnte auch so ein Lied werden, mal schauen. "Don't stop me now" höre ich jetzt erst seit einigen Jahren, und ich bin gespannt, ob dieser Song in meiner "best of" - Kategorie einen Platz findet.

    Es gibt Platten, die sich nicht totnudeln lassen, wenn sie von Zeit zu Zeit mit den richtigen "Gewürzen" angereichert werden. Das ist bereits an anderer Stelle betont worden. Natürlich: Manches sollte nach reichlichem Genuss nicht überstrapaziert werden. Irgendwann schmeckt auch der leckerste Sauerbraten nicht mehr, und für die Vegetarier unter uns: auch ein Tofu kann Sodbrennen verursachen

    Aber dass ich jemals einen Mozart verschmähe, halte ich heute nach bestem Wissen und Gewissen für ausgeschlossen. Und übrigens: die wirklich guten Lieder erschließen sich erst nach und nach, und alles was mir auf Anhieb gefällt, ist höchstwahrscheinlich bald für immer verschwunden...

  3. #13
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Zitat Zitat von remo4 Beitrag anzeigen
    Um es deutlich zu machen was ich meine. Es ist nicht der Song eines Interpreten, sondern ein Song als solcher. Beispiel: Gimme Shelter kann ich mir im Original von den Rolling Stones schon lange nicht mehr anhören, von 1000 anderen Bands aber sehr wohl. Daher, ein guter Song kann nicht totgenudelt werden, es kommt immer auf die Interpretation an.
    eben davon rede ich doch , Gimme Shelter kann ich mir im Original von den Rolling Stones schon lange nicht mehr anhören, von 1000 anderen Bands aber sehr wohl. das sind für mich 1001 verschiedene songs

    Gimme Shelter kann ich mir im Original von den Rolling Stones schon lange nicht mehr anhören, es kommt immer auf die Interpretation an. ein song , während 1000 andere gimme shelters noch anhörbar sind

  4. #14
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Zitat Zitat von street66 Beitrag anzeigen
    Das ist jetzt aber ein schlechtes Beispiel

    Ich weiss aber, was du meinst.
    Hast ja Recht, aber im Moment fiel mir kein anderer Song ein. 'tschuldig Keith und Mick.

    Durch zwei Songs kam ich auf das Thema, House Of The Rising Sun und Spoonfull. Von beiden gibt es massig Cover. Viele der Cover sind richtig schrottig, aber sie haben es noch nicht geschafft mir die Songs selber zu vermiesen.

    Ander starke Songs sind Season Of The Witch, Mona, Who Do You Love (2x Bo Diddley?), Walk On Guilded Splinter und und...

    Es gibt sie, die Unkaputtbaren.

  5. #15
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Habe jetzt zwei Tage über diese Frage meditiert und bin zu einem Ergebniss gekommen - das ich allerdings auch schon sofort aus dem Bauch heraus hätte sagen können.

    Ein guter Song kann nicht totgenudelt werden. Es sei denn, es ist kein guter Song.

    Alles was Qualität hat bleibt Qualität. Und meistens hat das Original die Qualität.

    Und ich bin davon überzeugt, daß man sich manchmal etwas "leid" hört. Klar, aber deswegen ist der Song nicht "tot".

    Und manchmal, manchmal auch öfter, lege ich einen Song oder auch ein ganzes Album nicht auf, weil ich denke, oh nein bloß nicht. Hängt mir zum Hals raus. Aber wenn ich den Song dann höre, mal wieder übers Radio, bei Freunden oder sonstwo - dann kommt diese wow, was für ein geiles Stück.

    Wenn aber nichts mehr kommt, dann weiß ich - es war mal ein "guter" Song, hat mich berührt, aber jetzt ist einfach nichts mehr da - er war doch nicht gut genug.

    Und manche "gute" Songs muss ich noch nicht einmal "totnudeln". Die finde ich gut, höre sie eine Saison oder sonstwas, und kann sie dann nicht mehr hören. Dann war es tatsächlich eine Fehleinschätzung. Kann passieren.

    Und All Along The Watchtower, Like A Rolling Stone, White Room, Madam George, Because, Johnny B.Goode, Take Five oder der Canon von Pachelbel.... sie alle will ich nicht immer -kann sie aber immer hören. Sie können nicht "totgenudelt" werden, dafür haben sie zuviel Qualität.

  6. #16
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Ha, das ist lustig, Knut!
    Vor einigen Jahren saß ich mal bei Sigi Schwab in München und wir unterhielten uns über Volksmusik und Harmonien, die ihr Ziel einfach nicht verfehlen können. Er zeigte mir eine handgearbeitete kretische Laute und spielte ein paar Akkorde - Pachelbels Kanon. Dann sagte er: "Und ich kann Ihnen sofort dutzende Lieder aus der Popmusik nennen..." Worauf ich sofort ergänzen konnte: "Streets Of London..." Und er: "Ja genau, gut dass Sie es sagen!"

    Was ich damit sagen will: gewisse Harmonien, Tonfolgen sind unwiderstehlich, können nicht tot genudelt werden. Sie tauchen über Jahrzehnte, Jahrhunderte immer wieder in neuen Variationen auf. Deshalb lieben wir ja auch viele alte Volkslieder so unmittelbar. Bob Dylan hat es mal so gesagt:
    "Nichts und niemand wird die traditionelle Musik erledigen können. All die Lieder über Rosen, die aus Schädeln irgendwelcher Leute wachsen, und über Liebende, die in Wirklichkeit Gänse sind oder Schwäne und sich in Engel verwandeln - sie werden nicht sterben."

    Ich beziehe das nicht so sehr auf den Song, sondern - wie oben gesagt - auf die Harmonien. Gewisse Dinge auf diesem Sektor funktionieren wie ein Naturgesetz - und lösen dennoch auch dadurch Emotionen aus. Diese Gesetze haben offenbar bestand. Die Songs aber kann man sehr wohl totnudeln.

    Selbst etwas so erhaben und ernsthaft und tief wirkendes wie einen Song von Nick Drake (z.B. "Northern Skies") kann man so behandeln - er wird dadurch ja nicht schlechter! Einen Song totnudeln kann ich nur für mich selbst, deswegen kann er anderen noch gefallen und ist damit auch nicht wirklich tot. Noch heute triffst Du Menschen, denen gibt "Nights In White Satin" etwas, oder "A Whiter Shade Of Pale". Was für wunderbare Harmonien, das bach'sche Intro, das Orgelsolo, diese Sachen haben Bestand. Auch wenn ich Brooker's Gesang oder Reid's Worte vielleicht längst über hab.

    Was soll das Ganze also? Natürlich kann ich einen Song totnudeln - aber immer nur für mich selbst, subjektiv! In Wahrheit überlebt der Song unsere Abneigung, unsere abgekühlte Liebe - solange ein anderer sich noch dafür begeistern kann. Das hat übrigens gar nichts (oder alles) mit Qualität zu tun. ;o)
    "Wake up the dying, don't wake up the dead. Change what you're saying, don't change what you said." (Eels)

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  8. #17
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    ..... und dann war da noch der berühmte Kissenwurf auf den Plattenspieler am frühen Morgen nach einer Silversterparty. ich war der Täter. Das Opfer: "Don't let me be misunderstood" von Santa Esmeralda. Der schöne Song der Animals wurde in dieser Version an diesem Abend etwa ein Dutzend mal gespielt. Bis das Kissen traf. Quer durch den Raum, eine Meisterleistung .....

    Sicher ist das komplex, das Thema. Neuronal ist der Prozess nachgewiesen, das nennt sich Habituierung. Wird ein und derselbe Reiz immer wieder wiederholt, erzeugt er von mal zu mal schwächere Responses, man gewöhnt sich daran, man nimmt ihn immer weniger wahr. Womöglich wird er aversiv, wenn man die Wahrnehmung nicht abwehren kann. Ich denke, dass solche relativ grundlegenden Prozesse von komplexeren Denkfiguren überlagert werden können. So komplex eben, wie es das menschliche Denken ist, und die Musik.

    Da spielen Harmonien eine Rolle wie bei Pachelbel, dann persönliche Vorlieben oder Ideologien oder Erinnerungen.

  9. #18
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Zitat Zitat von Dr. Dunbar Beitrag anzeigen
    Vor einigen Jahren saß ich mal bei Sigi Schwab in München und wir unterhielten uns über Volksmusik und Harmonien....
    Oh ja, da wäre ich gerne dabei gewesen.

    Klar, Harmonien, Tonfolgen spielen eine maßgebliche Rolle und können "unwiderstehlich" sein, da bin ich dabei. Nicht umsonst sagen die Sufis, daß Musik nicht ungefährlich und deswegen nur für Menschen sei, die ein entsprechendes Bewußtsein entwickelt haben.

    Für mich würde das heissen, daß Musik nicht so trivial ist. @Sleeper hat ja angedeutet, welche Dinge entstehen können bzw. wie komplex das Thema ist.

    Definitiv können bestimmte Tonfolgen Emotionen auslösen, und zwar immer. Hat dann vielleicht nicht direkt mit dem Song zu tun @dr.dunbar das mag sein. Denn die Einflüsse der Bachs, Beethovens usw. sind nicht immer sofort erkennbar. Zumindest nicht für mich als Laie.

    Und der Reiz von "Because" liegt vielleicht eben an den Einflüssen der Mondscheinsonate von Beethoven.

    Zurück zum Thema.

    Ich selbst kann kein mir kein Lied "totnudeln". Und auch - wie @sleeper anmerkte - keine Aversion entwickeln.

    Es gibt ja verschiedene Prozesse für ein "nicht-mehr-hören-können" eines Songs. Einmal der aktive, aber auch der passive....

    Und ein Kissenwurf ist ja auch nur eine temporäre Lösung.

  10. #19
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Wenn ich mich in einen Song unsterblich verliebt habe, egal ob Original oder Coverversion, dann "heirate" ich ihn und bleibe mit ihm zusammen, "bis das der Tod uns scheidet!".

    Wirklich guter Songs werde ich nicht überdrüssig.

    Was passieren könnte, ist, das sich mein Geschmack sich geändert hätte, und ich darum Abstand nehmen könnte.

    Ich kenne jedoch kein Beispiel.

    Songs, die ich vor 40 Jahren saustark fand, liebe ich auch noch heute.

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    Jersch (14.11.2009), remo4 (07.11.2009)

  12. #20
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    Standard AW: Kann ein guter Song totgenudelt werden?

    Zitat Zitat von Dr. Dunbar Beitrag anzeigen


    Ich beziehe das nicht so sehr auf den Song, sondern - wie oben gesagt - auf die Harmonien. Gewisse Dinge auf diesem Sektor funktionieren wie ein Naturgesetz - und lösen dennoch auch dadurch Emotionen aus. Diese Gesetze haben offenbar bestand. Die Songs aber kann man sehr wohl totnudeln.
    ...
    Was soll das Ganze also? Natürlich kann ich einen Song totnudeln - aber immer nur für mich selbst, subjektiv! In Wahrheit überlebt der Song unsere Abneigung, unsere abgekühlte Liebe - solange ein anderer sich noch dafür begeistern kann. Das hat übrigens gar nichts (oder alles) mit Qualität zu tun. ;o)
    Also gibt es nicht den Olymp der Götter, das ewig, allgemein und immer Gültige ? Alles nur subjektive Vorstellungskraft? Das mag ich schon bald nicht akzeptieren, denn weshalb gäbe es dann die von dir genannten Naturgesetze der Harmonie? Wie jämmerlich ist es eigentlich, wenn jeder von uns nur seine persönlichen Präferenzen totnudeln kann? Dr. Dunbar, du siehst, ich bin trotz deines aufschlussreichen Beitrages noch immer im Zweifel. Vielleicht habe ich ja auch ein wenig zu viel Unterbelichtung in punkto Musik und Harmonielehre. Dennoch vielen Dank

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