Bei der Nennung des Namens dieses ausgeflippten Künstlers und des dazugehörigen Albumtitels in der Überschrift, kann ich eigentlich davon ausgehen, dass sich niemand hierhin verklickt. Genausogut könnte ich über die Zubereitung eines feinen Gratins schreiben. Oder über das Verhalten der Zugvögel. Oder über das Liebesleben der einheimischen Eichhörnchen...oder...
Mach' ich trotzdem nicht.
Stattdessen richte ich den Spot auf diese grossartige LP des selbsternannten Königs des „Rock And Roll“, alias Richard Wayne Penniman, alias LITTLE RICHARD. Nun, Rock And Roll wird man hier eher weniger finden, stattdessen erwartet einen eine gewaltige und ungefilterte Ladung Powersoul, Funk und Gospel mit starkem weiblichem Backgroundgesang, ebenso reinigendem Frühsiebzigergbläse und stampfender Rhythmusgruppe in allerbester Stax-Manier. Mittendrin im Scheinwerferlicht natürlich LITTLE RICHARD der sich mehr als einmal selbst beweihräuchert und andauernd erörtert, dass er der Grösste sei. Und irgendwie nehm' ich ihm das auch ab hier: Herrlich wie Richards Stimme röhrt und gurgelt, beinahe beängstigend wie dieses beeindruckende Organ in „Brown Sugar“ und im alten Gassenhauer „Dancing In The Street“ herumbrüllt. Und ich wette der hatte keinen Waffenschein für seine Stimmbänder, und ich wette da haben während der Aufnahmen dutzende Mikrophone ihren Geist aufgegeben, ihr Innenleben ausgespuckt, sich verängstigt und verschreckt in eine dunkle Ecke des Recording Studios verzogen. Und überhaupt - „Green Power“ sollte man sich nun wirklich mal anhören, da spürt man förmlich wie das Blut durch die Adern der beteiligten Protagonisten zirkuliert - das ist Musik die auch nach fast vierzig Jahren kein kleines bisschen tot ist - das ist beeindruckender Sound der lebt, als sei er erst vor ein paar Stunden auf Tonspule gehämmert worden..
Hey – diese Scheibe kannte ich bislang nicht – aber diese Platte hat auf Anhieb einen Ehrenplatz in meiner Soulsammlung erobert, das ist wahrhaft gute und ehrliche „Blackmusic“, zündet genauso wie James Brown, Otis Clay, Sly Stone oder Al Green!
Und überhaupt... was quasselt er in der Einleitung zu „Born On The Bayou“?
„I left my throne to walk hand in hand with my people...“ - herrlich verrückt, abgehoben, durchgeknallt und abgedreht. Aber auch gleichermassen witzig, mutig, ironisch, temparamentvoll und heissblütig.
Dear Mr. Penniman, klasse gemacht alter Rock'n'Roller und danke für diesen faszinierenden, 43minütigen Seelentrip!
LITTLE RICHARD – KING OF ROCK AND ROLL (1971, Warner Brothers)
01. King Of Rock And Roll
02. Joy To The World
03. Brown Sugar
04. In the Name
05. Dancing In The Street
06. Midnight Special
07. Way You Do The Things You Do
08. Green Power
09. I'm So Lonesome I Could Cry
10. Settin' The Woods On Fire
11.Born On The Bayou
(CD-Reissue 2009, Collectors Choice, Warner)



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