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Thema: Eddie Hinton - Letters From Mississppi (1987)

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    Standard Eddie Hinton - Letters From Mississppi (1987)

    Ich weiss nicht so recht, ob es mir zusteht, einen Kommentar zu Eddie Hinton zu schreiben, ist das musikmäßig doch kein Heimspiel für mich. Aber ich hab mich seit dem Posting von Red Bumper, der dankenswerterweise wieder an Eddie Hinton erinnert hat, immer wieder mit seiner Musik beschäftigt. Und ausserdem höre ich gerne Willy DeVille, der soweit weg nicht ist.

    Der Mann ist fast ein Rätsel, nur wenig ist über ihn bekannt. Er war zusammen mit Duane Allman, Jimmy Johnson und Tommy Cogbill das musikalische Rückrad der FAME Studios in Muscle Shoals/Alabama. Vorher schon allerdings schrieb er "Choo Choo Train" zusammen mit Donnie Fritts, ein Hit für die Box Tops (#26 US), nicht sein einziger.

    "Letters From Mississippi" wird als sein stärkstes Album bezeichnet. Obwohl "Hard Luck Guy" auch nicht ohne ist, neige ich dazu, mich diesem Urteil anzuschliessen.

    "Everybody needs love" ist ein Song, der einem beinahe die Schuhe auszieht, ganz egal, in welcher musikmässigen Heimat man sie sich angezogen hat. R&B und Soul hatten in diesem Ausmass nur ganz wenige Bleichgesichter auf der Stammtafel stehen, da muss man schon Pickett, Franklin & Co gehört haben. Und in den FAME Studios gab es genug Gelegenheit dazu.

    "Letters From Mississippi", der Titelsong, der hat eine gewaltigen Groove. Otis Redding und Mink DeVille stehen in den Ecken eines gedachten Quadrates und Hinton in der Mitte, dem Schnitt, ohne Redding platt zu plagiieren, noch nicht und DeVille, ich weiss nicht, ob er ihn kannte. Rockiger als Redding und souliger als Willy. Duane Allman ging zu den Allman Brothers, hat aber mit Hour Glass oder mit Duane & Gregg noch "Back Down Home With You", aus der Feder von Hinton mitgenommen. Das Lied war nach "Choo Choo Train" die zweite Begegnung, die ich mit Hinton hatte. Hinton schlug eine großes Angebot aus, vielleicht die Chance seines Lebens und hätte mit Duane Allman zu den Brüdern gehen können, aber irgendwie zog er das Leben eines Session-Musikers der unsicheren Selbständigkeit vor. Das kann ich verstehen.

    Womöglich zeichnete sich da auch schon die Tragik ab. Es muss gekriselt haben.

    "It's All Right" dockt auch nicht an im Ohr auf das erste mal. Kommt langsam, wie viele seiner Songs, aber er kommt. Die Stimme haut es raus, nicht schön, aber beseelt, engagiert, wuchtig, am Schluss überschlägt sich das. Hier wird die Sau rausgelassen und durchs Dorf getrieben. Meine Herren.
    Was da nicht stimmte, bei Hinton, das wird nicht ganz klar. Drogen waren bestimmt im Spiel, auch eine psychische Erkrankung ist nicht auszuschliessen, es kommt kein Bild. Er hätte gut leben können, von den Tantiemen für die Songs, die er für die Box Tops oder auch für Percy Sledge schrieb ("Cover Me"), ganz zu schweigen von "Breakfast In Bed", das für UB 40 (ft. Chrissie Hynde von den Pretenders) ein Hit in den 90's wurde, in den UK Charts (#6).

    Aber er landete auf der Strasse in Decatur/Alabama. Robert Gordon, auch ein Fan, hat ihn mal getroffen in dieser Zeit und diese Begegnung konnte er wohl nur ganz schwer einordnen, ein Rätsel, ein kranker Mensch, ein Könner. Alles zugleich. Das gibt es.

    "Sad And Lonesome" haut in diese Kerbe. Das ist alles kongenial instrumentiert. Keine Ahnung, wer da mitgespielt hat. Die Quellen schweigen. Hier eher Sam Cooke als Inspiration. Schönes Sax, groovend, mit jedem Hören besser. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Medikamente im Spiel waren, auf späteren Bildern wirkt Hinton seltsam aufgedunsen. Das soll ihn nicht diskriminieren, schmälern, oder auf ein Podest heben. So etwas passiert.

    Das Tempo auf der Platte wechselt immer wieder von Ballade zu Uptempo ("Uncoudy Days"), aber es klingt immer reif und seltsam abgeklärt.

    "I Want A Woman" ist so ein Ballade, die hätte Redding zu einem Hit machen können. Kein Schmalz, das ist Soul. Ratter Ratter. Joe Tex? Southern Soul. Kontextfrei hätte hier jeder auf einen Soulman reinsten Wassers seinen Hintern verwettet. Hinton hat genau zugehört, er kannte das Metier. Von Solomon Burke bis zu Boz Scaggs, sogar mit Toots Hibbert (Toots & The Maytals) stand er im Studio.

    Es ist kein Ausfall auf der Scheibe. "Ting-A-Ling-Ling" kann man dämlich singen, das passiert hier nicht.

    Warum es zu Ende ging, das habe ich nicht herausgebracht, aber es gibt vielleicht auch die Schweigepflicht. Man muss hier nicht sezieren und den Mann ausstellen, es hat auch Robert Gordon in den Linernotes von "Very Blue Highway" keine weitere Auskunft geben wollen/können.

    "I Will Always Love You" und "Wet Weather Man" bestärken darin, dass er wohl mit der falschen Hautfarbe geboren war, mit "I'll Come running back to you" covert er Sam Cooke, das einzige Cover auf der Scheibe. Und hinter dem Original bleibt er nicht zurück. Fast sogar auf gleicher Augenhöhe. Wunderschön. Sage mir einer, wer hat das hingekriegt ?

    1995 ist er im Alter von 51 Jahren in Birmingham, Alabama gestorben.
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  3. #2
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    Standard AW: Eddie Hinton - Letters From Mississppi (1987)

    ob es sein bestes Album ist oder nicht - es war damals mein erstes von Eddie, als LP, und es ist mir sein liebstes geblieben!

    Wolfgang

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