AW: Mittelalter, stilstisch gesehen
Die letzten drei Postings waren kurz und treffend!
Zu den anderen, längeren Exkursen:
Die Frage was mittelalterliche Musik ist, beantwortet sicher die Gegenfrage: was ist neuzeitliche Musik? Genau! Von Bach bis Techno...
Wenn Sleeper das MA in den Zeitraum vom Ende der Völkerwanderung bis zum Beginn der Renaissance packt, dann ist das zwar
schon ein ziemlicher Zeitraum (Jahrhunderte! Fast ein Drittel unserer Zeitrechnung!!) in dem aber rein künstlerisch/musikalisch
verständlicherweise nicht sooo viel passiert ist - war halt finster, das MA ;o)
Wenn man das MA aber in den Zeitraum packt, den eine meiner Professorinnen bevorzugte (so etwa von Karl dem Großen bis zum
Ende des 30jährigen Krieges), dann hat man zwar einen ebenso langen Zeitrahmen wie Sleeper angelegt, aber in dieser Zeit - vor
allem gegen Ende - ist halt schon mehr passiert. 1648 endete der 30jährige Krieg, Johann Sebastian Bach wurde 1685 geboren - und
er kam ja nicht aus dem NICHTS. D.h. wir sprechen hier plötzlich nicht mehr über fehlende Takte oder rudimentäre Notationen.
Was knarf unter Mittelalter (in musikalischer Hinsicht) versteht, dürfte in etwa das sein, was auch auf den üblichen Mittelalter
Märkten in unseren Städten mit längerer Geschichte als 200 Jahren zu bestaunen ist: da passen Blackmore, Ougenweyde und Steeleye
Spann genauso gut wie die angesprochenen zwielichtigen Metaller rein. MA im Rock ist wohl besser mit Folk- oder Folkloreeinflüssen
zu beschreiben - und leider auch oft mit dieser eskapistischen Lebensweise, die traurige Fantasyfiguren unseren Kindern und sich
selbst wie verlorene Zeitreisende vorgaukeln wollen. Das hat die Folkbewegung sicher nicht gewollt!
Bands wie Fairport Convention oder die Trees möchte ich hier raushalten (auch Jethro Tull), die haben nämlich in der Vergangenheit
gesucht, um in der Gegenwart und Zukunft zu leben! Die haben Folk nicht um des billigen Effektes wegen mit Rock kombiniert, die haben
in der Folklore etwas aufgespürt, was die Jazzer auch bei Bach und Gaugin bei den Tahitianern gefunden haben: den Groove, den Sound,
das Feeling.
Witzig, was so ein kleines Foto bei einer Vorstellung in einer alten Männerrunde so alles bewirken kann
Geändert von Dr. Dunbar (20.05.2010 um 23:09 Uhr)
"Wake up the dying, don't wake up the dead. Change what you're saying, don't change what you said." (Eels)
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