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Thema: The Allman Brothers Band - Hittin' The Note (2003)

  1. #1
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    Standard The Allman Brothers Band - Hittin' The Note (2003)

    Manche Dinge, manche Gefüge, manche Ensembles sind glänzende Monolithen.
    Sie sind unabhängig vom Zeitgeist und von Modeerscheinungen. Konzentriert auf die eigenen Stärken, ohne nach rechts und links zu blicken.
    Die Allman Brothers Band ist für mich so ein Monolith.


    Manche Musikgruppen sind in der Lage, den ursprünglichen 'spirit' über Jahrzehnte zu bewahren.
    Auch dann noch , wenn neue, jüngere Musiker (für diese Aufnahmen: Oteil Burbridge am Bass, Derek Trucks an der Gitarre) integriert werden.
    Zum Beispiel die Allman Brothers Band.
    (Über die ganz wenigen Ausfälle im Repertoire der Band breite ich still den Mantel des Schweigens)


    Hittin The Note
    macht seinem Titel mächtig Ehre. Ein Album... auf den Punkt.
    Nach sieben Jahre Pause die erste und bis heute letzte CD der Gruppe mit neuen Songs.
    Ich sag mal.... essentiell für alle Freunde der Band.


    So gut wie jeder vorwiegend neuzeitlich orientierte Musikfreak wird dieses Album vermutlich fürchterlich finden, schrecklich altmodisch.
    Ich sage, lieber altmodisch und in der Lage, die Zeiten zu überdauern, als heute hop-top und morgen schon in der Hölle der Gräußlichkleiten von gestern schmorend.
    Die Gazetten sind übervoll mit Lobpreisungen über Musik, die überübernächsten Mittwoch kaum noch jemand erinnern wird.
    Die Allmans werden bleiben, dessen bin ich mir sicher. Nicht zuletzt wegen dieser CD.


    Hittin The Note finde ich ein gelungenes, abwechslungreiches, spannendes Album. Die Grundstimmung bei sieben, acht von elf Songs ist Bluesrock.
    Vorsicht ! Wer Langeweile oder Klischess vermutet/erwartet, ist fehl am Platze.
    Wie aufregend Rockmusik sein kann, die primär auf Bluesrock getrimmt ist, gleichzeitig kompetente Exkurse in einige anderer Stilrichtungen bietet, beweist diese CD eindrucksvoll.
    Der Band gelingt es, perfekte und runde Darbietungen zu präsentieren. Über alle zwölf Songs. Meiner Meinung nach.

    Ich konnte keine ermüdenden, klischeehaften Formeln entdecken, die bei Bluesrock zu erwarten gewesen wären.
    Diese Musik lebt ! Und wie !!
    Selbst einen Titel wie "Maydell", der auf den ersten Eindruck formelhaft klingen mag, finde ich reichhaltig. Nicht nur bezüglich der Spielfreude.
    "Maydell" läßt mich aufgrund der begeisternden Interpretation vergessen, das in diesem Fall nur 'just an ordinary bluessong' zum Besten gegeben wird.

    Der typische Southern Rock, den die Band auch spielte, kommt nur selten vor. Kein Manko !
    Die CD ist eher dem Erbe von Greg und Duane Allman verhaftet als dem eines Dickie Betts.
    Man könnte die Musik als "zurück zu den Wurzeln" bezeichnen. Das Album ist kein wahrlich kein zahnloses, müdes Retroprojekt.
    Ich höre die konsequente Fortführung dessen, was gut war und ist.
    Ich könnte auch sagen, dass sich die Band auf dieser CD den Arsch abspielt, aber das verbietet mir... niemand !
    Auf dieser CD spielt sich die Band den Arsch ab, rockt teils wie Hölle und glänzt insbesondere bei den bedächtigeren Momenten wie nur selten zuvor.

    Ich musste mich mehrfach vergewissern, dass Gregg Allman die Songs singt.
    (Auf den ganz frühen Alben fand ich seinen Gesang manchmal etwas bemüht und angestrengt.)
    Unglaublich.... seine Stimme klingt überragend reif, würdevoll gealtert.
    Etwas tiefer, gleichzeitig voller und fulminanter.Immer kraftvoll, markant und mit einer mir zutiefst symphatischen Rauheit.
    Saftig, wie Kirschen im August.... angemessen, beeindruckend, verzaubernd-bluesig... und auf den Punkt (Hitting The Note !)

    Alle Elemente, die die Musik der Allmans ausmach(t)en, sind vertreten. Der elegante Bluesrock ist im Focus.

    Ganz erstaunlich, wie die Band aus "Heart Of Stone" (das Original von Jagger/Richards ist für mich eher im Mittelmaß angesiedelt) eine Schönheit in Blues zaubert.
    (Schönheit, die - Blues, der - Song, der - Musik, die !)
    Prinzipiell wäre dieser Slowblues auch einer meiner Anwärter auf einen Platz in der Liste der Fünfhunderttausend-langweiligstens Bluessongs.
    Das dem nicht so ist, liegt meines Erachtens daran, dass die Allmans keine seelenlosen Handwerker sind und nie waren.

    "Rockin' Horse" beginnt als bedächtiger Blues, bevor die Band im Mittelteil alle Grenzen sprengt und entfesselt und vom Blues befreit aufspielt.

    Der Opener "Firing Line" ist eines der wenigen Beispiele von Southern Rock auf dieser CD. (Streng genommen ist der Song nur ein angefunkter Blues.)
    Der Song dampft und hat Tempo und Intensität.

    Rückblickend dürfte diese CD wohl der Schwanengesang der Band sein. Einer der schönsten, würdevollsten Schwanengesänge, die ich kenne.
    You'll never know !


    Meine Highlights sind
    "Desdemona"
    - ein Blues mit extended jazzigem Solo
    "Old Before My Time"
    - balladesk, mit schönem akustischen Intro und einem für mich gänsehautmäßigem Slidesolo. Eine überragende Bluesballade.
    "Instrumental (!) Illness"
    - im Mittelteil überwiegend jazzig geprägt. Ein treibender Jam mit feinen double-lead Gitarren, einer erinnerungswürdigen Hookline und ansatzweise mittelamerikanischem Flair aufgrund der Congas. Supergeil... it's a gas !
    "Old Friend"
    - ein akustischer, melancholische Rausschmeißer .
    "Old Friend" glänzt mit mich bewegenden, akustischen Slidepassagen. Greggs Gesang auf diesem Titel.... it's a gas !!!
    (auf neudeutsch: einfach nur geil ! Beeindruckend !)


    Das Cover finde ich genial.
    Schwarz-weiß, mächtig, limitiert auf das Wesentliche.
    Ein Cover, das für mich, schwer zu beschreiben, Symbolkraft hat.
    Eine eindrucksvolle Herde von Elefanten. Könnte für das mächtige Erbe der Band, die Wucht, das Überragende in der Musik der Allman Brothers Band stehen.
    Elefanten vergessen nie.

    Unvergessen sind die bemerkenswertungen Einspielungen der Band.
    Ein mächtiges Erbe, das nicht nur Mahnmal, sondern auch Wegweiser (Derek Trucks) in die Zukunft wäre.
    Im Vordergrund ein unschuldiges Kind, das sich für einen Pilz interessiert.
    Ein Signal für den Aufbruch zu neuen Ufern.
    (Wer tiefer tauchen möchte, mag darüber nachdenken, warum der Pilz symbolisch ist. Es gibt auch eine Kompilation mit Material aus den 90ern, die den Untertitel Mycology trägt.)

    Schade, dass nach diesem Aufbruch (Hittin The Note) bisher keine weiteren Studio-'Abenteuer'der Allmans folgten.


    Sechs von fünf Sternen ! Ein Album, das mir extrem gut gefällt.





    1. Firing Line 5:17
    2. High Cost Of Low Living 7:52
    3. Desdemona 9:20
    4. Woman Across The River 5:51
    5. Old Before My Time 5:23
    6. Who To Believe 5:38
    7. Maydell 4:35
    8. Rockin' Horse 7:23
    9. Heart Of Stone 5:06
    10. Instrumental Illness 12:17
    11. Old Friend 6:12
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    Geändert von Black Dog (24.06.2010 um 20:33 Uhr)
    music was my first love and it will be my last (John Miles)

  2. #2
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    Standard AW: The Allman Brothers Band - Hittin' The Note (2003)

    @b.d.

    Klasse gemacht! Irgendwie hätte ich das von dir zum Thema Allman Brothers jetzt nicht unbedingt erwartet. Aber wies aussieht sind wir halt doch nicht neuzeitliche orientierte Musikfreaks. War mir übrigens gar nicht bewusst, dass das nun auch schon wieder sieben Jahre her und das letzte Studioalbum der Band ist. Allerdings wäre ich mir da nicht so sicher, ob die nicht doch noch ein Album nachschieben. Irgendwie gehen die Uhren bei denen etwas gemächlicher.


  3. #3
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    Standard AW: The Allman Brothers Band - Hittin' The Note (2003)

    Ja, ja, eine große Kelle Sympathie für Black Dog und die Allmans.

    Ich fand zwar Greggs Gesang bei den frühen Aufnahmen schon immer sehr reif, aber vielleicht hat sich ja im
    21. Jahrhundert noch was getan?
    Auch interessant, dass ausgerechnet Du Schönheit im Blues entdeckst...aber das sollte keine Spitze sein, oder?
    "Desdemona" hatte ich hier mal in einer Live Version eingestellt (wegen Derek Trucks zirzensischem Gitarrensolo)
    - jetzt weiß ich auch von welcher Platte das Original stammt!

    Schön ausgedrückt finde ich auch, dass Du hier den "Geist von Gregg und Duane Allman" ausmachst und nicht den
    "Southern Rock" Dickey Betts'. Überhaupt scheint mir die "derzeitige" Gitarristen Konstellation der Allmans mit Haynes
    und Trucks die beste seit den frühen Tagen zu sein und ist in sofern sicher richtungsweisend - wenn das hier nicht
    wirklich der Schwanengesang war.
    Aber die Allmans sind so was wie die Grateful Dead, wie Colosseum oder Fairport Convention: solange die Fans da
    sind, machen sie weiter, irgendwie. Und die Fans sind da!

    P.S. Was findest Du so symbolisch an dem Pilz? Sind halt alles alte Psilocybin-Fans, die Herren ;o) Und der
    bewußtseinserweiternde spitzkeglige Kahlkof seit langem ihr "Wappentierchen".
    Geändert von Dr. Dunbar (24.06.2010 um 13:19 Uhr)
    "Wake up the dying, don't wake up the dead. Change what you're saying, don't change what you said." (Eels)

  4. #4
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    Standard AW: The Allman Brothers Band - Hittin' The Note (2003)

    Ja ja.... ihr habt es nicht einfach mit mir.
    Wer erwartet auch schon eine Lobpreisung auf ein bluesiges Album von einem bekennenden Bluesbanausen ?

    Danke für euer Lob !


    Zitat Zitat von Dr. Dunbar Beitrag anzeigen
    Auch interessant, dass ausgerechnet Du Schönheit im Blues entdeckst...aber das sollte keine Spitze sein, oder?

    Neee, das war keine Spitze, auch wenn ich permanent damit kokettiere, mich als Bluesbanausen zu benennen.
    Es war ein ehrliches Kompliment.
    Das Original von den Stones finde ich hübsch, mehr nicht. Das kann ich mir anhören, ohne dass mir langweilig wird. Überdurchschnittlich finde ich die Nummer nicht.
    Die Version der Allmans hingegen finde ich sahnig.

    Ich habe erst beim zweiten oder dritten Anhören realisiert, dass die meisten Stücke im Blues verwurzelt sind.
    Um so überraschter war ich, wie gut mir das gesamte Album gefällt.


    Was den Bluesbanausen betrifft....
    Die melodischen Möglichkeiten im Blues sind sehr begrenzt. Gleiches gilt für Punk.
    Ich liebe Melodien. Wenn es zu oft stereotype Wiederholungen gibt, erlahmt mein Interesse.
    Gut gemachtes Handwerk allein reicht nicht aus, um mich zu begeistern und gute Handwerker gibt es im Blues massenhaft.
    Aus meiner Sicht sind es mindestens 80 Prozent.
    Übrigens, die erste Bluesnummer, die mir richtig gut gefiel, war "Spoonful" in der Version von Cream.


    Ich brauche mehr ('spirit', Seele, das Unverwechselbare) als nur gute Technik, um mich begeistern zu können.
    Vielleicht liegt es an den Musikern. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Bluesbanause bin.



    Zitat Zitat von Dr. Dunbar Beitrag anzeigen
    "Desdemona" hatte ich hier mal in einer Live Version eingestellt (wegen Derek Trucks zirzensischem Gitarrensolo)

    Jetzt weiß ich auch, warum der Titel irgendwie vertraut klang.




    Zitat Zitat von Dr. Dunbar Beitrag anzeigen
    P.S. Was findest Du so symbolisch an dem Pilz? Sind halt alles alte Psilocybin-Fans, die Herren ;o) Und der
    bewußtseinserweiternde spitzkeglige Kahlkof seit langem ihr "Wappentierchen".
    Ok... erwischt... ich habe schlecht und ungenau formuliert.
    Heute würde ich formulieren:
    Im Vordergrund ein unschuldiges Kind, das sich für einen Pilz interessiert.
    Könnte den Aufbruch zu neuen Ufern symbolisieren.
    (Wer tiefer tauchen möchte, mag darüber nachdenken, wofür der Pilz bei den Allmans steht.)




    music was my first love and it will be my last (John Miles)

  5. #5
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    Standard AW: The Allman Brothers Band - Hittin' The Note (2003)

    Pilz+Kind+Elefantenherde:

    Es geht die Sage, das Tierherden selbst in Panik zwar andere Lebewesen umrennen, aber nicht auf sie treten - also Aussage: Situation der Unschuldbewahrung durch tierische Vernunft, denn an der menschlichen lässt sich zweifeln;

    andere Variante: Elefanten= Ersatz für Rockdinosaurier (die in der Darstellung zu jurassicparkkitschig rübergekommen wären); Kind = Youngster, der von der Rock-Vorgeschichte nichts weiß, aber gerade einen Pilz betrachtet, vielleicht bald "bewusstseinserweiternde Pilzexperimente", unternimmt, dazu spezielle sounds braucht und so auch Zugang zur Rockvorgeschichte findet, die er vorher immer übersah....die Elefanten scheinen gerade zu raunen: Stört ihn nicht, er wird "einer von uns." Und damit wären wir auch wieder back where it all begann....
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  6. #6
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    Standard AW: The Allman Brothers Band - Hittin' The Note (2003)

    Prima Bildinterpretation, klingt stimmig, gefällt mir !

    Für das Album hätte ich mich höchstwahrscheinlich nie interessiert, wenn du nicht den Song "Old Before My Time" im Lyricthread vorgestellt hättest.
    Also danke nochmals dafür !



    Jetzt muss ich noch eine Korrektur vornehmen.
    Auf dem letzten Titel ("Old Friend") singt nicht Gregg Allman, sondern Warren Haynes.
    Spät kam sie, die Erleuchtung, aber immerhin....
    music was my first love and it will be my last (John Miles)

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