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Thema: City - City (1978)

  1. #1
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    Standard City - City (1978)

    Vorbemerkung: Sollte es hier schon eine qualifiziertere Besprechung von
    "City" geben, dann sorry. Die Suchfunktion hat jedenfalls nichts dergleichen
    gefunden.


    Zitat Zitat von Sleeper Beitrag anzeigen
    "City" - Am Fenster, wie immer in der Maxi-Version. Zehn Minuten. Von
    1977. Und der Song hat das ganze Deutschzeug vom Westen in diesem Jahr
    weggeputzt bei mir. Der war nämlich besser. Heute ist das das gleiche
    Land, damals kam das über die Mauer und sofort in die Gehörgänge. Booah.
    Produktionstechnisch war das sehr gut. Da würde mich mal die Geschichte
    um die Scheibe rum interessieren ....
    Sleepers Enthusiasmus hat mich animiert, dieses Lied anzuhören. Und
    nicht nur das eine Lied, sondern das ganze Album. FYI: Ich kannte es
    bisher nicht. 1977 habe ich es jedenfalls nicht wahrgenommen.
    Was ich nun gehört habe, das hat mich extrem dazu animiert, ein paar
    (sehr subjektive!) Worte darüber zu verlieren.


    City - City (1978)
    1. Es ist unheimlich heiß 04:31
    2. Der King vom Prenzlauer Berg 04:55
    3. Nachts um halb eins 03:54
    4. Traudl 03:16
    5. Meister aller Klassen 05:34
    6. Am Fenster 17:24


    Leider darf man die Texte hier nicht wiedergeben, daher verweise ich
    zum Verständnis des Folgenden auf die Lektüre der Seite
    http://www.ostmusik.de/cityplatten.htm , wo alle Texte verlinkt sind.

    Ich gestatte mir, mit der Tür ins Haus zu fallen: "Nachts um halb eins"
    bekommt von mir 5 von 5 möglichen Punkten, und "Am Fenster" -- naja,
    darüber hat die Geschichte sowieso schon entschieden: 6 von 5 Punkten,
    zum besten deutschen Rocksong des 20. Jahrhunderts gewählt...

    Allen übrigen Songs gebe ich nur einen Punkt. Und dieser eine Punkt ist
    auch nur dadurch verdient, dass die Musik professionell und routiniert
    dargeboten wird. Besonders originell oder innovativ ist sie allerdings nicht.
    Doch, halt, eine Ausnahme gibt es! Das auf der Gitarre (?) gespielte
    Zweitakt-Moped in Track 2. Der Song darf meinetwegen dafür ein paar
    Joker-Punkte einsammeln


    Was bei den Tracks 1, 2, 4 und 5 eine bessere Bewertung verhindert, das
    sind für mich die Texte. Niveau: Schüleraufsatz. Beispiele:

    He Jungs, wer kennt Traudl,
    ein kleiner Zahn mit langem blonden Haar.

    oder

    Es ist unheimlich heiß,
    der Saal ist voll.
    Die Stimmung ist toll,
    da spielt 'ne dufte Band.

    Arrgh.... das ist doch zum davonlaufen! Hat die Jugend in der DDR im
    Jahr 1977 so gesprochen? Das kann ich mir beim besten Willen nicht
    vorstellen.

    Keiner der 4 Texte geht in seiner Bedeutung über das unmittelbar Gesagte
    hinaus. Und dann der penetrant erhobene Zeigefinger, egal ob gegen die
    Jugendlichen (in Tr. 2 und 5) oder (in Tr. 1) gegen den Vater! Diese
    4 Titel anzuhören erfordert eiserne Nerven. Ohne die amateurhaften und
    peinlichen Texte hingegen wäre die Musik einfach durchschnittlicher
    70er-Jahre-Rock.

    Zwei Lieder jedoch fallen für mich aus der Reihe.

    Zunächst Track 3: "Nachts um halb eins". Die Musik ist unterhaltsam,
    wenn auch sicher nicht genial. Aber der Text hat's in sich: Da wird mit
    wenigen, einfachen, kurzen Worten eine ganze Welt aufgebaut, nämlich
    die Welt eine Mädchens, mit noch weniger Worten wird angedeutet, wie
    diese Welt sich bald revolutionieren wird. Der Text ist inhaltlich völlig
    schlicht, fast banal (aber nie peinlich!), und doch lässt er im Kopf des
    Zuhörers einen ganzen Film ablaufen. Das ist Poesie! Dieses Lied hat
    für mich ein Niveau wie z.B. "She's leaving home".

    Und die zweite Perle ist - natürlich - "Am Fenster". Ich bremse meine
    Begeisterung und beginne mit den Fakten:

    Von dem Lied gibt's urspünglich zwei Versionen: Diejenige auf dem
    Album mit einer Länge von 17:24 (sic), und die nur etwa halb so lange
    Single-Version. (Später wurden weitere eingespielt.)

    Interesanterweise war die Single schon im Jahr zuvor veröffentlicht
    worden, stellt also keine nachträglich zusammengestrichene Fassung dar.

    Nicht nur durch seine Länge ist diese Titel auffällig, auch durch seinen
    Text, ein Gedicht der Schriftstellerin Hildegard Maria Rauchfuß.
    (Die übrigen Texte stammen vom Sänger Toni Krahl bzw. Track 4 von
    Harry Gölitzer.)

    Auch musikalisch steht "Am Fenster" auf dem Album einzigartig da:
    Tragendes Melodieinstrument ist hier nämlich eine Violine. gespielt von
    Georgi Gogow (ansonsten Bassist).

    Die Langfassung von "Am Fenster" zerfällt in drei Teile:

    Der erste ist eine Art Vorspiel, rein instrumental, von ca. 5 Minuten
    Länge, das aprupt und mitten in der Melodie endet.

    Darauf folgt eine akustische "Szene": Geräusche vom Öffnen eines
    Fensters, ein Vorhang wird zurückgeschoben, eine Uhr schlägt... Klingt
    nicht spektakulär, ist aber klasse gemacht: die Wirklichkeit ist fast zu
    greifen und zu riechen.

    Teil III ist schließlich in etwa identisch mit der Single-Fassung, allerdings
    etwas länger: 10 statt knapp 8 Minuten; in diesem Teil wird gesungen.

    Die Musik von "Am Fenster" ist weniger rockig als der Rest des Albums,
    stattdesesen eher melodisch-fließend. Teil III ist von einem durchgehenden,
    treibenden Rhythmus geprägt, und seine Melodie ist eingängig, fast ein
    Ohrwurm; angeblich wurde das Stück sogar in Discos gespielt... ich könnte
    mir das gut vorstellen.


    Warum fällt dieser Titel so sehr aus der Reihe? Eine mögliche Erklärung:
    Er wurde (laut allmusic) im Wesentlichen von Emil Bogdanow "erdacht",
    der die Band aber schon 1975 verließ. Auf der LP wird allerding schlicht
    und ergreifend "City" als Komponist genannt; nun ja...
    Warum der Song erst 1977 veröffentlicht wurde, ist egal, aber der Rest
    des Albums wurde eben nicht mehr von Bogdanow geprägt; da sind auf
    dem Cover dann auch explizit andere Komponisten individuell genannt.


    Ganz ehrlich: Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um "Am Fenster"
    genießen zu können. Teil II ist originell, aber vor allem den Text in
    Teil III empfand ich zunächst als etwas sperrig.
    Schließlich habe ich aber gespürt, wie Rhythmus, Melodie und Text eine
    Einheit bilden, auf der ich mich regelrecht hinwegtragen lassen konnte.

    Danach lief "Am Fenster" fast einen Abend lang in heavy rotation
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    bludgeon (06.08.2010), Mellow (06.08.2010), roberto (06.08.2010), silverhammer (06.08.2010), street66 (07.08.2010)

  3. #2
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    Standard AW: City - City (1978)

    Klasse geschrieben, Demon . . . + .

    Ich "lebte" zu jener Zeit in Berlin (als hessischer Exilant sozusagen), da war die zweistaatliche Realität näher, und der Alexanderplatz sowieso und damit auch Verlage wie R&L oder V&W mit ihren klasse Anhängen und eben auch die Musik - - -

    Hier im Rhein-Mainischen hatte man noch keine Ahnung von Maschine Birr etc . . und plötzlich klangs in allen WGs "Einmal wissen, dieses bleibt für immer..." schien die Parole für den Dauerlauf dieses Stückes . . .

    Merkwürderweise aber immer nur dieses eine Stück, lief ein anderes dieser Platte,
    erhob sich garantiert irgendwo eine Stimme:"machlieberma am Fenster...!"

    Du hast ja mögliche Erklärungen geliefert, vielleicht wären hinsichtlich der Sprache jener Zeit und vor allem der Texte, Jersch oder Bludgeon als fundierte Kenner der Szene mal angesprochen für eine Nachhilfestunde . . .


    es gibt auch eine "PLatinedition" der Scheibe, die hier lagert

    01 Am Fenster(Single Edit)
    02 Nachts in meinen Träumen
    03 Unter der Haut
    04 Cinema Hall
    05 Glastraum
    06 Window(Off Beat-Remix)
    07 Der King vom Prenzlauer Berg
    08 Amerika
    09 Aus der Ferne
    10 Mir wird kalt dabei
    11 Casablanca
    12 Pfefferminzhimmel
    13 Am Fenster (I Traum - II Tagtraum - III Am Fenster)

  4. #3
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    Standard AW: City - City (1978)

    Zitat Zitat von roberto Beitrag anzeigen

    es gibt auch eine "PLatinedition" der Scheibe, die hier lagert

    01 Am Fenster(Single Edit)
    02 Nachts in meinen Träumen
    03 Unter der Haut
    04 Cinema Hall
    05 Glastraum
    06 Window(Off Beat-Remix)
    07 Der King vom Prenzlauer Berg
    08 Amerika
    09 Aus der Ferne
    10 Mir wird kalt dabei
    11 Casablanca
    12 Pfefferminzhimmel
    13 Am Fenster (I Traum - II Tagtraum - III Am Fenster)
    isdasgruslig!
    Das liest sich, als wenn jemand bei den Beatles draufgekommen wäre: Wir nehmen mal die Sgt Pepper, kürzen dort a day in the life, fixing a hole und bathroomwindow raus und schnippeln she loves you und revolution Nr.9 dran - da haben die Fans gleich mal son richtig guten Überblick.

    Die Liste umfasst fast alle Titel der besten City-LP "Casablanca"(1987) ergänzt mit ein bissel ...- na sagen wir - Unerhebliches
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  5. #4
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    Standard AW: City - City (1978)

    "Klagt ein Vogel, ach, auch mein Gefieder

    nässt der Regen, flieg ich durch die Welt"

    Kackt ein Vogel, ach auf mein Gefieder...hab ich immer verstanden.

    Im Ernst, Am Fenster ist für mich ein Jahrhundertsong, den ich immer mit meiner Jugend verbinde und immer wieder hören kann.
    Der Rest der Platte (steht hier als Vinyl) fällt leider in meinen Ohren ab. Da ist mir die Maxi am liebsten.
    It´s only Rock´n´Roll, but I like it

  6. #5
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    Standard AW: City - City (1978)

    Sollte dieser Thread dereinst einem interessierten Leser auffallen,
    der die aktuelle Diskussion nicht live miterlebt hat: Ein wichtiger
    Beitrag zum Thema findet sich in einem anderen Thread.

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