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Thema: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

  1. #1
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    Standard # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Also, ich bin ja in dem Nest hier gross geworden. Was waren wir Jungs froh, wenns endlich Frühjahr wurde und auf den Bächen dort drunten im Wiesengrund das
    Eis brach und wir endlich die Angeln ausm Schuppen holen konnten und dann sind wir auf Schleien und kleine Barsche gegangen . . Und im Sommer kam jedes Jahr
    wieder der fahle Jim Youlden aus Halesworth mit seinem Traktor vorbei, der hatte hinten dran sonen Aufbau, weisst du, wo die heute ihren Überrollbügel hatten, so nen
    Aufbau hatte der, das warne Bandsäge, da hielt der gerade hier gegenüber am Anger und sägte gegen Lohn den Bauern hier ihr Holz für den kommenden Winter.
    Auch den paar Angestellten, die hier in der kleinen Fabrik arbeiteten, die hatten ja nix in den Muckis, verstehst du. Die Arbeiter, die hackten ihr Holz, akkurat in kleinen Scheiten,
    die sie in ihren Ställchen aufschichteten. Sei doch mal ruhig, Jack!

    Na und im August kochten die alten Weiber im kupfernen Waschkessel das Pflaumenmus, das muss 3 Tage und Nächte ununterbrochen gerührt werden und dass den
    alten Frauen die Arme dabei nicht einschliefen, da wechselten die sich ab. Aber so müde die manchmal auch waren, die schwätzten und schwabbelten tagelang. Da sind wir einmal
    drüben in die Waschküche von dem Wilburn, der lebt ja nun auch seit Jahren nicht mehr, da hatten wir dummen Schlingel von unten den Kessel nachgeheizt und die Alten haben
    nichts mitgekriegt so waren die am schwätzen, nachdem sie sich über Kathys Geistermärchen entsetzlich erschrocken hatten. Und dann gabs ein Mordsgeschrei weils plötzlich so
    sehr im Kessel dampfte und das Mus zu kochen anfing und der olle Wilburn ist uns mit der Mistgabel nach.
    Iss ja gut, alter Junge, die Pfeife ist eh gleich aus.

    Naja und dann um diese Zeit im Oktober kam dann der Krautschneider, ging von Hof zu Hof und schnitt den Bauern hier das Kraut, das die Frauen dann einlegten – das weiss ja
    heute keiner mehr; klar gabs hier jede Menge Kraut zu essen, das wird gerne vergessen, denn nachher im ersten Krieg wurden die verdammten Deutschen zu den Krauts, die
    sie heute noch sind und da gabs tatsächlich Leute hier, die lieber Kohldampf schoben (woher kommt dieses Wort eigentlich?) als den verdammten Kohl zu essen.

    So verging das Jahr und hatte seinen eigenen Rhythmus hier bei uns. Dauernd war was los, dauernd musste man rackern. Und die schweren Pferde waren der Stolz jedes Bauern.
    An Kirchweih wurde die geschmückt und das schönste Kaltblut wurde gekürt und sein Besitzer konnte sich zwei Tage lang umsonst die Kanne geben.

    Für euch jungen Leute wollten wir ja, dass das alles mal einfacher werden soll, das war manchmal ganz schön hart hier und am Ende hattest du nicht mal nen Schilling,
    um im „Postillion und Hufeisen“ nen Pint und nen Gin zu nehmen am Sonntag nach der Kirche. Brr, steh doch mal ruhig, alter Junge.

    Ich mag diese Jahreszeit im Oktober am liebsten, wenns morgens so richtig nassfeucht aus den Feldern aufsteigt, die letzten Äcker sind gepflügt für die Winteraussaat,
    die Geräte werden überholt und der Winter mit seinen harten Winden fegt noch nicht übers Land. Es wird schon früher dunkel aber an einem sonnigen Tag leuchtet
    das bunte Laub und erhellt dir deine Seele für die langen Wintertage.

    Der alte Jack hier, der mag den Winter auch nicht gerne, der geht lieber raus und arbeitet so wie ers schon sein langes Leben lang getan, nicht wahr, Jack.
    Er ist das letzte Kaltblut hier im Dorf, ein Shire, schau mal, er spürt, dass wir von ihm reden, der hat ein Stockmass von 6ft.3Zoll. Hey, und ich bin ein
    Mann von aufrechten 6ft und ich wiege 1stone 5lb, aber gegen Jack bin geradezu ein Männchen. So, ich muss jetzt aber weiter, ich will noch mal sehen, ob die
    Kühe noch einige Nächte draussen bleiben können. Jack braucht auch noch seinen kleinen Ausritt am Abend. Vielleicht treffen wir uns ja nachher noch mal im „Postillion und Hufeisen“.
    Dann singen wir gemeinsam das Lied von den stolzen englischen Pferden – von den Kaltblütern . . . .
    Hüü Jack, komm alter Junge . . .


    # 26 – Kaltblüter – Jethro Tull (1978)

    Eisenbeschlagen, huffedernd staubtrabend;
    Ein Oktobertag, gegen Abend
    Schweiss und stattlich anschwellende Adern stemmen sich stolz gegen den Pflug
    Salz auf dem mächtigen Brustkorb trocknet an der Luft
    Letzter seines Schlages – nach ehrlicher Tagesmühe
    Pflügst die Scholle unter…
    Feuerstein an der Fessel, ziseliert am Knochen
    Fliegen an den Nüstern fleddern…

    Der Suffolk, der Clydesdale, der Percheron messen sich neben
    Mit dem Shire mit seiner wehenden Mähne
    Ziehend schleppend angenehmes weiches Holz in die Abenddämmerung
    Zu betten auf einem warmen Strohlager.

    Kaltblüter, bewegt die Erde unter mir
    Hinten gleitet der Pflug - - schleifend und rutschend
    Nur wenige sind jetzt noch übrig
    Es gibt keine Arbeit mehr zu schaffen
    Der Traktor ist auf dem Weg

    Lass mich dir ein Stutenfohlen finden für deinen würdigen Samen Hengst,
    Um den alten Schlag zu erhalten –
    Und wir werden Seite an Seite stehen tief im Wald,
    Hinten wo die jungen Bäume wachsen . . . um dich
    Vor den Blicken zu verbergen, die sich über deine Grösse lustig machen
    Und dein Stockmass 18Hand hoch –
    Und eines Tages wenn die Ölbarone auf dem Trockenen sitzen und
    Die Nächte draussen kälter aufziehen
    Dann werden sie um deine Stärke und deine sanfte Arbeitskraft bitten
    Deine edle Anmut und deine Haltung
    Und du wirst dich noch einmal anstrengen zum Gesang der Möwen
    Im Geschirr vor dem Tiefpflug, furchend.

    Wie Panzer Sstehend auf der Kuppe des Hügels
    Aufrecht dem kalten Wind gerade zugewandt
    In steifem Zuggeschirr, erdverbunden
    gegen die niedrige Sonne ausschreitend - -
    Bringt mir ein Rad aus eichenem Holz,
    Zügel von poliertem Leder,
    Ein Kaltblut und einen aufgewühlten Himmel, ein
    Schweres Wetter zusammenbrauend.

    Bringt ein Lied für den Abend,
    Blankes Messing blitzt im Morgengrauen
    Über diese glitzrigen Äcker
    Wie Dunst auf einem Rasenteppich - -
    In diesen dunklen Käffern liegt das Volk im Schlaf
    Wenn die Kaltblüter vorbeidonnern,
    Um die niedergehende Kleinstadt wach zu rütteln
    Durch dem beseelten Schrei des Reiters
    Die alten Hände beleben sich augenblicklich - - -
    Bring Hufkratzer, Strohbündel und Striegel
    Begeistere dich an all den Klängen,
    Die Kaltblüter kommen nach Hause.

    Original auf: Jethro Tull – Heavy Horses (1978)
    juhtjuhp: http://www.youtube.com/watch?v=2ntI4TkOvEU
    (Tonqualität leider lausig – aber ein typisches Tull Video)

    PS: Wer sich für Pferde interessiert, sucht mal im Netz nach Fotos vom Shire Horse, der Rasse mit den grössten Pferden. Clydesdale, Percheron und Suffolk sind
    ebenfalls Kaltblutrassen. Ian Anderson züchtete früher mal Kaltblüter; keine Ahnung, ob der das noch tut. Seine Forellenzucht soll er noch besitzen.

    PPS: @ Demon, Hazel wollte nicht mit in den Pub . .
    Geändert von roberto (18.10.2010 um 23:50 Uhr)

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    Black Dog (18.10.2010), Demon (18.10.2010), Jersch (20.10.2010), Mellow (19.10.2010), silverhammer (19.10.2010), Willi Winzig (18.10.2010)

  3. #2
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    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Applaus, Applaus!!!


    dein Meisterwerk bisher;
    das ist klasse zu lesen, selbst wenn man die Musik (noch) nicht kennt;


    Hazel wollte nicht mit in den Pub . .
    oh, schade, sogar dir ist die Frau zu schwierig...


    PS: ich sehe/höre grade das Video an;
    deine Dichtung ist m.E. weit besser als die einfallslose Musik
    Geändert von Demon (18.10.2010 um 22:22 Uhr)

  4. #3
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    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Zitat Zitat von Demon Beitrag anzeigen
    Applaus, Applaus!!!
    ....
    dein Meisterwerk bisher;
    das ist klasse zu lesen, selbst wenn man die Musik (noch) nicht kennt;



    oh, schade, sogar dir ist die Frau zu schwierig...
    das Thema an sich ist schon klar, einige Ausdruckskombinationen müsste ich mir aber zusammenbasteln, das mag ich weniger... . .

  5. #4
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    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Wenn man sich für Pferde interessiert:

    Gustav Otto Dix - "Duran/ein Pferd unterwegs" lesen

    gibts ganz billig antiquarisch

    Mit Jethro Tull ob eingedeutscht oder im Original hab ichs ja eher nicht so.aber das Anliegen des Songs ist schon ok.
    Geändert von bludgeon (18.10.2010 um 22:58 Uhr)
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  6. #5
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    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Zitat Zitat von Demon Beitrag anzeigen
    ...PS: ich sehe/höre grade das Video an;
    deine Dichtung ist m.E. weit besser als die einfallslose Musik
    Das freut mich, wenns dir gefällt. In den End70ern hatte Ian Anderson reichlich Pulver verschossen, bei dem, was er als echter Kreativbolzen da innerhalb von zehn Jahren hingelegt hat. Heavy Horses ist trotzdem noch immer eine meiner Favouriten von Tull, das mag auch damit zusammen hängen, dass wir zu dieser Zeit so einen turn draufhatten von den langhaarigen Schmierbappen hin zu den Geniessern ländlicher Genüsse, also Äppel klauen und Apfelwein zuhause für die langen Winterabende selbst keltern, Marmeladen einkochen . . die ersten kauften schon mal ein runtergekommenes Bauernhäuschen Richtung Dr.Dunbar etcetcetc . . damits mags wohl auch zusammen hängen, dass die Scheibe passend kam . .


  7. #6
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    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Hut ab, Mr Hut Hut ab

    und nen herzlichen Gruß von den kleinen Dülmenern und Koniks an die Shire-Riesen: Wenn es Abend wird sind sie willkommen auf unseren wilden Weiden.

    xttp://www.wildpferde.de/

    WW

  8. #7
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    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Schöne, stimmige Einleitung !

    Der Song wie das gesamte Album gehört zu meinen Favoriten im Tull Katalog.


    OFF-Topic:
    Warum wurde Locomotive Breath oder dieser Song nicht nominiert ?
    music was my first love and it will be my last (John Miles)

  9. #8
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    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Eine genial gute Übersetzung.

    Wenn man das so sagen darf.

    Der Spur nach war mir immer klar, dass Anderson mit "Heavy Horses" sich auf die guten alten Zeiten rückbesonnen hatte, das war ja zumeist sein Thema, später hat er Lachse gezüchtet. Fast könnte man meinen dass er sich wähnte, zur falschen Zeit geboren zu sein.

    Mal der Minstrel, mal der Landmensch, mal der gealterte Rocker, irgendwie hat es nie gepasst. Konsequent.
    Geändert von Sleeper (18.10.2010 um 23:49 Uhr)

  10. #9
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    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Zitat Zitat von Sleeper Beitrag anzeigen
    Eine genial gute Übersetzung.

    Wenn man das so sagen darf.

    Der Spur nach war mir immer klar, dass Anderson mit "Heavy Horses" sich auf die guten alten Zeiten rückbesonnen hatte, das war ja zumeist sein Thema, später hat er Lachse gezüchtet. Fast könnte man meinen dass er sich wähnte, zur falschen Zeit geboren zu sein.

    Mal der Minstrel, mal der Landmensch, mal der gealterte Rocker, irgendwie hat es nie gepasst. Konsequent.
    Durchgehend konsequent hat er wohl nur den einbeinig flötenden Schrat gegeben . . das allerdings gut, thematisch hat er etliches ausprobiert, da stimme ich dir gerne zu, und auch dazu, dass es manchmal reichlich schräg gewesen ist . .
    Lachse??? - - ich dachte es seien Forellen gewesen . . mein Kurzzeitgedächtnis scheint zu leiden . .
    Geändert von roberto (18.10.2010 um 23:54 Uhr)

  11. #10
    Hasufel Besucher

    Standard AW: # 23 Heavy Horses - Jethro Tull (1978)

    Ian Anderson ist schon gut. Mir haben die letzten Live Auftritte in Bonn an der Museumsmeile sehr sehr gut gefallen. Ein sehr gemischtes Publikum jedesmal. Too old to Rock' Roll too young to die, kann man da manchmal sagen.
    Das Album hat bei mir einen sehr hohen Stellenwert, weil es mir aus der Seele spricht. Hab das anfang der 80er immer gehört wenn ich im Spessart mit den "Heavy Horses" unterwegs war (Damals gab's leider noch keine kleinen MP3player und die Microcasetten hatten eine wirklich lausige Qualität).

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