#26 Feleena(from El Paso) - Marty Robbins
Na denn, hier der El Paso – Doppelschlag:
Die Gunfighter Ballads von Marty Robbins sind ein absolutes Highlight in der amerikanischen Musikgeschichte.
Kurz vor der „Britisch Beat Invasion“ und gerade noch rechtzeitig, bevor der Western im Kino aus der Mode kam, sang Robbins sich mit „El Paso“ in den Country-Olymp.
Da die Nummer so erfolgreich abräumte, gab es mit dem folgenden Text eine Fortsetzung.
Die Nummer ist für die Gepflogenheiten der 50er Jahre mit fast 7 Minuten extrem lang.
Ich höre da jede Menge Ähnlichkeiten Uhland, Chamisso, Heine usw. heraus.
Feleena kann man als eine Art „Wüsten-Loreley“ verstehen….
Sleeper hat El Paso sehr wörtlich übertragen.
Ich hab die Fortsetzung nachgedichtet und somit die Detailfülle des Originaltextes geschändet.
Es ging irgendwie nicht anders.
….hat aber Spaß gemacht.
Draußen am Weltenrand
Im Newmexicowüstensand
Hatte der Herrgott
ne einsame Hütte verlor’n
Im dollsten Gewitterkrach
lag dort ein Pärchen wach
Denn ihm wurde ein Mädchen geborn.
Beim ersten Babyschrei
Der Himmel war plötzlich frei
Romantisches Mondlicht
erhellte die Szenerie
Auch Sterne traun sich raus
Da sprachs der Vater aus:
„Feleena nennen wir sie.“
Als sie dann 17 war
unter dem langen Haar
brütete sie gar wilde Träume sich aus.
Und eines nachts, so still,
erfüllt sich das Schicksalsspiel:
Klamm heimlich verlässt sie das Haus.
Die Eltern sind ratlos nun.
Was gibt es jetzt zu tun?
Was haben denn wir
um Gotteswillen falsch gemacht?
War es nicht grad so schön
Haben wir’s kommen seh’n?
Und Feleena irrt allein durch die Nacht.
Sie ging nach Santa Fé
Ganz ohne Portmonee
jedoch war sie hübsch
und die Männer stellten ihr nach
sie ließ mit sich tanzen
sie spielte Romanzen
doch ihr Herz wurde nie dabei schwach.
es kam keine Ruhe rein
es sollte was andres sein
Straßen noch breiter
Und Nächte doppelt so hell
Ein Trapper schwärmte mal
Vom Leben ohne Qual
In El Paso - da entschied sie ganz schnell
Also kauft sie ein Ticket
konsequent ohne Rückweg
fährt Postkutsche
ohn' Rast ohne Ruh’
Aber sie hält es aus
Es geht immer gerade aus
Manchmal fallen die Augen ihr zu.
Die Kutsch’ hält zum letzten Mal
Und sie sieht dort im Tal
Die Lichter so zahlreich
Und all die Straßen so breit
Da schlägt ihr Herz ganz wild
Hier hat sich ein Traum erfüllt
Es wurde nach Jahren auch Zeit.
Nimmt ein Zimmer im „Lily Belle“
Zieht sich noch um ganz schnell
und steht im Saal
im hauteng nachtschwarzen Kleid
Die Männer sehn auf vom Bier
So was ist selten hier
Woher kommt denn die angeschneit
Feleena ist glücklich
Sie tanzt augenblicklich
Die jungen, sie glotzen
und die alten klatschen im Takt.
Sie war der Star der Nacht
Drum wurde gleich durch gemacht
Und mancher träumt sie sich nackt.
In Rosa’s Cantina
Gibt’s von nun an Feleena
Jeden Abend zum Tanze
und spät abends -auch auf dem Tisch.
Rosa zahlt guten Lohn
es steigt der Umsatz schon
Und Feleena ist lange noch frisch.
So ging ein Jahr vorbei
oder auch zwei und drei
Da betrat den Saloon
ein Fremder so kräftig und schön
Er sah so vornehm aus
Feleena sucht ihn sich aus
Niemand hat ihn zuvor je geseh’n.
Feleena tanzt eng mit ihm
Hält ihm ne Rose hin
Also bringt er sie schließlich
Sogar an den Tisch
Setzt sich gleich neben sie
Streichelt ihr übers Knie
Erzählt locker und lustig und frisch.
Noch war kein Tag vorbei
Da sah man sie - die zwei
ritten Schritt und Galopp
meistenteils aber im Trab.
Sagten die Leute dann:
„Schaut euch das Pärchen an.
Der Mann zeigt Feleena die Stadt!“
Eines Tags kurz vor Ladenschluss
Fällt ein Winchesterschuss
Vor der Tür der Cantina
wird’s urplötzlich mörderlich laut.
Feleena rennt raus und sieht,
dass gerade ihr Lover flieht -
sie winkt und er grüßt seine Braut.
Da schießt es wieder
und ihm fährt’s durch die Glieder
schwer getroffen
sinkt er in den Staub
Feleena eilt zu ihm
Will ihm noch beisteh’n
Für den Lärm um sie rum völlig taub.
Sie kniet nah bei ihm
Will ihn auf den Schoss zieh’n
Hört ihn röcheln und flüstern –
sie lauscht:
„Good bye Liebling, ich gehe
vergiss mich nicht, ich flehe…“
Ein letzter Kuss wird getauscht.
Sie greift nach dem Colt
Der vor ihre Füß’ rollt
Drückt die Mündung sich an die Brust –
Ein Schuss reißt die Stille-
Und ihr letzter Wille
Ist: begrabt uns gemeinsam
Und Schluss.
Man erzählt manchem Kinde
In El Paso die Winde
Die heulen so seltsam
und wehen empor jedes Blatt
Wann immer sie rauschen
Cowboys Blicke dann tauschen:
„Feleena zeigt IHM die Stadt.“
Wenn man nicht die dicke Bear Family Kiste "Under western skies" kaufen will, findet man den Song ungekürzt auch auf "the drifter"
Geändert von bludgeon (20.10.2010 um 17:10 Uhr)
das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)
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