Alice Cooper - Volkshaus Zürich 17.11.2010
Das Volkshaus war wieder mal brechend voll. Aber seit dort nicht mehr geraucht werden darf, hat sich tatsächlich, auch bei voller Hütte, die Luft entscheidend verbessert. Den Anfang machte irgendeine Heidilandkapelle die mir so was von auf den Sack ging. Ein Hand voll abgebrochener Möchtegernrocker, die mal bei den Grossen mitmachen dürfen. Klar, ist unfair, aber ich bin ja nicht wegen denen nach Zürich gewatschelt. Wenigstens waren die nach ca. 30 Minuten fertig und eine halbe Stunde später hiess es, Vorhang auf für the Coop.
Wenn ich mich richtig erinnere, hat er seine Shows seit Jahren mit "Welcome To My Nightmare" eröffnet, aber diesmal war der Opener "School's Out" (hat er vor Jahren schon mal gemacht, nachzuhören auf "A Fistful Of Alice"). Uebrigens war es eher Vorhang runter und der Canvey ist im Publikum gestanden und hat gegrinst wie der Weihnachtsmann am Nordpol. Natürlich hat man sich auf eine Art "Best Of" eingestellt, ist das doch jedes Mal so. Der eine oder andere unbekanntere Song eines neueren Albums wird zwar eingestreut, aber die Killertracks sind halt doch immer wieder "Under My Wheels", "Yeah Yeah Yeah", "Only Women Bleed", "Elected" und eine Tonne anderer Songs. Das Publikum war enorm gut drauf und ich habe noch nie gehört, dass die ganze Meute wirklich und ungelogen ganze Passagen mitgesungen hat. Ich natürlich dito, ist mir doch wurscht, dass ich mich bei "I'm Eighteen" zum Affen mache. Nö, mach ich gar nicht, irgendwann schiebt man mich im Rollstuhl an ein AC Konzert und ich krächze das immer noch mit.
Rollstuhl: natürlich gehörte der zu den "Props", wie auch das Fallbeil und der Strick und die Spritze undwasweissich noch. Da hätte ich allerdings eine ganz kleine Kritik anzubringen. Bis jetzt hatte jeder Gig irgendwie einen roten Faden und, auch wenn die Gimmicks dick aufgetragen wurden, wars irgendwie kohärent. Manchmal hatte man gestern Abend das Gefühl von X-Beliebigkeit. Nicht, dass man mich falsch versteht, das war exzellent von Start bis Finish, aber irgendwie hat mich das Gefühl beschlichen, man hätte wirklich alles an Equipment mitgeschleppt, was die letzten 40 Jahre Bühnenpräsenz mit sich brachten. Gut, die Schlange fehlte, aber sonst war so ziemlich alles im Rampenlicht.
AC ist ja nun auch schon über 60, aber die Show, die er auf die Bretter gelegt hat, ist erstklassig. Seine Stimme immer noch Platz markierend und kein bisschen weichgespült. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann war dieses Mal seine Tochter nicht von der Partie (ich hab da irgend einen anderen Namen gehört), die sonst immer die Krankenschwester gegeben hat. Die Instrumentalisten sind wie immer eine Hardrockkapelle die nichts anbrennen lässt. Da wird Gas gegeben, dass die Hütte wackelt. Die Typen sehen ja aber auch aus wie die sprichwörtlichen Rockerprototypen. Interessant die vielen jugendlichen Konzertbesucher. Was mir aber auf den Sack geht, Eltern, die meinen, unbedingt ihre 10-jährigen Kinder an einen AC Gig mitnehmen zu müssen. Erstens ist es, auch wenn man es anders sehen kann, kein Kindergeburtstag und zweitens, machen die ihrem Nachwuchs keinen Gefallen. Entweder ist denen langweilig, einem alten Mann beim rumturnen auf der Bühne zuzusehen oder die haben ihren Gehörschaden bereits in sehr jungen Jahren gefischt.
Nach knapp 5/4 Stunden war Feierabend, aber die 2 Zugaben habens dann doch noch auf ca. 90 Minuten gestreckt. Dürfte auch einer der kürzesten AC Gigsd gewesen sein, den ich je miterlebte. Aber jede Minute davon war es wert, dort gewesen zu sein. Und wenn the Coop wieder in der Gegend auftaucht, dann ist eines sicher. der Canvey steht bei den Leuten, singt "I'm Eighteen" und kümmert sich einen Scheissdreck drum, was andere davon halten. Alice rocks!
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