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Thema: BO DIDDLEY - The Black Gladiator (1970)

  1. #1
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    Standard BO DIDDLEY - The Black Gladiator (1970)

    GENE VINCENT und LITTLE RICHARD habe ich schon ergründet, respektive ihre spannenden und musikalisch gelungenen Comebacks Ende Sixties / Anfang Seventies, lange nach der Hochblüte des Rock'n'Roll. Andere Künstler aus diesem Genre sackten völlig ab, hatten nicht mehr viel zu bieten, blieben an ihren Standards aus den Fünfzigern kleben.

    BO DIDDLEY (bürgerlich Ellas McDaniel) gehörte auch zur alten Garde, die Luft, respektive der Erfolg, wurde trotz immensem Ruhm immer dünner. Bei seinem angestammten Label CHESS wurde wohl daher eine Frischzellenkur verordnet. Der witzige, hornbebrillte Saitendrescher/Songwriter wurde generalüberholt, mit dem dazumals aktuellen Soul/Funk/Bluesrock-Etikett versehen und wieder ins Rennen geschickt...


    Die Offensive ging 1970 mit THE BLACK GLADIATOR los.
    Was 'ne Rille, alleine das Coverartwork das BO im sexy Riemenlederoufit zeigt, lässt mich einen Salto schlagen! Hart... knallhart... radikal... höchstwahrscheinlich in einem SM-Laden geborgt, Chicago liegt ja relativ weit weg von Hollywood und deren Kostümverleihern. Tolles Design, gar nicht mal so weit von Punkrock entfernt und wer weiss, vielleicht liess sich ja auch der Modefreak Malcolm McLaren davon inspirieren.

    Ganz neu war der auf THE BLACK GLADIATOR festgehaltene Sound natürlich nicht, Bluesschemata tauchten nach wie vor auf, BO erinnert da und dort stark an B.B. KING, die Interpretationen waren aber meist modern gehalten und trotz handelsüblicher Songlänge (respektive Songkürze), jamorientierter, mit Hammondorgel à la BOOKER T & THE MG's, mit dominanten, rohen Gitarren und vor allem mit gospelgetränktem, weiblichem Background-Gesang der manchmal auch das Ruder in die Hand nahm. Im abschliessenden I DON'T LIKE YOU machte BO DIDDLEY gar auf klassischen Tenor, um sich dann aber der mitsingenden Dame zu stellen... ein Brüller... glasklar eine augenzwinkernde Frühform des viel später angesagten Rap.

    Kommerziell gesehen war THE BLACK GLADIATOR kein Reisser für CHESS. Trotzdem gab man nicht auf und bis 1974 erschienen weitere vorzügliche, zeitgeistige Scheiben des BO-Beat-Erfinders...



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    BO DIDDLEY – The Black Gladiator (Checker, 1970)
    Elephant Man (4:28)
    You, Bo Diddley (3:30)
    Black Soul (2:47)
    Power House (2:50)
    If The Bible's Right (3:08)
    I've Got A Feeling (2:46)
    Shut Up, Woman (3:40)
    Hot Buttered Blues (3:44)
    Funky Fly (2:55)
    I Don't Like You (3:10)

  2. #2
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    Standard AW: BO DIDDLEY - The Black Gladiator (1970)

    Obigen Beitrag widme ich unserem Zirkusdirektor, dem grossartigen Remo4.
    Selbst wenn das Leben (und die vermaledeite Technik) einen manchmal in die allertiefsten Abründe zu stürzen droht, gibt es immer wieder solche Sahnestückchen wie BLACK GLADIATOR die einen Musikliebhaber wieder dazu animieren sollten, die Flagge hochzuhalten und den alten Windmühlenkampf weiter zu kämpfen...


  3. #3
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    Standard AW: BO DIDDLEY - The Black Gladiator (1970)

    Windmühle ist gut... Heute funzte überhaupt nichts.

    Trotzdem, DANKE!

    Egal, Bo Diddley geht immer. Das Album kenn ich nicht, aber irgendwann wird es hier stehen. Bo Diddley ist seinem Sound immer treu geblieben ohne jemals langweilig zu werden. Gibt es eigentlich ein Album ohne einen Song über Bo Diddley himself?

  4. #4
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    Standard AW: BO DIDDLEY - The Black Gladiator (1970)

    Zitat Zitat von remo4 Beitrag anzeigen
    Gibt es eigentlich ein Album ohne einen Song über Bo Diddley himself?
    Doch doch... zum Beispiel nach BLACK GLADIATOR, das Album ANOTHER DIMENSION von 1971 ist "diddleytitelfrei", natürlich nur vordergründig, in den Songs steckt er trotzdem drin...


  5. #5
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    Standard BO DIDDLEY - Another Dimension (1971)

    BLACK GLADIATOR brachte noch mehr Ruhm, spülte aber immer noch wenig Kohle in die Labelkasse. DIDDLEY's Ansehen stieg bei der jüngeren Generation, er wurde gecovert was das Zeug hielt, allerdings machte sich die Welt meist über seine alten Songs her.

    1971, neues Jahr, neues Glück, Zeit für eine andere Dimension? Die Überlegung bei ANOTHER DIMENSION war „nimm angesagte Titel und mache sie selber zum Hit“, bei IKE & TINA hatte das ja schliesslich auch funktioniert. Nun, die Rechnung ging nicht auf, es nützte nichts, gleich drei mal CCR auf den Seziertisch zu legen. Ausnahme vielleicht LODI mit seinem treibenden Country-Groove. Insgesamt gaben BO's Fogerty-Interpretationen aber nicht viel her. Wesentlich stärker dafür der Funkrocker POLLUTION, das soulige BAD SIDE OF THE MOON, AL's I LOVE YOU MORE THAN YOU'LL EVER KNOW, das jazzige Instrumental GO FOR BROKE.

    Trotz der Mithilfe von AL KOOPER der hier manchmal tief in die Saiten griff, fehlt ANOTHER DIMENSION die Geschlossenheit, wirkt stellenweise etwas zusammengeschustert. Also wieder kein Verkaufsschlager, die Suche ging weiter...



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    Geändert von Mellow (05.03.2011 um 10:31 Uhr)

  6. #6
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    Standard BO DIDDLEY - Where It All Began (1972)

    Und dann... 1972... ein weiterer Versuch, und was für einer!

    WHERE IT ALL BEGAN ist unglaublich scharf, ein explosiver Trip zwischen altbewährtem Soul und Gospel, zuckendem BO-Beat bei I'VE HAD IT HARD, BO-Rap auf HEY JEROME und durchgehend stampfendem Funkrock, eine gefährliche Stange Dynamit, vom ersten bis zum letzten Titel, Black Music vom Allerfeinsten und ein hinterhältiges, gemeines Attentat auf etwaig eingepflanzte Herzschrittmacher. WHERE IT ALL BEGAN groovt wie die Hölle, lässt keinen Platz zum Atmen, switcht mit seinen weiblichen Background-Vocals hin und her von afrikanisch anmutenden Stammesgesängen zum faszinierendem, gitarrenlastigen Soul von INFATUATION oder dem DIDDLEY-beatigen Jam BO DIDDLEY-ITIS. Wie gesagt, eine pure schweisstreibende Hölle, mit dieser Scheibe brauchte sich BO DIDDLEY hinter niemandem zu verstecken.

    Wer keine Angst vor den aufgelisteten Stilen hat, wird hier mit einer hervorragenden Platte belohnt, sozusagen World-Music der Extraklasse aus einer Epoche als es den Begriff noch gar nicht gab.

    Was für ein elektrifizierendes Stück Musikgeschichte!



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  7. #7
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    Standard AW: BO DIDDLEY - The Black Gladiator (1970)

    Klasse, ein Bo Diddley Longthread!

    Die Alben aus den 70ern kenn ich überhaupt nicht und die Preise bei Amazon scheinen auf Sammlerstücke zu verweisen.

  8. #8
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    Standard AW: BO DIDDLEY - The Black Gladiator (1970)

    Zitat Zitat von remo4 Beitrag anzeigen
    ...die Preise bei Amazon scheinen auf Sammlerstücke zu verweisen.
    Ja, leider, aber der ein und andere Nachbar der die Güte dieser Seventies-DIDDLEY-Alben ebenfalls erkannt hat, hilft da gerne weiter. Eine Schande, dass diese Scheiben nicht neu aufgegleist werden...


  9. #9
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    Standard BO DIDDLEY - The London Bo Diddley Sessions (1973)

    Kommerziell brachte WHERE IT ALL BEGAN trotz seiner atmosphärischen Dichte auch nicht den ersehnten Erfolg, vermochte keinen "neuen" BO DIDDLEY zu etablieren.
    1973 wurde das LONDON-SESSION-Konzept das sich für CHUCK BERRY, MUDDY WATERS und HOWLIN' WOLF bewährt hatte, hervorgekramt, Gitarrist RAY FENWICK, Keyboarder EDDIE HARDIN und vermutlich ROY WOOD als Bediener eines knurrenden Basses, hiessen einige der Beteiligten. Glücklicherweise verfiel man nicht während der ganzen Spiellänge der LP ins typische, von den Briten so gerne übernommene 12-Takt-Hauruckboogieschema, die funky Jams blieben in der Überzahl. Die lockere Verspieltheit von WHERE IT ALL BEGAN erreichten diese BO DIDDLEY LONDON SESSIONS trotz einiger gelungener Nummern wie BO-JAM, HUSBAND-IN-LAW oder DO THE ROBOT allerdings nie. Immerhin steuerte Mr. HARDIN gediegen groovende Hammondorgelsounds bei und das integrierte Gebläse sorgte für zeitgeistige Facetten.
    Der CHESS-Kassensturz:
    Die Scheibe setzte sich, trotz einer gewissen Steifheit der Typen von der Insel, besser ab als ihre Vorgänger.
    Licht am Ende des Tunnels?



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  10. #10
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    Standard AW: BO DIDDLEY - Tig Bad Bo (1974)

    FUNK ist ein eigentliches Phänomen der ersten Hälfte der Seventies und in erster Linie eine amerikanische Errungenschaft. Nachdem die musizierende Gemeinde in Europa Blues und Rock'n'Roll die gemeinsam über den Atlantik geschwappt waren endlich verdaut hatte, kümmerte man sich um die eigenen Wurzeln, klassische Musik fusioniert mit modernem Popsound, es war die Blütezeit des Progressiven Rocks.
    In der Wiege des Jazz und Blues in Übersee entstand hingegen eine ganz andere Strömung. Rock'n'Roll war längst passé, die Black Music der späten Sixties wurde vor allem von Soul dominiert, eine Sparte die allerdings schnell an ihre Grenzen stiess. Artisten wie SLY & THE FAMILY STONE, METERS, CRUSADERS oder JAMES BROWN beschritten vielleicht als erste neue Wege, spielten ein oft monoton groovendes Ding welches dann irgend jemand mit FUNK betitelte. FUNK war eigentlich aber nichts anderes als ein Konglomerat aus diversen schon vorhandenen Stilen, glich daher eher einem riesengrossen Experimentierfeld. Althergebrachte Songstrukturen wurden meist komplett zerschlagen, der Blick richtete sich auf hypnotische Rhythmen, einer wie LARRY GRAHAM begann auf dem Bass mit dem Daumen auf die Saiten zu hämmern und auf diese Weise die perkussive Ecke herauszufordern, Slapping war geboren. Zeitgleich meldete sich der Jazz, respektive der Jazzrock zurück, die einzig wahre Spielwiese für die Spitzenkönner die sich fortan FUSION nannte, machte weltweit die Runde, sorgte wie FUNK ein paar Jahre für Furore.
    Blues hingegen lief nicht mehr gut, diverse Altstars arrangierten sich daher mit den aktuellen Gegebenheiten, sprangen auf den Zug auf bevor er den Bahnhof verlassen hatte. Manchen gelang das, andere verpassten die Gelegenheit und gerieten aufs Abstellgeleis von dem es kein Wegkommen mehr gab.


    1974... wieder ein neuer Longplayer von BO DIDDLEY, diesmal mit BIG BAD BO betitelt. So ganz BAD wie es der Albumname verspricht, kommt BO hier aber nicht daher. Die ehemals wilden Frühsiebziger-Grooves machten nun Platz für milde, laidback gehaltenen funky/jazzy Tunes mit integrierter Bigband. Mit BITE YOU und dem mit pulsierendem Bass ausgestatteten HE'S GOT ALL THE WHISKY geht es zwar ganz flott los, auf LP-Länge gesehen geht BO DIDDLEY aber die Puste aus. Irgendwie fehlt mir hier die Spontaneität, von BO's Humor ist nichts zu spüren, BIG BAD BO klingt zwar professionell, ist aber nicht wirklich DIDDLEY, jedenfalls nicht zu 100%, sondern nur zu... naja... sagen wir mal 50%.
    Hä?
    Da steht also DIDDLEY drauf aber drin ist er nicht? Ja, ich weiss, schwer zu erklären, aber BO ist eben nicht einer wie B.B. KING der die Begleiter schuften lässt und sich stattdessen lieber zurücklehnt um am Schluss die Lorbeeren alleine zu ernten. Nein, BO ist im Grunde ein Arbeiter der auf der Gitarre Shuffles raffelt und witzige Geschichten erzählt. BIG BAD BO mangelt es ausserdem an entsprechendem Songmaterial, nichts will sich so richtig abheben.

    BO DIDDLEY war zu dieser Zeit und in dieser Szene keineswegs alleine mit einer Scheibe bei welcher der Funke nicht richtig zündete. Genau so schnell wie FUNK gross geworden war, so schnell verzettelte er sich auch wieder, wurde von der Industrie aufgesogen, wurde bis zum geht nicht mehr überproduziert, wurde von noch cooleren Trends verdrängt...

    Und nun?
    Aus die Maus?
    Ach was, BO gab nicht auf, machte nur mal Pause...



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