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Thema: Daniel Lanois

  1. #1
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    Standard Daniel Lanois

    Als ich letzte Woche verfrüht vom Konzert der Gruppe "Black Dub" in Köln zurückkam, weil es keine Abendkasse gab (ausverkauft), reifte in mir der Entschluß, hier ein weiteres Posting über einen meiner Lieblingsproduzenten einzustellen.

    Diesmal soll es um Daniel Lanois gehen, der mir erstmals als 2. Gitarrist auf der CD "Achtung Baby" der Gruppe U2 aufgefallen ist. Das war 1992 und es war meine erste CD der Gruppe. Wie ich die für mich entdeckt habe, ist allerdings eine andere Geschichte. Auf dem großen Hit der Gruppe von diesem Album, "One", ist die Gitarre von Lanois zu hören. Brian Eno ist der andere Produzent des Albums und spielt Keyboards. Weiterhin empfehlenswert sind die rockigen "Until the End Of the World", "The Fly" und "Ultra Violet (Light My Way)" sowie die ruhigen "So Cruel" und "Tryin' To Throw Your Arms Around the World" und Midtempo-Titel wie "Who's Gonna Ride Your Wild Horses" und "Even Better Than the Real Thing". Es gibt jede Menge Leute, die würden zum Reinhören noch mehr Titel nennen, aber das ist mein Posting, da müssen meine Favoriten genügen ;-)
    "Achtung Baby" ist im Werk der Gruppe U2 eine von denjenigen Scheiben auf der der Gitarrist The Edge sich von seiner besten Seite zeigt.

    Als dann im Jahr darauf eine Solo-CD von Lanois erschien, wurde ich neugierig auf sein eigenes Material, denn sein atmosphärisches Gitarrenspiel hebt sich vom Stil her hörbar von dem rhythmischen des U2-Gitarristen David Evans a/k/a The Edge ab. Also habe ich mir auf Verdacht "For the Beauty Of Wynona" bestellt, um sie mir (ich war 14) zu Weihnachten schenken zu lassen. Glücklicherweise hatte ich die Gelegenheit, das Paket abzufangen, bevor die CD an meine Tante weitergeleitet wurde, mit der ich abgemacht hatte, daß ich mein Geschenk von ihr selbst besorge.
    Das Cover dieser CD ziert eine nackte Frau. Als Geschenk von der Tante unter dem Weihnachtsbaum für einen 14-jährigen hätte das durchaus für von mir unerwünschten Gesprächsstoff am Weihnachtsfest sorgen können. Deshalb drehte ich das Booklet um, bevor ich die CD weitergab, und das tatsächliche Cover trat bei diesem Fest nicht in Erscheinung. Inzwischen liegt es natürlich längst richtig herum in der Schachtel.
    Nun aber endlich zur Musik: die wird hier neben Lanois von seinem langjährigen Weggefährten Darryl Johnson am Bass, Bill Dillon von den Boomers an der zweiten Gitarre, Malcolm Burn an weiteren Gitarren und Keyboards, sowie dem Drummer Ronald Jones gemacht. Mark Howard, ebenfalls ein langjähriger Mitarbeiter von Lanois, hat das ganze aufgenommen. (Burn und Howard sind übrigens auch selbst als Produzenten in Erscheinung getreten und haben beide einen Sound, der inzwischen als charakteristisch für Lanois gilt. Die Frage, wer hier von wem gelernt hat, läßt sich aber nicht eindeutig klären.)
    Die meisten Stücke auf "For the Beauty Of Wynona" sind eher langsam gehalten, aber es sind auch einige Mid-Tempo-Nummern drauf. Anspieltips sind "Whole Lotta Love To Give", "The Unbreakable Chain", bei dem es um die Situation Adoptivkind sucht leibliche Mutter geht, "Still Learning How To Crawl" (ist das mit dem Kriechen ein Einfluß von U2 auf Lanois oder umgekehrt?), "Death Of A Train" über die Stillegung einer Eisenbahnlinie, "The Messenger", "Sleeping in the Devil's Bed" und "Rocky World". Insgesamt ist dies eine hervorragende Singer/Songwriter-Scheibe von einem, der weiß, wie man es macht, damit ein Album einen wiedererkennbaren Sound hat, anhand dessen man es eindeutig identifizieren kann.
    Als Einstieg in das Solowerk von Lanois finde ich die Scheibe sehr gut geeignet.

    Bis die nächste Lanois-Produktion in meine Sammlung kam, dauerte es ein paar Jahre. Das war dann entweder "The Joshua Tree" von U2 oder der Soundtrack zu dem Film "Sling Blade" von Lanois selbst.
    So genau weiß ich das nicht mehr. Um diese beiden CDs und einige weitere, die Daniel Lanois produziert hat, wie z.B. "Wrecking Ball" von Emmylou Harris, wird es dann im nächsten Beitrag gehen.

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  3. #2
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    Standard AW: Daniel Lanois

    auf den Robbie Robertson Spätwerken hat er auch hörenswerte Spuren hinterlassen.
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  4. #3
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    Standard AW: Daniel Lanois

    Also bei mir hat Daniel Lanois keine nennenswerten Spuren hinterlassen.
    Ich besass mal sein Debut ACADIA, aber das ging dann bei einer Räumungsaktion zum Second-Hand-Händler, die Scheibe war mir schlicht zu unspannend. Ein weiterer Grund weshalb ich mich nicht näher mit ihm befasst habe sind YuuTuu, schliesslich verursachen die mir schon seit ewig Ohrenschmerzen...


  5. #4
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    Standard AW: Daniel Lanois

    Bob Dylan habe ich als einen der 5 Traveling Wilburys unter dem Namen Lucky Wilbury kennengelernt. Nachdem ich mir in meiner Teenagerzeit zuerst "Under the Red Sky" holte, auch wegen dem Gastauftritt von George Harrison, die mir ganz gut gefiel, wurde meine nächste Dylan-Scheibe schließlich "Oh Mercy" als ich sie im Sonderangebot entdeckte. Dies ist ebenfalls eine Daniel Lanois-Produktion, und so langsam begann mir der Name aufzufallen. Aufgenommen mit Malcolm Burn an Gitarren und Keyboards, Lanois selbst an Gitarre und Steel, Darryl Johnson und Tony Hall am Bass und Willie Green an den Drums ist das hier ein richtiges Schmankerl des Lanois-Sounds.
    "When Teardrops Fall" mit Paul Senegal aus New Orleans an der zweiten Gitarre, das orchestral anmutende "Most Of the Time", die spärlich arrangierten "What Was it You Wanted" und "Everything Is Broken" sind ganz klar die Highlights des Albums. Über die Platte ist schon so viel gesagt worden, wie über die meisten in diesem Thread, weshalb ich mich eher kurz fassen möchte. Es sollte nicht meine letzte Dylan-Scheibe sein.

    Robbie Robertson habe ich als Produzent bei Roy Orbison und Van Morrison zuerst bemerkt. Von der Band, bei der er mal spielte, wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nix, konnte ich ihn doch weder mit J.R. Robertson identifizieren noch wußte ich als Teenager vor der Zeit des Internet von dieser Gruppe aus den 60er & 70er Jahren.
    "Storyville" war mein Einstieg in Robertsons Solowerk und die ist und bleibt seine beste Scheibe. Daher interessierte ich mich für mehr und kaufte "Robbie Robertson", als die CD im Preis herabgesetzt wurde. Daniel Lanois wird hier als Produzent genannt, allerdings dürften wohl auch Bassist Larry Klein, der ebenfalls ein guter Produzent ist, und Robertson selbst natürlich auch großen Einfluß auf den Sound ausgeübt haben. Highlights sind "Showdown At Big Sky", "Somewhere Down the Crazy River", bei denen beiden Sam Llanas von den BoDeans recht prominent als zweite Stimme zu hören ist, "Sweet Fire Of Love" mit Bono, David "Edge" Evans, Adam Clayton und Larry Mullen als Begleitband, "Testimony" und "American Roulette" sind die Anspieltips hier. "Broken Arrow" finde ich in der Version von Rod Stewart allerdings besser. Außerdem erwähnenswert sind die Gastauftritte von Garth Hudson (von The Band), Bill Dillon (von The Boomers), Peter Gabriel und seinem Gitarristen David Rhodes.
    Die CD ist mehr Robertson als Lanois und das zu Recht.

    "The Joshua Tree" von U2, erschienen im gleichen Jahr, war dann meine 3. oder 4. Scheibe der irischen Rockgruppe, die ich ebenfalls herabgesetzt im Preis erwarb. Der Gitarrist Edge hat hier einige seiner stärksten Momente. Einziger musikalischer Gast neben Lanois an der 2. Gitarre ist Brian Eno mit seinen Keyboards und Synthesizern, die hier weder stören noch sich wie ein Produkt der Zeit anhören. "In God's Country", "Where the Streets Have No Name", "I Still Haven't Found What I'm Looking For", "Red Hill Mining Town", "One Tree Hill" und das bluesige "Trip Through Your Wires" sind hier die Anspieltips. Bei Interesse: Die CD dürfte wegen ihrer weiten Verbreitung bei Wiederverkäufern online recht günstig zu bekommen sein.

    Daniel Lanois brachte 1996 eine Soundtrack-CD zu dem Film "Sling Blade" mit dem Drummer/Songwriter Billy Bob Thornton in der Hauptrolle heraus. Darauf finden sich fast ausschließlich kurze, langsame Instrumentalstücke. Die Band ist wieder Darryl Johnson, Malcolm Burn, Tony Hall, Willie Green und erstmals Brian Blade an den Drums. Anspieltips sind "Jimmy Was" mit Bob Lanois an der Mundharmonika, Shenandoah mit einem textlosen Gesangs-Gastauftritt von Emmylou Harris, "Blue Waltz", "Bettina", "Secret Place", "Orange Kay" sowie "Omni", das als Demonstrationstrack für das elektronische Instrument Omnichord angesehen werden könnte. Mark Howard hat die ganze Sache aufgenommen.
    Die Platte ist allerdings eher ruhig und nicht rockig.

    Als nächstes war für mich, ebenfalls herabgesetzt, "Wrecking Ball" von Emmylou Harris dran. Von Lanois Zusammenarbeit mit der Sängerin mit der ätherischen Stimme erfuhr ich aus einem Mailorder-Katalog, ebenso wie übrigens auch von "Sling Blade". Die Band besteht neben Lanois an den Gitarren aus Malcolm Burn, Tony Hall, Darryl Johnson, Brian Blade und Larry Mullen. Cameos von Neil Young, Steve Earle, Lucinda Williams und den McGarrigle-Schwestern veredeln das Ganze. Aufgenommen hat Mark Howard. Hörenswert zum Testen der Scheibe sind der Opener "Where Will I Be", der Closer "Waltz Across Texas Tonight", "Blackhawk", "Deeper Well", "Sweet Old World" und "Goin' Back To Harlan". Dies ist keine Country-Scheibe, wie man von Frau Harris gewohnt sein könnte.

    Abschließend für diesen Beitrag möchte ich noch zwei Songs erwähnen, zu denen Lanois als Produzent beigetragen hat, die sich aber auf Alben befinden, die zum Großteil von anderen Produzenten betreut wurden. So findet sich "Golden Dreams" auf dem Solodebüt der Golden-Palominos-Sängerin Syd Straw aus den späten 80er Jahren, "Surprise" welches von prominenten Gastmusikern geradezu strotzt, und von dem ich durch das Internet erfahren habe, als diverse Musiker-Namen zu ein und derselben Scheibe führten. (Weitere Anspieltips sind "Sphinx", "The Unanswered Question", "Think Too Hard", "Racing to the Ruins" und "Future 40s" mit Michael Stipe von REM als Gastsänger).
    Der andere Song ist der hervorragende "Shut Up And Listen", den die Irish-Soul Gruppe Hothouse Flowers (um den Sänger Liam O'Maonlai, den Gitarristen Fiachna O'Braonain und den Bassisten und Mandolinisten Peter O'Toole) für ihr zweites Album "Home" mit Daniel Lanois in New Orleans einspielten, der darauf die Steel spielt. Zum Großteil wurde die Platte aber von Clive Langer & Alan Winstanley produziert. Anspieltips sind der vielleicht mal im Radio gelaufenen "Give It Up", "Movies", "I Can See Clearly Now" sowie "Water", "Giving It All Away", "Hardstone City" und "Christchurch Bells").

    Auch hier tauchen wieder einige Künstler auf, die ihren eigenen Thread im Rockzirkus verdient haben, falls sie noch nicht schon längst einen haben sollten.
    Im nächsten Teil geht es dann unter anderem weiter mit weiteren Solowerken von Daniel Lanois.

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  7. #5
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    Standard AW: Daniel Lanois

    Dachte ichs mir doch, der Name ist, zusammen mit Burnett, hier schon einmal gefallen.

    Lanois ist einer der Produzenten, deren Handschrift man wirklich bemerkt, jedenfalls sehr häufig. Für mich überhaupt nicht negativ, da U2 schon bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Ohne die geringsten Ohrenschmerzen.

    Wahrscheinlich ist Lanois vielen erst durch die Arbeit mit U2 aufgefallen, mir auch. Die erste Scheibe von ihm, Acadie, ist allerdings nicht durch seinen Namen, sondern durch den Titel in meinen Fokus gerückt. Das war die Zeit, in der ich wie ein Verrückter hinter allem her war, was auch nur entfernt etwas mit den Acadiens zu tun hatte, den französischen Siedlern die später in den Süden auswandern und als Cajuns bekannt werden sollten.
    Tatsächlich sind auch Cajun/Zydeco Einflüsse auf dem Album zu finden.

    Die Scheibe ist tatsächlich überwiegend ruhig, ich fand sie auch nicht unspannend, sondern einfach schön. Titel wie Still Water und O Marie sind in meiner ewigen Bestenliste vertreten, alleine für die beiden Titel würde ich mir die immer wieder holen. Die Titel, die vielleicht am typischsten sind für Lanois, oder für das was man erwartet, sind Where The Hawkwind Kills, Ice und die Amazing Grace Version mit Aaron Neville, der Rest sind einfach schöne Folksongs.
    For The Beauty Of Wynona und Shine hielten imho nicht ganz das Niveau, oder ich hab was anderes erwartet, ich finde beide zwar gut, aber nicht überragend. In der Richtung ist halt viel Konkurrenz.
    Wenn ich Lanois spiele, dann immer Acadie.

    Als Produzent ist der immer ein Qualitätsmerkmal bei mir.
    Wir stellen die Normalität unverzüglich wieder her, sobald wir wissen was eigentlich normal ist.
    BeebleBlox - das Blog

  8. #6
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    Standard AW: Daniel Lanois

    "Acadie", die erste Solo-CD von Daniel Lanois ist ja schon von Zaphod angesprochen worden. Sie ist 1989 in New Orleans entstanden und stellt musikalisch ein Bindeglied dar zwischen "Oh Mercy", das auch dort aufgenommen wurde und dessen Rhythmusgruppe hier auch beteiligt ist, "Yellow Moon" von den Neville Brothers, die auch unter Leitung von Lanois dort entstand, den amerikanischen Einflüssen auf "The Joshua Tree" von U2 sowie kanadischer Folklore und Cajun-Einflüssen. "Still Water", der Opener, ist einer von Lanois besten Songs, genauso wie seine Hymne "The Maker", bei der Aaron Neville seine edle Stimme auf ein paar Zeilen Text erklingen lassen darf. Neben "Hawkwind", das mich an die lauteren Titel der 87er U2 CD erinnert, sind auch vor allem die teilweise in Französisch und teilweise in Englisch gesungenen Titel mit Akkordion empfehlenswert, nämlich "Under the Stormy Sky" und "Jolie Louise".

    Auf dem Soundtrack zu dem Film "Million Dollar Hotel" von Wim Wenders, in dem Mel Gibson und Milla Jovovich, die hier auch "Satellite Of Love" singt, die Hauptrollen spielen, den ich aber nicht gesehen habe, sind auch einige Stücke mit Lanois-Beiträgen enthalten. Er hat die beiden U2-Songs "Stateless" und "The Ground Beneath Her Feet" (Text von dem Autor Salman Rushdie) produziert und ist darauf auch zu hören. Weiterhin singt er ein leises Duett mit Paul "Bono" Hewson, "Falling At Your Feet", was einer der Höhepunkte der Platte ist. Auch die Filmmusik-Cues sind nicht ohne, denn der Jazzgitarrist Bill Frisell ist an einer der Gitarren.

    Es wäre interessant gewesen, zu hören, wie sich der Sound, den U2 im Million Dollar Hotel hatten, in Albunlänge angehört hätte, aber für "All That You Can't Leave Behind" haben sich die Iren und ihr Management anders entschieden. Produziert von Daniel Lanois und Brian Eno knüpft die Scheibe stilistisch bei "The Joshua Tree" an, ist aber durch Enos Keyboards viel mehr aufs Radio zugeschnitten als diese. Die hohe Anzahl an guten Songs macht diese Scheibe zu meiner bevorzugten U2-Platte, obwohl einige Keyboardklänge vertreten sind, die eindeutig Dub-Reggae-Einflüsse darstellen, welche sich heute etwas alt anhören. "Beautiful Day" ist wahrscheinlich heute immer noch omnipräsent im Radio und gehört zu den besten Songs auf der Scheibe. Die B-Seite "Summer Rain", eine musikalische Vorstufe des Songs, ist aber eigentlich noch besser. Das Mini-Epos "Walk On", der Rocker "New York", das leicht schnulzige "Stuck in A Moment", das sehr U2-typische "Kite" sind alles gute Songs. Aber die wahren Perlen hier sind das soulige "In A Little While", das akustische, fast country-artige "Wild Honey" und der Schlusssong "Grace" im New-Age-Stil mit spiritueller Message.

    Lanois nächstes Soloalbum war "Shine". Als ich diese CD eines sonnigen Nachmittags gekauft hatte, kam für den Rest des Tages nix anderes mehr in den Player. Die teilweise reggaebeeinflußten Stücke wie "Power Of One" oder "Slow Giving" lassen einen die Atmosphäre des warmen Frühsommers so richtig in sich aufsaugen. Aber auch der Rest der Platte ist wie gemacht für diese Stimmung: der Opener "I Love You", ein wunderschönes Duett mit Emmylou Harris, beginnt mit einigen neuen, interessanten Produktionstricks. "Falling At Your Feet" hat er mit Bono neu aufgenommen. Die neue Version fällt aber leider deutlich ab gegenüber der vom Million Dollar Hotel Soundtrack. Das folkige "As Tears Roll By" basiert auf einem Sample vom alten Bluesmeister Charley Patton und stellt neben dem ebenfalls folkigen "Sometimes" einen weiteren Höhepunkt der Platte dar. Aber der wahre Hit auf dieser Scheibe ist der gospelige Titelsong, "Shine", vielleicht der beste Song bisher von Lanois. Es sind auch einige Instrumentalstücke vertreten wie "Transmitter" oder "JJ Leaves LA", die diese Platte zur Brücke zwischen Lanois Soundtrack-Beiträgen und seinen Gesangsplatten machen.

    Nach relativ kurzer Zeit veröffentlichte er eine weitere Soloscheibe, "Belladonna". Dies ist ein reines Instrumental-Album, das er im sonnigen Mexico aufgenommen hat, was auch hörbar ist an gewissen folkloristischen Einflüssen, z.B. in "Oaxaca", "Desert Rose" und Aaron Embrys Trompete in "Agave". Wer diese eher meditativ klingende und von Lanois Pedal-Steel-Gitarre dominierte Scheibe allein dem Ambient zuordnet, also sie bloß als Hintergrundmusik betrachtet, wird einige wichtige Details überhören. Aber eine Scheibe für vor dem Zubettgehen ist sie dann doch. Allerdings sollte man sich nicht von Titeln wie "The Deadly Nightshade" schrecken lassen ;-)
    Interessant ist vielleicht noch die Info, daß sein alter Ambient-Kollege Brian Eno etwa zur selben Zeit ein Song-basiertes Album herausgebracht hat, "Another Day On Earth", das ich hier denen, die so etwas mögen, auch gleich mit empfehlen möchte.

    Irgendwann fand ich für einen eher symbolischen Preis gebraucht eine Lanois-Produktion, die ich in den 90ern zwar eingehört, aber dann wegen Nichtgefallen nicht gekauft hatte, "Fever In Fever Out" von dem Damen-Quartett Luscious Jackson um Jill Cunniff. Die Band hatte damals den Hit "Naked Eye" aus diesem Album. Schnell mußte ich feststellen, daß ich auch heute mit dieser Musik nicht mehr anfangen kann als damals. Außer dem stark Lanoisischen "Why Do I Lie" und dem Hit gefällt mir rein gar nichts auf dieser Scheibe. Sie sei hier also nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

    Die Reggaeeinflüsse auf den Lanois-Produktionen der letzten Jahre könnten damit zu tun haben, daß er Ende der 90er mit dem Jamaikaner Jimmy Cliff zusammengearbeitet hat, auf dessen Album "Humanitarian" der Song "I Walk With Love" vertreten ist, auf dem Lanois auch zu hören ist. Dies ist aber sein einziger Beitrag zum Album, das allerdings sehr sonnengetränkt ist, und daher durchaus zu empfehlen ist. Weitere bekannte Produzenten auf der Scheibe sind Sly & Robbie.

    Wie sehr sein Toningenieur Mark Howard für sein eigenes Werk als Produzent von Lanois während der zahlreichen Zusammenarbeiten gelernt hat, zeigt sich auf einer Platte, mit der Lanois außer diesem Einfluss nichts zu tun hat. Seine Band und sein Toningenieur können das also auch ohne ihn. Die CD, die ich meine, bietet nämlich neben Howard auch noch andere Musiker aus Lanois Produktionsteam auf wie den Bassisten Darryl Johnson, den Perkussionisten Tony Mangurian und meinen Lieblingstrommler Jim Keltner. Es handelt sich um "Witness" von dem jungen Singer/Songwriter und erstklassigen Gitarristen Nathaniel Street-West. Diese Scheibe ist sehr bluesig, rauh trotz poliertem Sound, hat viel Tiefgang, beschäftigt sich kritisch mit der Bush-Ära, und enthält vielleicht den besten Song im Lanois-Sound, den Daniel Lanois nicht selbst produziert hat, "Repugnant James". Weitere Anspieltips sind "Thunder", "Road Of Life", "Witness", "Daddy's Fine", "Borrowed Time" und das dramatische "Desert Mirage Love Letters".
    Daß der Junge es wirklich drauf hat, findet wohl auch Jim Keltner, denn der produziert zur Zeit die nächste Scheibe von Nathaniel Street-West, die hoffentlich bald fertig ist.
    Aber nach dieser Scheibe, die eigentlich fast offtopic ist, aber so gut, daß ich sie nicht unerwähnt lassen kann, wieder zurück zu Lanois.

    Diesmal geht es nicht um Daniel Lanois direkt, sondern um seinen Bruder Bob Lanois, der ebenfalls Teil des Produktionsteams der Ambient-Alben in den 80ern war, die ich allesamt noch nicht kenne.
    Dieser Bob Lanois spielt Mundharmonika. Sonst nichts. Er singt auch nicht. Die anderen Instrumente auf seinem Solo-Debüt "Snake Road" spielt sein Bruder Daniel. Ich begegnete daher hier Klängen wie dem des Omnichord wieder, die ich schon aus dem "Sling Blade Soundtrack" kannte. Kanadische Folk-Einflüsse, ähnlich denen auf "Acadie", sind unverkennbar und der Ambient-Einfluß auch. Diese Scheibe gefällt mir allerdings viel besser als Daniels eigene Scheibe mit langsamen Instrumentalstücken, "Belladonna".
    Anspieltips sind "Spaceshack", "Up Set", "Negril", "My Mother's Waltz" oder "Le Draveur".
    Die Scheibe ist nur in Kanada erschienen und könnte daher allerdings etwas schwer zu bekommen sein, aber wer den Lanois-Sound mag, für den lohnt sie sich.

    Im nächsten Teil und dann wohl fürs erste letzten Teil dieser Serie soll es dann um die Alben "Here Is What Is", "No Line On the Horizon" und "Black Dub" gehen.

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    remo4 (08.10.2011), roberto (09.05.2012)

  10. #7
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    Standard AW: Daniel Lanois

    In Ermangelung von Zeit zum Schreiben dieses Beitrags werde ich ihn etwas kurz halten.

    "Here Is What Is" ist das bis dato neueste Soloalbum von Daniel Lanois, das er als erste CD auf seinem eigenen Label herausgebracht hat. Er hat die Sessions zum Album gefilmt und daraus einen Dokumentarfilm gemacht, den ich bisher noch nicht gesehen habe. Teilweise sind auf dem Album auch Gesprächsfetzen aus dem Film zu hören, was es zu einem Soundtrack-Album macht. Das stört nicht weiter. Stilistisch ist die Musik typisch atmosphärisch Lanoisisch. Es hat sowohl Songs mit Gesang als auch Instrumentalstücke auf der CD, aber es ist wohl das am wenigsten rockige, songbasierte Album von Lanois (Die CD "Belladonna" ist schließlich ganz instrumental).
    Anspieltips: der Titelsong, "I Like That", "Lovechild" mit einem längeren Piano-Intro von Garth Hudson, "Joy", "Moondog", "Duo Glide", "Not Fighting Anymore", "Blue Bus" und "Harry".

    Bei der (immer noch aktuellen) U2 CD "No Line On the Horizon" hat Daniel Lanois die irische Band mal wieder zusammen mit Brian Eno produziert, und hier treten die beiden erstmals auch als Co-Komponisten offiziell in Erscheinung bei den meisten Songs. In Lanois oben bereits genanntem Film sind wohl auch Momente aus den Sessions zu diesem Album zu sehen, z.B. als die Band in Marokko aufgenommen hat. Allerdings waren diese Sessions irgend jemandem im Management des Labels wohl zu wenig kommerziell, zu wenig glatt, weshalb sie es nicht auf das Album schafften. So wurden von dem letztlich als "No Line On the Horizon" veröffentlichten Album die von der Band bewußt geschürten Erwartungen der Kritiker und wohl auch vieler Fans nicht erfüllt.
    Nach der lauen Vorgängerscheibe waren meine Erwartungen an dieses Album eher gering und ich sehe es als eine Art ersten Schritt nach oben, heraus aus dem Tief, für die Gruppe U2 an. Gelungen finde ich vor allem das poppige "Crazy Tonight", bei dem ein in der Popmusik eher unüblicher Rhythmus und eher unübliche Harmonien von der Band so gut getarnt werden, dass sie trotzdem als Pop durchgehen; weiterhin das rockige "Stand Up Comedy"; den ebenfalls rockigen Titelsong, bei dem sich Bono als Geschichtenerzähler ausprobiert; das hymnische "Moment Of Surrender", dessen Basslauf auch von einem Lanois-Album stammen könnte und dessen Solo einer der seltenen, tollen Gitarrenparts dieses Albums ist. Weitere Anspieltips sind das ruhige "White As Snow", das auf einer traditionellen Melodie basiert und das sehr radiofreundliche "Magnificient", bei die Band zugunsten der Radiofreundlichkeit anstelle eines Gitarrensolos auf einen größeren Keyboard-Part von Brian Eno gesetzt hat.
    Die restlichen Songs sind leider nicht so geglückt. Wie gesagt, es gibt bessere CDs von U2, aber nach der langweiligen "How To Dismantle An Atomic Bomb" ist "No Line On the Horizon" wieder ein erster Schritt in die richtige Richtung was das Songwriting angeht.
    Aufgrund der großen Stückzahl, in der die CD gepresst wurde, dürfte sie inzwischen recht günstig zu haben sein. Wer mit "All That You Can't Leave Behind" etwas anfangen konnte, sollte dann zugreifen.

    "Black Dub" ist die Debüt-CD der gleichnamigen Gruppe um Daniel Lanois (Gesang, Gitarre), Trixie Whitley (Gesang, gelegentliche Keyboards), Darryl Johnson (Bass) und Brian Blade (drums, percussion). Hierbei handelt es sich wie ich finde, vielleicht um die beste Scheibe, die Lanois bisher überhaupt produziert hat. Die starke Stimme von Trixie Whitley, die sich richtig ins Zeug legt, hat daran sicherlich einen großen Anteil, wohl aber auch die Lanoisischen Melodien und das wunderbare Spiel der Musiker im Allgemeinen.
    Ich hoffe sehr, daß die Gruppe mindestens ein weiteres Album zusammen aufnimmt.
    Anspieltips: "Nomad", "Silverado", das gospelige "Canaan", "Sing", "Ring the Alarm" welches aus einem eher minimalistischen Teil und einem hervorragenden Gitarrensolo am Ende besteht, "Surely" und "I Believe In You".
    Die Scheibe war bei mir übrigens Platte des Jahres 2010.

    Hiermit endet nun mein erster Produzenten-Thread, und ich hoffe, es hat euch soweit gefallen, diese Alben vorgestellt zu bekommen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich über weitere Produktionen von Daniel Lanois am Laufenden halten würdet, und über sie auch hier mit mir darüber redet.
    Bis dann.

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    remo4 (09.05.2012), roberto (09.05.2012)

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