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Thema: Grabbelbox 2012

  1. #1
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    Standard Grabbelbox 2012

    Hier mal ein paar Tipps und Tricks zur erfolgreichen Grabbelboxausbeute, anwendbar in 2nd-Hand-Buden, bei Kaufhaus-Ramschtischen und auf Rausschmeisserware die bei den gängigen Grossverteilern gerne in Form von aufgestapelten CD-Türmen in die Verkaufsräume gestellt werden. Ein paar Fragen die man sich immer wieder stellen sollte:

    1.
    Bin ich eher mutig, interessiere mich für unbekannte Artisten oder falle ich auf Kommerz-Ramsch herein?
    Die Befriedigung bei Erwerb einer feinen Indie-Band ist sicher grösser als wenn man sich ein sattsam bekanntes Remaster von ........ (selber einsetzen) oder von ....... (selber einsetzen) grabscht.

    2.
    Kann ich mit dem Frust eines Fehlkaufes umgehen?
    Oder machen sich danach, bei einem Reinrassler, Zweifel am eigenen Geisteszustand breit?

    3.
    Bin ich überhaupt genügend sattelfest um bei der G-Box-Tonträgerprüfung zu bestehen?
    Erkenne ich anhand der Verpackung die Stilrichtung? Meistens zupft man sich das Zeug anhand von Gefühlen und Ahnungen aus dem Regal - zumindest sollte man auf den ersten Blick Metal von HipHop, Folk, Indierock oder Chartspop unterscheiden können...

    4.
    Reicht der Platz im Archiv noch aus?
    Oder müsste man dann die Ecke mit den gebunkerten und ewig nicht mehr angehörten Claptons, Jacksons & Co. ausdünnen?

    5.
    Hände weg von klassischen den Billig-Best-Of-Compilations, seien sie auch noch so günstig!
    Oft sind das lausige und unterbelichtete frühe (Live-) Aufnahmen bekannter Künstler. Die Tonqualität ist normalerweise grauenhaft, der Informationsgehalt der Verpackung gleich 0, Frustfaktor daher 1000. Ausgenommen von dieser Regel natürlich Produkte von Rhino und dergleichen, Profilabels eben...




    Dieser letzte Punkt scheint mir besonders spannend zu sein, bildet eine ewige Falle für alle, ausser man schafft sich sowas ganz bewusst und aus plausiblen Gründen an. Nachfolgend Beispiele aus den Seventies, CD's die ich kürzlich bei meinem bevorzugten 2nd-Hand-Händler aus dem Regal gefischt hab'...


    HELLO – Best Of & Rarities (2005)

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    Okay, eigentlich hätte ich hier nicht zugreifen dürfen. Allerdings ist diese Zusammenstellung von REPERTOIRE und die machen selten etwas falsch (siehe Best-Of-Ausnahme unter Punkt 5). Na gut, der deutsche Wiederveröffentlichungsspezialist ist mittlerweile längst von innovativeren Labels (beispielsweise Cherry Red und seine diversen Sublabels) überholt worden, aber der Name steht noch immer für Qualität.

    Anyway, HELLO die Band um den elfenhaft wirkenden Sänger/Gitarristen Bob Bradbury die bereits 1969 unter dem Namen THE AGE aktiv war, landete 1975 mit „New York Groove“ einen Hit. Entdeckt wurden sie 1972 von Russ Ballard, der Erfolg hielt sich aber in Grenzen, danach landeten sie dann bei SWEET-Produzent Phil Wainman. HELLO gehörten zwar zum sogenannten Glamrock, musikalisch wurden aber oft die Sixties (und die damals aktuelle Szene) geplündert, und das ein und andere Riff (oft von Bluesharp unterstützt) beschaffte man sich ungeniert bei Bluesklassikern. Negativ wirken sich die bei den frühen SLADE abgekupferten Groove-Stampfeinlagen aus, bei HELLO gerieten die allzu offensichtlich zur ordinären Diskotheken-Mitklatscherei. Im Gegensatz dazu macht aber ein mit gephastem Gesang ausgestatteter Song wie „Teenage Revolution“ oder das witzige Boogie/Rock'n'Roll-Ding „Where's The Party“ wirklich Spass. HELLO verpassten es einen unverkennbaren Stil zu entwickeln, trotz guter Ansätze waren die vielen musikalischen (von Produzenten verursachten?) Richtungswechsel nicht gerade förderlich bei der Selbstfindung.

    Wie viele andere Glammer wurden HELLO ein Opfer von Disco und Punk, 1978 löste sich die Truppe auf. Bob Bradbury ist seit ein paar Jahren mit einer neuen HELLO-Formation unterwegs an Oldie-Festivals...

    www.helloband.co.uk




    HOT CHOCOLATE – A's, B's & Rarities (2004)

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    In diesem Fall keine klassisch-herkömmliche „Best Of“, wer eine Greatest-Hits-Zusammenstellung dieses Dancefloor-Acts hier haben will, der müsste jedoch nach dem Durchlesen von Punkt 5 die Pfoten davon lassen, denn leider gibt es auch bei den späteren Discostars HOT CHOCOLATE schrecklich lieblos zusammengeschusterte Low-Budget-CD's.

    Die EMI-Reihe „A's, B's & Rarities“ richtet sich hingegen eher an Spezialisten wie mich, die sich von gewissen Bands auch noch die letzte Alternativ-Version einer Single-B-Seite ins Regal stellen müssen. Der Forscherdrang wird denn auch gleich zu Beginn der Scheibe mit „Give Peace A Chance“ / „Living Without Tomorrow“ belohnt, die ersten, karibisch beeinflussten Aufnahmen die John Lennon dermassen gut gefielen, dass sie bei Apple als Single veröffentlicht wurden. 1972 folgte dann schon „You Could Have Been A Lady“ (Singleversion, da waren sie bereits im Stall von Mickie Most zuhause), ein umwerfendes, elektrisierendes Crossover-Beispiel von 1971, ein wilder Stilmix aus Pop und Rock den die Truppe um den glatzköpfigen Sänger Errol Brown später noch veredelte und zu einer noch viel gefährlicheren Bombe schärfte. Da waren sie eh Meister in diesem Fach, wenn ein Song nicht auf Anhieb funktionierte wie sie wollten, oder wenn er sich live veränderte, dann musste er im Studio oft nochmals auf den Seziertisch, da wurden dann die Riffs und Beats überarbeitet, geschärft und prägnater herausgeschält.

    Fazit: Wie gesagt, das ist eine Compilation die sich an Fans richtet, an Freaks die in die Tiefe gehen wollen, Liebhaber die sich auch die remasterten Original-Alben von HOT CHOCOLATE kaufen und diese Zusammenstellung wegen der "B's & Rarities“ zur Ergänzung ebenfalls haben sollten. Wer eine saubere (langweilige) Hintergrundberieslung sucht, der liegt hier total falsch, sollte unbedingt nochmals die eingehenden Erläuterungen, insbesondere Punkt 5 studieren...


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    Demon (20.02.2012), remo4 (20.02.2012)

  3. #2
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    Zitat Zitat von Mellow Beitrag anzeigen

    Kann ich mit dem Frust eines Fehlkaufes umgehen?
    Oder machen sich danach, bei einem Reinrassler, Zweifel am eigenen Geisteszustand breit?
    Letzteres; immer wieder...

    Bin ich überhaupt genügend sattelfest um bei der G-Box-Tonträgerprüfung zu bestehen?
    Erkenne ich anhand der Verpackung die Stilrichtung? Meistens zupft man sich das Zeug anhand von Gefühlen und Ahnungen aus dem Regal - zumindest sollte man auf den ersten Blick Metal von HipHop, Folk, Indierock oder Chartspop unterscheiden können...
    Als Jugendlicher bin ich noch auf gut designte Cover reingefallen.
    Seitdem weiß ich, dass es zwischen Verpackung und Stilrichtung
    (fast) keinen Zusammenhang gibt.

    Reicht der Platz im Archiv noch aus?
    Oder müsste man dann die Ecke mit den gebunkerten und ewig nicht mehr angehörten Claptons, Jacksons & Co. ausdünnen?
    Tröstlich zu hören, dass auch du das Problem kennst... (Bei einem
    digitalen Archiv ist das Problem weniger schlimm; aber es trägt auch
    nicht zur Übersichtlichkeit bei, wenn unnützes Zeuchs den Bildschirm
    füllt.)

    Hände weg von klassischen den Billig-Best-Of-Compilations, seien sie auch noch so günstig!
    Oft sind das lausige und unterbelichtete frühe (Live-) Aufnahmen bekannter Künstler. Die Tonqualität ist normalerweise grauenhaft, der Informationsgehalt der Verpackung gleich 0, Frustfaktor daher 1000.
    Das habe ich inzwischen auch gelernt

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    Mellow (20.02.2012)

  5. #3
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    Ein typischer Soundfreak schleppt seine musikalischen Feindbilder mit durchs Leben. Im Laufe der Jahre flacht sich die Erinnerung daran meist etwas ab, dank Grabbelbox ist es aber durchaus empfehlenswert, die Anti-Argumente mal wieder aufzufrischen. Durch die angehäuften Musik-Kenntnisse wird vieles noch transparenter...


    BAY CITY ROLLERS – Rock'n'Rollers: Best Of (2009)

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    Mitte Siebziger ging dem europäischen Glamrock langsam die Puste aus, die Anführer der Szene kämpften mit schwindendem Erfolg, mussten sich neu orientieren oder verschwanden in der Versenkung. Zwischen schleichendem Niedergang und damit einhergehender aufkeimender Discowelle und Punkrock gab es eine Band aus Schottland, ja eben, die BAY CITY ROLLERS. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sich (offenbar) von BRAVO und POP angespornt, selbst hier auf dem Land sich einige Mädchen mittels auf ihr Jeans-Outfit aufgebügelter Tartanstoffstreifen outeten. Tja, der Untergang des Rock'n'Rolls schien in meinen Augen besiegelt (das war noch vor Punk), BCR wurden mit ihrem Leichtgewichtspop zu einem meiner Feindbilder.

    Um dem Grauen auf Augenhöhe gegenüber zu stehen, griff ich kürzlich bei einer BCR-Best-Of-DoCD (erhältlich zum Schleuderpreis) zu und das Gehörte bestätigt zum wiederholten Mal die ursprüngliche Meinung: Die ROLLERS waren eine Retortenband, eigentlich eine klassische Boygroup, gesteuert von Management, Teeniepostillen und Werbeagenturen, der musikalische Inhalt, respektive die Umsetzung gleich Null. Hier wurden schamlos die Sixties beklaut, die Beach Boys dienten als 1:1-Vorlage genauso wie Phil Spectors Mid-Sixties „Wall Of Sound“ und wenn man sich rockiger versuchte, dann klang das wie Sweet „light“. Die Stimme des Sängers Les McKeown (der dann später in den Fängen von Dieter Bohlen landete) durchwegs dünn, erschreckend dünn, dünn wie ein klares Süppchen ohne Fettaugen, keine Würze, kein Salz und kein Pfeffer, es muss eine Qual für anwesende Techniker gewesen sein sowas aufzunehmen. Rein kommerziell gesehen verkaufte sich dieser Flickenteppich zwar gut, künstlerisch gesehen ist das aber eine U-Boot-Fahrt durch seichtes Gewässer, da braucht man noch nicht mal einen Schnorchel...

    Falls das hier ein ehemaliger BCR-Fan lesen sollte: Sorry, aber so wirkt das auf mich, die ROLLER-Mania war bloss ein geschickter Griff in die Trickkiste, mit Rock'n'Roll hat das rein gar nichts zu tun. Wer noch immer auf BCR schwört, der sollte dringend seinen musikalischen Horizont erweitern und sich nach echten Rock-Juwelen umhören, die existieren tausenfach in allen möglichen Formen. Ein möglicher Ausgangspunkt könnte dieses Forum sein...




    BEE GEES – Spirits Having Flown (1979, CD-Reissue 2006)

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    Das Album ODESSA finde ich heute noch grossartig. Was die BEE GEES danach produzierten landete regelmässig in den Grabbelboxen, jedenfalls kann ich mich gut daran erinnern, dass ihre Früh- bis Mitsiebziger-Platten Bestandteil jeder anständig geführten Rausschmeisserkiste waren. Dann der triumphale Erfolg mit SATURDAY NIGHT FEVER (...gleichzeitig erhielten sie von mir das NO-GO-Etikett...), die hübsch fönfrisierten BEE GEES waren wieder wer, beschallten ausnahmslos jede Diskothek zwischen Feuerland und Spitzbergen. Naja, für mich wurden die australischen Brüder eher allgegenwärtige Quälgeister. Die Stimmen der Gibbs gingen immer höher, ihre Kastratengesänge (respektive Kopfstimmen) und das darin integrierte schauerliche Vibrato erinnerten mich immer mehr an Donald-Duck-Gequäke, ihre platt gebügelten Arrangements waren an Aussagekraft kaum zu unterbieten. Ich ergriff regelmässig die Flucht wenn irgendjemand die BEE GEES während ihrer Disco-Blütezeit auflegte...

    Und trotzdem verkaufte sich am Ende der Disco-Hochphase ein massenhaft verbreitetes Horror-Album wie SPIRITS HAVE FLOWN millionenfach. Im Nachhinein angehört, wirkt das auf mich auch heute noch enorm anstrengend, verursacht mir noch immer Kopfschmerzen. Ein paar Jahre später drehten die Gibbs die Tonhöhe dann wieder runter und siehe da, der Grusel-Effekt war verpufft nur noch halb so schlimm.

    SPIRITS HAVE FLOWN findet man heutzutage oft auf den Billigangebots-Stapeln einiger Grossanbieter, allerdings frage ich mich wer sich das denn noch kaufen soll ausser mir und ich habe das doch bloss gemacht, um mir meine damaligen Gefühle bestätigen zu lassen.




    PS.
    Die nächste „Feindbild“-Grabbelbox-Fortsetzung folgt erst ca. 2017, dann vielleicht mit U2, Michael Jackson und Madonna, zuerst muss dieser aufregende Trip in die Seventies verdaut werden...

  6. #4
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    Welch ein Mut! Mellow, du hast meine vollste Bewunderung

  7. #5
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    Zitat Zitat von Mellow Beitrag anzeigen
    Ein typischer Soundfreak schleppt seine musikalischen Feindbilder mit durchs Leben. Im Laufe der Jahre flacht sich die Erinnerung daran meist etwas ab, ....
    Durchaus: Zu Abba bekehrt mich niemand!
    Und Bay City Rollers gehören in eben diese Liga samt Boney M, Racey, Kenny usw.

    Aber "bye bye Baby" und "saturday night" hatte ich trotzdem auf Band

    Zum Thema Bee Gees: War die spirits have flown (=von allen guten Geistern verlassen; nomen est omen) nicht die mit "trädscheddiee"? Da war bei mir auch Schluss mit lustig, da bin ich auch ausgestiegen. Und in den 80ern haben sie nicht mehr "gepiepst"??? Hab ich da was verpasst? Auf welcher Platte denn?

    Ein weiteres Feindbild der Zeit wären ja die Osmonds.
    Aber da schlug die Altersmilde bei mir 2011 zu. Die hab ich nicht zur "Feindbildauffrischung" gekauft, sondern weil ich "Crazy Horses" und "Leaving all up to you" schon immer heimlich mochte und inzwischen auch mit dem Eingeständnis kein Problem mehr habe. Mehr als eine Best of brauche ich von ihnen trotzdem nicht.
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  8. #6
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    Zitat Zitat von bludgeon Beitrag anzeigen
    Und in den 80ern haben sie nicht mehr "gepiepst"??? Hab ich da was verpasst? Auf welcher Platte denn?
    ESP von 1987.
    Da sind die Stimmen wieder deutlich tiefer, naja, immer noch hoch, aber immerhin fast im Bereich der Normalität, jedenfalls hat man nicht mehr das Gefühl, dass die Köpfe und grau gewordenen Bärte jeden Augenblick implodieren könnten...


  9. #7
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    Zitat Zitat von Mellow Beitrag anzeigen
    ESP von 1987.

    der mit Abstand bescheuertste Titel für eine Westplatte. ESP war die offizielle Akürzung für "Einführung in die sozialistische Produktion" und dies wiederum war ein stinklangweiliges Unterrichtsfach. In Brandenburg gibts dafür nun WAT und man könnte da gewisse ....

    WAT heißt übrigens auch eine Laibach CD.
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  10. #8
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    Tja, bekannte Namen in der Grabbelbox polarisieren, lösen eben immer wieder kontroverse Diskussionen aus, aber eigentlich benutze ich die Grabbelkisten dieser Welt um mit wenig Einsatz, spannende, mir bis dato unbekannte Musik zu angeln. Und selbstverständlich wegen dem „Kick“ den einem solche Fänge vermitteln können, der Überraschungseffekt wenn die Scheibe im Schacht verschwindet und die darauf gespeicherten Sounds erschallen. Manchmal geht es in die Hose, aber oft wird das zur Liebe auf den ersten Hörkontakt!


    THE BISHOPS – For Now (2009) / The Bishops (2007)

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Name:	the_bishops_2007.jpg
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    Die Britencombo THE BISHOPS hat rein gar nichts mit anderen Bischöfen zu tun, der Name ist ganz einfach derjenige der Zwillinge Mike (Vocals/Guitar) und Peter (Vocals/Bass) die sich zusammen mit dem schottischen Drummer Chris McConville auf Spurensuche begeben. Und wie: FOR NOW das mir kürzlich wegen seiner schlichten s/w-Aufmachung in einer Grabbelbox auffiel, ist ein pulsierendes Exponat aus dem Bereich Powerpop mit klar erkennbaren Beatles-Roots. Eine wunderbare Produktion, glasklar, griffig, in ohrenbetäubender Frische und mit seiner einschmeichelnden Schlichtheit keine Sekunde lang peinlich. THE BISHOPS hauen mit einer Selbstverständlichkeit ihre Songs raus aus dem Eichenholz als hätten sie nie etwas anderes gemacht, ein faszinierendes Scharnier zwischen den Sixties und der krawattierten Epoche kurz nach der Punk-Ära. Ganz einfach gewaltig wenn man Musik mit starkem Fab-Four-Einfluss akzeptieren kann, und ihre Interpretation des Folk-Klassikers „He Was A Friend Of Mine“ ist ganz einfach bezaubernd, da gerate ich ins Schwärmen! Alles in allem haargenau der Stoff aus dem meine Grabbelbox-Wünsche gestrickt sind...

    FOR NOW war der Auslöser mir auch das Debut, THE BISHOPS (2007), zu beschaffen. Und siehe da, gebraucht, 79 Cents, sofort geordert und schon ist die Discography, bis auf die Singles und die letztjährige EP, komplett. Der Erstling gräbt noch etwas tiefer in den Sixties was wohl auch daran liegt, dass alles auf Original-Equipement von 1963 eingespielt wurde. Beat, Garage, Fuzz, aber auch hier gradlinig und authentisch...

    2012 gibts dann ein neues Werk von THE BISHOPS das die vorgegebene Spur verlassen und mehr in den Indiebereich vorstossen soll. Diesmal dann in erweiterter Besetzung, denn neuerdings ist der jüngere Bishop-Bruder Alex (Vocals/Guitar) im Familienunternehmen mit dabei...



    www.thebishopsband.com
    Geändert von Mellow (17.03.2012 um 10:21 Uhr)

  11. Die folgenden Forenmitglieder sagen zu Mellow vielen Dank für diesen Beitrag:

    remo4 (17.03.2012)

  12. #9
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    THE BEST OF THE JOHNNY CASH TV SHOW 1969-1971 (2007)

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    Aaaaaaah... was für eine Offenbarung diese Sammlung aus der ABC-TV-Epoche des Country-Outlaws: JOHNNY CASH als Gastgeber für unzählige Gäste die solo, aber auch zusammen mit dem Gastgeber, ihre damals aktuellen Hits live vor Publikum intonierten. Für die auf Traditionalität ausgerichte Nashville-Connection war diese Show mehr als einmal ein Ding der Unmöglichkeit da JOHNNY CASH sich einen Dreck um Konventionen scherte, stattdessen immer wieder eine Plattform für die Randständigen der Szene bot und seine eigene Verwurzelung im Christentum offen bekundete und seine Gospel-Roots auslebte...

    Für die Tontechniker muss es der ultimative Horror gewesen sein da JOHNNY CASH auf „open microphones“ bestand, sprich da landeten auch Nebengeräusche auf den Tapes. Allerdings macht das die Aufnahmen auch lebendig, selbst wenn vieles auf der Strecke bleiben sollte und nicht verwendet werden konnte für die Ausschlachtung auf Tonträger. Zurück zur eigentlichen Musik: Ich habe noch nie eine so eine beseelte Version von „Fire And Rain“ von JAMES TAYLOR gehört, und das JOHNNY CASH / JONI MITCHELL-Duett „The Girl From The North Country“ ist ganz einfach nur bezaubernd! Weitere Showgäste: TAMMY WYNETTE, BOBBY BARE, DEREK AND THE DOMINOS, KRIS KRISTOFFERSON, ROY ORBISON, WAYLON JENNINGS und RAY CHARLES mit einer tiefschwarzen Interpretation von „Ring Of Fire“. Und natürlich immer wieder JOHNNY CASH, unterstützt von TENNESSEE THREE und der CARTER FAMILY.

    Fazit: Ein umwerfendes Zeitdokument. Der einzigste Negativpunkt dieses Grabbelboxtreffers ist, dass ich mich nun wohl auch nach der gleichnamigen Doppel-DVD umsehen muss. Trotzdem, so macht Archäologie ganz einfach nur Spass...




    AARON NEVILLE – I Know I've Been Changed (2010)

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    Kirchgänger sind wohl die wenigsten hier in diesem Forum, was aber AARON NEVILLE auf I KNOW I'VE BEEN CHANGED festgehalten hat ist ganz einfach Kirchenmusik der Extraklasse. Allerdings sind das keine Bach-Kantaten, sondern Gopselmusic in seiner schönsten Form: Tiefgründig, lebendig, mit Seele gesungen und gespielt, 10'000 Meilen weit entfernt von irgendwelchen kommerziellen Gedanken und erst noch mit ALLEN TOUSSAINT am Piano. Tja, da könnte man glatt zum Spiritualisten werden wenn man sich das hier anhört, die Gedanken schweifen ab, man kriegt sofort das Gefühl, man sitze bei dieser Messe in der ersten Reihe. Gefühl pur, magic... und eine vergleichbare Version von „I Am A Pilgrim“ findet man höchstens bei den Byrds...



    www.aaronneville.com

  13. The Following 2 Users Say Thank You to Mellow For This Useful Post:

    bludgeon (01.04.2012), remo4 (01.04.2012)

  14. #10
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    Standard AW: Grabbelbox 2012

    DECHEN SHAK-DAGSAY – Jewel (2010)

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    Weltmusik, eine spezifischere Bezeichnung fällt mir hier fast nicht ein.
    Für besinnliche Stunden eignet sich die Musik der in der Schweiz lebenden Sängerin mit tibetischen Wurzeln hervorragend. DECHEN zelebriert hier buddhistische Mantras, lässt unglaublich viel Weisheit einfliessen und entführt mit diesen von Flöte, Percussion, Tablas, Cellos, Sitar, Gitarre und allerlei Tasten getragenen fernöstlich/esoterisch angehauchten Klangteppichen in ein anderes Universum. Und siehe da, was lese ich da im Booklet? „Unser besonderer dank gilt Chris von Rohr – unserem wunderbaren Freund und Fan der ersten Stunde“.... da schau her, also da bin ich doch fast sprachlos, der alte Krokus-Rocker hat also (wie ich selber auch) eine romantisch verklärte Seite...



    www.dechen-shak.com



    THE SAND BAND – All Through The Night (2011)

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    Aus der Sparte „Weichzeichner total“ / „supersofter Softfolk“ was hier die beiden britischen Songwriter David McDonnell und Scott Marmion mit ihrer SAND BAND auf Silberscheibe gebrannt haben. Songs die dermassen zerbrechlich wirken, dass man sich fast nicht zu atmen getraut, das ist nun wirklich Musik die man bei Kerzenlicht geniessen sollte. Melancholisch, verträumt, ganz sachte am gewillten Zuhörer vorbeitreibend. Ich hole jetzt mal kurz Luft... haaaaaah... einatmen.... ausatmen...einatmen... ausatmen...



    www.thesandbandmusic.com



    HELLSONGS – Hymns In The Key Of 666 (2007)

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    Eigentlich witzig wie die Schwedin Harriet Ohlsson mit ihren beiden Begleitern hier den Spiess umdreht: Heavy-Granit wird in Zartbitter-Liedermacher-Folkrock à la Carole King / Joni Mitchell verwandelt. Wer allerdings Sabbath' „Paranoid“ nach der Umwandlung noch erkennt, der muss den Text wirklich intus haben. Was auch für die anderen versammelten Duster-Lieder gilt bei denen eine gewisse Finster-Kenntnis von Vorteil ist. Nun ja, vielleicht hätte man auch eher auf bekanntere Songs, respektive einen etwas grösseren Wiedererkennungswert setzen sollen. Mir gefällt der Ansatz trotzdem, obwohl mir nie im Leben in den Sinn käme, mir eine Platte von Dave Mustaine anzuschaffen...



    www.hellsongs.com

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