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Thema: Johnny Dowd - No Regrets

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    Standard Johnny Dowd - No Regrets

    Johnny Dowd - No Regrets


    Der am 29. März 1948 in Fort Worth/Texas geborene Johnny Dowd wurde - eigenen Angaben zufolge - von Captain Beefheart und Sun Ra beeinflusst. Sicher eine gefährliche Mischung, oder? Sein Debütalbum veröffentlichte er erst im zarten Alter von fünfzig Jahren - das Album hieß "Wrong Side Of Memphis".

    Ein Telefonanruf eröffnet "No Regrets". Der Musiker stellt sich vor und scheint ein Telefonat mit einer Betty zu führen. Betty solle nicht auflegen, Johnny wolle nur eine Frage stellen. Betty solle noch seine Football-Lederjacke haben. Dazu erklingen programmierte Rhythmen - völlig skurril, das Ganze. Dann bricht die E-Gitarre kurz aus, die Basslinie ist auch eine synthetische, über dem Sprechgesang ein Damenchor. Die Damen klingen so, als wären sie einer Platte von Gruppo Sportivo aus den Achtzigern 'entsprungen'. Ob Johnny seine Lederjacke zwischenzeitlich zurück hat? Betty jedenfalls gibt zum Schluß zu: “My name is Betty. I have your leather jacket.“

    Völlig losgelöst von 'normalem' Hörverständnis geht es weiter. Die Musik hätte perfekt in die Zeit der Neuen Deutschen Welle gepasst und wäre seinerzeit vielleicht auch gar nicht so aufgefallen. Okay, die Texte hätten deutsch gesungen werden müssen... Ist das jetzt lustig gemeint, oder welche Absicht hat Dowd verfolgt? Einige Hörer könnte er damit völlig nerven - Durchhaltevermögen ist angesagt. Ich bin tapfer und lasse die Klänge tief einwirken. Und wenn man drin ist, macht das doch tatsächlich so etwas wie Spaß, echt!

    Dem Pressetext ist zu entnehmen, dass alte Drum Machines aus den Sechzigern verwendet worden sind. Aber nicht nur dieses Jahrzehnt hat Spuren hinterlassen: Zu "Billie" fällt mir Flash & The Pan ein - an Lou Reed, Jonathan Richman oder die Talking Heads erinnern mich andere Titel. Dann noch - als Reminiszenz an die Sixties - ein gelegentlicher Hauch ganz früher Werke von Frank Zappa.

    Ja, das ist wirklich eine wilde Mischung, wenn man sich einmal die bereits genannten Künstler vor Augen hält und beabsichtigt, diese einmal durch den Mixer zu jagen. Bei fast jedem Titel beschäftigt der Künstler singende Damen, die prägend wirken. Gelegentlich bahnt sich eine nach Farfisa klingende Orgel ihren Weg, die Gitarre kreischt schon mal mächtig auf. Das irgendwie nach Wahnsinn klingende Schlagzeug auf "Miranda" ist für mich ein echter Lacher. Die Titel der einzelnen Stücke ergeben sich übrigens aus Bekanntschaften vergangener Tage, so der Musiker. Ob er mit ihnen abrechnen will? Aber teilweise habe er die Namen zum Schutz persönlicher Daten verändert. Allerdings seien auch fiktive Personen darunter.

    Die Musik ist enorm 'schräg' und nichts für den bequemen Hörgenuss. Eine gewisse Portion Humor sollte man als Hörer schon mitbringen - der/die eine unter uns vielleicht auch noch ein stabiles Nervenkostüm!
    Die Verehrung Don Van Vliet’s scheint also oft durchzuscheinen, und wenn das Saxofon zum Einsatz kommt, mag das möglicherweise ein Fingerzeig gen Sun Ra sein, mit dem Johnny Dowd vielleicht gemein hat, dass jener seine teils schwierige Musik sehr, sehr ernst genommen hat. "No Regrets" - der Titel des Albums scheint kein Bedauern aufzuzeigen.

    Ja, Johnny, Du hast alles richtig gemacht, aber Erfolg wird Dir diese irre Scheibe wohl nicht bringen. Aber Hauptsache, es hat bei den Aufnahmen so viel Spaß gemacht, wie mir beim Zuhören, aber immer fühle ich mich dazu auch nicht empfangsbereit. Doch einmal darauf eingelassen, bohren sich diese Töne in das Nervensystem und unterwandern es, vielleicht könnte man dazu sogar trefflich tanzen. Jedenfalls erfreut es mich, dass es noch solche Musiker, die sich einen Dreck um Konventionen scheren, und darum, wie etwas zu sein oder zu klingen hat, gibt.

    Die Band:


    Johnny Dowd (vocals, guitar, keyboard - #13)
    Michael Stark (keyboards, bass lines, drum machine programming)
    Willie B. (drums, electronics)
    Keir Neuringer (saxophone)
    Billy Koté (guitar - #9)
    Jennifer Middaugh (vocals - #1,4,8,12)
    Mary B. Lorson (vocals - #2,7,10)
    Bronwen Exter (vocals - #4)
    Jennie Lowe Stearns (vocals - #6)
    Kim Sherwood-Caso (vocals - #11,13)


    Die Songs:

    01:Betty (3:19)
    02:Emily/Meryl (4:00)
    03:Billie (3:05)
    04:Sherry (3:47)
    05:Miranda (3.15)
    06:Susan (3:03)
    07:Rita (3:28)
    08:Juanita/Rita (2:48)
    09:Nancy (2:50)
    10:Ella (2:50)
    11:Abigail (2:31)
    12:Linda (2:56)
    13:Candy (2:53)
    (lyrics and music by Johnny Dowd)


    http://www.johnnydowd.com/

    Wolfgang
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    remo4 (15.05.2012)

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