Eine Nachricht ist erst dann eine Nachricht, wenn der zweite Blick den ersten Blick bestätigt.

Gegen diese journalistische Grundregel habe ich bei meiner ersten Rezension eklatant verstoßen. Mea culpa.

Im Zuge meiner Neu- und Wiederentdeckung einiger Purpuralben habe ich auch dieses Werk erneut unter die Lupe genommen und musste meine frühere Einschätzung revidieren.

Die schlechte Nachricht vorweg:
Ich finde immer noch, dass Airey auf dieser Scheibe mit seiner Zitatensammlung übertreibt. Macht auf mich keinen guten Eindruck und hinterlässt bei mir ein Gefühl von Einfallslosigkeit. Lord klaute auch, aber er interpretierte wenigstens einige der großen Meister der Klassik und des Barock. Airey zitiert zu viele seiner Kollegen. So als wolle er sagen - seht her, ich bin euch ebenbürtig. Denn bis zu seiner Berufung bei DP und einer Episode bei Colosseum II war er nur Sideman.
Doch das ist nur eine Marginalie.

Ehre, wem Ehre gebürt.
"Après Vous" - Auf diesem Track gibt es ein schönes, spaciges Solo von Airey mit Unterstützung von Morse.

Die gute Nachricht:
Meine Einschätzung hat sich deutlich gewandelt.
Vielleicht war ich zu voreilig.
Warum meine Musikrezeptoren vor vier Jahren so dermaßen verpeilt waren und ich so viel Ungnädigkeit für dieses Album entwickelte, kann ich nur vermuten. Es war das Jahr, in dem meine Mutter starb.

Heute kann ich das Album von A bis Z durchhören, ohne jeden Groll. Es gefällt mir. Phasenweise saugut. "Weirdistan" als Beispiel. Oder "Hell To Pay" (Airey zitiert Lord) und "Bodyline".

Mein Urteil bezüglich Altherrenrock und eingeschlafenen Füße war daneben. Denn die Scheibe rockt wie selten zuvor.

Es gibt einige sehr schöne Passagen - zum Beispiel das Intro von Morse zu "Uncommon Man" . Damals, als junger Wilder auf der Domplatte in Köln, hatte ich andere Prioritäten.
Heute schätze ich einen Blues wie "Blood From A Stone". Kein klassischer Blues, sondern ein Heavy Blues.

Ich empfinde das Album immer noch als teilweise uneben und ich bin immer noch zu wenig altersweise, um kleine Fehler zu verzeihen. Doch ich mache jetzt einen Punkt.

Schließlich muss Raum bleiben für eigene Entdeckungen.

Auf, Buam und Mädels, go and get it