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Thema: Grabbelbox 2014

  1. #1
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    Standard Grabbelbox 2014

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Grabbelboxen immer weniger werden.
    Nun, der Markt scheint sich auch immer mehr in Sachen Internet zu verlagern, die „klassischen“ Läden scheinen einmal mehr vom Aussterben bedroht und selbst in den mir bekannten und manchmal frequentierten Filialen des Roten Riesen wurde das CD-Angebot massiv reduziert. Allerdings taucht auch bei denen immer wieder mal eine mit herrlichem Ramsch bestückte Kiste auf…



    WOLFGANG PETRY – EINFACH GEIL! (2001)

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    Schlager?
    Mellow’s Bankrotterklärung?
    Tja, das könnte man locker so verstehen, schliesslich gehört „Wolle“ Petry so ganz und gar nicht in mein übliches Beuteschema. Hier allerdings bin ich im Web über die Berry/Quo-angehauchte Nummer „Müll“ gestolpert und die hatte es mir irgendwie angetan, die erinnert mich eben heftig an die wöchentliche Pilgerfahrt zur Sammelstelle, zum Glas, Pappe, Metall und anderweitig reziklierbaren Altstoff entsorgen, immer schön sortiert in die entsprechenden Container.

    Die Scheibe geht eigentlich recht flott los, leider macht sich spätestens nach ein paar Tracks ein gewisser Deja-Vu-Effekt bemerkbar: Moment mal, das ist doch der immer gleich programmierte Boogie/Rock-Rhythmus und immer dieselbe quälende Frau-weg/deshalb-frustriert-bin-Story… uff… anstrengend… glücklicherweise gibt’s ein paar Ausreisser aus diesem Festhütten-Schema und die mögen zu gefallen. „Wolle“ ist eigentlich ein wirklich sympathischer Kerl der mich da und dort wirklich überrascht mit seiner Stimme, einzig die relativ beschränkte Themenwahl seiner Songs lässt zu wünschen übrig und die wirklich gut gemachten Gitarren können wie gesagt das Manko der vereinheitlichten Grooves auch nicht immer kaschieren.

    „Einfach geil!“ findet man bei einschlägigen Anbietern in der Preisklasse ab einem Cent. Irgendwie ungerecht – weil „Müll“ ist’s in diesem Sinne nicht, allerdings auch nichts was man jetzt unbedingt haben müsste…





    JOHNNY HALLYDAY – L’ESSENTIEL ALBUMS STUDIO 1961-1978 (2010)

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    Hoppla, eine Box mit 12 originalen Studioalben plus einer Bonus-CD, für 10 Alpendollars erstanden bei einem Besuch im nahegelegenen MM. Okay, ich bin ausserhalb Frankreichs wohl weit und breit der einzigste Musikfreund der sich so etwas antut, aber JOHNNY hat was, bei ihm finde ich immer wieder hervorragende Songs. Nun, die hier enthaltenen Longplayer der Frühphase sind eher zum Abwinken, allen voran SINGS AMERICA’S ROCKIN‘ HITS (1961), JOHNNY HALLYDAY versuchte sich damals in Englisch und scheiterte in allen Belangen, es erinnert mich an all die angloamerikanischen Stars die sich in Deutsch versuchten, das ist einfach nur grauenhaft und peinlich. Der Versuch auf den nachfolgenden LP‘s Rock’n’Roll- und Twist-Klassiker 1:1 auf Französisch umzubiegen klappte meiner Meinung nach auch nicht.

    Erst das Album LA GENERATION PERDUE (1966) lässt mich aufhorchen, HALLYDAY gewann hier eindeutig an Tiefgang, allen voran der von ihm verfasste Titelsong und „Cheveux longs et idées courtes“. Die britischen Einflüsse nahmen überhand, nicht zuletzt wegen MICK JONES (später bei FOREIGNER) der hier ein erstes Mal auftauchte. Fazit: Ein durchwegs hörbares Album mit manchmal typisch englischem Sixties-Wall-Of-Sound-Pop-Charme.

    Die späten Sixties sind dann nicht vertreten in dieser Box (Ausnahme JEUNE HOMME von 1968), es geht weiter mit dem Album FLAGRANT DELIT (1971) bei welchem ein gewisser GARY WRIGHT mitmachte. Der Kracher hier drauf ist für mich ganz klar „Fils de personne“, eine feine Coverversion von CCR’s „Fortunate Son“ für die sich JOHNNY HALLYDAY wirklich das Prädikat Rocksänger verdient hat. Witzig: Wie damals schon fast üblich bei den „Grossen“ der Branche, leistete sich der Chef mit den BLACKBURDS ebenfalls eine weibliche Gesangstruppe für gelegentliche Backgroundeinsätze. WRIGHT war dann übrigens auch 1973 bei INSOLITUDES wieder mit dabei.

    Ab ’72 mutierte JOHNNY eher zum amerikanischen Cowboy, Songwriter wie KRIS KRISTOFFERSON wurden immer einflussreicher und verdrängten die vorangegangenen Versuche englisch/amerikanische Rockbands zu kopieren/imitieren. Diese neue Mixtur aus Folk und Country schlug sich deshalb auch in der Arbeit des frankophonischen Vorezeigevibratos nieder. Auf mich wirkt diese Americana-Phase eher etwas uninspiriert, naja, „L’histoire de Bobby McGee“ belässt man besser in seiner Urform.

    1976 gabs dann wieder einmal einen rundum erneuerten HALLYDAY der sich auf DERRIERE L’AMOUR mit Rock und Pop zu profilieren versuchte. Nicht schlecht, „Gabrielle“ baut da wirklich eine gewisse Spannung auf, alles in allem ein gelungenes Album, was auch für das die Box beschliessende SOLITUDES À DEUX von ‘78 gilt.

    Falls mir bei Gelegenheit auf einem Grabbeltisch mal L’ESSENTIEL ALBUMS STUDIO 1981-2009 begegnen würde, dann tät‘ ich ohne mit der Wimper zu zucken ebenfalls zuschlagen. Klar lachen sich jetzt alle krumm, den JOHNNY kann man doch nicht ernst nehmen, aber für mich hat der eben trotzdem was…


  2. #2
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    Standard AW: Grabbelbox 2014

    Weia, ich hör‘ ihn schon… den Aufschrei der seinen Weg über den Rhein findet und gegen die steilen Felswände dieser kleinen Alpenrepublik prallt und als Echo tausendfach zurückgeworfen wird:

    NEIN… Gnaaade… hör auf uns zu quälen mit diesem Mist!

    Beim gestrigen Besuch im nahegelegenen MM konnte ich es mir nach der Reaktion auf WOLLE PETRY nicht verkneifen, auch bei diesem Artisten den ich in der Grabbel-Tankstelle erspähte, zuzuschlagen:



    DIETER THOMAS KUHN & BAND – HIER IST DAS LEBEN (2012)

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    Ich staune immer wieder wie sehr in Good Ol‘ Germany der sogenannte „Schlager“ behandelt wird, er wird mit Füssen getreten, aufs Übelste misshandelt und in ein Schattendasein verdrängt. Ist denn wirklich alles so schlecht? Wo ist die Grenze zu erträglichen Texten? Sind die einzig denen vorbehalten die sich dichterisch elitär und hochtrabend kryptisch in der Seele ihrer Landsleute bemerkbar machen? Naja, viele von diesen Literaten können leider nicht singen, dieser eine berühmte Ruhrpotter beispielsweise hat bei mir von Anfang an bloss bewirkt, dass meine Lauscher bei seinem unerträglichen Elchsgeblöke in sekundenschnelle dicht machen.

    Im Gegensatz zu lateinischsprachigen oder angelsächsischen Ländern (sorry, aber dort werden immer wieder die beknacktesten Texte bejubelt, ein weltweites Phänomen) scheint mir Deutschland extrem kritisch mit der eigenen Sprache und der dazugehörigen Lyrik umzugehen, manchmal glaube ich fast, dass man sich für sie schämt, weshalb auch immer, vielleicht liegt es ja an SCHILLER, GOETHE und Co. die kaum zu toppende Vorlagen geschrieben hatten. Nun, der Bereich des nationalen Liedgutes wird seinen schlechten Ruf wohl nie mehr weg kriegen, Verkaufszahlen und Erfolge hin oder her, deutsche Texte wird man immer viel genauer unter die Lupe nehmen und anhand eines imaginären Bewertungsschlüssels klassifizieren.

    Wer allerdings solche allgemeingültige Bewertungskriterien festlegen könnte ist mir schleierhaft.
    HR KUNZE? PETER MAFFAY? UDO LINDENBERG? REINHARD MEY? NENA, UDO JÜRGENS, JÜRGEN DREWS, HANNES WADER, CAMPINO oder DER GRAF, GUILDO HORN, STEFAN RAAB oder…
    PE WERNER würde sowas garantiert nicht mitmachen, die hat andere Ziele, möchte ihrem Publikum hörenswerte deutsche „Chansons“ näher bringen, eine schier unlösbare Aufgabe die sie noch lange beschäftigen wird, der ewige Kampf gegen Windmühlen.

    Es müsste jedenfalls jemand sein der sich in allen Sparten auskennt, eventuell könnte man ja auch ein mit ausreichend Deutschkenntnissen ausgestattetes, kulturpolitisch neutrales Gremium bilden.


    Spott beiseite, Föhnwelle DIETER THOMAS KUHN hat der deutschsprachigen Region vor Jahren eine bezaubernde Coverversion von „Über den Wolken“ beschert. An der Nummer wird er sich noch lange messen lassen müssen. HIER IST DAS LEBEN ist mehrheitlich eine Ansammlung von Neuinterpretationen gestandener „Schlager“, bietet aber auch ein paar unbekanntere Songs an. Die Ballade „Wärst du die Sonne“ von LUKAS HILBERT (genau, das war einer von UDO’s panischen „Adoptivsöhnen“) finde noch nicht mal schlecht, allerdings ertappe ich mich, wie ich „Ich steh ja so auf Disco“ mit der Urversion vergleiche und schneidet bei mir das Original besser ab.

    DIETER THOMAS‘ Begleitband macht übrigens einen ausgezeichneten Job, verbreitet über weite Strecken ein gewisses funky Feeling, und dass der Bandleader sich an die BEE GEES wagt um auf diese Weise irgendwie seinen goldenen Glitzeranzug zu erklären, also dafür kann die Truppe eigentlich nichts. Trotzdem mag ich DIETER THOMAS, ich mag diese seltsame Zwischenwelt in der er sich austobt. Und ich frage mich selbstverständlich wie ernst das alles gemeint ist, erfreue mich aber auch immer wieder an der Ironie die ich in dieser Kunstfigur entdecke. Fazit: Wenn man zwischen den Zeilen liest, ist das alles gar nicht so schlimm, ausserdem sind hier wirklich nicht alle Texte schlecht bloss weil sie der Sparte „Schlager“ zugeordnet werden.


    So, ich steh' jetzt mit dem Tennisrack parat um all die Bälle abzuwehren die gleich um die Ecke fliegen werden...


  3. #3
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    Standard AW: Grabbelbox 2014

    Zitat Zitat von Mellow Beitrag anzeigen
    [B][I]

    Im Gegensatz zu lateinischsprachigen oder angelsächsischen Ländern (sorry, aber dort werden immer wieder die beknacktesten Texte bejubelt, ein weltweites Phänomen) scheint mir Deutschland extrem kritisch mit der eigenen Sprache und der dazugehörigen Lyrik umzugehen, manchmal glaube ich fast, dass man sich für sie schämt, weshalb auch immer, vielleicht liegt es ja an SCHILLER, GOETHE und Co. die kaum zu toppende Vorlagen geschrieben hatten. Nun, der Bereich des nationalen Liedgutes wird seinen schlechten Ruf wohl nie mehr weg kriegen, Verkaufszahlen und Erfolge hin oder her, deutsche Texte wird man immer viel genauer unter die Lupe nehmen und anhand eines imaginären Bewertungsschlüssels klassifizieren.
    Neenee, über die Brücke geh ich nicht, dass da im harten Albion alles bejubelt wird und so... Wer dort die Clash komplett im Schrank hat, wird bestimmt um Paul Potts und Lady Gaga einen weiten Bogen machen und andersrum...

    Und dass die Medien nun mal die nächste große Lusche zum Giga-Mega-completelyweltallsuperstar pushen - achselzuck...

    Wie hießen die super-duper-neuentdeckungen von 2010-2012 --- jetzt mal ehrlich ohne nachzugoogeln....

    Wonach man deutsche Texte beurteilen kann? Na genauso wie die englischen - nach Niveau.

    - oben die literarisch wertvolle Kategorie
    - unten die Landpomeranzen-glücklich-mach-mitklatsch-Kategorie, weil's Erntefest nen Soundtrack braucht ...
    - dazwischen die Phrasenvertoner

    und am Rande Phänomene wie Gildo Horn und Dieter Thomas Kuhn.
    Da kann man mal einen schönen live Abend haben. Aber zu Hause freiwillig anhören???? Naja, eher noch als ABBA...
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  4. #4
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    Standard AW: Grabbelbox 2014

    Zitat Zitat von bludgeon Beitrag anzeigen
    Wonach man deutsche Texte beurteilen kann? Na genauso wie die englischen - nach Niveau.

    - oben die literarisch wertvolle Kategorie
    - unten die Landpomeranzen-glücklich-mach-mitklatsch-Kategorie, weil's Erntefest nen Soundtrack braucht ...
    - dazwischen die Phrasenvertoner
    Okay, "Oben die literarisch wertvolle Kategorie" - aber gehören da "Marmor Stein und Eisen bricht", "Da Da Da", "Die da?", Sperrbezirk" oder "Amadeus" auch dazu? Oder sind das literarische Leistungen die man der Kirmes-Szene zuordnen könnte? Selbst wenn solche "Volkslieder" über Jahrzehnte das kulturelle Leben irgendwie infiltrieren?

    Ist das die Kategorie für die man ein mehrjähriges Studium braucht um danach festzustellen, dass das Leben keinen Spass macht und alles trist und grau ist?

    Ich meine nur, es ist schwierig eine Grenze zu ziehen.

    Manchmal habe ich das Gefühl, in südlichen Ländern werde dieses "Reinheitsgebot" (analog Bier) bei der eigenen Sprache nicht ganz so streng angewendet, da scheinen die Bewertungskriterien nicht ganz so scharf zu sein: Die Genres verschwimmen, Pop, Rock, Volksmusik und tiefgreifendes Songwriting gehen da oftmals Hand in Hand...

    Übrigens:
    Manchmal können auch englische Lyrics ganz schön banal sein - z.B. "Wild Thing von den TROGGS - auch wenn sowas zum Rockklassiker wurde...

    Geändert von Mellow (02.03.2014 um 21:43 Uhr)

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