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Thema: Ton Steine Scherben - Ich will ncht werden was mein Alter ist (1971)

  1. #1
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    Standard Ton Steine Scherben - Ich will nicht werden was mein Alter ist (1971)

    Der Song

    Ton Steine Scherben - Ich will nicht werden was mein Alter ist
    Aus dem Album "Warum geht es mir so dreckig ?" (1971)
    Text und Musik: Rio Reiser.

    Hören & sehen: https://www.youtube.com/watch?v=8OhKA_EdnIc
    Text: http://www.riolyrics.de/song/id:2

    Obiger Videoclip war neulich im TV zu sehen (WDR, Deutschrock-Nacht, 8. März), ich hatte die Sendung aufgezeichnet, und nach dem Ansehen war ich hin und weg. Song des Tages? Song der letzten 10 Tage!

    Mein Hintergrund

    1971 war ich elf Jahre alt. Zu "seiner Zeit" kann ich den Song also nicht gehört haben (wenigstens nicht bewusst oder mit Verständnis). Als Jugendlicher war ich dann viel zu brav, um die "Scherben" zu hören oder mich gar mit ihrer Kunst zu identifizieren; ich habe ihre Musik überhaupt erst Anfang der 80er kennengelernt - und konnte wenig damit anfangen. Den speziellen Titel, um den es hier geht, habe ich (kein Witz) erst jetzt zum ersten Mal gehört. Eigentlich fällt diese Art Musik nicht in mein Beuteschema - aber der Song hat mich trotzdem weggehauen.

    Der Text...

    ... spiegelt perfekt den Generationenkonflikt seiner Zeit. Und das mit Worten, die exakt so im Alltag gefallen sein könnten. Manches daraus ist aber auch zeitlos. An Sätze wie "alles was du anfängst hörst du gleich wieder auf", kann auch ich mich noch erinnern. Und die Zeilen

    Ich möchte aufhören und pfeifen auf das Scheißgeld.
    Ich weiß, wenn das so weitergeht, bin ich fertig mit der Welt.

    möchte ich heute noch nachvollziehen...

    Gesang und Sprache

    Rio Reiser nimmt sich die Zeit, sehr verständlich zu singen, jedes Wort wird artikuliert. Außerdem ist die Kombination aus Rockmusik und deutscher Sprache bekanntermaßen gar nicht mal so einfach. Z.B. "work", das passt auf jede Note. Aber "arbeiten"? Das Elend beginnt ja schon damit, dass die letzte Silbe des Wortes "arbeiten" immer irgendwie dumm herumhängt! Umso eindrucksvoller, wie Rio Reiser es schafft, dass der Text nirgends holpert oder stolpert, sondern perfekt zum kompromisslosen Rhythmus der Musik passt. Das ist ganz große Kunst!

    Die Musik

    Ein 5-minütiges Stück, das vom ersten bis zum letzten Takt mit einem unwiderstehlichen Drive fasziniert! Jedenfalls mich. Für den Liebhaber des Gitarrensounds gibts eine gute halbe Minute rein instrumentales Intro. Hätte für mich durchaus noch länger sein dürfen, dabei ist das Stück schon gute 5 Minuten lang, trotz seines einfachen Aufbaus:

    Intro - Strophe 1 - Refrain - Strophe 2 - Refrain - Bridge - Refrain

    Und dabei wird nirgends auch nur mit einem Takt Zeit geschunden!

    Die objektiv schlechte Tonqualität des oben verlinkten Clips finde ich übrigens gar nicht mal so störend. Im Gegenteil: Gitarre und Schlagzeug verschmelzen fast zu einem einheitlichen Gewaber und Gedröhne, das trotzdem noch klar in eine Richtung marschiert. Faszinierend - mindestens!

    Mein Fazit

    Das ist perfekte Rockmusik. Text, Musik und Vortrag: hier stimmt einfach alles, es passt zusammen, und mich begeistert es.

  2. #2
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    Standard AW: Ton Steine Scherben - Ich will ncht werden was mein Alter ist (1971)

    „Der Kampf geht weitaaaaa!“ (aus „Steig ein“)

    Ton Steine Scherben sind für mich auch Kult. Bei mir hängt das eher von der relativ späten „…wenn die Nacht am tiefsten ist“ ab, weil die GUTEN MORGEN enthält. Diesen Song hörte ich so etwa 1978 zum ersten Mal im Radio und er ging mir aufnahmemäßig durch die Lappen. Besonders ärgerlich, weil das doch eigentlich so richtig auf die Eintönigkeit des PA-Unterrichtes (= Produktive Arbeit) passte: exzessives Feilen und sonst nichts.

    „Keine Macht für niemand!“ (den Song) lernte ich kurz nach der Armeezeit kennen, defätistische Vergangenheitsbewältigung der Extraklasse, obwohl der Text ja anarchistischer Unsinn ist, aber egal. Es passte zum Dampf ablassen prima zu Interzone und Extrabreit:
    Tag und Nacht, wird sie bei dir sein: Die Polizeiaiaiaiaiai!....

    Dieses Anti-Papa-Motzing jedoch (auch gerne in der Form: Ihr wart doch alle Nazis!) oder auch die utopistische Hach-ich-bin-ja-so-alternativ-und-pfeif-aufs-Geld-Haltung waren wieder eher so ein deppertes Westding, was wir in meinen Kreisen damals jedenfalls nicht verstanden.
    Inzwischen hab ich „die Rekordbeter“ gesehen und kapiert, wie das mit den Adenauerjahren zusammenhing usw.

    Obwohl Papa reichlich Bemerkungen über meine „Negermusik“ von den „ungewaschenenTypen“, die „gar nicht singen können“, abließ, hatte ich eher nicht diesen klassischen Generationskonflikt. Das nahm ich einfach axelzuckend hin oder versuchte im Gegenzug gegen die Kammersänger-Riege Süß, Schreier, Adam zu lästern.
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

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