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Thema: Ricky Nelson - Bear Family Records Box

  1. #1
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    Standard Ricky Nelson - Bear Family Records Box

    Ricky Nelson - das singende Frisiersalon-Reklame-Foto aus Amerika - hatte ein tragisches Image-Problem. Als Aushängeschild des Highschool-Rock&Roll 1958 wurde er zum Teen-Idol und sang auch noch überflüssigerweise den gleichnamigen Song.

    Andererseits waren „Poor little fool“ und „lonesome town“ akzeptable Hits.
    Der Western “Rio Bravo” mit ihm und Dean Martin war kein B-, sondern ein A-Movie, seinerzeit und filmisch Elvis somit überlegen.

    „Milk Cow Blues“ und „Blue suede shoes“ wiederum erinnerten an keimfrei abgekochten Elvis-Imitatoren-Sound. Und „Hello Mary Lou“ war eher Westgermanischer Skihüttenzauber als Rock&Roll.

    In den antiseptischen frühen 60ern, als die Straßenköterfraktion der amerikanischen „Racemusik“ einberufen, eingesperrt, verunfallt oder tot war, kaschierten er und Leichtgewichte wie Billy Fury und Jack Scott den ersten Untergang des Rock&Roll und verschwanden schließlich hinweggefegt von der British Invasion spätestens 1965 in der Versenkung.

    Aber Mellow ist schuld, dass er mich vor Jahren hier im Forum auf die Spur gesetzt hat, als er die späte Hinterlassenschaft des Gene Vincent ans Tageslicht holte.

    Ich forschte nach ähnlichen 50s-Survivors und stieß auf die hörenswerten Spätwerke von Dion diMuchi, Marty Robbins, und nun auch Rick Nelson (& the Stone Canon Band).

    Was mag da schief gegangen sein, zwischen 1970 und 75, dass da Material für 4 Alben entstand, aber nur eins veröffentlicht wurde? Jahrzehnte später und Posthum kamen nun alle paar Jahre interessante Bröckelchen ans Licht, bis BEAR FAMILY RECORDS sich wiedereinmal einschaltete und eine 3 Kisten umfassende Gesamtleistungsschau des talentierten Schönies auflegte.

    Die 3. Box -„the last time around, 1970-82“- ist die interessanteste. Sie enthält auf 7 CDs eben jene unveröffentlichten, aber von Al Kooper (sic!) perfekt produzierten früh70er Aufnahmen, die kompletten Memphis Sessions, einen Radio-live-Mitschnitt eines Konzertes mit der Stone Canon Band, ein unbeachtet gebliebenes 80er Jahre Album und sogar Werbejingles für das nicht zustande gekommene Nelson Come Back 1971.

    Nelson war 1958 sage und schreibe 18 Jahre alt und galt auf Grund der rasant voranschreitenden Rockgeschichte mit seinen Rock&Roll-Erfolgen 1968 schon als „alter Herr“. Aber er war noch nicht 30 und von Dylan beeindruckt. Er covert ihn in Byrds-Manier gekonnt. „Honky Tonk Woman“ von den Stones hätte er lieber in Ruhe lassen sollen, das klingt nach David Cassidy, passend für die frühen 70er, heute aber eher - brrrr! Insgesamt hört er sich sehr nach kalifornisch relaxtem Schrammelhippie in Gefolgschaft der Crosby, Stills, Donovan & Hammond an.

    Verblüffend zu mal, dass da in 2erlei Version „Lay back in the arms of someone“ auftaucht. Jene Jahre später auf deutschen Tanzsälen zerschwofte Smokie-Nummer – und nicht mal schlecht. Nelsons Gesang statt Chris Normans Dauer-Katarrh macht daraus den kleinen Songbruder von „the arms of Mary“ der Sutherland Brothers.

    Wer die große teure Ausgabe für die Bären-Kiste scheut, der kann mit einer preiswerteren Doppel-CD „ the complete EPIC-Recordings“ Vorlieb nehmen. Das „complete“ ist gelogen, aber die enthält immerhin 4 Fünftel der Memphis Sessions (inclusive „lay back in the arms of someone“) und im Unterschied zur großen Kiste nicht 2x-, sondern 3x „Rave on“.

    Wenn sich das auf den ersten Blick wie bloße Platzfüllerei liest, wird man auf den ersten Hör jedoch eines besseren belehrt, weil es wirklich 3 stark umarrangierte, sehr schöne Versionen sind. Hörenswert!

    Und das Spätwerk des ehemaligen Teen Idols insgesamt ist auf alle Fälle zu schade um es nicht zur Kenntnis zu nehmen.
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    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
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  2. #2
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    Standard AW: Ricky Nelson - Bear Family Records Box

    Zitat Zitat von bludgeon Beitrag anzeigen
    Aber Mellow ist schuld, dass er mich vor Jahren hier im Forum auf die Spur gesetzt hat, als er die späte Hinterlassenschaft des Gene Vincent ans Tageslicht holte.
    Gern geschehen.
    Und ich hör' mir den GENE immer wieder mal an, für mich ein faszinierender Kerl. Von RICKY lass' ich lieber die Finger. Ich bin anderweitig beschäftigt, ich taste mich derzeit ganz vorsichtig an die französischen Rock'n'Roller neben HALLYDAY 'ran...


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