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Thema: ILS CHANTENT LES BEATLES (Compilation, 2015)

  1. #1
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    Standard ILS CHANTENT LES BEATLES (Compilation, 2015)

    Help! werden ca 99.99% der Besucher dieses Portals sagen wenn sie über die Überschrift dieses Threads stolpern: „Mon dieu“… der kann’s nicht lassen, er startet einen neuen Folterthread für den sich ausser ihm, ein paar irren Engländern, Schotten, Italienern, Amis, Russen und ca. 66 Millionen Franzosen kein Schwein interessiert. Er stellt sich wie weiland Bonaparte auf die Landkarte und beginnt einen Feldzug, lässt keinen Stein auf dem anderen und treibt in allen französischen Landesteilen virtuelle Schächte in den Boden, immer in der Hoffnung auf Goldschätze zu stossen. Und es gibt sie, gar nicht mal tief unter der Oberfläche vergraben, bestens restauriert, fein säuberlich poliert und mit viel Liebe präsentiert.

    Man wische sich JOHNNY HALLYDAY's stümperhafte frühen Versuche in englischer Sprache aus den Gedanken, hier geht es um Rock’n’Roll, Beat und Pop der in den Sixties in französischer Landessprache produziert wurde. Es geht um junge hübsche Prinzen die sich in elegant geschnittene Anzüge aus feinsten Stoffen kleideten, es geht um Lolita-Prinzessinnen mit ihren immer kürzer werdenden chicen Jupes und ihren rauchigen, beängstigenden Antistimmen. Ihre Idole zu Beginn der Sixties waren mit ziemlicher Sicherheit die Stars aus Amerika, ELVIS PRESLEY, BUDDY HOLLY, EVERLY BROTHERS, BILL HALEY, ROY ORBISON, JERRY LEE, LITTLE RICHARD, CHUCK BERRY, die ganze einschlägige Bande, und natürlich GENE VINCENT der sich sogar auf Tour durch die Grande Nation begab und selbstverständlich hinterliess auch die weltweit erfolgreiche Instrumental-Fraktion nachhaltig Eindruck, THE SHADOWS, THE VENTURES, die SPOTNIKS.

    Und dann schwappten irgendwann LES BEATLES aus England über den Kanal, wie eine Welle, eine Springflut, es gab kein Entkommen, die französische Jugend bewaffnete sich mit passendem Instrumentarium und stürzte sich in die Probelokale, Clubs und Aufnahmestudios. Es entstand ein gewagter aber lässiger Cocktail aus verschiedenen Einflüssen und Musikstilen, das traditionelle Chanson fusionierte mit der neuen aufregenden Popmusik.

    An den Anfang des zweiten Abschnitts stelle ich jetzt mal LES (FAUX) FRÈRES aus Lausanne. Klar, die Stadt am Lac Léman liegt zwar in der Schweiz, aber die Beatband sang in Französisch, der handelsüblichen Sprache in der westlichen Hälfte der Schweiz und coverte selbstverständlich auch LES BEATLES. Was mich bei LES (FAUX) FRÈRES absolut begeistert, ist ein umwerfender TV-Promo-Playback-Auftritt (ca. 1966) in noir/blanc den man im Web finden kann, ein Song namens „Elle Et Moi“. Hervorragend was die Truppe aus der Provinz da runterbrettert, im Vordergrund natürlich die beiden unumstrittenen Leader an den Mikros und Gitarren, JEAN-PIERRE SKAWRONSKI und GASTON SCHAEFER, das Bild wird ergänzt durch einen „unsichtbaren“ Pianisten (HERVÉ ROILLET?) der am Tag der Aufnahmen wohl krank war plus einem zurückhaltenden Bassisten (DANIEL VIDOUDEZ?), ganz unscheinbar im Hintergrund.

    Der „Killer“ war bei diesem Auftritt allerdings der Drummer (ALAIN PETITMERMET?) dem die Chose Sache nicht ganz geheuer schien, denn jedes Mal wenn die Kamera ihn auf’s Korn nahm, wurde er unsicher, kuckte verlegen aus der Wäsche und verfluchte sich innerlich wohl tausendfach weil er diesen Job als Trommler angenommen hatte. Im bürgerlichen Leben neben der Band war er wohl bescheidener Heizungsklempner, Bauer oder Büroangestellter, trotzdem, ein wirklich sympathischer „Batteur“ der in dieser grandiosen Szene Sympathiepunkte „en masse“ sammeln konnte, garantiert auch bei der Damenwelt. LES (FAUX) FRÈRES veröffentlichten zwischen 1965 und 1968 ein paar EP’s und Singles bei den Labels BARCLAY und EVAISON, sie lösten sich danach auf. GASTON SCHAEFER machte solo weiter, veröffentlichte diverse Tonträger im Singer/Songwriter-Bereich.

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    Durch die LES (FAUX) FRÈRES deren Recordings noch nie komplett zusammengefasst wurden, stiess ich auf den 2-CD-Sampler ILS CHANTENT LES BEATLES aus der Reihe SALUT LES COPAINS, der mit „Une Fille Pour Deux Garçons“, einer Interpretation der Fab-Four-Nummer „You Like Me Too Much“, zumindest einen Song der vorab beschwärmten Band enthält. Ein Sammelsurium bestehend aus Coverversionen der Liverpooler Pudelmähnen, natürlich in Französisch gesungen und alle versammelten Titel ausschliesslich aus den Sechzigern. Auch Szenehirsche wie JOHNNY HALLYDAY, EDDY MITCHELL oder VINCE TAYLOR vergriffen sich an den legendären Vorlagen, die Namen der hier mehrheitlich vertretenen Sänger, Sängerinnen und Bands sind allerdings mehrheitlich unbekannt, oder hat vielleicht schon mal jemand was von OLIVIER DESPAX, DOMINIQUE WALTER oder von LES LIONCEAUX gehört? Wohl kaum, die französischen Sechziger sind abgesehen von einigen Ausnahmen die international wahrgenommen wurden, ausserhalb der frankofonischen Welt ein ziemlich unbekanntes Terrain. Trotzdem, ich mag das, ich lasse mich gerne ein auf eine Entdeckungsreise in das in dieser Hinsicht völlig unbekannte Nachbarland, ILS CHANTENT LES BEATLES (auf dem Frontcover ersetzt ein "The“ das „Les“, ansonsten ist die DoCD überall mit „LES BEATLES“ beschriftet) ist da ein ausgezeichneter Ausgangspunkt da man die Melodien bereits in- und auswendig kennt.

    Den Lehrerinnen die uns damals in der Schule mit französischer Grammatik quälten hab‘ ich ihre Untaten längst vergeben, ich pilgerte ans NYON FOLK FESTIVAL und nach der Lehre verbrachte ich einen Grossteil meiner Armee-Dienstzeit in Moudon in der Westschweiz. Ich lernte Sprache und Kameraden aus der Romandie zu schätzen. Ich bin also gewappnet mich in ein neues musikalisches Abenteuer zu stürzen… oui… und es ist ein gutes Motto das man problemlos als Ausgangspunkt ins Auge fassen kann: ILS CHANTENT LES BEATLES




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    ILS CHANTENT LES BEATLES (Universal, 2015)

    Disque 1
    01. Des bises de moi pour toi - Claude François
    02. J'ai un secret à te dire - Lucky Blondo
    03. Je me bats pour gagner - Frank Alamo
    04. Toi l'orgueilleux - Les Champions
    05. Je suis amoureux - Les Jets
    06. C'est pour toi - Sabrina
    07. Tu chang'ras d'avis - Vince Taylor
    08. Laisse-moi tenir ta main - Claude François
    09. Toi l'ami - Les Gam'S
    10. Je te veux tout à moi - Les Lionceaux
    11. Adieu chagrin - Les Surfs
    12. Elle t'aime - Nancy Holloway
    13. Je ne peux l'acheter - Les Lionceaux
    14. Oui c'est vrai - Claudette et Sylvie
    15. Je croyais - Hugues Aufray
    16. Une fille pour deux garçons - Les Faux-Frères
    17. Et je l'aime - Olivier Despax
    18. Seul - Stone
    19. Je lis dans tes yeux - Danielle Denin

    Disque 2
    01. Je veux te graver dans ma vie - Johnny Hallyday
    02. Je veux prendre ta main - Frank Alamo
    03. Quatre garcons dans le vent - Les Lionceaux
    04. Petite fille - Tony Rank
    05. Dis-moi pourquoi - Les Lionceaux
    06. Et je l'aime - Michèle Torr
    07. Tu ferais mieux de l'oublier - Eddy Mitchell
    08. Eleanor rigby - Erick Saint-Laurent
    09. Michel - Danielle Denin
    10. Ne ris pas - Les Lionceaux
    11. Je l'aime - Johnny Hallyday
    12. Le jour la nuit - Stone
    13. C'est devenu un homme - Erick Saint-Laurent
    14. Dis-moi - Olivier Despax
    15. Penny lane - Dominique Walter
    16. Il est plus facile - F.R. David
    17. Le fou sur la colline - Eddy Mitchell

    Link zu GASTON SCHAEFER und LES (FAUX) FRÈRES: www.gastonschaefer.com
    Geändert von Mellow (06.04.2017 um 16:00 Uhr)

  2. #2
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    Standard AW: ILS CHANTENT LES BEATLES (Compilation, 2015)

    Im Alter kommen die abartigen Vorlieben ans Licht. Was dem einen sein Phillysound - sind dem anderen französische Beatles.
    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  3. #3
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    Standard AW: ILS CHANTENT LES BEATLES (Compilation, 2015)

    Abartig?
    Eigentlich nicht: Die altbekannten Wiesen sind meist abgegrast oder haben viel von ihrem ehemaligen Reiz verloren. Ich kümmere mich deshalb seit einiger Zeit vermehrt um Genre-Nischen (Mod, Instrumental, jetzt auch die französischen Sixties) die ich sträflich vernachlässigt hatte. Wenn du den Fuss erst mal in der Türe hast, dann gibt es normalerweise kein zurück mehr, aber das kennst du ja nur zu gut...


  4. #4
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    Standard AW: ILS CHANTENT LES BEATLES (Compilation, 2015)

    Auf die Gefahr hin, dass die hier eventuell einige Nachkommen von Schiller und Goethe virtuelle Guillotinen aufbauen und versuchen den schreibenden Bären aus dem Verkehr zu ziehen weil er sich wieder frankophonem Liedgut hingibt… er tut es trotzdem… er hat sich nicht auf den faulen Bärenpelz gesetzt, er hat weiter geforscht und im Mutterland des Camemberts erstaunliches Liedgut aufgetan:

    RONNIE BIRD

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    RONNIE BIRD, trotz des englischen Pseudonyms (bürgerlich RONALD MÉHU) Franzose, ein Sänger aus Boulogne-Billancourt (liegt in der Nähe von Paris) der ausserhalb Frankreichs nicht so sehr bekannt ist, der zwischen 1964 und 1969 aber hervorragende Musik veröffentlichte. Am Anfang seiner Karriere stand ‘64 mit „Adieu à un ami“ eine Hommage an BUDDY HOLLY, am Schlusspunkt ’69 mit „Sad Soul“ und „Rain In The City“ von seiner letzten Single eher angepsychter Poprock, ausnahmsweise in Englisch und ausserdem Originalmaterial aus der Feder des Produzenten und Songwriters von JOHNNY HALLYDAY, dem späteren FOREIGNER-Mitglied MICKY JONES. Zwischen diesen beiden Eckpunkten sang sich RONNIE BIRD durch diverse britische R&B-Klassiker wie „The Last Time“ („Elle m’attend“), adaptierte soulangehauchtes Material und schlug immer wieder die Garagentore auf und zu.

    Richtig, RONNIE war sowas wie ein MOD, siehe seine Version von „Hey Girl“ von den SMALL FACES oder „A Legal Matter“ („Ne t’en fais pas pour RONNIE“) von THE WHO, aber auch das von ihm selber verfasste „N’écoute pas ton coeur“ rückte ihn in die Ecke der Modernisten, besagter Titel schrammt nahe an den YARDBIRDS vorbei. Glücklicherweise vermied RONNIE BIRD mehrheitlich das Balladenterrain und wenn er sich bei einigen wenigen Titeln doch in dieser Ecke umschaute, dann stilsicher und ohne Schmalz (z.B. „Seul dans la nuit“ mit Akustikgitarre und dezenter Orgel), die Gefahr als Chansonnier abgestempelt zu werden bestand deshalb nie.

    RONNIE BIRD ist mehr als bloss ein Abklatsch angloamerikanischer Vorbilder, RONNIE entwickelte im Laufe der Zeit eine ziemlich eigenständige Schiene, jedenfalls kann man fast keine anderen französische Artisten als Vergleich beiziehen. Und ausserdem hat er eine tolle, pathosfreie Stimme die zu keinem Zeitpunkt nervt, hier findet sich also keine einzige Spur des manchmal tödlich nervtötend wirkenden Vibratos eines JOHNNY HALLYDAY.

    1969 hatte RONNIE BIRD bereits genug vom Rampenlicht und zog sich zurück, er produzierte danach eine französische Bühnenversion von HAIR und wirkt seither im Hintergrund als Produzent, manchmal auch als Songwriter.

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    Sein musikalisches Erbe gibt es nahezu vollständig auf dem CD-Doppeldecker RONNIE BIRD aus der Serie SALUT LES COPAINS, 58 Songs, 100 Minuten ausfallfreies Material, jeder einzelne Track absolut hörenswert. Für RONNIE-Anfänger oder Interessenten die sich nur halbherzig auf französisches Terrain trauen gibt’s hin und wieder auch einfache Compilations (RONNIE BIRD ‎– TENDRES ANNÉES 60), allerdings verpasst man dann damit die Flower-Power-Sachen die sich auf der 67er-LP RONNIE BIRD befinden. Okay, zugegeben, die ist auch eher für fortgeschrittene Fans mit dickerem Geldbeutel (gilt auch für die EP-Collection von MAGIC), da der Preis der CD-Version (wegen dem stimmungsvollen rot/gelb/orangem Cover?) ohnehin schon kurz nach Erscheinen in die Höhe schoss, aber wie gesagt, die RONNIE-Kopplung bei SALUT LES COPAINS (gab es identisch schon mal als TWISTIN‘ THE ROCK) deckt alles ab.

    Mein Fazit:
    RONNIE ROCKT!

    Geändert von Mellow (19.02.2016 um 23:22 Uhr)

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