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Thema: THE KINKS "EVERYBODY'S IN SHOWBIZ"(LEGACY EDITION)1972/2016

  1. #1
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    Standard THE KINKS "EVERYBODY'S IN SHOWBIZ"(LEGACY EDITION)1972/2016

    Nun, so ganz klar war mir nie was RCA sich bei der Veröffentlichung von „Everybodys...“ im Jahre 1972 dachte. Angepisst waren sie wohl auf jeden Fall, hatte Ray Davies und seine Truppe mit „Muswell Hillbillies“ im Jahr zuvor ein in den meisten Ohren doch recht „schrulliges“ Album zum Einstieg vorgelegt. Künstlerische Freiheiten gedachte man einzugestehen, aber so ein Hit wie „Lola“ oder „Apeman“ (1970) sollte schon dabei herausspringen. So kam das Album als Doppel auf den Markt, die 2.LP war aber nur ein Teil eines Livekonzertes. Zugegeben, die versoffene Version des „Banana Boat Songs“ oder „Baby Face“ hatten schon „was“. Ganz zu schweigen von den hochinteressanten Versionen von etwa „Brainwashed“, „Top Of The Pops“ oder den Songs aus „Hillbillies“. Aber das "Lola"-Fragment? Schlecht gemacht, Vinylplatz vergeudet. Denn von einigen inoffiziellen Mitschnitten wusste man genau: Da ist viel mehr dieser geilen Musik, es wurden neben den aktuellen Stücken alte Hits/Raritäten (Beispiel „Harry Rag“...) eingestreut...welche zu dem 72-er Lineup der Kinks hervorragend passten! Die Band in einer Phase des Trotzes, des Chaos, aber auch der Neuaus-richtung, ergänzt mit den Bläsern des Mike Cotton Sound. Und so bekommt man nun endlich einen fetten Nachschlag! Es rumpelt und läuft bei weitem nicht immer rund...warum auch?...für mich ist das alles ein Hochgenuss. Die Ansagen zwischen den Songs machen zudem deutlich, dass der große Zermonienmeister sehr wohl auch Spaß an dem Treiben hatte: Sollen sie uns in England eben mit Missachtung strafen, hier in den USA schätzt man die Kinks als Entertainer. (Die ganze Geschichte mit ihrem US-Auftritts-verbot usw. ist ja hinlänglich bekannt und muss hier nicht mehr erwähnt +gedeutet werden). So blühen also hier auf CD2 „Holiday“ oder „Complicated Life“ richtig auf, „Get Back In The Line“ und das bärenstarke „You‘re Looking Fine“ möchte ich auch noch gesondert erwähnen! Mit „History“ bekommt man noch ein Studio-Outtake dazu, dessen „Verbannung“ über all die Jahre nicht nachzuvollziehen ist. Die Studio-LP brauche ich nicht zu erwähnen: Sie ist bekannt und bei weitem kein Mainstream, um es mal etwas abgeschwächt zu formulieren. Ich halte sie für eine der stärksten Kinks-Arbeiten überhaupt, nicht nur wegen „Celluloid Heroes“ oder Daves genialem „You Don‘t Know My Name“. Booklet, die klangliche Verbesserung dieser Neuveröffentlichung, ein paar alternative Mixe, nehme ich sehr gerne mit. FAZIT: Super Sache, wer diese Phase der Kinks schätzt: UNBEDINGT ZUGREIFEN !!!
    (Auflistung der einzelnen tracks: Siehe unten...Foto des backcovers!)
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  2. #2
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    Standard AW: THE KINKS "EVERYBODY'S IN SHOWBIZ"(LEGACY EDITION)1972/2016

    Was sich RCA gedacht hatte?

    Ganz einfach: Wir holen uns eine dieser hochdekorierten Sixties-Bands an Bord und füllen mittels erfolgreicher Hitsingles die Kassen.

    Ich denke es gab mehrere Faktoren die das verhinderten. Zum einen die veränderte Musikszene die spätestens seit SGT. PEPPER die Langspielplatte als gewinnbringenderes Medium als die Single erkannt hatte. Zum anderen erfanden sich viele der altgedienten Helden neu, sie nahmen sich vermehrt künstlerische Freiheiten heraus, die Zeiten als Musiker sich sklavisch an die Vorstellungen ihrer Produzenten hielten waren vorübergehend vorbei.

    Die KINKS waren ausserdem immer sperrig, also als Typen, ich vermute anhand ihrer Biografie, dass es schon Jahre zuvor für Manager und Promotionabteilungen nicht gerade einfach war die trotz des bekannten Brüderzwists überschäumende Kreativität in gewinnbringende Produkte umzumünzen.

    Die Truppe ging eben einen eigenen Weg, die Kommerzialität musste über weite Strecken hinten anstehen, trotzdem gelangen den KINKS zu Beginn der Seventies immer wieder kleinere Befreiungsschläge in Form von Hits wie „Lola“.

    EVERYBODY’S IN SHOW-BIZ ist schlussendlich wirklich keine typische KINKS-Platte, sie wirkte durch die Trennung in Studio- und Live-Album nie sonderlich homogen, hat wie von ZEIP beschrieben aber überragende Momente (ich liebe "Celluloid Heroes") und die zweite CD von 2016 ist nun wirklich eine grandiose Erweiterung der originalen DoLP.

    1978 sah ich THE KINKS zum ersten Mal live. Die Erfolgskurve hatte die Seventies hindurch trotz feiner Longplayer immer weiter nach unten gezeigt, die Szene hatte sich einmal mehr drastisch verändert, eigentlich war die Band ein Auslaufmodell, ein Schiff das sich bedrohlich nahe den Klippen genähert hatte und kurz vor dem Untergang stand. Ich verstehe es bis heute nicht ganz, aber als anno ‘78 in Zürich das Punkfieber grassierte, wurden die KINKS wie verlorene Söhne aufgenommen, von allen Lagern abgefeiert wie sonst kaum jemand.

    Irgendwie kam es da zu einer Fusion von Gedankengut, die jungen Wilden erkannten in den KINKS die Vorväter ihrer eigenen Bewegung. Sie begannen das Konzert als versiffte Vaudeville-Bande (die Bläser-Section war da wohl nicht ganz unschuldig an dem Zustand, ich denke da an den Konsum von alkoholischem Treibstoff) und verliessen, angestachelt vom Publikum, die Bühne als strahlende Punkrocksieger, waren plötzlich wieder die alten Modernisten die sich notabene in zwei Stunden kurz neu erfunden hatten. Das Jahr darauf im selben Saal (Volkshaus Zürich) waren die KINKS dann ein rundum erneuertes, energiegeladenes Riffrock-Flaggschiff ohne Gebläse, das blecherne Anhängsel war in die Wüste geschickt worden. Der 78er Gig motivierte die Band 1979 an gleicher Stelle dazu die Show aufzuzeichnen, ein Teil davon landete auf Seite vier des Doppelalbums ONE FOR THE ROAD (1980).

    THE KINKS?
    Klar, forever, da gibt es imaginäre Taue zwischen mir und der Truppe die unkappbar sind…


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