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Thema: Phillip Boa & the Voodooclub - Blank expression (2016)

  1. #1
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    Standard Phillip Boa & the Voodooclub - Blank expression (2016)

    Es hämmert angenehm ohne Beckengezischel, ganz wie bei der letzten New Model Army. Sprechgesang setzt ein. Englisch. Beschrieben wird zunächst nichts weiter, als der nächtliche Kampf gegen Mosquitos. Morgendlich übernächtigt am Frühstückstisch sitzt der „Insektenserienkiller“ am Tisch mit einer Frau, die scheinbar „rot sieht“ wegen des Morgenmuffels da, weshalb er sie für Charles Bronson hält, den er zum Spaziergang einlädt … Death is a woman.

    Boas Neue. „Fresco“ (2016)

    In Song 2 zieht der Härtegrad dann an. Aber es bleibt schrammlig independentsoundmäßig.

    Ab Track 3 bleibts athmosphärisch treibend. Perfekter Autobahnsound für Phasen freier Faaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahrt.

    Die Refrains allways mit Pia-Lund-Gedächnis-Hauchen unterlegt, damit man die „Container Love“ von anno 88 nicht vergisst. Die Elfe, die hier aushilft, hört allerdings auf einen anderen Namen.

    Tja, der Boa. Freunde waren wir nie. Gefehlt hat mir da immer was, auf allen Platten. Ein Reinhören reichte meistens. Manchmal hatte sich’s erst nach dem zweiten Versuch erledigt. Zur Kaufentscheidung kam’s nie.

    Aber dann auf einmal sitz ich dieser Tage so am PC und klick mich durch diverse Hörproben eines Online- Anbieters musikalischer Drogen. Wiedermal zeigt dieser an, dass es was Neues vom Voodooclub gäbe. Innerlich winke ich zwar ab, wie bei den drölfunrümpfzig Alben zuvor, klicke aber trotzdem los – mit der Gewissheit: Bestimmt alles wie immer. Ein oder zwei hitverdächtige Nummern mit Lolita-Singsang wie einst bei „Container Love“ und der Rest wird wieder Rumpeldumpel sein - wie eh und je.

    Aber: Weit gefehlt diesmal. Von Klick zu Klick zieht es mich rein in dieses früher ewig unfertige Universum des Mr. Independent. Diesmal macht das einen interessant geschlossenen Eindruck.

    Die erste CD ist ein „Best of“ seiner Singles von 1986-2016
    ; aber nicht chronologisch, sondern so durcheinander gewirbelt, dass ein gut durchhörbarer Ablauf entsteht. Bissl mehr Hektik am Anfang, sich steigernd bis zum „Headbanger, Fettbanger, Sadsänger Albert“, der dran erinnert, dass da auch mal ein kurzlebiger Deathmetal-Ausreißer namens Voodoocult existierte und anschließend wird’s besinnlich und bleibt doch treibende Autobahnmugge.
    Na gut.
    Ein bisschen Schwund ist immer.
    Track 14 heißt „Atlantic Claire“ und ist ein für meine Ohren ungenießbarer Techno-Sound-Bastard. Skip. Aber ansonsten geht’s fließend voran.

    Dann folgt in der „limited deluxe edition“ das eigentliche neue Album „Fresco“ und was soll man sagen? Das geht sogar noch besser ins Ohr, ohne Skip-Kandidaten!

    Ich mag Philip Boa Musik? Welches Jahr haben wir? 2016. Hm. Über 50 – da neigt der Mensch dazu, sich blödsinnig zu verhalten. Die einen heiraten plötzlich die Klassenkameradin der Tochter, während andere dringend Veganer werden müssen, sich Haare transplantieren oder die ganze Familie erschießen, „weil die Suppe kalt war“! Ich – hab Phillip Boa gekauft. Mach watt. Die Bladde is’ juhd, ich steh dazu!

    Vielleicht liegts daran, dass sein diesmal gelungener Stilmix aus Joy Division-, Cure-, New Model Army-Schrammelei mich zurückbeamt in jene aufgeladene Zeit rund um die Wende, als ich noch mit heißen Ohren am Radio saß, um einmal wöchentlich im „Parocktikum“ auf DT64 Jugendradio Undergroundbeute zu machen. Kokain des „Andersseins“ in der Ehemaligen. „Wir können bis an unsre Grenzen gehen. Hast du schon mal drüber hinweg gesehn?“

    Lutz Schramm spielte damals halb oder ganz verbotenes Zeug von Bands, die niemals einen DDR-Plattenvertrag kriegen würden und die anverwandten Vorbilder aus dem Westen und eben auch – Container Love. Damals entstand ein richtiger Boa-Hype. Dann spielte der sogar mal im Osten zusammen mit der Vision (den ostdeutschen Cure) in der Leipziger Moritzbastei, quasi im Keller der Hauptstadt der Revolution. Clever.

    Damals war ich heiß auf eine Platte von ihm. Beim Reinhören im WOM am Ku’damm dann die Ernüchterung: Da gibt’s für musikalisch dürstende Ossis noch ach-soviel Nachholenswertes, das besser klingt und spannender ist! Gefühlte zweieinhalbtausend Bands später scheint die Zeit nun für mich reif…

    1989 im Oktober feierte ein Staat ein finales Fest und Boa steuerte ein Quäntchen Soundtrack bei - zu Einstürzenden Neubauten, Sandow, Herbst in Peking, Expander des Fortschritts, Firma, Keimzeit, Nick Cave und Pixies.

    2016 halten wieder Politiker im Oktober eine Feier hinter Glas ab und draußen pfeift’s…

    “You are so thin skinned
    You look like a CSI
    You don’t wanna hear anymore...” (le brigadier; Boa 2016)


    Passt irgendwie.


    Scheibe 1 „the singles“

    1 This Is Michael
    2 Loyality
    3 I Dedicate My Soul To You
    4 Fine Art In Silver
    5 Twisted Star
    6 Love On Sale
    7 Annie Flies The Lovebomber
    8 Standing Blinded On The Rooftops
    9 Albert Is A Headbanger
    10 Bells Of Sweetness
    11 Kill Your Ideals
    12 Deep In Velvet
    13 Diamonds Fall
    14 Atlantic Claire
    15 Container Love
    16 Rome In The Rain
    17 Til The Day We Are Both Forgotten
    18 And Then She Kissed Her
    19 Kiss My Soul

    Scheibe 2 “Fresco”

    1 Death Is A Woman
    2 Broke & Sons
    3 Against The Sun
    4 Twisted Star
    5 Wanna No No
    6 Sisters Under The Sea
    7 Blackout
    8 Porno Nails
    9 This Pain
    10 Kill Your Vacation
    11 Le Brigadier
    12 Fake Burberry Scarf
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    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  2. #2
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    Standard AW: Phillip Boa & the Voodooclub - Blank expression (2016)

    Zitat Zitat von bludgeon Beitrag anzeigen
    Ich mag Philip Boa Musik? Welches Jahr haben wir? 2016. Hm. Über 50 – da neigt der Mensch dazu, sich blödsinnig zu verhalten. Die einen heiraten plötzlich die Klassenkameradin der Tochter, während andere dringend Veganer werden müssen, sich Haare transplantieren oder die ganze Familie erschießen, „weil die Suppe kalt war“! Ich – hab Phillip Boa gekauft. Mach watt. Die Bladde is’ juhd, ich steh dazu!
    Hahaha... ganz grosses Gedankentastaturkino!

    Ich "zappe" grad die BLANK EXPRESSION und muss gestehen:
    So richtig dicke Freunde werden wir wohl nie, der Phillip und ich...

  3. #3
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    Standard AW: Phillip Boa & the Voodooclub - Blank expression (2016)

    Kann ich verstehn. Ging mir jahrzehntelang auch so.

    Aber - hm - wenndenn nich' kaufst, welche Sorte 50+ bist du dann? Der Veganer? Oder der Haartransplantierer? Oder gar ä-hemm...

    Ach nee, ich weiß schon. Von wegen Reggae in den späten Jahren ...

    das Sakramentale/schön - wer es hört und sieht/ doch Hunde und Schakale/ die haben auch ihr Lied
    das Krächzen der Raben/ist auch ein Stück/dumm sein und Arbeit haben - das ist das Glück. (Gottfried Benn)

  4. #4
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    Standard AW: Phillip Boa & the Voodooclub - Blank expression (2016)

    Ich ernähre mich vegetarisch, kein Scherz, seit 1982...

    Du hast aber recht @ Bludgeon, im Alter wird man oft ein wenig "spinnert".

    Allerdings bereue ich in musikalischer Hinsicht diese (für Aussenstehende beinahe unverständlichen) "Phasen" kein bisschen, zum Beispiel meinen grossen "Instro-Boom" vor ein paar Jahren oder gerade jetzt die Erforschung der Reggae-Roots, das geht locker auch ohne diese lustigen, konisch geformten Qualmtüten.


  5. #5
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    Standard AW: Phillip Boa & the Voodooclub - Blank expression (2016)

    Muss doch meine Diamonds Fall von Boa und seinem Club raussuchen!

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