Verfasst am: Do Jun 26, 2003 8:37 am von BEatnik Titel: The Resentments - Sunday Night Line-Up
Die Resentments waren lange Zeit eines der bestgehütetsten Geheimnisse aus Austin, Texas und unter diesem Bandnamen eigentlich nur Insidern bekannt. Und all denen, die sie Sonntag für Sonntag im berühmten Saxon Pub im Süden der Stadt erleben konnten. Die Resentments sind nämlich eine typische Liveband, die erst vor einem mittelgroßen, wissenden, begeisterungsfähigen Publikum zu voller Form aufläuft.
Nicht weniger als 5 gestandene Kultmusiker der Szene bilden die Resentments: Jon Dee Graham (Gitarrist, Sessionplayer und Soloact extraordinaire), Stephen Bruton (ebenso), "Scrappy" Jud Newcomb (ex-Loose Diamonds-Frontman und ausgebuffter Sessiongitarrist), Bruce Hughes (ex-Poi Dog Pondering/Ugly Americans/Bob Schneider-Bassist) und die lokale Drummer/Percussion-Legende "Mambo" John Treanor (Toni Price, Guy Forsyth, Marcia Ball, Chris Smither, James McMurtry, Abra Moore), der leider jüngst an Krebs verstorben ist.
Nun gibt es für uns alle also das erste hörbare Ergebnis der Resentments auf einer offiziellen CD mit 13 Mitschnitten aus den erwähnten Saxon Pub-Veranstaltungen, und die Meßlatte darf gerne hoch angelegt werden!
65 Minuten lang erleben wir eine Band, die mit grandioser Teamarbeit, freundschaftlichem Zusammenspiel und grundguter Stimmung eine mitreißende Atmosphäre schafft, die sich nicht nur im Barroom breitmacht, sondern auch auf den Konsumenten dieser CD überträgt! Bei allem Gruppenkonsens kommen die individuellen Qualitäten natürlich nicht zu kurz, glänzen Bruton, Graham, Newcomb und Hughes mit vorzüglichen Gitarrenlicks (vorwiegend akustische, aber auch Lap Steel von Graham und Mandoline von Bruton) sowie eigenen Songbeiträgen, hören wir beseelte Versionen von 'October', 'Volver', 'Big Sweet Life', 'That's Love', 'Been So Wicked', 'Hey Baby, Why' oder 'Airplane Song', fügen sich dankbare Coverversionen wie 'Careless Love', 'Rhumba Boogie', 'We Had It All' von Donnie Fritts und 'Zombie For Love' von Green On Red nahtlos ins Programm, hält ein von seiner Krankheit bereits gezeichneter Drummer würdevoll den Backbeat.
Man merkt den Fünfen jederzeit an, daß sie diese unwiderstehliche Mischung aus Professionalität und "just for fun"-Gestus mit Bravour leisten, ihre Vorliebe für Rock, Country und Blues (Acoustic Roots Rock!) gemeinsam ausleben, ihre Songs, Stimmen und Instrumente für sich sprechen lassen wollen. Nicht zufällig werden sie von Augen- und Ohrenzeugen etwas unbescheiden als "the best bar band in the world" bezeichnet!!
Diesen Thread grabe ich nun aus, um euch ein wenig über das Werk von Stephen Bruton (R.I.P) zu berichten. Sowohl als Songwriter wie auch als Gitarrist war er einer der ganz Großen.
Zuerst begegnete mir sein Saitenspiel als er Mitglied in der Band von Bonnie Raitt war. Daraufhin wurde ich neugierig, als ich Mitte der 90er eine Soloscheibe von ihm in der Midprice-Klasse in einem Mailorder-Katalog sah: "Right On Time" (1995) ist nach wie vor mein zweitliebstes Album von ihm. Als ich die Scheibe neu hatte, wußte ich allerdings bis auf deren für mich immer noch stärksten Titel "Single Star", der auf der CD als Track #9 ziemlich weit hinten versteckt ist, nicht viel anzufangen. Das sollte sich später jedoch ändern. Trotzdem hat Turner Stephen Bruton bei mir seitdem den Spitznamen "Single Star" weg, obwohl er Zeit seiner Karriere wohl die meiste Zeit als Begleitmusiker für andere auftrat und so weit weg von den Singles-Charts war wie nur was. Wenn ich allerdings jemals Radio gemacht hätte, wäre "Single Star" in der Heavy Rotation gelaufen. Andere empfehlenswerte Songs von diesem Album sind "Bluebonnet Blue", der Titelsong "Right On Time", "Help Yourself" oder "Day Drinking".
Einige Jahre später entdeckte ich, daß er lange Jahre ein Kumpel und Sideman von einem meiner Lieblingsproduzenten, T-Bone Burnett, war. Auf dessen 2. Scheibe "Truth Decay" von 1980 ist er einer der Gitarristen und spielt z.B. bei "Cry Cry Cry" ein wunderschön melodiöses Solo.
Nach dieser Entdeckung bestellte ich mir sein 3. Album "Nothing But the Truth" (1998), der wie ich finde aufgrund der Qualität der Songs seine beste Scheibe ist. Ich hatte nach dieser Scheibe echt gedacht, daß Bruton zum "nächsten John Hiatt" werden würde, was die Qualität seines Songwritings angeht. "When Love Finds You", "Dogs May Bark", "Nobody Gets Hurt", "Trip Stumble And Fall", "That's Love", "She's the Reason", das Instrumental "Spirit Lake" und das mit Al Anderson von NRBQ geschriebene "Trip Around the Sun" sind die Highlights.
Ich hatte nach dieser tollen Platte demensprechend wenig Hemmungen kurz darauf seine nächste "Spirit World" (2002) zu bestellen ohne vorher einzuhören. Leider ist die Klangqualität dieser Scheibe ziemlich desaströs. 'Brickwalled' nennen das wohl die Audiophilen. In leisen Passagen poltern die Drums nahezu unbegleitet auf voller Lautstärke, wo man sich gewünscht hätte, daß vielleicht doch eher die Stimme, die den Text transportieren soll, im Vordergrund stehen sollte. Schade. Dies ist eine Scheibe, die ich mir kaum anhören mag, und das trotz Co-Kompositionen mit dem Studiogitarristen Randy Jacobs (von den Boneshakers und Was (Not Was)) und erneut Al Anderson. Trotzdem ist auch hier wieder eine wunderbare Hitsingle drauf: "Acre Of Snakes". Und "Teach Me How To Stay" gefällt mir übrigens in der Boneshakers-Version auch besser.
Sein Solodebüt "What It Is" (1993) klingt da um Welten besser und mit Songs wie "Waiting For A Long Time", "This Train Is Gone" oder "Trouble On the Telephone" enthält es auch einige der besten von Bruton überhaupt, die wohl auch bei Konzerten sehr gut ankamen.
Dann habe ich ihn aus dem Blick verloren bis er mit Kris Kristofferson auf einer immer noch relativ neuen CD zusammenspielte. Wenig später las ich dann, daß er mit T Bone Burnett an dem Soundtrack zu einem Film arbeitete, aber als "Crazy Heart" dann erschien, war er leider schon von uns gegangen.
Daher meine Frage: Wer von euch kennt die Musik von Stephen Bruton und welche Alben, die ich von ihm und seinen Bands noch nicht kenne, sind denn zu empfehlen?
Danke für die Infos.
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