Nach dem Geniestreich "Southern Harmony" (1992) ging es in musikalischer Hinsicht fast nur noch bergab mit den Krähen. Mitte 90er sah ich sie in Basel mal als Anheizer der Stones. Grauslig, noch selten habe ich eine Band erlebt die dermassen zugedröhnt auf 'ner Bühne herumgetorkelt ist. Keine Songs, nur peinliche Versuche sich an die eigenen Songs zu erinnern, missglückte öffentliche Versuche die Gitarren zu stimmen. Nun... Schwamm drüber... jeder zieht mal einen schlechten Tag ein. Andererseits hatten sie mich mit einigen ihrer Platten dermassen überzeugt, dass ich irgendwie nie von ihnen lassen konnte...
"The Lost Crowes" ist eine Doppel-CD mit zwei ausgezeichnet groovenden Alben die von der Record Company nicht akzeptiert wurden und deshalb wieder in der Schublade verschwanden. Einige Songs von "Tall" (1994) schafften es auf "Amorica", "Band" (1997) blieb mehrheitlich in der Kiste. Zu unrecht behaupte ich. Der Song "Feathers" von der Tall-Platte beispielsweise ist ein Stück entspannter, breit vor sich hin wabernder Frühsiebziger-Rock. Neben blues/soulgefärbten Tunes und tiefschwarzen Backing-Vocals wird da und dort auch die Pedal Steel 'rausgekramt und folky und countryesk musiziert, Humble Pie lassen grüssen. "Band" steht "Tall" in nichts nach: "Another Roadside" glänzt mit bonham'schem Drumstyle und sowas wie das erdverbundene "If It Ever Stops Raining" würde man gerne mal wieder von der Jagger-Combo hören.
Fazit: Im Endeffekt eine der stärksten Veröffentlichungen aus dem Krähennest die Lust macht, auch die letztjährige Live-Scheibe "Freak'n'Roll Into The Fog" anzutesten...
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