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Thema: psychedelische Musik

  1. #1
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    Standard psychedelische Musik

    Paddington stellte diese Frage in das alte Forum:

    Ja, mit diesem Begriff habe ich ein wenig Schwieirigkeiten. Ich gehe da oft nach Gefühl - "das ist jetzt psychedelisch und das nicht". Aber eine Definition könnte ich nicht geben. Könnt ihr da weiter helfen?

    Die wesentlichen Antworten:

    Sergius:
    Manchmal kann es sinvoll sein, das (Netz) Lexikon beizuziehen.

    Psychedelic Rock wird bei Wipkedia folgendermassen (knapp) definiert:

    Psychedelic Rock (von ca. 1967 bis 1969) ist eine Spielart der Rockmusik, in der durch massive Improvisation und mittels sphärischer Klangbilder versucht wurde, die Wirkung von Drogen (LSD und Cannabis) zu simulieren beziehungsweise zu verstärken.

    Natürlich reicht uns Musikfans das bei weitem nicht, um alle Mischformen und Grenzfälle einordnen zu können und auch um heutige Musiker, die psychedelische Musik machen oder Elemente daraus verwenden zu klassifizieren. Auch muss für mich nicht "massiv improvisiert" werden, damit ich einen Song als psychedelisch empfinde.

    Das "Empfinden" ist wohl sowieso zentral. Hörst Du in gewissen Zuständen einen Song, der mit Psychdelia nun wirklich nichts am Hut hat, kann er Dir dann aber dennoch so vorkommen.

    Ich erinnere mich, dass ich in meiner exepimentierfreudigen Zeit (ist schon lange verjährt, liebe Cyberpolice... ) mal eine Platte von Herman's Hermits (kein Witz!!) gehört habe und es kam mir wie die abgespaceteste Musik aller Zeiten vor...


    Remo4:

    War bestimmt bei "No Milk Today", ein wahnsinniger Text

    Im Ernst, bei psychedelischer Musik fällt mir bei Pink Floyds Ummagumma die Live Tracks ein und das in Verbindung mit der Lightshow. Musik die mit oder ohne Hilfe von optischen Hilfsmitteln versucht die Phantasie anzuregen.
    Ob Rauschmittel für den Zuhörere sein müssen, ich glaub nicht. Die Rauschmittel wurden eher von den Musikern bei der Erzeugung dieser Musikart, ein Stil ist es wohl nicht, benötigt.

    Sergius:

    nein "No Milk today" war nicht dabei..

    Ich erinnere mich genau: Wir hatten starkes Zeug geraucht und lachten uns fast tot....ein Riesenspass und total psychedelisch! Vielleicht sollen die abhebenden Hermits im Ballon ein heimlicher Hinweis auf versteckte Drogenbotschaften von Peter Noone sein. Oder sollte man das Ding gar mal rückwärts hören?

    Firebyed:
    ich sach nur : "...on a trip to Cirrus Minor" (More - Pink Floyd)
    Psychedelic haben wir allerdings mehr mit Musik in Verbindung gebracht, was sich eben auf den "Nuggets-Samplern" herumtreibt.
    ..während Musik unter "Einfluß" immer einen anderen Charakter bekam, und die "schräge, leicht punkige Nuggets-Musik" eigentlich viel zu hart war. Da mußte halt Cirrus Minor her oder Atom Heart Mother, Umma Gumma, sogar die Nice mußten herhalten. ( Five Bridges Suite )

    Wolfgang

    Canvey:

    wenn man aber so sieht, was unter anderem die definition von "psychedelic" im englischen "record colletor" ist, dann geht das aber doch weit über drogenrelevante musik hinaus. die definieren ja bands als "psychedelic" welche ich bestenfalls als hitparadenfutter anerkenne (pop). aber ich hab da nie eine definition hingebracht.

    seit ewigkeiten habe ich hier zwei cd's von musica transonic im regal. auf dem obi nennt sich das "contemporary improvised heavy psychedelic group" und in wahrheit ist das rock, dass die fetzen fliegen (zumindest für mich). exzellente scheiben! psychedelisch? anscheinend!

    der Dude:
    aber unter psychedelic geht wahrscheinlich viel durch:

    die unter "boston sound" liefen zb

    wahrscheinlich auch jene die unter "westcoast" laufen, in vielen bereichen auch jene der bay-area.

    ist hendrix nicht auch psychedelic, er wird zumindest von vielen dort eingeordnet? auch cream´s disraeli gear lief unter psychedelic, vielleicht auch weil es 67 noch nicht so viele schubladen gab, vielleicht suggeriert aber auch oft das cover die zugehörigkeit...

    hagelittena:

    Die Band "United States of Amerika" finde ich immer mit einigen Stücken sehr psychedelisch. Ich kenne nur die erste (und einzige?) LP mit Titeln wie The garden of...delights, The ...metaphysical circus (?) u.a. Das Moog-Geblubber (nicht anderes als das macht das Teil auf der Scheibe) ist vielleicht spätestens nach heutiger Sicht etwas nervig und zu oft eingesetzt, aber ich hab die Scheibe noch gut im Ohr. Muß so in den 60ern oder eher 70ern rausgekommen sein.

  2. #2
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    Standard AW: psychedelische Musik

    Nachdem ich in einem thread über Cream las, dass auf Disraeli Gears "..der neue psychedelische Zeitgeist hörbar wird..", habe ich in der Vergangenheit des Rockzirkus diesen thread und im Netz fast noch weniger substantielles gefunden - -jedenfalls für mich besseres, dass ich endlich nach 40 Jahren mal verstünde, was denn psychedelische Musik nun eigentlich kennzeichnet . . .

    Nach der neuerlichen Lektüre der obigen statements, schliesse ich, dass auch hier niemand wirklich so genau weiss, was denn nun "pychedelisch" verbindlich bedeutet.

    Es gibt halt wie meist, eine Menge persönlicher Erklärungen oder Zitate - Ende Gelände . . .

    Also, werde ich tapfer weitersuchen - die Pädagogen behaupten ja, Lernen sei ein lebenslanger Prozess - und bis dahin noch vorsichtiger mit "unscharfen Begriffen" umgehen, dh ich werde sie als das kennzeichnen, was sie ja eigentlich auch sind: meine persönliche Meinung . . .

  3. #3
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    Standard AW: psychedelische Musik

    doch, roberto, ich traue mir schon zu, eine antwort zu geben, die zumindest
    halbwegs verbindlich ist. und zwar deshalb, weil ich mich, feige, wie ich bin,
    auf definitionen beziehe, die nicht heute, sondern schon zur damaligen zeit
    in diversen fachbüchern zu diesem begriff geliefert wurden.

    z.b. in Tibor Kneif's Sachlexikon Rock Musik, rororo 1971; z.b. in
    San Francisco Nights (Sculatti & Seay): wo die sache ungefähr wie
    folgt beschrieben wird:

    bewußtseinserweiternde musik, die dadurch bewußtseinserweiternd wird,
    - daß die musiker diese musik nach der einnahme bewußtseinserweiternder
    drogen (z.b. Pilze, Peyote, LSD, Mescalin, usw.) einspielten,
    - oder aber daß sie solche bewußtseinserweiterungen, bzw. -verfremdungen
    simulierten,
    - oder daß diese musik beim bewußtseinserweiterten hörer (du kannst ihn
    auch den zugedröhnten hörer nennen) entsprechende eindrücke
    (klänge/farben und andere wahrnehmungserfahrungen) auslöst.

    ----

    theoretisch könnte also JEDE musik bewußtseinserweiternd wirken, aber
    wer den begriff zuerst gebraucht, dem muß er wohl auch gehören;
    und somit wären das jene (hauptsächlich) west coast bands ab spät
    1966, die ihre aus rock, folk, blues und jazz-elementen zusammengesetzten
    stücke auf die ein oder andere art verfremdeten; egal ob besonders langsam
    gespielt oder verzerrt oder aus vielen minor-akkorden zusammengesetzt,
    oder, oder...

    ich sag mal, als psych-fan entwickelst du eine NASE dafür (soll natürlich
    OHR heißen); irgendwann weiß man ganz instinktiv, ob eine platte
    psychedelisch ist, oder nicht.

  4. The Following 2 Users Say Thank You to badger For This Useful Post:

    Knut (03.09.2009), roberto (02.09.2009)

  5. #4
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    Standard AW: psychedelische Musik

    Zitat Zitat von badger Beitrag anzeigen
    .......
    theoretisch könnte also JEDE musik bewußtseinserweiternd wirken ....
    So etwas wollte ich sinngemäß auch schreiben. Das fängt schon bei irgendwelchen prähistorischen Klängen an, geht über die ganze Weltmusikschiene und zu Derwischtänzen, perkussiven Tranceinduktionen, Gregorianischen Gesängen, Obertönern, Freitönern bis hin zu den 60's, wie Badger schreibt.

    Aufgehört hat es damit nicht, wenn man sucht, dann findet man das auch noch heute, die Psychedelik. Sonderbarerweise bei mir eher in der elektronischen Ecke. Aber das kommt dann auf das Hirn am anderen Ende der Schallwelle an.


  6. #5
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    Standard AW: psychedelische Musik

    @ Badger, gut geschrieben . . .

    Da lag ich ja so sehr garnicht daneben und entfernt ..

    eigentlich ist es Meinungssache, was ich für Psych halte . . .

    Und die Aussage

    "...theoretisch könnte also JEDE musik bewußtseinserweiternd wirken ...."

    ist natürlich auch richtig . . . Theater und Musik waren vor Aischylos überhaupt nur zu diesem Zweck im Gebrauch . .

  7. #6
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    Standard AW: psychedelische Musik

    ich hab mir diese frage auch schon öfter gestellt (obwohl ich da schon
    längst ein halbes dutzend definitionen gelesen hatte, die in der essenz
    alle ungefähr gleich waren).

    einmal, ich hörte BAUHAUS, dachte ich mir, dies, oder Joy Division, oder
    Siouxsie müßten dann doch eigentlich die 'psychedelia der new wave' sein;
    denn bei dieser mucke hatte ich eine menge bewußtseinsveränderungen;
    aber dann wieder sagte ich mir, daß definitionen doch dafür gemacht werden,
    um mit wenigen worten einen sachverhalt zu kategorisieren und wenn wir
    solche definitionen immer wieder aufweichen, dann wird es schwierig,
    eine allgemeinverständliche sprache und daraus folgende kommunikation
    aufzubauen.

    deswegen bleibt psychedelia für mich (hauptsächlich) die musik der 60er,
    während ich bei Bauhaus und konsorten einfach sagen werde:
    'Mann, sind die abgefahren und Mann, fahr ich dadrauf ab. Und reich mal
    den bong rüber'.

  8. #7
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    Standard AW: psychedelische Musik

    Mit der Bewusstseinserweiterung ist das bei mir so wie mit psychedelischer Mucke. Eigentlich bin ich ein Weichei. Kiffen ja, aber alles was irgendwie schlimmer sein könnte lieber nicht. Dementsprechend hör ich auch meistens nur harmlose psychedelische Mucke, in Verbindung mit ersterem langt mir das völlig. Wenns zu abgedreht wird streik ich.
    Wir stellen die Normalität unverzüglich wieder her, sobald wir wissen was eigentlich normal ist.
    BeebleBlox - das Blog

  9. #8
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    Standard AW: psychedelische Musik

    Zitat Zitat von badger Beitrag anzeigen

    ich sag mal, als psych-fan entwickelst du eine NASE dafür (soll natürlich
    OHR heißen); irgendwann weiß man ganz instinktiv, ob eine platte
    psychedelisch ist, oder nicht.
    ja, das denke ich auch. ist wohl ein gespür fürs abgedrehte . zwar keine haltung oder eine lebenseinstellung wie beim blues
    * support your local recorddealer *

  10. #9
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    Standard AW: psychedelische Musik

    Zitat Zitat von badger Beitrag anzeigen

    theoretisch könnte also JEDE musik bewußtseinserweiternd wirken,
    Glaube ich nicht, sie kann aber Hilfsmittel sein, sein "Bewußtsein" zu erweitern. Genauso wie es einerseits Meditation, aber auch Ekstase sein kann.

    Die hier angesprochen "Psychedelica" können eben dieses alles "abkürzen". Trip schlucken, Pfeife rauchen - und schon ist man in Zuständen, für die sonst gewaltige Mühen aufgebracht werden müssen und (meistens) doch nicht erreicht werden.

    Und dann sind wir beim Thema. Bewußtseinserweiterungen sind sehr subjektive Erfahrungen (nach dem Motto - mein Trip ist mein Trip und nicht deiner) sodass auch Musik die "psychedelisch" empfunden wird, von einzelnen
    nicht "mit empfunden" werden kann.

    Wobei ich trotzdem zu folgendem stehe:

    - wer keine entsprechende Erfahrungen hat, kann keine psychedelische Musik spielen

    - wer keine entsprechenden Erfahrungen hat, keine keine psychedelische Musik "psychedelisch" hören

    Man kann sicherlich "Acidrock" oder auch "Acidpop" heute hören, ohne jegliche Drogenerfahrung. Klar. Und es psychedelisch empfinden.

    Aber damit trifft es nicht, was damit in den 60er damit gemeint war. Grenzerfahrungen zu machen, das Bewußtsein zu erweitern - zwar schnell und heftig - und dabei Musik zu machen und zu hören, die genau diesem Zustand entsprach. Egal ob auf oder vor der Bühne.

    Es gibt heute keine Musiker mehr, die unter solch einem Einfluss von Drogen wie es seinerzeit üblich war, noch auf der Bühne stehen und stundenlang Konzerte geben. Also auch keine psychedlische Musik mehr.

    Wo ist das was mit den Charlatans anfing, von den Deads weiterentwickelt wurde und dann (vielleicht) bei Floyd endete?

    Psychedelische Musik wurde in nur einer Decade gemacht. Nicht davor und nicht dahinter. Da war und ist heute etwas anderes. Heroin-, Kokain- und Speed getränkte Musik. Nicht schlechter, nicht besser, einfach anders.

    Die Eindrücke bei dieser Art von Musik sind aber auch einfach anders. Kälter, rationaler, schneller und vielleicht auch agressiver. Mir fehlen aber auch zum besseren Verständniss die "begleitenden" Erfahrungen. Zugegeben.

    Mit "psychedelischer" Musik verbindet mich dann doch etwas anderes. Aussagen, Harmonien, Gesang, Instrumentierung sprechen mich mehr an, abgesehen auch von emotionalen Effekten. Klar abgedreht ist es auch manchmal, aber nicht unbedingt ein Erkennungszeichen für psychedelische Musik.

    Und ich sehe es auch so:

    Werd den Geschmack und Geruch der 60er kennt und in der Nase hat, hört auch heute noch was psychdelisch ist. Und das ist definitiv nicht die Musik von heute.


  11. Die folgenden Forenmitglieder sagen zu Knut vielen Dank für diesen Beitrag:

    badger (03.09.2009)

  12. #10
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    Standard AW: psychedelische Musik

    man könnte ja mal eine auswahl der interessantesten 60s-psych-bands
    vorstellen; ich glaub, ich hab vor einigen jahren schon mal versucht, das
    interesse dafür auszuloten (ziemlich vergeblich, glaub ich).

    das problem ist wohl, daß viele der bedientesten scheiben von recht
    obskuren gruppen eingespielt wurden.
    das sind oft töne, bei denen dir die schädeldecke wegfliegt und bei
    denen man instinktiv erkennt, genau für diese musik wurde der begriff
    'psychedelia' einst geprägt.

    aber kaum jemand dürfte die betreffenden bands kennen und somit wärs
    ein haufen harter arbeit ohne großen widerhall.

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