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Thema: Grabbelbox 2008

  1. #21
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    Standard AW: Grabbelbox 2008

    Erst hat man das Gefühl die Jagdgründe seien leer gefischt und dann machts "ploff" (oder so ähnlich) und der Trog mit den Billigscheiben wird von einem netten Filialmitarbeiter mit neuem Grabbel-Spam bestückt. Und wie es der Zufall so will kommt gerade der Highlander dahergelatscht...


    Secret Machines - Now Here Is Nowhere (2004)
    Ein weiteres Kapitel aus der Serie "Spannende Debutalben die ihr Ende in der G-Box fanden". Das aus Texas stammende Trio fand in New York eine neue Heimat und ihr abgedrehter, herber, manchmal waviger, manchmal krautig anghauchter, von Hawkwind und teilweise auch von Led Zep (listen to "Sad And Lonely") beeinflusster Spacerock, passt irgendwie auch viel besser nach Big Apple als in eine öde Kakteenwüste. Es ist schlicht faszinierend wie die Band durchstartet: Auf hypnotische Beats folgen melodiöse, ausgefuchste Gesangsparts die sich oftmals in einem grossen Gitarren/Keyboards-Jamfinale auflösen. Einige der Songs wie z.B. "Pharao's Daughter" plätschern aber auch ruhig und beinahe ziellos im Teich herum ehe die secretmachinetypischen, tiefgründigen Grooves einsetzen. Oft fühlen sich diese manischen Songs ein wenig psychedelisch an, die Grundstimmung des Albums wirkt jedoch 100% positiv auf mich und verlangt nach sofortigem Drücken der Replay-Taste.

    http://www.thesecretmachines.com/




    American Minor - same (2005)
    Fünf Jungs aus West Virginia mit ellenlangen 70er-Matten und mit Musik in der Tasche die in ebendieser Epoche ihren Ursprung hat. Übersetzt heisst das nicht anderes, als dass hier gerockt wird was der Heizkessel hergibt, das ist gutes altes Geriffel für die Seele, für den Kopf und fürs Herz. Als Orientierungspunkt nenne ich mal Black Crowes und Humble Pie. Verfeinert wird dieses verführerische Gericht mit scharfen Leadgitarren südstaatscher Prägung. Elf umwerfende Tracks von denen ich mich für keinen Liebling entscheiden kann da sie alle hervorragend gelungen sind. Keinen Anspieltipp? Hmmmh.. also doch... vielleicht "Mr. Queen"? Great, absolutely great, eine Platte die man problemlos in die Abteilung "It's Only Rock'n'Roll - But I Like It" stecken kann. Ältere Semester (deren Rockgeschichte spätestens mit "Hotel California" zu Ende ging) finden eventuell mit sowas sogar den Draht zu einer jüngeren Generation des Rocks. Wer weiss...



    PS.
    Offenbar ist American Minor's Website nicht mehr am Netz.
    Hat sich diese Band etwa aufgelöst wie so viele andere Hoffnungen zuvor?




    Buck 65 - Secret House Against The World (2005)
    Ein Blindkauf und ein Treffer. Der aus Halifax/Kanada stammende Buck 65 (alias Rich Terfry) beschreitet auf diesem Album auf eine actionhaltige Gratwanderung zwischen Hip-Hop, Pop, Punk, Rap und undefinierbarem Terrain. Für mich ist das ein klassischer Fall aus der Ecke des schwer zu definierenden Trip Hops: Buck 65 mischt wild die Stile durcheinander, verliert jedoch nie die Übersicht über sein Projekt. "Devil's Eyes" paart einen galoppiernden Beat mit einem Kammerorchester. "The Suffering Machine" gleich danach überrascht mit akustischer Gitarre, Pedal Steel und traumhafter weiblicher Begleitstimme im Chorus. "Kennedy Killed The Hat" riecht nach Untergrund, lässt mich an Lou Reed denken. Aus den hier versammelten Experimenten ist für mich "Blood Of Young Wolf" das herausragendste Exponat: Buck 65's treibender Sprechgesang, Twanggitarre, Banjo, die übrige Begleitung im Softtonebereich. Ganz zum Schluss der Scheibe taucht dann "Devil's Eyes" nochmals auf, fast nackt, in einer "Pianoversion"... und klar... da wird es mir bewusst, das ist ein Tango, bloss viel leichter zu erkennen als in seiner elektrischen Variante. Dieses Album liess mich nach weiteren Buck-65-Alben Ausschau halten, was ich da aber zu hören kriegte war ziemlich eindimensionaler, textlastiger Rap ohne Überraschungsmomente. "Secret House Against The World" hingegen ist ein gelungener Versuch aus der Abteilung "grenzübergreifende Musik".

    http://www.buck65.com/

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  2. #22
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    Standard AW: Grabbelbox 2008

    The Stands - All Years Leaving (2004)
    Wenn man sich dieses Album ganz unvoreingenommen anhört und raten müsste woher die Band stammen könnte, dann würde garantiert keiner auf Liverpool tippen. Nie, never, und schon gar nicht auf eine Platte von 2004. Was man als allererstes heraushört, das sind Sounds die sofort an The Byrds, Bob Dylan und die amerikanischen Midsixties im Allgemeinen erinnern. Beispiel gefällig? "When The River Rolls Over You" könnte nun echt ein Bob-Song aus der Veredelungsfarm von McGuinn & Co. sein. Die Harmonyvocals, der swingende Groove, alles stimmt. "Here She Comes Again" macht das rauhe Klima Nordenglands ebenfalls vergessen, klingt nach irgendeinem abgelegenen kalifornischen Valley von dessen Hügeln herab man in der Ferne den Pazifik glitzern sieht. Und zum Dessert eine Nummer wie "The Way She Does": Anfangs sehr beatlesk, kippt der Song in swingende, jazzige Gefielde und wird mittels ausgeflippten Drums und Gitarren im überbordenden Soloteil zum totalen Zeitmaschinenrock. Klasse gemacht! Dass Noel Gallagher dieser feinen Band einen Plattenvertrag zuschanzte, verhinderte das Desaster trotzdem nicht: Howie Payne, Denker und Lenker der Stands, löste die Truppe nach einer zweiten Langrille auf.




    Fountains Of Wayne - Out-Of-State Plates (2005)
    Von denen kannte ich bislang bloss "That Thing You Do!", eine Nummer von Adam Schlesinger, dem Bassisten von Fountains Of Wayne, zu finden im gleichnamigen US-Kinofilm mit Tom Hanks. Bei einer DoCD für 'nen mickrigen 5er lasse ich mich aber gerne auch musikalisch und intensiver überzeugen. Das auf beiden Discs von witzigen Radiojingles eröffnete "Out-Of-State Plates" ist in erster Linie ein mit B-Seiten und unveröffentlichtem Material bestückter Lumpensammler, geht aber gleich zu Beginn mit den melodiös rockenden Powerpoptracks "Maureen" und "California Sex Lawyer" gut ab. Der weitere Verlauf auf CD 1 nimmt dann eher einen ruhigen, indiefolkigen Verlauf, lässt sich aber gut anhören. Auf dem zweiten Silberling geht es mit "The Girl I Can't Forget", "Elevator Up" und "She's Got A Problem" in die Sixties. Nicht wirklich natürlich, aber es duftet halt schon ein wenig nach 60ern, nach hartem, kraftvollem Beat und noch nicht mal vor "...Babe One More Time" (Cover von Britney Spears!) schreckt die Truppe um die Masterminds Chris Collingwood/Adam Schlesinger zurück. Die ein und andere eher etwas lasche Nummer bestätigt zwar den Verdacht der Resteverwertung, sowas wie das knallende "I Want An Alien For Christmas" macht die paar Durchhänger aber wieder wett. Insgesamt geriet Silber No. 2 ein wenig zusammengestückelter, ausgefranster als der homogenere Teil No. 1 dieser Sammlung. Wenn man aber berücksichtigt, dass dies ja nur ein Sammelsurium mehrerer Jahre ist, dann kann man bei diesem Spottpreis getrost drüber wegsehen. Ich werde mich da sicher noch an die originalen Studioalben von FOW herantasten, diese erste Grabbelbox-Fährte ist stark genug um mich nicht von dieser Band abzuwenden.

    http://www.fountainsofwayne.com/




    Morningwood - same (2006)
    Was Morningwood zu bedeuten hat? Nun ja...ähm... der Name lässt sich ganz einfach und treffsicher 1:1 aus dem Englischen übersetzen...
    Die 2001 gegründete New Yorker Nachwuchsruppe brachte es bislang auf ein Album. Nach intensivem Touren (u.a. mit Head Automatica, siehe weiter vorn in diesem Thread) scheint es derzeit allerdings bereits wieder relativ rugig geworden zu sein um die Band. Die Musik geht so ziemlich in Richtung Powerpop, erinnert mich persönlich aber auch in vielen Details an den alten Punk und New Wave, kommt verziert mit hart sägenden und rockenden Gitarren und der eingängigen Stimme von Sängerin Chantal Claret daher. Bei Songtiteln wie "Take Off Your Clothes" oder "New York Girls" wird sofort klar, dass hier nicht lange gefackelt wird, man schreitet sofort zum für die Truppe zentralen Thema. Tiefgründige Botschaften sucht man also vergebens, denn hier geht es um Party, Spass und Abrocken. Fazit: Mindestens so erfrischend wie das weltberühmte französische Mineralwasser...

    http://www.morningwoodrocks.com/

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    Geändert von Mellow (16.06.2008 um 08:47 Uhr)

  3. #23
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    Standard AW: Grabbelbox 2008

    The Automatic - Raoul EP (2006)
    "Oh no, not again..." - nicht schon wieder eine dieser "The"-Bands wird vielleicht der ein und andere denken wenn er diese Thread-Überschrift liest. Okay, dann brauchen abgeneigte Gemüter erst gar nicht weiterlesen, aber dann entgeht ihnen vielleicht ein wirklich brandheisser Tipp aus der "The"'schen Bärenrock-Küche.



    Über diesen Kracher bin ich natürlich in einer Grabbelbox gestolpert (klaro, hier geht es schliesslich um Grabbeldingers!), genauer gesagt über ihre "Raoul EP" und die hat es faustdick hinter den Ohren! The Automatic sind eine junge, bunte Truppe aus Wales (wieder und wieder stosse ich in dieser Ecke der Welt auf atemberaubende neue Entdeckungen) die 2006 ihr erstes Album veröffentlichte und danach die alte UK-Insel in einem Sturmlauf überrannte. Auf dieser 25minütigen EP die im Fahrwasser der CD "Not Accepted Anywhere" erschien, kocht und dampft es gewaltig: Antike New-Wave-Orgeln die mit einer riesengrossen "The Stranglers"-Etikette versehen sind, klatschen auf betonharte Riffs, scharfe Gitarren, grossartige Vocals und tanzbare Beats die manchmal gar "The Police" in Erinnerung rufen. Robin Hawkins (Vocals, Bass), James Frost (Gitarre, Vocals), Alex Pennie (Keyboards, Percussion, Vocals) und Iwan Griffiths (Drums) setzen immer wieder einen obendrauf, mischen psychedelisch anmutende Keyboardfetzen in die Suppe, erheben Pennies und Frosts "Screamer"-Backgroundstimmen zum Stilmittel. Wer die wilde neue Musik (New Wave, Punk) der späten Siebziger mochte, bekommt hier eine hundertprozentige Vollbedienung: "Recover", "Raoul" mit diesem Wahnsinnschorus "...let's go see Raoul...", die nicht auf dem Full-Lenghth-Album vertretenen "Jack Daniels", "Song 6", "Night Drive" oder "High Tide On Caroline Street" graben sich kilometertief ins Gedächtnis ein und bewirken ein automatisches Drücken der Replay-Taste am Player. Immer und immer wieder. Und nochmal und nochmal und nochmal...ein süchtig machendes Gesöff...

    Im September 2007 stieg Alex Pennie aus und wurde daraufhin durch den Gitarristen/Keyboarder Paul Mullen ersetzt.
    Ach ja, und wie so oft ist die G-Box schuld daran, dass ich mir "Not Accepted Anywhere" auch noch besorgen musste. Dort drauf gibts weitere Juwelen namens "Monster", "Team Drama", "By My Side" etc. zu entdecken. Brandheiss und feurig... derzeit herrscht Alarmstufe ROT im Bärenbau...

    http://www.theautomatic.co.uk/

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  4. #24
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    Standard AW: Grabbelbox 2008

    Lange keine Einträge mehr in diesem Thread.
    Aber wer mich kennt der weiss, dass ich dem Plattenladen-Billigkisten-Wühltrieb meist nicht widerstehen kann. Ob Punk, Rock, Folk, Pop, TripHop - ich bin immer auf der Suche nach solchen gefallenen Engeln von denen sich die Plattenfirmen versprachen, dass sie helfen würden die grosse Absatzkrise zu bewältigen. Oftmals völlig unbekannt gebliebene Namen, dennoch faszinierende und schillernde Bands mit genialen Tonträgern, bloss hat sie niemand wahrgenommen, weshalb auch immer. Durchs Sieb gefallen, unter die Räder gekommen, von einem Verkäufer lieblos weggesteckt in die Kiste der "Letzten Hoffnung". Und da fristet dann so manche Perle ein tristes Dasein, wartet darauf, dass einer wie ich daher gelatscht kommt, einer der weiss wie man die Spreu vom Weizen trennt...

    Emma - Free Me (2003)
    Und nun, ist der Bär völlig durchgekaspert?
    Stürzt er sich aus lauter Verzweiflung mangels eines neuen Dido-Albums in die Abründe seichter Popmusik?
    Weit gefehlt: Spice-Girl-Baby Emma Bunton hat hier vor ein paar Jahren im Bereich Easy Listening einen kompetenten Longplayer veröffentlicht. Luftig, locker, leicht, beschwingt, da und dort mit etwas mehr Tiefgang, grundsätzlich aber mit eingängigen Songs die sich vom üblichen, durchschnittlichen, standardisierten Popmädchengesülze abheben. Songs wie "I'll Be There", "Tomorrow" oder "Breathing" erinnern eher an Beiträge zu Bond-Soundtracks, jedenfalls gefallen mir die Flutes & Strings mit Sixties/Seventies-Appeal auf Anhieb und "Something So Beautiful" erreicht mit seinem dezenten Bodennebel schon fast das Niveau meiner bevorzugten Herbstlaubsirene Dido.

    Kein Link?
    Naja, irgendwo findet sich sicher was im Web. Man kann sich bei YouTube ja auch Emma-Filme anschauen, da gibt es sogar einen zu "Something So Beautiful"...




    Arthur & Yu - In Camera (2007)
    Von England nach Seattle: Das kleine Unternehmen Arthur & Yu besteht aus Grant Olsen und Sonya Westcott. Und Einflüsse sind hier ganz deutlich spür-, respektive hörbar: Velvet Underground, Lee Hazlewood, hypnotische, melancholische, einfach gehaltene Beats mit Scheppergitarre, Sixtiesfolk, mit Esprit und Enthusiasmus vorgetragen. Die Produktion riecht denn auch überhaupt nicht nach 2007, eher nach '67 oder '68 was sicher auch ein wenig am Gesang liegt der an eine beschädigte Dynacord-Gesangsanlage (...Modell '67, mindestens, oder älter...) erinnert. Toptracks: "The Ghost Of Old Bull Lee", "Half Years", diese tracks klingen nun wirklich heftig nach alter verstaubter Musicbox in einer spärlich besuchten Kneipe irgendwo im Hinterland von Kalifornien...

    Link zur Plattenfirmaseite: http://hardlyart.com/arthur_yu.html
    (Es existiert zwar noch eine MySpace-Site, von solchen lieblosen Dingern halte ich allerdings nicht sehr viel. Wer Lust hat sucht sich die eben.)




    Richard Julian - Slow New York (2006)
    Von der Westküste in den Osten, nach New York, zum Singer/Songwriter Richard Julian.
    Es ist schon erstaunlich was ich in Big Apple immer wieder alles finde, die Bandbreite reicht von Postpunk über konventionellen Rock bis hin zu Folk. "Slow New York" ist eindeutig letzerer Sparte zuzuordnen, arbeitet vor allem im Slow/Laidback-Bereich. Kein Wunder auch, bei vier Tracks, beispielsweise auch beim supergesofteten "Making Movies", hatte Norah Jones die Finger als Produzentin im Spiel und tritt da auch als Sängerin in Erscheinung. Die Drums werden auf dieser Scheibe meist mit Besen gespielt, was zu zur Folge hat, dass die Songs zu swingen beginnen. Und Gitarren (akkustische, elektrische), Pianos und Orgeln gibts natürlich auch, die lauern überall, lugen hinter dunklen Ecken hervor, preschen überfallartig aus ihren Verstecken hervor. Einzig mit dem Gesang von Richard Julian tue ich mich manchmal etwas schwer, da geht er im Gleischschritt mit vielen anderen Songwritern: Das Komponieren geht leicht von der Hand, die Stimme hingegen kann nicht immer Schritt halten. Aber was soll's, so ist das nun mal mit Songschreibern, oder will jemand behaupten, Bob Dylan oder Neil Young seien grossartige Sänger? "Slow New York" kann man trotzdem problemlos auflegen, als Beilage würde ich ein Käseplättchen und ein Glas Rotwein empfehlen...

    http://www.richardjulianmusic.com/

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  5. #25
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    Standard AW: Grabbelbox 2008

    Natürlich stosse ich bei meinen Sreifzügen nicht immer auf Goldadern, manchmal täuschen mich auch meine "Gefühle" und ich ziehe einen fürchterlichen Dance/Pop/Metal-Schrott an Land. In so einem Fall wird dann das Jewel-Case anderweitig verwendet, der dazugehörige Silberling fachgerecht in die Mülltonne entsorgt. Das Risiko mal wieder reinzufallen ist immer ein wenig vorhanden, aber das ist doch irgendwie der Reiz dabei, wenn man sich wie ein Entdecker durch eine Grabbelbox wühlt. Der "Kick" ist auf alle Fälle noch immer da und für Nachschub (siehe unten) seitens der Bands ist auch gesorgt...

    Cooper - Makes Tomorrow Alright (2005)
    "The Key" habe ich kürzlich auf einen meiner Grabbel-Sampler draufgeklatscht. Ich liebe es solche Lumpensammler zusammenzustellen und dieser eine Song war der erste den ich für den Sampler ausgewählt hatte. "The Key" strotzt nur so vor Kraft und Energie, ein Punkrocker für die Endlosschlaufe! Da brennt die Lunte - zwar nur knapp über zwei Minuten - dafür mit allen Essenzen ausgestattet die einen guten, zeitgemässen Punk/Powerpop-Song ausmachen. Die restlichen Songs auf diesem Album des holländischen Brachial-Trios können dieser Steilvorlage nicht ganz folgen, kurzweilig ist die Scheibe allemal. Das kindlich naiv gezeichnete Cover (remember Ramones' "We're A Happy Family") täuscht übrigens gewaltig: Wenn man das Booklet wendet erwartet einen der blanke Horror...

    http://www.cooperhq.com/




    The Movement - Move! (2003)
    Und wieder einmal bin ich spät dran: The Movement haben inzwischen wegen einer angestrebten Solokarriere von Gitarrist/Sänger Lukas Scherfig das Handtuch geschmissen. "Move!" war das Debut des dänischen Trios das in einem Club in Berlin entdeckt wurde und auf diesem Umweg zu einem Record-Deal kam. Hier fliegen die Zaunpfähle hundertfach, hier fröhnt man der sozialistischen Sprachgewalt, hier demonstriert man urgewaltigen Mod-Rock im Stile von THE JAM. Gleich zu Beginn des Openers "How Come?" schwärmt eine Stimme in Spanisch (Fidel?) von kubanischer Revolution, gefolgt von einem musikalischen Tornado der mit flirrenden Rickenbacker-Gitarren alles was sich entgegenstellt gnadenlos niedermäht. Toll, dass sich jemand auf alte Weller-Traditionen beruft, selbst wenn es Musiker sind die anno '77 bei Erscheinen von Jam's "In The City" noch nicht mal die Grundschule besuchten. Die einzigste Verschnaufpause gibt es mit "Still An Echoe" - akustische Gitarren gepaart mit Scherfigs (an)klagenden Vocals...

    http://www.themovement.dk/
    http://www.lukassherfey.com/




    The Feeling - Twelfe Stops And Home (2006)
    "Love It When You Call" könnte der Ausgangspunkt für meine nächste G-Box-Kompilation sein. Oder "Rosé". Alle beide sind Songs die den Geist von Pop/Wave um '80 herum intus haben: "Tons Of Melodies", Gitarren, Synthies, vielstimmiger Gesang, da und dort ein Touch von New Wave. Naja... nicht nur... ELO scheinen auch durch... und...und... nun, es ist ziemlich schwierig die Engländer The Feeling einzuordnen, die werfen eben jede Menge musikhistorische Zitate in den Kochtopf. Wäre zum Beispiel das bombastische, ausufernde "Blue Picadilly" in der zweiten Hälfte der 70er auf Single erschienen, es hätte garantiert die Spitzen der Charts geentert. Passend zur Musik auch das "kühle" End-Siebziger-Cover-Artwork welches unweigerlich an die damaligen Platten von 10cc und Co. erinnert...

    http://www.thefeeling.com/

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  6. #26
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    Standard AW: Grabbelbox 2008

    Mist - Bye Bye (2005)
    Mit so einem Bandnamen klatscht das holländische Quintett aus Amsterdam im deutschsprachigen Raum wohl eine klassische Bauchlandung auf die Fahrbahn, es gibt Namen die funktionieren in anderen Sprachen halt nicht so wie sie sollten. Abgesehen von diesem kleinen Problem beinhaltet das Album "Bye Bye" entspannten, herrlich soft-romantisch/melancholischen Indie-Pop/Folk bei dem auch schmachtende Gastsängerinnen ("Slow Man", "Single Night", "Reunion Song") zum Einsatz gelangen. Das Album ist durchgehend molllastig, Dur-Töne bleiben die Ausnahme, eine weitere Band bei der ich leichte VU- und Nits-Einflüsse zu erkennen glaube. Der Überflieger ist für mich "Single Night", eine herrlich schmachtende Ballade mit Duettgesang.

    http://www.mist-music.com/




    T-99 - Strange Things Happen (2004)
    Gleich nochmals Amsterdam, T-99 haben sich allerdings historischem Blues/Rock'n'Roll/Hillibilly/Countryblues verschrieben, fällt also irgendwie unter niederländische "Americana". Und wie die das machen - authentischer geht's fast nicht mehr: Pumpender Stehbass, polternde Drums (manchmal auch "gebeselt"), mehrheitlich scheppernde Gitarren, knarzige Vocals und herrliche Badezimmer/Keller/Garage-Hallräume die den Eindruck machen als seinen diese Kammern 50 Jahre lang versiegelt gewesen. Das instrumentale "Sayonara" kommt daher wie eine Shadows-Nummer und als Sahnehäubchen packt Bassist Donné La Fontaine dann auch noch die Ukulele aus für "Countryside Bound" und vor allem auch für "Last Fair Deal Gone Down". Yeah... da geht die Post ab bei "Last Fair" (inklusive anschliessendem Slowblues-Hidden-Track)... das klimpert sich auf Anhieb geradewegs in meinen Blues-Olymp... great!

    http://www.t-99.com/




    Lole - Sugary And Dry (2007)
    Eigentlich heisst "Lole" bürgerlich Olivia Pedroli und stammt aus dem beschaulichen Neuchâtel am Fusse der Juragebirgskette. Westschweiz also, und hier werde ich immer wieder mal fündig in dieser oftmals für Aussenstehende abgeschotteten Szene. Die Grundessenz dieses Albums ist Folk, allerdings welcher der moderneren Sorte, aber Lole erinnert immer wieder ein wenig an die Liedermacherinnen aus Übersee die da Joni Mitchell und Carly Simon heissen. Herausragende Tracks sind die zügigen, frischen Songs "High And Low" mit Honky-Tonk-Piano und das twangende/rockende "Both Roads Come Undone" mit Lole's hysterischer Falsettstimme zum Schluss. Die Artistin kann auf die Unterstützung einer eigenen Band zählen und das merkt man der Produktion an, hier wirkt nichts aufgesetzt oder klinisch inszeniert, hier kommt die Musik unbeschwert aus dem Bauch heraus...

    http://www.lolemusic.com/

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  7. #27
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    M.A.S.S. - Revolution (2004)
    Heiss ist nicht nur Sängerin Justine Berry, nein, das ganze Album dieser Band mit Domizil London ist eine kochend heisse Angelegenheit. Kraftvoller Rock mit einer Prise Garage, Einflüsse aus Punk und New Wave. Frontfrau Justine wird zwar gern mit Debbie Harry verglichen, ich persönlich höre da allerdings eher eine gewisse Verwandtschaft zu Chrissie Hynde heraus. Anyway, M.A.S.S. wurden bloss ein Album alt (nach dem Ausstieg von Gitarrist Jonny Green benannte sich die Band nach dem M.A.S.S.-Song "Hey Gravity!"), aber die Hinterlassenschaft in Form dieser 10 kraftstrotzenden, glühenden Powereisen ist gewaltig, eine Platte die vom ersten bis zum letzten Ton gute Laune verbreitet.




    The Aggrolites - Reggae Hit L.A. (2007)
    Yo Mon... das ist hypnotischer Karibenkrach Marke "Ol' School Reggae" wie er mir gefällt, und deshalb ist es kein Wunder dass die Truppe neuerdings in meinen Reggae-Alltime-Charts gleich nach Jimmy Cliff auf Platz zwei auftaucht. Die Band um Leadsänger/Gitarrist Jesse Wagner stammt aus Kalifornien, weiss demzufolge also auch wo die Sonne am Himmel hängt und schafft es locker diese "Sunbeams" auf Tonträger zu konservieren. Im Studio arbeiten The Aggrolites schnell, bevorzugt "Live", und das hört man dieser spritzigen Produktion auch an: Es pumpt und groovt, die Hammondorgel wimmert, die Drumbreaks wirken abenteuerlich, werden dadurch aber erst so richtig lebendig. Mit einem Wort: Klasse! Schade ist nur, dass The Aggrolites am 22. November im Gaswerk zum Tanz aufspielen und ich mich just an diesem Datum wegen des ACTION-Reunion-Gigs in Zweibrücken aufhalte...

    http://aggroreggae.com/




    Ultra Orange & Emmanuelle (2007)
    Hier weht die Trikolore, sprich hier geht es um ein französische Projekt des Gitarristen und Songwriters Pierre Emery. Hinters Mikro stellte sich Actrice und Polanski-Ehefrau Emmanuelle Seigner die sich in bester Bardot/Birkin/Nico-Tradition mit leichtem Akzent durch die englischsprachigen, meist melancholischen Songs wispert. Great, hier erwarten einen zuhauf Schrammelgitarren und Garage-Sixties-Beats, zu gleichen Teilen aber auch Voll-Moll-Balladen wie "Simple Words" (ich vergleiche das rein stimmungsmässig mal mit Bowies "Space Oddity") oder "One Day". Die zweite Chanteuse Gil Lesage bleibt im Hintergrund, und es scheint fast, als würde die dunkelhaarige Dame nur als optischer Kontrast zu Madame Seigners blondem Gift gebraucht. Eine Scheibe die sich vorzüglich dazu eignet wenn man einen Trip nach Südfrankreich in Planung hat, c'est un disque magnifique...

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  8. #28
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    Do Me Bad Things - Yes! (2005)
    Aus der Sparte "Metal meets Disco".
    Durchgeknallt würde ich mal sagen, ein Adjektiv das hervorragend zu dieser verrückten Bande aus London passt. Die machen vor gar nichts halt, fusionieren ihren harten, manchmal etwas schrägen Heavy-Gitarrenriffrock mit Gesangslinien die eher aus der Abba-Backstube oder aus den R&B-Charts zu stammen scheinen. Im Vokal-Bereich gehen Do Me Bad Things in die Totaloffensive, hier sind gleich vier vollamtliche Leadsängerinnen am Werk. Für Abwechslung ist also gesorgt, zumal sich der männliche Shouter Mark Woods immer wieder herrliche Stimmband-Duelle mit den versammelten Damen liefert. Nach Grand Island, meiner "Fusion"-Entdeckung des Jahres, ist diese Truppe ein weiteres Indiz dafür, dass (un)populäre Musik auch im 21. Jahrhundert durchaus prickelnd daherkommen kann, man genehmige sich nur mal ein Ohr voll "Sprezzatura" oder lasse sich vom Mörderbeat bei "The Song Rides" mitreissen. Warnung: Vor dem Anhören prüfen ob die Batterie des Herzschrittmachers noch i.O. ist, diese Platte könnte sonst ernsthaft Aussetzer des Pumpenanimators verursachen. Irgendwie ist diese Scheibe Hardcore für Fortgeschrittene... grandios...




    Admiral Freebee - Songs (2005)
    Tom Van Laere (alias Admiral Freebee) stammt aus Belgien und sieht ein wenig so aus wie man sich den irgendwo auf diesem Planeten untergetauchten Jim Morrison vorstellt. Der '74 geborene Singer/Songwriter (also doch nicht JM!) geht in "Songs" ziemlich urchig zu Werke, manchmal laidback wie Van Morrison/Dylan in "Reciepe", aber auch indiemässig krachend, schleppend und mit Vorschlaghammer bewaffnet wie beim an Neil Young erinnernden "Oh Darkness" oder beim Opener "The Worst Is Yet To Come". Insgesamt keine fröhliche Scheibe, sondern eine die viel besser zu einem nebelverhangenen Tag wie gerade heute passt. Mein Anspieltipp: "Murder Of The Sun", das ist brutaler, treibender und krachender Depro-Streetrock à la Steve Jones...

    http://www.admiralfreebee.com




    Matia Bazar - Benvenuti A Sausalito (1997)
    Eine italienische Band aus Genua die in ihrer Heimat Kultstatus besitzt seit sie '78 beim San Remo Festival den ersten Platz belegte. Von den ursprünglichen Gründungsmitgliedern von '75 (mit der legendären Sängerin Antonella Ruggiero, man schaue sich mal den Live-Video "Cavallo Bianco" an) ist nur noch Drummer Piero Cassano übriggeblieben, die Unternehmung ist jedoch bis zum heutigen Tag noch immer aktiv, hat aber diverse Besetzungs-Wechsel in ihren Reihen erlebt. Bei "Benvenuti A Sausalito" stand die feurige Laura Valente hinter dem Mikro. Der Opener "Canzona Di Notte" lässt mich anfangs an meinem G-Box-Grabbel-Glück zweifeln, riecht allzusehr nach Italo-Schlager, aber dann geht die Scheibe glücklicherweise auf wie ein Frischbackbrötchen im Ofen und wirft Song für Song treibenden und melodiösen Pop Rock aus den Speakers. Das lästige 3-Minuten-Format wird auf diesem Album meist über Bord geworfen, macht Platz für vielseitige Arrangements und enorm viel Platz für Sergio Cossus Ausflüge auf der Leadgitarre. Die Truppe die immer mit Sängerinnen operierte hat hier mit Laura (die offenbar nur für dieses Album mit von der Partie war) einen wahren Glücksgriff getätigt: Eine tolle, vielseitige Stimme die sich richtiggehend abhebt vom üblichen Italo-Zucker-Popallerlei.

    http://www.matiabazar.com/

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    Standard AW: Grabbelbox 2008

    The Ultimate YMA SUMAC Collection (2000)
    Canvey schrieb er beneide mich um das Glück, Yma aus einer Grabbelbox gezogen zu haben, bei seinem Händler sei das Fach selbst bei den regulären CD's kürzlich leer gewesen. Nun ja, im November ist die peruanische Sängerin bekanntlich verstorben (makaber, aber das kurbelt meistens die Verkäufe eines Künstlers an), diese Compi hatte ich allerdings bereits im Sommer mal in der Rausschmeisser-Kiste erspäht, da sagte mir ihr Name jedoch noch nichts, das änderte sich erst mit ihrem Tod. Der betreffende CD-Shop hatte übrigens diese Scheibe gemäss originalem Verkaufsetikett ursprünglich unter "Folk" eingeordnet. Ich habe diese Anschaffung (für 5 Alpenkröten) bisher nicht bereut, denn Yma hat wirklich eine unglaubliche Stimme mit einer sagenhaften Bandbreite besessen. Faszinierend wie sie sich auf diesen Aufnahmen aus allertiefstem Kellergewölbe über zig Oktaven in mindestens 10000 Meter über Meer schraubt. "La Molina" ist so ein Beispiel, da geht es mit gegroundeter "Nasenflöte" à la Etta James los ehe sich ihr operettenhafter, göttlicher Gesang von dem lustigen Ruckelsound im Stil von Jonathan Richman in allerhöchste Höhen entführen lässt und sich dann in ein andere Galaxis zu verabschieden scheint. Tango gibts auch, hollywoodianische Orchester, Big Band, Easy Listening, südamerikanische Lebensfreude und... irgendwie "weird"... keine Musik für jede Gelegenheit... aber unglaublich beeindruckend...

    http://www.yma-sumac.com/




    The Paddingtons - First Come First (2005)
    Andere Epoche, anderer Stil (Punk), ganz anderes Resultat.
    Mit THE PADDINGTONS bin ich voll flach auf die Nase geflogen, da glaubte ich das Euphorie-Gejubel ("A Teenpunk Classic LP" / "Punk Pop Tunes To Die For" etc.) von NME und MOJO das vorne auf dem Case auf 'nem Sticker stand. Das Ding hat null Eigenleben, null Inspiration, hat keine vernünftigen Songs zu bieten und einen dermassen miesen Sänger-Clown wie Tom Atkin habe ich noch selten gehört. Summasummarum eine komplett verunglückte Möchtegern-Pistols/Clash-Kopie, Totalausfall obwohl ich Punk sonst mag, ein Rohrkrepierer, The Paddingtons sind ein Witz. Und die Ohren besagter Schreiberlinge müssen wohl ganz schön verrutscht sein...

    http://www.thepaddingtons.net/




    James Dean Bradfield - The Great Western (2006)
    Hier sollten die Kidz von den Paddingtons mal reinhören und sich weiterbilden. James Dean Bradfield (Maniac Street Preachers) wirft auf diesem Soloalbum sein ganzes songwriterisches Können in die Waagschale, klingt wie ein Original und nicht wie eine Kopie von irgendwem, gewinnt auf der ganzen Linie mit jeder Note. Da ist nichts überflüssig, das ist Indie-Pop/Rock in allerhöchster Vollendung der die Ohren auf Anhieb und ohne Dosenöffner bezwingt. Ein grandioser Melodienreigen, zeitweise leicht melancholisch, mit Texten versehen die zum genaueren Hinhören animieren. James Dean Bradfield, Sohn eines Gewerkschafters, ist einer der weiss wie man Mäuse fängt, mit Speck und Käse und solch tollen Songs wie "An English Gentlemen" oder "Run Romeo Run". Great...

    http://www.jamesdeanbradfieldofficial.com/

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