Tourdaren des Rockzirkus

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Blueszirkus
 

 

 

copyright 2003-2013  G.Eichel

Habe gerade deine Rockzirkusseiten gefunden. Gut gemacht, aber leider von Fehlern behaftet, die früher schon mal von anderen Autoren begangen worden sind und eigentlich schon längst hätten ausgeräumt sein sollen.

Blue Cheer: Gründungsmitglied Leigh Stephens und nicht Stevenson oder Stevens (letzteres hatte zwar auch auf dem Cover der LP gestanden, war aber damals schon falsch). Leigh macht übrigens heute noch Musik und ist auf einer eigenen Internetseite zu finden.

"Ihr Markenzeichen waren acht Fender Showman Verstärker, laut waren sie eben schon immer." stimmt leider nicht. Leigh hat immer Marshall gespielt. Allerdings bestand die Bühnenbeschallung aus 6 Marshall-Türmen für Bass und Gitarre, Hendrix spielte damals noch mit einem Turm! Laut waren sie gewiss, für damalige Verhältnisse.
Von Summertime Blues wurden weit mehr als 50,000 Platten verkauft, auch vom Album "Vincebus Eruptum". Beide waren in den US-Top-Ten, und mit 50000 Platten kam man auch damals nicht dahin.

Leigh verließ nach "Outside-Inside" die Band, Randy Holden stieg ein, verließ aber während der Aufnahmen zu "New! Improved" die Band, weshalb Bruce Stephens einstieg und die zweite Seite (im Verkauf die A-Seite) einspielte. Mit Bruce Stephens kam auch Keyboarder Ralph Kellogg. New Improved zeigt auf der "Heavy-Metal-Seite" einen genialen Paul Whaley an den Drums, der mit seinem Spiel nicht nur Rhythmus bringt, sondern die Dramaturgie des Gitarristen Randy Holden noch steigerte.

Die Band wurde danach nicht aufgelöst, sondern spielte die LP "Blue Cheer" ein.

Während der Aufnahmen zur fünften LP "BC#5 The Original Human Being" verließ Bruce Stephens die Band und ging nach England, wo er "Pilot" gründete, bei der auch Leigh Stephens (kein Verwandter!) mitspielte.

Hatte Blue Cheer mit Randy Holden, der auch 1968/69 die Europa-Tournee mitgespielt hatte, schwerstes Heavy-Metal-Geschütz aufgefahren, so wurden seit Bruce Stephens deutlich sanftere Klänge gepflegt. Selbst Country & Western-Stücke waren nun angesagt.

Paul Whaley stieg nach New Impoved aus und wurde durch Norman Mayell ersetzt. Im Gegensatz zu Whaley war er kein Schlagzeug-Virtuose sondern eine präzise Rhythmusmaschine.

Seit "Original Human Being" spielte Gary Yoder Gitarre und sang auch einen Großteil der Stücke. Seine kraftvolle Stimme und seine
ausdrucksstarken Texte hätten Blue Cheer zu einem Durchbruch verhelfen können, aber die Lustlosigkeit der Plattenfirma gab der Gruppe keine neue Chance, die sie absolut verdient gehabt hätte. Schließlich war aus der lautesten Band mittlerweile eine sehr gute Westcoast-Band geworden.

Die Ziellosigkeit, die sich in der LP New Improved in zwei völlig unterschiedlichen Musikrichtungen auf einer LP verdeutlicht hatte (Rock und Country auf der einen Seite und Heavy Metal auf der zweiten) - möglicherweise von der Plattenfirma so gewollt - setzte sich auf dem letzten Album "Oh pleasent Hope" fort. In der Hoffnung, irgendwie einen Hit zu landen wechseln sich Musikrichtungen unterschiedlichster Art auf dieser LP ab. Weder Fisch noch Fleisch, kehrten jetzt die letzten Fans (auch in der Zwischenzeit neu gewonnene) der Band den Rücken. Ralph Kellogg und Gary Yoder verließen die Band. Kellogg änderte seinen Namen und schlug völlig neue, in Musikerkreisen sehr beachtete Wege ein. Er verstarb letztes Jahr (2004), soweit ich weiß. Gary Yoder ist in seinem Heimatort, der ihn vor rund 30 Jahren rausgeschmissen hatte, mittlerweile ein hohes Tier, ich glaube sogar Bürgermeister und eine Art Kulturdezernent.

Peterson löste die Band auf, tourte in wechselnden Besetzungen durch die USA und wurde schließlich nach Europa verschlagen. Mit Paul Whaley wieder Schlagzeug reformierte er mit Gitarrist Tony Rainier seine Gruppe und hatte einen ziemlichen Achtungserfolg mit der neuen LP. Blue Cheer war zum Heavy Metal zurückgekehrt und offenbar hatten viele noch nicht begriffen, wer diese Band war. Die Musik hatte sich kaum verändert, sie wurde nur jetzt professioneller gespielt.

Seitdem ist Blue Cheer quasi eine deutsche Band! Dickie Peterson wohnt in Köln, Paul Whaley in Frankfurt. Und wenn sie Lust haben (oder was auch immer), gehen sie auf Tour. Dafür wird dann Gitarrist Andrew McDonald aus den USA eingeflogen.

Leigh Stephens neue CD ist gerade erschienen. Hat nichts mit Metal zu tun. Sehr empfehlenswert!

Randy Holden ist auch seit ein paar Jahren wieder am Ball. Er verdient sein Geld mit Malerei. Er hat mittlerweile drei CDs veröffentlicht, die erste enthält "wieder aufbereitetes" Material im Stile von Population 2, seiner LP vor Blue Cheer. An den Drums übrigens Paul Whaley. Es ist eine Reunion der "alten" Blue Cheer im Gespräch, in der Besetzung, die in Europa bekannt geworden ist: Peterson, Whaley und Holden.

Der Verfasser dieses Kommentars ist: Ralf Stelter