Weather Report – Live At Montreux 1976 (DVD)
„Pommerland ist abgebrannt“ aber 1976 stand das Casino wieder. Grund des Brandes war ein Volldepp im Publikum, der eine Leuchtpistole an die Decke abfeuerte. Das geschah während einem Frank Zappa Gig und wurde verewigt von Deep Purple in Musik und Text. Den Frank Zappa Gig gibt es sogar auf CD und LP als Bootleg, inklusiv Ansage das Casino geordnet zu verlassen. Erstaunlicherweise gab es weder Tote noch ernsthaft Verletzte und dem Leiter des Jazzfestivals Montreux wurde danach attestiert, dass seine schnelle Reaktion auf das Ereignis Menschenleben gerettet habe. Ikonisch ist auch das Bild während des Brandes wo man Claude Nobs beim Löschen des Brandes sieht.
Das Casino nach 1971 (Brand) hatte im Zuschauerraum eine Art flache Holztribüne, wie man sie damals in vielen Veranstaltungsorten finden konnte. Gedacht war das mehr für die Hippies und Dropouts und ganz sicher nicht für irgendwelche Sponsoren. Heute würden Letztere wohl zu Hause bleiben. Die Veranstaltungen damals waren wirklich noch etwas für das jüngere Publikum und den Saal kann man guten Gewissens als intime Location bezeichnen. Das hat sich dann mit dem neuen Bau ein paar hundert Meter westlich, aber immer noch am Genfersee, geändert. Das ganze Gebäude dort strahlt nichts mehr aus. Die drei Konzerteinheiten sind funktionell und gut für einen Prosecco zwischendurch. Obwohl ich es auch dort spannend fand (Montreux hat so eine geschäftige und trotzdem entspannte Atmosphäre und man könnte denken, man wäre an der Riviera) und viele Konzerte live verfolgte.
Hotelzimmer konnte (und kann) man in der Gegend aber vergessen. Genf ist wohl die nächste Station wo noch etwas frei wäre zur Festivalzeit. In jüngeren Jahren hat man durchgemacht und ist um 6 Uhr früh auf den Zug gewackelt, hat in Lausanne fast den Umstieg verpasst und ist so gegen spätem Vormittag wieder in der Zivilisation angelangt. Waren coole Tage und Nächte und ich würde das nicht missen wollen. Alternativ war ich aber auch schon mit einer Karre dort unten am Festival, aber es ist definitiv keine gute Idee um vier Uhr morgens durch die halbe Schweiz zu fahren, total übermüdet und trotzdem auf Adrenalin. Das eine oder andere Rotlicht habe ich da wohl ausser Acht gelassen.
Aber zum eigentlichen Thema: 1976 hatten wir (ungefähr 5 oder 6 Kollegen) uns Tickets für ein Konzert besorgt und waren unterwegs in dem Automobil (Land Rover) eines unserer Freunde um ein Konzert zu besuchen. Das sind dann mal immerhin plus/minus 200 km, je nach Route (und pro Hin- und Rückfahrt). Haben wir alles geschafft und sind dann irgendwann in der Nacht wieder gegen heimische Gefilde getuckert. Meine Freunde unterhielten sich angeregt über das Konzert und nur ich hatte keinen blassen Schimmer. Schlimmer noch, ich wusste nicht mal wen wir (sie) da gehört und gesehen hatten. Und das blieb so für die nächsten fast 50 Jahre, null Idee, null Ahnung von irgendwas.
Das hiess für mich aber auch, Recherche, Recherche, Recherche und erst recht mit dem Aufkommen des Internets und immer noch keine Idee. Auch die Konzertlisten auf verschiedenen Portalen (inklusiv Montreux Jazzfestival selbst) haben mich auch nur einen Millimeter weitergebracht. Alles was ich wusste, es war eine Band im Bereich Jazz und Rock gewesen (vulgo Fusion) und eine ganz grosse Nummer. Da mir auch das genaue Jahr nicht bekannt war, gestaltete sich die Suche relativ schwierig bis unmöglich. Viele Bands fielen bei mir durch den Raster, so z.B. Colosseum oder Soft Machine, passte alles nicht. Aber aufgegeben habe ich nie, Bis ich vor ein paar Monaten über Weather Report 1976 Montreux stolpere. Keine Ahnung mehr ob das ein Artikel war, eine Fernsehsendung oder was weiss ich.
Und die Sonne ging auf und Fanfaren ertönten. Weather Report war dieser vergessene Gig. Eigenartigerweise hatte ich den Namen natürlich bei vorherigen Recherchen gesehen, aber es hat definitiv niemals Klick gemacht. Nach fast fünf Jahrzehnten, das muss mir auch mal eine/r nachmachen. Die Entdeckung dieser Tatsache ist für mich ein Ereignis, dass sich ein/e Aussenstehende/r nicht vorstellen kann. Und dann noch Weather Report. Yeah, man! Vor allem, da WR auch noch sehr gut vertreten sind in meiner Tonträgersammlung. Ich bin ja Fusion (im Bereich Rock/Jazz oder Jazz/Rock) eher abgeneigt, resp. in etwa 95 % aller Fälle kann man mich damit um den Block jagen, aber es gibt schon ein oder zwei Ausnahmen, so z.B. der frühe Klaus Doldinger … und … äh … naja, den Wetterbericht.
Und endlich kann ich den Deckel draufmachen. Kann ich? Die Story ist noch nicht fertig. Wir kommen in Montreux an. „Summer in the City“, wir genehmigen uns das eine oder andere Bier und Stunden später verlagern wir uns ins Casino. Wir haben genug gebechert für jeweils zwei und ich bin der Totalausfall und penne vor dem Konzert vor der Bühne auf dem Boden ein, wirklich zu Füssen der Musikkapelle. Aufgewacht bin ich wieder als sich Weather Report von der Bühne verabschiedeten und dass wars dann mit mir und dem Gig. Meine Kollegen (ich überdenk das nochmal) haben mich nicht geweckt, aber ich war wenigstens auf der Heimfahrt in der Nacht der am Wachste in der Karre.
Und nun komme ich darauf (2026), dass es eine DVD dieses Gigs gibt und zwar von Eagle Vision und dem Montreux Jazzfestival selbst. Auf der Packung kann ich nicht ersehen, von wem dieses Konzert gefilmt wurde, Vieles kam und kommt über die Jahre vom Schweizer Fernsehen, aber so viel ich weiss hat Claude Nobs mit seinem Team auch Konzerte selber filmen lassen (vermutlich die, an denen SRF nicht interessiert war). Ganz schön sieht man vor allem bei diesen Videos aus Montreux den Quantensprung, den die Technik von analog zu digital gemacht hat. Die meisten Analogaufnahmen sind meines Erachtens heute eher als Substandard zu betrachten und wirklicher Genuss stellt sich erst mit Digitalaufnahmen ein.
Allerdings beschränke ich das ausdrücklich auf Konzertaufnahmen und da wahrscheinlich auch nur bei Innenaufnahmen. Irgendwie war das Licht im Casino auch nicht wirklich geeignet für brillante Bilder (ich denke z.B. an das Stray Cats Video aus dem selben Saal). Die Bildqualität ist auf dieser DVD genügend aber aus der Zeit zu erwarten und der Sound ist o.k., was aber auch damit zusammenhängen kann, dass die Soundbars heutiger Fernsehgeräte auch 2026 noch nicht mit einer guten Stereoanlage mithalten können.
Und was ist nun mit der Musik? Obwohl ich doch so einige LPs von Weather Report im Haus habe und die auch schätze, habe ich noch eine weitere Phobie. Wenn ich die Wahl habe zwischen LP/CD oder DVD/bluray bei einer Liveaufnahme, dann wähle ich in 90 % der Fälle LP/CD, Hier ist mir wieder mal aufgefallen, wie im Bereich Jazz/Rock oder Rock/Jazz die Bands ohne Ende rumnudeln und ich war doch einigermassen überrascht, dass Weather Report das Live auch so macht. Ich denke, spätestens dann wäre ich ohnehin eingeschlafen. Aber, wie gesagt (oder nicht), 2026 ist gerettet, ein letztes grosses Rätsel der Menschheit ist gelöst.
Nachdem ich bis tief in die 90er (und vereinzelt sogar bis in die 00er) praktisch ein Abo hatte auf Gigs am Montreux Jazz Festival, legte sich dann das irgendwie. Das Programm wurde etwas zu beliebig und das, was mich am meistens interessierte, war jeweils sofort ausverkauft. Und der Jazz war praktisch auf das Abstellgleis geschickt worden. Aber die Atmosphäre ist wohl auch heute noch einzigartig, egal wer da auf der Bühne steht.







