Theo – Klåfinger – Clawfinger – Infringement – GrowN

Der rote Faden bei folgenden skandinavischen Formationen ist Bård

Was ist da nur los in Skandinavien – Musiker, Bands, Projekte aller Ausrichtung, massenhaft und regelmäßig Nachschub. Liegt das an der dort noch immer intakten Natur, am gesünderen Essen & Trinken oder der ausgeprägten Bildung. Einen kleinen Mosaikstein habe ich 2019 beim Umsonst & Draußen Jazz-Festival in Ringkøbing, Dänemark als schlüssige Erklärung dazu gefunden. Intensivste schulische Förderung und Begleitung der Kinder und Jugendlichen, das haben mir auf meine Frage hin verschiedene skandinavische Musiker immer wieder bestätigt. Allein in den letzten fünf Jahren habe ich etwa 100 verschiedenste Formationen aus Territorien nördlich von Flensburg erleben dürfen. Und was soll ich sagen, die hier nun vorgestellten Truppen kommen aus verschiedensten Ecken Skandinaviens, im Moment zum Teil nicht gerade eben um die Ecke.

Das Cross-Over-Kult-Debüt – Vier Bandmitglieder dieser ungewöhnlichen, modernen, skandinavischen Combo, die Schweden Zak Tell (Gesang) und Jocke Skog (Keyboards, Programming) sowie die beiden norwegischen Gitarristen Bård Torstensen und Erlend Ottem, treffen sich Ende der 80iger bei der Arbeit im Rosenlund Hospital in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Frühe Versionen von Songs wie »Junkie Joe«, »Nigger«, »Profit Preacher« und »Truth« entstehen in dieser Zeit, obwohl die Band eigentlich noch nicht gegründet ist. In dieser Zeit arbeiten sie auch schon mit dem Hip-Hop-Trio Just D zusammen. Diese Demos gelangen jedoch in die Hände eines Freundes von Zak Tell, der beim nationalen schwedischen Radio arbeitet. Dort nehmen sie 1992 an einem Wettbewerb teil und werden mit dem Song Nigger Demo der Woche. Inhaltlich handelt es sich natürlich nicht um eine Diffamierung, sondern vielmehr um ein anti-rassistisches Statement (kritisiert schwarze Minderheiten), musikalisch um ein erstklassiges Crossover. Mitarbeiter Per Kviman von MVG Records hört den Song im Radio und nimmt sich vor, diesen ungewöhnlichen Song zu kaufen. Nachdem er jedoch feststellt, dass die Band keinen Vertrag hat, zögert er nicht lange und bietet ihnen einen an. 1993 kommt schließlich das Debüt »Deaf Dumb Blind« auf den Markt. Das Album verkauft sich weltweit bis heute fast 1.000.000 Mal und bringt der Band besonders in Deutschland, Schweden und Norwegen mehrfach Gold ein. Noch Verstärkung mit Basser André Skaug und Schlagwerker Richard Netterman und mit denen spielen Clawfinger im Sommer 1993 auf allen wichtigen skandinavischen Festivals und touren im Frühjahr 94 ausgiebig durch ganz Europa. Das waren die einfachen Zutaten für eine pure Erfolgsgeschichte mit einem Meilenstein der alternativen Rock-Musik, die dann noch zwei Jahre später mit »Use Your Brain« fortgeschrieben wurde. Das Debüt erschien zum 10-jährigen mit 3 Bonus-Titeln und 3 Bonus-Videos. Zum 20-jährigen dann sogar mit zwei zusätzlichen CD’s und einer vollgepackten DVD als »Deafer Dumber Blinder«. Das unterstreicht noch mal den Stellenwert dieses Crossover-Meilenstein mit Tonnen von Bonusmaterial als bisher unveröffentlichte und rare Tracks, TV Specials, Dokus, Live-Material und vieles mehr.

Clawfinger: Deaf Dumb Blind

Clawfinger: Use Your Brain (95)

Clawfinger: Clawfinger (1997)

Gleich mit ihren ersten ausgekoppelten Single-Streichen (Nigger, The Truth) gelangen der jungen schwedischen Band absolute Volltreffer und ihre Mischung aus metallischen Hard-Rock, elektronischen Elementen wie im Trip-Hop und teils im Rap-Stil gehaltenem Gesang, beeinflusste Legionen folgender Musiker und lies Clawfinger aus der Masse ähnlicher Veröffentlichungen deutlich herausragen. Clawfinger sind in der alternative Clubszene Europas stark vernetzt, sie arbeiteten mit anderen europäischen Schwergewichten wie beispielsweise Die Krupps, In Extremo, Meshuggah, Rammstein und viele andere zusammen. Sie gehörten zu den großen Namen in der Cross-Over-Szene, konnten damals in der Hochphase locker mit den damaligen Stars der US/UK Szene mithalten. Stilistisch haben sie eine große Schnittmenge mit Rage Against The Machine, wobei die Schweden dennoch unverwechselbar klingen. Sie hinterließen prägende Klassiker, erfreuen sich auch heute noch ungebrochener Beliebtheit, sind auch bis heute auf Tour (auch geplant für Herbst/Winter 2021), planen zeitnah ein neues Album.

Clawfinger: Promo_2

Neonato: Promo_1  (Bård rechts)

Und Jährlich grüßt das Murmeltier – Jedes Jahr muss man wieder über neue interessante Formationen aus einem bevölkerungsschwachen Land aus dem Norden Europas berichten. Infringement stammt aus Oslo, wurde 2015 gegründet und hat bereits zwei Konzept-Werke mit komplexer Thematik veröffentlicht. Stilistisch reicht die Bandbreite von den Prog-Helden der 70iger und 80iger bis hin zum symphonischen Rock und auch Dance & Funk Rhythmik. Mit Gitarrist Stig André Clason und Schlagzeuger Kristoffer Utby, der Art musikalischer Ausrichtung sowie wieder mal Soundtüftler Karl Groom (Shadowland, Strangers On A Train, Threshold) an den Reglern, gibt es eine große Schnittmenge zu The Windmill, die 2019 den Sonntag spektakulär beim Night Of The Prog an der Loreley eröffnet haben. Seit Beginn ist noch Sänger Hans Andreas Brandal mit an Bord, im Frühjahr 2016 kam dann Bassist Espen Larsen dazu und schon ein Jahr später war das gemeinsame Debüt »Transition« eingespielt. Wie bei vielen skandinavischen Formationen ist das Instrumentarium mit Hammond, Mellotron und Moog stark nostalgisch und auch Flöten und Saxofon sowie starke Vokalteile mit sinnreichen Texten verstärken die Vergleiche zu den Heroen der Frühphase des Prog-Rock. Zwei Jahre haben sie dann am aktuellen zweiten Konzept-Werk »Alienism« gearbeitet, das ebenfalls ein interessantes Mental-Thema hat, das bei Menschen die im Norden Europas aufgewachsen sind und anders ablaufenden Jahreszeiten erleben vielleicht eher im Fokus steht. Wird uns die nunmehr mit Bård Thorstensen (hier diesmal Keyboards) als Quintett agierende Truppe auch so freudig überraschen wie andere Nordländer in den Jahren davor? Eine Antwort kann ich nicht geben, da das Night Of The Prog 2020 wegen der Seuche abgesagt wurde !!

T Good The Bad And The Ugly

Infringement: Alienism (2018)

GrowN: Stay Calm (2021)

Clawfinger-Bård, zurück zu den Wurzeln – Theo, Clawfinger, Neonato, Infringement, und jetzt schließt sich der Kreis mit Weggefährte und Theo-Bandkollege Harald Dose (Gesang) wieder bei der aktuellen Band GrowN. Die erste gemeinsame Musik seit über drei Jahrzehnten und gleich wieder wie damals eine Single und ein Album. Unterschiedlicher können Karrieren nicht verlaufen, nach der Single »Born To Rock« (1987), dem Album »The Good The Bad And The Ugly« (1988) und Auflösung von Theo MK II 1990, geht Bård Thorstensen nach Stockholm. Die etwas skurrile Geschichte dazu ist vorher bereits erzählt. Über Harald ist nicht ganz so viel bekannt, erst durch die Promotion des aktuellen Debüts »For Life« (VÖ: 19. Februar 2021) erfährt man, dass er auch erfolgreich als Big-Band-Musiker gearbeitet hat. Und was machen Musiker die nicht auftreten können, genau sie treffen sich in ihrem Heimatort Arendal wieder, entdeckten für sich die Liebe zum gemeinsamen Musikmachen neu, verarbeiten ihre unzähligen Songideen zu einem Album. Ob sie diese Musik einmal Live präsentieren werden, wissen im Moment vermutlich selbst die Musiker nicht. Aber an Geduld mangelt es den Norwegern nicht, immerhin haben sie zuletzt vor mehr als 30 Jahren zusammen musiziert. Also zurücklehnen oder auch weiter musizieren, wenn auch nur im Probenraum. Die kürzlich ausgekoppelte erste Single »Stay Calm« liefert neben einem handfesten Classic-Rock-Song zugleich auch einen Hinweis und Bildnis für das Leben während Corona. Und Lebenszeichen, die brauchen wir, auch aus Arendal am Skagerrak zwischen Sandefjord und Kristiansand. Da war ich schon, sehr schöne Gegend !!

GrowN: Promo_1 (Zwei nette Rock-Wikinger)

Der Multi-Instrumentalist Bård Torstensen aus Arendal macht zurzeit viele ehrenamtliche Jobs. Zum Beispiel hilft er Flüchtlingen in seiner Heimat Norwegen. Und seine Erfahrungen fließen in Songs wie das Brettharte »Stay Calm«, Hymnen wie »Loco Motion« und »For Life« ein. Um das Warten auf neues Material und die 2021-Tour von Clawfinger zu verkürzen, hört rein bei GrowN, der Hammer !! Bleibt Geduldig und Hoffnungsvoll !!

Und bleibt Gesund & Munter !! Klingende Grüsse, Der SchoTTe

(Visited 34 times, 1 visits today)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 + 6 =