Hanuman – politischer Krautrock und Das Lied des Teufels

Anfang der 1970er Jahre war für mich der Höhepunkt des deutschen Rock. Heute würde man es Krautrock nennen, damals war es mehr oder weniger politischer Rock. „Floh De Cologne“, „Ton Steine Scherben“, „Out Of Focus“. Manches hörte sich ziemlich amateurhaft an, die Texte waren allerdings sehr interessant für jemanden Anfang der Zwanziger. Die Platte „Hanuman“ kam durch Zufall in meine Sammlung. Es gab einen kleinen Plattenladen in Hachenburg/Westerwald. Der Laden hatte keine große Auswahl, aber einige Schätzchen. Unter anderen waren es Alben von „Out Of Focus“ und „Hanuman“ die in einer Wühlkiste lagen. Auf der Hanuman ist heute noch ein kleiner Aufkleber „5,- DM“. Das Label Kuckuck war ein Begriff und stand für Qualität. Beide Platten wurden blind gekauft. Von Hanuman gab es 1971/72 nur dieses eine Album. Im Radio lief derartige Musik kaum, zu Deutsch, zu politisch und die Songs waren zu lang.

Es gibt einen kleinen Artikel in Sounds. Sounds vergleicht Hanuman mit „Paranoia Picknick“ von Ernst Schultz. Die Gemeinsamkeit sei der deutsche Text der Songs. Zu Hanuman meint Sounds, die Idee sei gut, aber für die Umsetzung einer Verbindung von Rock und Jazz fehle es an qualifizierten Musikern (gemeint war: hinsichtlich Jazz). Es wird außerdem die Aufnahmetechnik bemängelt, der Sound würde verwässert. Zu den Texten, sie seien zu pathetisch, da muss ich Sounds Recht geben. Es war die Zeit der Experimente, auch hinsichtlich deutscher Songs.

Die Texte sind nicht alles auf der „Hanuman“. Für mich ist es Rock mit leichten Jazzanteilen. Es ist aber nicht nur der vernachlässigbare Jazzanteil, auch Klassik hat ihren Platz. Was mir gefällt, die Musik swingt! Schuld an diesem Swing ist die gute Rhythmusgruppe. Sowohl der Schlagzeuger als auch der Bassist machen ihren Job sehr gut! Das Keyboard erinnert leicht an Keith Emmerson und Flöte und Saxophon an Jack Lancaster von Blodwyn Pig. Andere vergleichen Hanuman mit Van Der Graaf Generator, alle diese Vergleiche hinken etwas. Die Musiker sind dennoch sehr wohl für derartige Musik qualifiziert.

Die Band stammte aus Berlin, aufgenommen wurde in München in der Bavaria Studios in der Zeit vom 11. bis 15. und 27. bis 29.10.1971. Die Texte sind typisch für die späte Generation der „68er“. Es sind düstere Texte von Tod, Teufel, Einsamkeit und Machtmissbrauch. Der bekannteste Song ist „Das Lied des Teufels“. Mir fehlt beim heutigen Anhören des Albums die Lockerheit. Das fehlen jeglichen Humors war typisch für die in Deutschland praktizierte Art der progressiven Rockmusik. Immer Ernst bei der Sache bleiben! Wahrscheinlich war auch deswegen so schnell Schluss mit Hanuman.

Hanuman - Lied des Teufels

Ralf Schultz ersetzte 1973 mit seiner Gitarre das Keyboard von Wolf-Rüdiger Uhlig. Die neue Band nannte sich nach dem Song „Lied des Teufels“. Leider kenn ich die Platte nicht und kann nichts dazu schreiben. Beide Alben gibt es im Doppelpack auf CD.

Die Band:

Peter Barth: flute, sax., voc.
Wolf-Rüdiger Uhlig: keyb., voc.
Jörg Hahnfeld: bass
Thomas Holm: drums

Die Songs:

Schädelstätten
Machtwechsel
Das Lied Des Teufels
Taue Der Fremdheit
Sonnenaufgang

 

 

(Visited 203 times, 2 visits today)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × eins =