Sharks

Sharks gibt es Millionen, grosse, kleine, gefährliche, ungefährliche.
Eine britische Rockband gleichen Namens die 1972 gegründet wurde gibt es allerdings nur eine.

Als Bassist Andy Fraser (Komponist des Klassikers „All Right Now“) die Nase voll hatte von seiner Stammband Free, gründete er kurzerhand eine eigene Formation, die Sharks. Für den Posten des Gitarristen gewann er Chris Spedding, ein Typ der seiner Gitarre wirklich ausserordentliche Klänge entlocken konnte, er spielte zuvor bei der Band Nucleus und auf Soloalben von Jack Bruce. Der bis dato unbekannte Steve Parsons (alias Snips) aus Yorkshire kriegte den Job des Sängers, er wurde von Fraser den ursprünglichen Wunschkandidaten Robert Palmer und Leo Sayer vorgezogen, als die passendere Lösung angesehen. Spedding: Parsons played one song of his, “Snakes and Swallowtails” and he was in. Schlagzeuger der Unternehmung wurde Marty Simon, ein Freund aus dem Umfeld von Andy Fraser.


Nach ersten Proben fanden im September bereits erste Konzerte an Universitäten statt. Blickfang der Unternehmung wurde ein Pontiac Le Mans den Spedding optisch etwas modifiziert und dem Bandnamen angepasst hatte. Und genau diese Karre steuerte er im Februar ’73 gegen auf dem Rückweg von einem Gig in North East Lincolnshire gegen einen Baum. Andy Fraser verletzte sich bei dem Unfall das Handgelenk. Nach kurzer Genesungs-Pause ging es als Anheizer auf Tour mit Roxy Music, im April erschien bei Island die erste Sharks-LP. Allerdings bedeutete First Water zugleich das Ende dieser Besetzung, Andy Fraser machte die beim Car-Crash erlittene Verletzung nach wie vor zu schaffen und er entschied sich aus der Band auszusteigen. 


Da die Sharks recht gut gestartet waren und offenbar um die Option einer zweiten LP nicht verstreichen zu lassen, suchten sie Ersatz für Fraser der das Vorhaben wohlwollend unterstützte. Busta Cherry Jones kriegte den Job und bei dieser Gelegenheit verstärkten sich die Sharks gleich noch mit dem Keyboarder Nick Judd, ausserdem griff nun auch Snips vermehrt zur E-Gitarre. Es folgten weitere Tourneen, ein Abstecher in die USA und Anfang 1974 das zweite Album Jab It In Yore Eye. Die von John Entwistle betreuten Aufnahmen für einen dritten Longplayer gerieten nicht nach Wunsch (die Recordings erschienen erst 2008 unter dem Namen Car Crash Tapes), Marty Simon verlor die Lust und setzte sich in die Staaten ab. Gemäss Legende klaute er um den Flug bezahlen zu können eine der Gitarren von Spedding und verhökerte sie.

Was erfolgreich begonnen hatte endete vorerst unrühmlich, die Sharks zogen den Stecker, kappten die Stromzufuhr. Snips kriegte eine Offerte von Ginger Baker um dort Gitarrist/Sänger Adrian Curtis zu entlasten, Baker Gurvitz Army‘s Album Elysian Encounter (1975) zähle ich persönlich zu den „vergessenen Kronjuwelen“ der 1970er. Chris Spedding ging solo („Motorbikin“ / „Guitar Jamboree“) und kriegte den Ruf der vielleicht einflussreichste britische Gitarrist der späteren Siebziger zu sein, er arbeitete als Studiomusiker (Bryan Ferry, Elton John, Marianne Faithfull, Sex Pistols) und liess sich bei Mike Batt sogar in ein Wombles-Kostüm stecken. Das Angebot bei den Rolling Stones den ausgestiegenen Mick Taylor zu ersetzen lehnte er ab, stattdessen betreute er als Produzent bis heute ca. 200 Album-Produktionen.


1995 kam es zu einer ersten Reunion der Freunde Snips/Spedding und der daraus resultierenden CD Like A Black Van Parked On A Dark Curve. 2010 hatte das Duo wieder eine neue Band zusammen  –  King Mob – mit Glen Matlock (Bass, Sex Pistols) und Drummer Martin Chambers (The Pretenders), sie veröffentlichten das klasse Album Force 9. Danach wurde zusammen mit Andy Fraser eine Neuauflage der Sharks ins Auge gefasst, der Tod des Original-Bassisten im Jahr 2015 machte den Beteiligten aber vorerst einen Strich durch die Rechnung.


Wie ein Phönix aus der Asche setzte 2017 dann die letzte Reinkarnation der Haie zum Höhenflug an. Die neuen Sharks um Snips, Chris Spedding, Nick Judd, dem Bassisten Tosh Ogawa und dem Powerdrummer Paul Cook (Sex Pistols, The Professionals) lassen nichts anbrennen und beweisen mit neuen Alben, dass sie nach wie vor nichts verlernt haben. Killers Of The Deep von 2017 ist für mich eine der erfrischendsten und gelungensten Produktionen der letzten Jahre, das kann ich mir endlos anhören, da drauf gibt immer wieder neue Stimmungen zu entdecken.

Die Musik der Sharks ist im Nachhinein betrachtet grossartig: Anfänglich noch stark an Free angelehnt emanzipierte sich die Truppe aber doch recht schnell, sie reifte genauso wie ihr anführendes Tandem Snips/Spedding, die Sharks sind ein einziger grossartiger Streifzug durch die Genres bluesgefärbten Rock, Pubrock, Powerpop. Favoriten unter den Songs zu nennen ist schwierig für mich, ich kann mich da fast nicht entscheiden, Ausfälle gibt es praktisch keine. Okay, Snips‘ Song „Sophistication“ (1974, auf Jab It In Yore Eye) ist ganz schön beeindruckend, es ist eine eigentliche Blaupause für The Clash die sich hier offenbar grosszügig bedient hatten. Oder dann das Video zu „One Last Thrill“… ich liebe die Nummer und den zappligen drahtigen rothaarigen alten Tänzer (Snips) und seine ebenso schrulligen alten Begleiter, wer von so einer Darbietung nicht auf Anhieb elektrisiert wird, ist wahrscheinlich ein Zeitreisender aus einer Zeit als es noch keinen Strom gab…

LONG LIVE ROCK!
mellow

Discografie:
First Water (1973)
Jab It In Yore Eye (1974)
Like A Black Van Parked On A Dark Curve… (1995)
Car Crash Tapes (2017)
Killers Of The Deep (2017)
Ready Set Go (2018)

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