Ohio Players

Funk?
Soul?
Rock?
Just sticky?

Die 1959 gegründeten Ohio Players waren wohl eine der abseitigsten Groove-Truppen die das US-Festland je gesehen hat. Aus Dayton Ohio stammend, mauserte sich die wild ausschauende Truppe um Sänger/Gitarrist Leroy Bonner zum beliebten Clubact, messbare Erfolge blieben trotz der Singles die sie ab 1967 produzierten anfangs aber mehrheitlich aus. Mit den angeblich letzten 400 Dollar (…gehört wohl eher ins Reich der Legenden…) finanzierte die Band die Aufnahmen für die LP Pain und siehe da, plötzlich kam die stockende Karriere ins Rollen.



Das Label Westbound veröffentlichte 1972/73 die drei Alben Pain, Pleasure und Ecstasy, danach wechselten die Ohios zum Plattenmulti Mercury die das bei Westbound kreierte Image fortführten. Der verrückte Stilmix aus hartem Funk, Rock, Jazz, Soul, R&B und immer wieder mit unsagbar schleimtriefenden Balladen („Heaven Must Be Like This“ von 1974 allerdings sowas wie die ultimative Blaupause/Steilvorlage für Prince) wurde in Plattenhüllen gesteckt die wohl vor allem männliche Kundschaft zum Kauf animieren sollte. Allerdings stellten solche scharfen Gatefold-Cover (für Pain, Pleasure und Ecstasy posierte das farbige, glatzköpfige Model Pat Evans, weitere Bilder aus diesem Fotoshooting wurden später auch für mehrere Best-Of’s der Ohio Players verwertet) wohl auch ein Problem dar, die geballte Darstellung von Erotik und Gewalt konnte durchaus zu Aussetzern bei Herzschrittmachern führen. Schlussendlich aber schafften die Ohio Players trotz gewagter Präsentation ihrer Musik den verdienten Durchbruch.



Songs wie “Fire” (1974), das später von Soundgarden gecoverte Killerriff “Fopp”, “Sweet Sticky Thing” oder “Love Rollercoaster” schossen in die Charts, die Ohio Players kriegten Sendezeit bei Soul Train, es wurden ihre “goldenen Jahre”. Ende 70er wurde es dann stiller um die Band und die Ohio Players verschwanden mit der aufkommenden und relativ normierten Discomusic in der Versenkung. Im Zuge der grossen Popularität des HipHop tauchten sie aber am Ende des letzten Jahrhunderts noch einmal auf, spielten wieder Konzerte und packten neue Aufnahmen wie in alten Zeiten in trashige Verpackungen. Der in Ton und Bild festgehaltene Players-Live-Auftritt in der TV-Show The Midnight Special im Jahr 1975 ist noch immer eine Google-Suche wert, unglaublich mit was für ein Jam-Feuerwerk die Truppe mit dem auf fast 10 Minuten gestreckten „Fire“ zündete.

Eine einzige LP als Tipp abzugeben geht bei den Ohio Players nicht, auf allen ihren Alben verstecken sich Perlen. Manchmal natürlich auch Songs die man getrost überspringen kann, aber bei welcher Band gibt’s die nicht. Falls sich jemand für die groovy World der Ohio Players interessiert sollte er sich erst einmal über das aktuelle Angebot informieren, es gibt diverse Compilations auf dem Markt, manche davon kümmern sich um die Frühphase bei Capitol (da waren sie noch etwas auf der Suche), die Westbound-Years, die kommerziell erfolgreichen Jahre bei Mercury, aber auch spätere Produktionen die bei verschiedenen Labels erschienen. Vinyl-Freaks machen sich natürlich auf die Suche nach originalem Vinyl, alleine schon wegen der beeindruckenden Gatefold-Cover bei denen es auch länderspezifische Abweichungen gibt.

LONG LIVE FUNKY MUSIC!
mellow

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