Christian Much – Goin’ Home oder: Ein Aufbruch

Futter für Bücherwürmer: Zeitreise bis in die 40iger in Wort & Bild

In der ganzen Welt unterwegs, aber immer die Musik dabei – Es gibt keine Zufälle, das behaupten wir sehr oft. Denn als wir 2022 in der nordöstlichen Ecke von Rügen in Göhren Urlaub machten, sind wir ungeplant in das Blue Wave Festival Binz und Blues Camp Göhren geraten. Siehe dazu Klingende Orte 15. Diesmal sind wir wieder durch Zufall in einer Premium Unterkunft im schönen Südtirol, mit direkten Blick auf die Südtiroler Dolomiten nähe Seis, auf den sympathischen fast gleichaltrigen Christian Much getroffen. Und in unseren Gesprächen, die sich natürlich auch um Musik drehte, tauchte nicht zufällig, aber etwas unerwartet, der Blues wieder auf. So komme ich nun in den Genuss ein Buch zu lesen das sich mit den Wurzeln des US-amerikanischen Blues und Jazz beschäftigt, daneben aber auch spannenden Lesestoff zu Boko Haram, zum internationalen Strafgerichtshof und begleitend die Mythologie der Griechen und der Navajo streift. Besonders stolz war der Autor Christian auf die im Text eingefügten QR-Codes, die den Lesern von Anfang an die Möglichkeit geben, an der richtigen Stelle im entsprechenden Text zugehörige Musikstücke oder auch Kurzfilme aufzurufen. Autor Christian Much bei der Vorstellung seines Buchs bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse über die QR-Codes: „Bei der Gelegenheit möchte ich sagen, es ist toll wie der Wolke Verlag das hinbekommen hat. Und vor allen Dingen ist das für einen Roman Einmalig und Einzigartig, etwas absolut Neues !!“

Kurze Inhaltsangabe – Der nachfolgende Text des Wolke Verlag auf der Rückseite des Buchs hat mich sofort angesprochen und neugierig auf den Inhalt gemacht: „Auf Forschungsreise zu den Wurzeln der US-amerikanischen Musik taucht die Musikstudentin Petra unversehens in vergangene Zeiten ein. In der New Yorker Ottendorfer Library erlebt sie, wie wegweisende Figuren der Musikgeschichte hitzige Debatten um das Verbindende und das Partikulare von Musik führen, um Identität und Aneignung. Sie beginnt zu ahnen, welch aktuelle Brisanz diese vermeintlich alten Diskurse bergen. Die Protagonisten sind keine geringeren als Antonín Dvořák, Amy Beach und Bud Powell, dazu die mysteriöse Navajo-Bibliothekarin López und Bukar, Petras nigerianischer Freund, dessen Glaube an verbindende Ideale im Kampf um Gerechtigkeit ebenfalls auf die Probe gestellt wird. Zwischen europäischer Romantik, afroamerikanischen Spirituals, Native American Music und Bebop, zwischen Bostoner High Society, den Verheißungen der New Frontier Kaliforniens, verrauchten Jazzclubs in Harlem und der New Yorker NGO-Szene, zwischen Rassismus und Schmelztiegel, kultureller Selbstbehauptung und Aneignung, Austausch und Dissens verflüssigen sich die Identitäten in diesem vielschichtig komponierten Roman. Fesselnde Lektüre, nicht nur für Musikexperten. Ein schillernder Spiegel gegenwärtiger Identitätsdebatten, in dem einfache Antworten verschwimmen und jedes Goin’ Home auch ein neuer Aufbruch ist.“ Nach mehrmaligen Lesen des Buches, komme ich zum Resultat, besser hätte ich eine kurze Zusammenfassung auch nicht machen können !! Zur groben geschichtlichen Einordnung der drei historischen Musiker und Komponisten die in diesem Roman als wichtige Personen auftauchen ordne ich den drei Namen die Jahreszahlen zu: Antonín Dvořák (1841-1904, tschechischer Komponist der Romantik), Amy Beach (1867-1944, US-amerikanische Komponistin und Pianistin) und Bud Powell (1924-1966, US-amerikanischer Jazz-Pianist).

Goin’ Home oder: Mein Aufbruch – Welch ein spannendes Buch, wenn man offen für Neues und Unerwartetes ist. Ich mache mich bei der Lektüre auch auf eine musikalische Reise, die mich zu Kompositionen führt die ich bisher noch nicht kannte und die ich begleitend sogar direkt anhören konnte. Dazu lerne ich, vom Autor Christian musikwissenschaftlich gründlich recherchiert, auf unterhaltsame Weise welche Einflüsse die Musik der „Black People“ und die der Indigenen Bevölkerung auf die klassische ernste Musik in Amerika und darüber hinaus sogar weltweit hatten und auch haben. Völlig in den Bann haben mich dann die etwa 50 letzten Seiten gezogen, indem der Autor durch seine zweite Hauptperson, den Nigerianer Bukar, der ein Verfahren beim Internationalen Strafgerichtshof um einen Prozess gegen Boko Haram und nigerianische Militärführer einzuleiten versuchte, aber durch sehr undurchsichtige Machenschaften verunglimpft und sogar bedroht wird. Zum Schluss vereinigen sich die Fäden dieses Teils der Musikgeschichte sowie der Kampf um Gerechtigkeit in einem spannenden Finale in dem besonders die Musik wieder eine tragende Rolle spielt. Ich hatte gleich nach dem Beenden des Buchs, nachdem ich erst einmal tief durchatmen musste um die Spannung abzubauen, in die uns der Autor Christian Much versetzt, den Wunsch, dieses außergewöhnliche Buch noch einmal zu lesen. Und zwar diesmal um auch den exzellenten Schreibstil noch einmal in Ruhe zu genießen.

Leben als deutscher Europäer – Der auch musizierende, europäische Bürger Christian Much ist Mai 1953 in Luxemburg geboren, Abitur an europäischen Schulen in Luxemburg und Brüssel, studierte Rechtswissenschaft sowie Ethnologie in Hamburg und Freiburg. Kurzzeitig auch Studium an der Harvard Universität und danach war er für einige Zeit als Rechtsanwalt in Paris tätig. Als Diplomat war er in Ungarn, Zentralamerika, im Nahen Osten, Italien, bei den Vereinten Nationen und in verschiedenen anderen Gegenden der Welt. Er war Generalkonsul in Neapel (2010-2013) und Botschafter in Libyen (2013-2016). Autor Christian lebt in seinen Wahlheimaten Südbaden und Südtirol. Seit dem Abschied von seiner Diplomatenkarriere, schreibt Christian Much über das, was ihn ein Berufsleben lang faszinierte: Politik, internationales Strafrecht, Kultur und eben auch Musik. Die ist von Kindheit an sein Hobby. Auch in seinen beiden 2021 erschienenen Romane, »Der andere Ast – Eine alternative Geschichte Südtirols« und »Michls Letzte Reise«, geht es um das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen.

Dieses Thema ist auch durch die brisanten Konflikte im Nahen Osten und weltweit aktueller denn je. Nicht nur Musikliebhabern möchte ich die Lektüre von »Goin’ Home oder: Ein Aufbruch« ans Herz legen !!

Weiterlesen RZ: Licht Aus Spot An: Musik Der 70er – Blätternde Grüsse, Die SchoTTin

(Visited 72 times, 1 visits today)

Kommentar hinterlassen