The Lost Gonzo Band

I wanna go home with the armadillos
Good country music from Amarillo and Abilene
The friendliest people and the prettiest women
You’ve ever seen…

(Gary P. Nunn, “London Homesick Blues”)

 

Irgendwo in der US-Countryrock-Importe-Kiste zwischen Eagles, America, Outlaws und Poco stiess ich auf dieses wunderbare Stück texanischer Musikgeschichte: Signs Of Life von Lost Gonzo Band. Das war um 1980 herum in Rosenbergers Plattenladen. Was für ein dämlicher Bandname dachte ich mir, aber dieses Cover mit den Fussabdrücken in der Düne wollte angetestet werden. Und dann trafen mich diese Songs wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Also Countrymusic war das ja irgendwie nicht, das war eine Melange aus Country, Pop, Rock und einer Prise Folk. Das ganze Spektakel liess mich dahinschmelzen wie die berühmte “Butter in der Sonne”, ein absolutes Hammerteil war mir da in die Hände gefallen. Die Songs wurden zwar mit einer Fülle von Keyboard-Sounds (Clavinet, EP, ARP, Moog, Oberheim-Keys) veredelt, aber derart diskret, dass das alles ganz natürlich, homogen, logisch und überhaupt nicht aufgesetzt klang. Signs Of Life bot bezaubernde Gesangs-Melodien, betörende Gitarren-Melodien und grandiose Songs die man viel eher einer britischen Band als einer aus Texas zuweisen würde, also eigentlich mehr Nick Lowe, Brinsley Schwarz, Lindisfarne und Any Trouble. Es machte den Anschein, die bandinternen Komponisten und Sänger lieferten sich auf dieser Platte einen Wettstreit wer denn die besseren Songs schreiben und diese herzzerreissender vortragen könne. Ich war hin weg (und bin es heute noch wenn ich mir das Album anhöre), das war noch tausendmal besser als Hotel California und das war ja beileibe kein schlechtes Album. Signs Of Life wurde zu meinem persönlichen Massstab für alle anderen Produktionen auf diesem Gebiet und wurde bis heute noch kein einziges Mal übertroffen!

Ja, keine Frage diese Platte riecht auch heute noch nach Sommer, nein, nicht ganz richtig, diese Platte IST der ewige Sommer und bei genauem Studium der Aufnahmen und dem Wissen, dass die Lost Gonzo Band aus Texas stammt, kriegt man das Gefühl, man könne ein entferntes Quietschen von Oelbohrtürmen vernehmen. Und wenn man dann noch die Augen schliesst und tief durchatmet, meint man es liege ein Geruch von verbranntem Diesel in der Luft und man brauche sich nur in eine Karre zu setzen um in Kürze diese funkelnden Glastürme die da in der Wüste glitzern zu erreichen.

Einschub / Erklärung: Falls jetzt jemand den Kopf schütteln sollte von wegen der beschriebenen fiktiven Szene im vorangehenden Absatz: Die beiden Sätze stammen wie der Grossteil dieses Artikels aus meinem Originalmanuskript von 2003, ich entschuldige mich in aller Form für das begangene literarische Verbrechen. Mittlerweile ist eine solche Schreibe umwelt- und klimapolitisch gesehen natürlich völlig deplatziert, ich lasse die Passage wegen der Dramaturgie trotzdem drin, füge jetzt aber diesen “Gefahrenhinweis” hinzu: Liebe Kinder der Greta-Generation, eure Eltern und Grosseltern und Uroma und Uropa haben das Weltklima geschrottet und sehen nun ein, dass sie gigantisch grossen Mist gebaut haben, sie verteidigen sich aber damit, dass sie es eben nicht besser gewusst hätten vor vielen Jahren und…
Break: A
ndernorts ist die Geschichte des Klimawandels viel detaillierter nachzulesen. Mein Geschreibsel bewirkt irgendwie ja doch nichts solange sich die Mächtigen dieser Welt an den Schalthebeln der Macht festklammern, ausserdem werden sich ja genau die nicht in diesen Blog verirren… tweet… tweet… oh… ein Tweet von Mr. Tru…

Weiter:
Was aus Gary P. Nunn und seinen Freunden geworden ist?
Also der Mr. Nunn beispielsweise, der ist bis zum heutigen Tag unermüdlich “on the road” und verhökert ab und zu Pferde über seine Website. Well, eben so’n richtiger Texaner, mit Stetson und Cowboystiefeln und… (kleiner Abstecher auf seine Website)… aha… und er hat eben erst seine Autobiografie veröffentlicht. Manchmal kommt es sogar zu Reunions der Lost Gonzo Band, meistens dann wenn Nunn zufällig auf Robert Livingston trifft und sie zusammen ihre alten Songs ausgraben…

LONG LIVE TEXAN MUSIC!
mellow

 

Signs Of Life (1978, LP, Capitol Records)
1. Beacon In The Night 4:35
2. Santa Cruz (After The Nick Of Time) 4:30
3. Since You’ve Been Gone 3:00
4. Riding 3:46
5. Everybody Knows This Ain’t Art 2:35
6. Getaway 3:48
7. London Homesick Blues 4:20
8. The Winner 4:08
9. Signs Of Life 4:40
10. Feelin’ My Way 3:00

Lost Gonzo Band:
Gary P. Nunn – Vocals, Piano Guitar
Robert Livingston – Vocals, Guitar, Piano
John Inmon – Guitar, Mandolin, Background Vocals
Kelly Dunn – Keyboards , Background Vocals
Bobby Smith – Bass, Background Vocals
Michael J. Holeman – Drums, Background Vocals

Nachtrag 1:
Die Lost Gonzo Band wurde 1973 gegründet und fungierte anfangs als Begleitband von Jerry Jeff Walker, so trifft man denn auf den „London Homesick Blues“ auch auf Jerry Jeff Walkers Longplayer Viva Terlingua! (1973) der in Luckenbach, Texas live aufgezeichnet wurde. Mit Signs Of Life schuf die Lost Gonzo Band meiner Meinung nach einen Sgt. Pepper der texanischen Musikgeschichte. Leider scheine ich der einzigste Kritiker/Rezensent auf diesem Planeten zu sein der das bemerkt hat.


Nachtrag 2:
Das einzig Gute daran, dass man Signs Of Life noch immer nicht als CD kriegt ist, man kann mal wieder seinen Geldbeutel schonen. Das ist aber auch wirklich der einzige positive Aspekt an der Sache. Dasselbe gilt für die exquisite Debut-LP The Lost Gonzo Band von 1975 und Thrills  (1976) die 1996 von Edsel zusammengefasst als Dead Armadillos veröffentlicht wurden. Mittlerweile scheinen aber dieses Reissue sowie die zwei späteren Reunion-CD’s Rendezvous (1991) und Hands Of Time (1995) nicht mehr erhältlich zu sein. Es lohnt sich auf Schallplattenbörsen die Augen offen zu halten nach Tonträgern der Lost Gonzo Band, der Verfasser dieser Zeilen garantiert eine Menge Hörspass. Tipp: Einige Songs der Lost Gonzo Band findet man auch im Web.

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