Suzi Quatro – Quatro (1974)

Quatro ist ein grossartiges Album das eigentlich mit dem Etikett Glamrock recht wenig zu tun hatte, ausser vielleicht das Image das Suzi und ihre Band verkörperten. Klar… Körper… die alte Masche… „Sex sells“… die Chefin in hautengem, körperbetontem Lederkombi, ihre Jungs auch, in speckigen schwarzen Jacken, den Reissverschluss lässig nach unten gezogen, finster dreinschauend. Bei näherer Betrachtung der alten Bilder eigentlich ein klarer Fall für den Jugendschutz: Kleines unschuldiges und vielleicht minderjähriges Mädchen in der Gesellschaft wüster Rocker, da müssten eigentlich sämtliche Alarmsirenen miteinander losgehen…

Bei ihrem zweiten Album hatte die kleine Bassistin und Sängerin aus Detroit nichts falsch gemacht, absolut rein gar nichts und trotzdem wurde die LP nicht der erhoffte Verkaufsschlager. Vielleicht lag es daran, dass der Longplayer in verschiedenen, länderspezifischen Versionen erschien oder die jugendlichen Fans nichts von R&B wissen wollten. Es wurde munter rochiert mit dem vorhandenen Material und manchmal, wie zum Beispiel in England wurde das Zugpferd „Devil Gate Drive“ weggelassen und der Hit „The Wild One“ in einer softeren Version draufgeladen. Suzi Quatros Erfolg und die dauernde Nachfrage nach neuen Platten scheint wohl einige Leute beim Label RAK überfordert zu haben. Naja, vielleicht steckte auch irgendeine Logik hinter ihrem Tun…

Die typischen Muster die in der Popmusik galten, wurden bei Quatrokomplett auf den Kopf gestellt. Suzi sang hier einige aus dem R&B-Bereich stammende Cover-Titel die eigentlich Männersongs waren, Macho-Dinger wie Little Richards „Keep A Knockin“. Dort wo bei männlichen Interpreten der Backgroundgesang von weiblichen Gesangsequipen verfeinert wurde liess man hier meistens die Speckjacken mit ihren tiefen Brummelstimmen ran, und das funktionierte sowohl bei Songs der Songrschreiber Chinn/Chapman, bei Quatro/Tuckey-Tracks und bei Coverversionen. Quatro schwebt auf einer Wolke aus Soul, Rhythm & Blues und Hardrock,  ein Meisterwerk welches die unterschiedlichsten Stile auf einen Nenner bringt, egal in welcher Zusammenstellung man sich das Album anhört. Auf Quatro findet man kratzende Elektropianos, scharfe Gitarren im Hinterhofsound, stampfende Bässe, treibende Drums, ausgefuchste Arrangements und eine Suzi Quatro die mal kreischt und mal flüstert, es geht auf und ab wie auf der Achterbahn ohne ein einzige Sekunde langweilig zu werden.

Als ich ’75 an Quatro (deutsche Pressung mit der Rockversion von “The Wild One“ am Anfang und „Devil Gate Drive“ am Schluss) geriet, wurde mir schnell bewusst, dass hier der Versuch vorlag, aus dem gängigen Schema auszubrechen obwohl ich damals noch gar nicht wirklich wusste, was Soul überhaupt war. Musikalisch jedenfalls ist das ein durchs Band gelungener Ausbruch, das Gang-Image hingegen war noch das alte… klar… die Specklederjacken und so… Suzis supersexy Silber-Anzug auf dem Backcover… *schmacht-smiley*…  schlussendlich aber zählt nur die Musik und die ist fantastisch… und „Too Big“ oder die excellente funky motowninfizierte Version von „Hit The Road Jack“ sollte man mindestens einmal im Leben gehört haben. Und von wegen das mit dem Jugendschutz, also Suzi und ihr Gitarrist Len Tuckey haben schlussendlich geheiratet.

mellow

 

Suzi QuatroQuatro (1974, LP RAK / CD-Reissue 2011, 7T’s Records / Cherry Red)

  1. The Wild One
  2. Keep A Knockin’
  3. Too Big
  4. Klondyke Kate
  5. Savage Silk
  6. Move It
  7. Hit The Road Jack
  8. Trouble
  9. Cat Size
  10. A Shot Of Rhythm And Blues
  11. Friday
    Bonustracks CD-Reissue:
  12. Devil Gate Drive
  13. In The Morning
  14. I Wanna Be Free
  15. The Wild One (Single Version)
  16. Shake My Sugar
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