Graham Central Station (1974)

Funk?
Alles tote Musik?
Aber eventuell doch interessiert an dem Genre, bloss nie den Einstieg gefunden?

In diesem Fall empfehle ich dringendst mal ein Ohr in das Album Graham Central Station (1973) zu investieren. Nachdem die Kohlen bei Sly & The Family Stone endgültig verglimmt waren, versuchte sich der Ausnahmebassist Larry Graham als Producer. Naja, ehrlich gesagt kam er ja nicht gerade weit, die Band Patryce Boyd & Hot Chocolate war gerade ihres Bassisten verlustig geworden und so stöpselte der Produzent für seine Schützlinge eben das Kabel an seinem eigenen Viersaiter ein, dabei entstand einer der Grundpfeiler des Funkbass-Genres.

“We’ve Been Waiting” legt aber erst einmal a cappella los mit Larrys tiefer Stimme (die hier derjenigen von Frank Zappa zum verwechseln ähnlich ist) im Zentrum. Spätestens bei “It Ain’t No Fun To Me” (“Schdanding by the highway, waiting for the rain”…great!) wird dann die Stossrichtung klarer: Schwere, tiefe Grooves, angetrieben von Grahams, mit dem Daumen bearbeitetem Tieftöner (diese Schlagtechnik nennt man Slapping) und dennoch immer wieder mit melodiösen und faszinierenden Basslinien. Soul und Rock in einhelliger Umarmung also, ohne sich zu konkurrenzieren, mit genügend Platz für die ausgezeichnete Sängerin Patryce “Chocolate” Banks. “Hair” der dritte Track zeigt dann ganz klar auf wie der Bass sich mit den Drums eins wird, nahezu verschmilzt mit dem Rhythmus. “Tell Me What It Is” schliesslich nimmt die ganzen Rap-Grooves vorweg, zeigt auf, wo sich eine spätere Generation ihre Inspiration holte. Gegen Ende der LP taucht dann auch noch dieser durchwegs betörende Soul-Stomper “People” auf. Ich liebe diese Nummer seit langem, stahl mir da von Larry schon Licks für eigene Zwecke.

Graham Central Station (LP, 1974, Warner Brothers)
1. We’ve Been Waiting
2. It Ain’t No Fun To Me
3. Hair
4. We Be’s Gettin’ Down
5. Tell Me What It Is
6. Can You Handle It?
7. People
8. Why?
9. Ghetto

Graham Central Station (1974):
Larry Graham
– Vocals, Bass, Guitar, Keyboards, Drums
Patryce Chocolate Banks – Vocals
David Dynamite Vega – Guitar
Willie Wild Sparks – Drums
Hershall Happiness Kennedy – Keyboards, Trumpet
Robert Butch Sam – Organ, Piano

 


Insgesamt ist das Debut von Graham Central Station das lockerste und ursprünglichste Album der Band, aber auch die nachfolgenden Platten Release Yourself (1974) und vor allem Ain’t No ‘Bout-A-Doubt It (1975, mit der herrlichen WB-Label-Hymne “It Ain’t Nothin’ But A Warner Brothers Party”) waren ebenfalls durchs Band gelungen. Bei Mirrors (1976) verdrängten dann bereits Disco-Einflüsse den ursprünglichen Funk. Nach diversen weiteren Platten und Besetzungswechseln entschloss sich Graham zu Beginn der 80er für eine Solokarriere. Klar, mit der Ursuppe von Graham Central Station hatte das wenig zu tun, mich persönlich erinnerte der Meister der Slaptechnik in dieser Phase eher an einen Weichzeichner wie Barry White. Allerdings kehrte Larry Graham immer wieder mal an sein angestammtes Musikgerät zurück, sei es mit Reinkarnationen von GCS oder als Gast bei Leuten wie Carlos Santana.

LONG LIVE FUNKY MUSIC!
mellow

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