The Sevens (Die Sixties in Basel Teil 4)

The Sevens (Die Sixties in Basel Teil 4)

 

 

So kurz die Lebensdauer der Sevens auch gewesen sein mag, wir sprechen hier gerade mal von knapp drei Jahren und einer LP plus ein paar 7″s, so wichtig ist die Band für die Beat-Szene in der Nordwestschweiz. Ich sage “ist”, kommt doch niemand um die Sevens herum, die sind Legende und das völlig zu Recht. Die 14 Seiten über die Band im Buch “Als die Haare länger wurden” sind ein Zeichen dafür. Aber das lässt sich gar nicht alles in einem Rockzirkus-Beitrag aufdröseln.

 

Die ungebrochene Beliebtheit der Band sieht man auch an den Preisen für die Originalplatten (oder das Interesse der Spekulanten) deren eine LP und sechs Singles ziemliche Preise auf dem Markt einfahren. Die LP, da muss man locker 4-stellig (und nicht unbedingt im unteren Bereich) rechnen, wenn man sich nicht eine total abgerockte Version als Platzhalter ins Regal stellen will (und dann wird’s noch verhältnismässig teuer. Für die Singles in M/M-Zustand ist CHF 200.00 der allerunterste Preis. Bei der “Don’t You Fret/Panam” geht’s ab etwa CHF 300.00 los. Sonst ist das Ding von einer Walze geplättet worden.

 

Mit dem Namen Sevens sind sofort die Brüder Gasparini verbunden, ohne die es die Band ja wahrscheinlich auch nicht gegeben hätte. Den Start hatten sie damals als Les Pirates und als rauskam, dass da in Frankreich schon eine Band gleichen Namens unterwegs war, kam man mit dem Namen Sevens auf die Bühne zurück. Die Ecke um Basel mit der Grenze zu Deutschland und Frankreich liess schon damals solche Mätzchen nicht zu, vor allem, da viele Bands aus der Gegend auch Engagements in Deutschland und Frankreich hatten. Und gerade die französischen Pirates waren ja nun nicht wirklich unbekannt. Besser ist es.

 

Die Band muss aus dem Vollen geschöpft haben, scheint das Equipment doch vom Start an Top of the Range gewesen zu sein. Je einen Verstärker für jeden Gitarristen, eigene Gesangsanlage, 150 Watt Leistung aus zwei Türmen mit je 6 Lautsprechern und Mischpult mit separaten Eingängen für jedes Mikrofon. Und der Preis? CHF 7’500.00 (1964!). Das war eine ganze Menge Kohle zu der Zeit und wenn man sich Videos aus der Zeit von anderen Bands ansieht, dann sind das Welten zwischen den Sevens und der Konkurrenz gewesen.

 

Aber die Sevens klotzten nicht nur mit dem Equipment, sie taten es auch mit ihren selbstgeschriebenen Songs, die einfach in einer eigenen Liga waren. Da konnten sich andere Bands noch so bemühen, die Qualität war bei Les Pirates/Sevens weit weg von der lokalen und nationalen Konkurrenz. Tatsächlich würde ich so weit gehen, zu sagen, dass, wenn die Sevens nicht aus der Schweiz gekommen wären, sie eine erstaunliche internationale Karriere hingelegt hätten. Im United Kingdom hätte sich die Band nicht verstecken müssen und wäre wohl Topthema in den dortigen Musikzeitschriften gewesen. Aber zu ihrem Nachteil kamen sie aus einem Land in dem man mit der Art Musik sonst nichts am Hut hatte, wo die Marketingbemühungen von Amateuren gemacht wurden, wo die Verbindungen fehlten und der einheimische Markt nichts hergab.

 

Im August 1965 schloss man mit Layola einen Vertrag ab (das Label ist zwar Kult in der Schweiz, aber es war genau diese Art von Label welches auch damals keine Ressourcen in das Marketing stecken konnte oder wollte, die Art von Label, denen der Zugang zum internationalen Markt ein Fremdwort war – mal abgesehen von Electrola und das war wahrscheinlich auch eine Verlegenheitslösung, wo man bei Layola schon dachte, das grosse Los gezogen zu haben). Aber ein Label welches als Nachgedanke im luzernischen Hinterland bei einem Elektronikimporteur gegründet wurde und hauptsächlich Hudigäggeler und ähnliches produzierte (man muss sich nur mal die Veröffentlichungen ansehen) konnte wohl schwerlich den internationalen Markt aufmischen, da hätte es einer finanziellen Investition bedurft und das wiederum scheint den damaligen Zeitgeist (nicht nur in der Schweiz) widerzuspiegeln, mitmischen wollen aber keine Kohle in die Hand nehmen und keine Ahnung vom Geschäft haben.

 

Die Aufnahmen zur ersten LP fanden im Landgasthof in Riehen statt und wieder mal war Giorgio Moroder daran beteiligt (als Berater und Produzent für Layola). Im letzten Moment änderten die Les Pirates ihren Namen zu den Sevens (auf Betreiben von Layola). Die LP der Band ist etwas ausserordentliches, aber anscheinend war die Band mit den Aufnahmen nicht 100% zufrieden. Feedback etc. wurde entfernt, was vielleicht den etwas glatten Sound ausmachte (und die Songs auch von der Konkurrenz unterschied). Es  scheint ein Azetat mit den ursprüngichen Takes zu geben, aber das werden wir wohl nie zu hören bekommen. Andererseits hat Giorgio Moroder in meinem Buch ganze Arbeit geleistet, das Endresultat kann sich sehen lassen.

 

Der Vertrag mit Layola war so lange gültig wie die Band existierte. Um ganz ehrlich zu sein, so viele Unterschlupfmöglichkeiten gab es in der Schweiz für eine Beatband ja dann auch wieder nicht. Aber um das Bild über Layola abzurunden, nachdem die Sevens 1966 und 1967(!) in Skandinavien Erfolge feierten, bekamen sie von Capitol Records einen Vertrag angeboten, gegen den Layola natürlich opponierte und die Band nicht aus ihrem eigenen Vertrag entlassen wollte. Vertrag ist Vertrag, soweit so gut. Aber das Layola da nichts nachschob kann man getrost als Frechheit bezeichnen. Eigentlich liess man ja die Band absaufen ohne eine Gegenleistung zu bieten. Im Folgejahr gab es ein Angebot von Liberty und Layola stellte sich wieder auf die Hinterbeine, ohne die Band voranzubringen. Aus heutiger Sicht ist es schwer verständlich, warum Layola auf ihren Vertrag pochte, aber mit den Sevens offensichtlich nichts mehr anzufangen wusste (möglicherweise war bei John Lay auch einfach die Kohle knapp geworden).

 

Ab Ende 1965 verliess die Band den Amateurstatus und schlug sich im Profilager durch. Leider korreliert das gleichzeit mit dem Abtauchen des Labels, auch wenn diese vereinzelt noch Singleaufnahmen zuliessen (und veröffentlichten). Die Aufnahmen zu “Balla Balla” waren wohl eine Katastrophe. Layola versuchte in deren Unbeholfenheit irgendeinen imaginären Markt zu knacken und verdonnerte die Sevens zur Aufnahme. Aufnahme ist gut: Schulzimmer. Revox. Selbstgebautes Mischpult. Ein Mikrofon, Und die Sevens wollten die Platte als Les Pirates rausgeben, so sauer war man auf das Label. Auf einer Variante dieser Veröffentlichung stand dann tatsäch Les Pirates (nicht auf dem Cover.

 

International hatten die Sevens wohl einige Tourneen vorzuweisen, so z.B. Deutschland (mit den Lords), Skandinavien etc. Ende 1966 war vorerst Feierabend und nach einem kurzen Intermezzo als The New Sevens und zurück zu den Sevens (mit neuem Line-up) kam die Band als Soul Interpreten zurück und hatten ihre alten Beatnummern entsorgt. Meines Wissens gibt es von dieser Version keine Tonträger und die wenigsten dürften diese Band je live gehört haben. Am 14. April 1967 spielten die Sevens im Vorprogramm der Rolling Stones im Hallenstadion Zürich (und mussten an die Rolling Stones CHF 1’000.00 abdrücken dafür). Aber kurz danach war für die Sevens endgültig der Vorhang gefallen, ewiges Treten an Ort, kein finanzielles Vorwärtskommen und wahrscheinlich auch der langsame Wandel des Musikgeschäfts in jenen Jahren liess nur den Schluss zu, das Handtuch zu werfen. Einer der Brüder Gasparini hatte lange Jahre noch eine Website zu den Sevens online. Die ist leider weg. Aber die Sevens haben trotz widrigster Umstände (Layola!) einen Pflock eingeschlagen.

 

 

 

 

 

 

 

Die Veröffentlichungen der Band:

 

7″ Seven / In God We Trust Layola 1965

7″ Be My Loving Baby / The Love Of A Bird Layola 1965

7″ Balla Balla / Ju-Ju Hand Layola

7″ Little Girl I Know / My Mother Layola 1966

7″ Don’t You Fret / Panam Layola 1966

7″ I’m Not The Right / Run Me Down Layola 1966

LP Same Layola 1965

 

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