Barrino Brothers

Hier sind die spärlichen Fakten schnell zusammen getragen: Die Barrino Brothers waren ein US-Soul-Quartett bestehend aus den Brüdern Nathaniel, Perry und Julius Barrino und ihrem Kumpel Robert Roseboro. Sie taten sich 1969 in High Point, North Carolina zusammen und landeten 1972 beim Label Invictus das von den abtrünnigen Songschreibern Holland-Dozier-Holland nach ihrem Abgang bei Motown ins Leben gerufen worden war.

Umgehend wurde die Arbeit an einer ersten LP aufgenommen, die ersten Resultate der Sessions wurden schon bald in Form der Singles  „Trapped In A Love / When Love Was A Child“ und „I Had It All / I Shall Not Be Moved“ veröffentlicht. Beide Kurzrillen hinterliessen keinen Eindruck, vermutlich war das instabile Vertriebsnetz von Invictus nicht unschuldig daran. Ob die Erfolglosigkeit dieser Singles oder weitere Gründe zur Auflösung der Gesangstruppe führten kann im Nachhinein nicht mehr eruiert werden, auf alle Fälle wurden den Barrino Brothers schon vor der Veröffentlichung der LP Livin‘ High Off The Goodness Of Your Love und einer weiteren 45er die Mikroständer wieder abgeräumt, sie lösten sich auf, der Traum auf dem Niveau der Temptations zu manövrieren blieb ein Traum.

Der Longplayer erschien 1973 in den USA in einer einzigen Auflage. Ende 70er wurden die Master Tapes der kompletten Recording Sessions nach Japan verkauft, in Fernost mag man solchen Soft-Soul, die Verkaufszahlen machen jedenfalls alle paar Jahre ein neues CD-Reissue nötig.

Barrino Brothers – Livin‘ High Off The Goodness Of Your Love
(LP, 1973, Invictus / div. CD- und LP-Reissues, Japan)

A1) I Had It All
A2) It Doesn’t Have To Be That Way
A 3) Rain

B1) Try It, You’ll Like It
B2) I Can’t Believe You’re Gone
B3) Livin‘ High Off The Goodness Of Your Love
B4) Whe Love Was A Child
B5) Well Worth Waiting For Your Love

Bonustracks CD:
Trapped In A Love
I Shall Not Be Moved
I Had It All (Single Version)
Livin‘ High Off The Goodness Of Your Love (Single Version)
Livin‘ High Off The Goodness Of Your Love (Instrumental)
Born On The Wild (Single Version)
Born On The Wild (Instrumental)

Die Begleitband waren vermutlich The Politicians, die gut eingespielte Truppe des Posaunisten, Produzenten und Songschreibers McKinley Jackson und einigen Ehemaligen von Parliament die bei Invictus / Hot Wax für den In-House-Sound sorgten. Die LP der Barrino Brothers ist auf Anhieb vielleicht nicht so eingängig wie andere Soul-Scheiben aus dieser Zeit, wenn man aber genauer hinhört kann es durchaus passieren, dass man gefangen genommen wird von den Songs. Ich persönlich schaffe es beim Anhören der CD meistens nicht über die Eröffnungsnummer, den Ohrwurm „I Had It All“ und das nachfolgende achteinhalb Minuten lange „It Doesn’t Have To Be That Way“ hinaus. Tja, es ist nun mal so, ich kann es nicht ändern, ich zappe dann automatisch wieder an den Anfang des romantischen Songs zurück weil ich ganz einfach nicht genug kriegen kann von diesem gemütlichen, mit Orchester hinterlegten Juwel, der Erzählstimme in der Songmitte, den klasse Barrino-Gesangsstimmen und der E-Sitar die vorübergehend die Melodielinie übernimmt. Oh happy day… oh happy day…  oh happy day… zapp… und gleich nochmal von vorn….

Aber auch “Rain“ kann mich erledigen, genau so gemütlich wenn auch ohne Sitar und eine Minute kürzer. Weshalb die 73er-Single „Born On The Wild“ nicht punkten konnte ist ein weiteres Rätsel, das ist gewaltig guter rifflastiger Soul-Rock (selbiges gilt für „I Can’t Believe You’re Gone“, der Track ist mit einem Wahnsinnsbeat hinterlegt), ach ja, zu dem Zeitpunkt waren die Barrino Brothers ja bereits zur Fussnote in der Geschichtsschreibung des Soul geworden.

Die Barrinos und ihr singender Kumpel kehrten übrigens nie zurück und sangen vermutlich nur noch anlässlich von Gottesdiensten ihrer Kirchgemeinde, der Abschied aus dem Showbiz war endgültig.


Der Name Barrino verschwand zwar vorübergehend, meldete sich aber in Gestalt der funky Nichte der Barrino Brothers, der stimmgewaltigen Sängerin Fantasia Monique Barrino (Vater: Joseph Barrino, sie gewann 2004 die Castingshow American Idol, 2011 mit „Bittersweet” einen Grammy für Best Female R&B Vocal Performance und 2018 sang sie neben vielen anderen auch auf der Abdankungsfeier von Aretha Franklin) und ihrem Bruder Ricco Barrino (R&B-Artist, Songwriter) auf der Szene zurück. Und manchmal werden die Onkels im Zuge von Konzerten der wilden Fantasia sogar auf die Bühne gebeten um zusammen Gospelsongs und alte Lieder der Staple Singers zu singen…

LONG LIVE SOULFUL MUSIC!
mellow

(Visited 60 times, 1 visits today)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

20 + vierzehn =