The 5th Dimension

Nein, aufheulende elektrische Gitarren die auf abstrakte Weise das weltweite Kriegsgeschehen von 1967 interpretieren oder psychedelische Drogentrips illustrieren sucht man bei The 5th Dimension vergebens, stattdessen laden die farbigen Vertreter des Sunshine Pop zu einer Reise im bunten Heissluftballon ein. Die Botschaft ist klar, klettere rein in den Ballonkorb und heb’ ab mit uns, schwebe durch die Wolken und betrachte die Welt aus exponierter Warte, «Up, Up and Away», schwerelos, luftig, leicht.

Das 1965 in Los Angeles gegründete Gesangs-Ensemble um die Sängerinnen Florence LaRue, Marilyn McCoo, und ihre männlichen Mitstreiter Billy Davis, Lamonte McLemore und Ron Townson startete mit dem erwähnten, von Jimmy Webb verfassten «Up, Up and Away» weltweit durch. Der federleichte Loungecore-Pop-Song erreichte zwar nur in Australien die Spitze der Charts, wurde aber trotzdem zum eigentlichen Dauerbrenner und Millionenseller, zu einem Markenzeichen der Sparte Easy Listening und zum frühen Geldsegen für das von Johnny Rivers gegründete Label Soul City Records.

Die Begleitband auf «Up, Up and Away» und unzähligen weiteren Recordings der 5th Dimension setzte sich aus Mitgliedern der legendären Wrecking Crew zusammen, an «Up, Up and Away» waren unter anderem Bassist Joe Osborn, die Gitarristen Tommy Tedesco und Al Casey sowie der Meistertrommler Hal Blaine beteiligt, die Schlagwerk-Koryphäe demonstrierte auf diesem Titel eindrücklich wie «dynamisches Schlagzeugspiel» eigentlich klingen sollte. Mein Fazit: Der schiere Wahnsinn…

 

Die Single welche den Smashhit «Up, Up and Away» noch überflügelte war 1969 das Medley «Aquarius/Let The Sunshine In (The Flesh Failures)» aus dem Musical Hair. Zur exakt richtigen Zeit die richtigen Songs aus der Lostrommel gezogen könnte man sagen, die Kurzrille profitierte von der weltweiten Beliebtheit des Musicals, die von James Rado, Gerome Ragni und Galt MacDermot verfassten Titel bescherten The 5th Dimension einen wahren Dollarregen zu dem auch die LP The Age Of Aquarius beitrug.


Im Nachhinein betrachtet ist das musikalische Oeuvre von The 5th Dimension überraschend vielfältig, das Management und die Produzenten und Songwriter Johnny Rivers und Jimmy Webb hatten ein glückliches Händchen dafür, passende Titel für die aufgestellte Truppe zu schreiben, respektive auszuwählen. Man findet bei The 5th Dimension auch hervorragende Coverversionen von «Ticket To Ride» (Lennon/McCartney), «Feelin’ Allright» (Dave Mason) oder «Sunshine Of Your Love» (Clapton/Bruce/Brown) aber auch Titel wie den «Wedding Bell Blues» und «Stoned Soul Picnic» von Laura Nyro.



Ihre Songs performten The 5th Dimension nicht nur bei Live-Konzerten, immer wichtiger wurde auch die Präsenz in TV-Shows, dank diesem Medium liess sich ohne viel Aufwand ein noch grösseres Publikum erreichen, mittlerweile sogar in Farbe, was vermutlich ein Stück weit ihre knallbunten Outfits erklärt. Für den einen Auftritt im Fernsehstudio wurden offenbar Tonnen von Sand aufgeschüttet, aber vermutlich spielten vor den The 5th Dimension eh die Beach Boys und man brauchte sich bloss noch an den künstlichen Beach zu stellen, In The Glen Campbell Goodtime Hour beteiligte sich der Gastgeber bei «Ticket To Ride».

Das originale Gesangs-Kollektiv hielt bis 1975 zusammen und überstand bis dahin auch einige Label-Umzüge, von Soul City (auf dem internationalen Markt wurden die Platten von Liberty vertrieben) ging es 1970 zu Bell Records, von da zu ABC und 1978 zu Motown. Der Erfolg liess in den Seventies zwar langsam nach (vielleicht weil sie immer softer wurden?), aber trotzdem lief das Geschäft noch dermassen erfolgreich, dass an aufhören nicht zu denken war.

Florence LaRue ist bis heute aktiv und tritt manchmal im relativ lukrativen Oldie-Umfeld als Florence LaRue And The 5th Dimension in Erscheinung.

Die Name The 5th Dimension sorgt immer wieder mal für Verwirrung da er auch ausgeschrieben auftaucht, Suchläufe mit The Fifth Dimension bringen aufgrund der Schreibweise ohne Ziffer teilweise auch andere Resultate. In der goldenen Epoche des Sunshine Pop war man sich offenbar noch nicht bewusst, welche Auswirkungen das auf futuristische Suchroboter in der Zukunft haben könnte.

UP, UP AND AWAY… LONG LIVE
EASY-LISTENING-SOUL’N’SUNSHINE’POP!
mellow

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