The Detroit Emeralds

Aktion gegen das Vergessen grossartiger Soulbands der 1970er-Jahre!  

The Emeralds waren ein Gesangstruppe aus dem Bereich Doo Wop und Soul die in den den Sixties  von den Gebrüdern Tilmon in Little Rock/Arkansas gegründet wurde. Anfangs waren sie noch zu viert, nachdem aber die Hälfte des Quartetts das Mikro an den Nagel hängte, holten sich Ivory und Abrim zur Verstärkung ihren Freund James Mitchell an Bord. Das blendend harmonierende Trio dislozierte schon bald einmal in die Metropole Detroit und nannte sich ab da Detroit Emeralds. Bei Ric-Tic Records erschien 1967 ihre erste Single „Show Time“, eine stampfende Soul-Nummer mit röhrendem Saxophon die bereits den Weg in die Charts fand.

1969 wechselten sie die Plattenfirma, sie unterschrieben bei der im Jahr zuvor gegründete Detroiter Produktions- und Vertriebsfirma Westbound und wurden Labelkollegen von so illustren Unternehmungen wie Funkadelic und Ohio Players. Westbound war alles andere als konventionell, es war eine der Keimzellen des Funk, dieser neuen frischen Richtung der Black Music die sich aus Soul, R&B, Jazz und Rock heraus entwickelt hatte und dauernder Veränderung unterworfen war. Selbst bei der Vermarktung der Tonträger stachen die oftmals psychedelisch und erotisch angehauchten Plattenhüllen aus der Masse heraus, legendär die Resultate der Fotosessions mit dem farbigen Model Pat Evans die in erster Linie für die Ohio Players verwendet wurden, eine solch geballte Ladung Erotik wäre beim ebenfalls in Detroit ansässigen Konkurrenten Motown nicht möglich gewesen. The Detroit Emeralds vertraten im Westbound– Umfeld vielleicht eher eine konservative Linie, es änderte aber nichts daran, dass sie in den folgenden Jahren atemberaubend guten Soul vom Zaun brachen.

Für Abrim Tilmon tat sich bei Westbound eine fantastische Spielwiese auf, der Hauptsongwriter  der Detroit Emeralds durfte sich nach Herzenslust austoben, zusammen mit dem Produzenten Willie Mitchell (u.a. Al Green, Ann Peebles, Otis Clay) der auch Mitbesitzer von Hi Records war, entstanden in kurzer Zeit die grossartigen LP‘s der Detroit Emeralds. Den Anfang dieser Serie bildete 1971 die Langspielplatte Do Me Right, ein packender Ausritt über zwölf sensationell gut arrangierte und vorgetragene Songs, allesamt edle Smaragde, darunter auch „Long Live The King“, einer meiner derzeitigen Inselüberflieger. Über der cool und lässig und trotzdem immer dynamisch agierenden Studioband die sich immer wieder zu tollen Unisono-Bass-Gitarrenläufen verlocken liess, liegen beinahe schwebend die ineinander verzahnten Stimmen der Emeralds, ein einziger Genuss den Gesangslinien zu folgen. Und dann noch diese betörenden Strings, die sind auch nach Jahrzehnten noch sensationell, haben absolut nichts mit dem penetranten Geigenschmalz zu tun auf den man vielerorts trifft, die Strings der Detroit Emeralds haben Schmiss, sie sind soundprägend und auf keinen Fall nur Garnitur.

Im Zuge des Northern Soul wurden auch im kühlen Britannien die Detroit Emeralds häufig auf den Plattenteller gelegt: „Feel The Need In Me“ vom zweiten Album You Want It, You Got It (1972) ging in England die Charts-Leiter hoch und landete schlussendlich auf Platz 4. Das war haargenau der 4/4-Takt-Modern-Soul-Sound mit dem sich die Tänzer in den Clubs und Tanzhallen am besten in Szene setzen konnten, kein Wunder wurde der dynamische Titel ein Erfolg. Die LP (übrigens mit einer Karosse aus Deutschland auf dem Cover, was für eine Klatsche für die Motor City und die amerikanische Autoindustrie) ist genauso wie das Debut ein „Muss“ wenn man die Detroit Emeralds erkunden möchte, es ist die direkte und logische Fortsetzung von Do Me Right und hat denselben bestechenden Mix aus dynamischeren und softeren Soul-Komponenten zu bieten.

Das bisherige Konzept zogen die Detroit auch mit den folgenden Langrillen I’m In Love With You (1973) und mit ein paar Jahren Abstand (nachdem sich die drei verkracht hatten) auf Feel The Need (1977) weiter. Zeitweise gab es existierten zwei Formationen die denselben Namen für sich beanspruchten, Abrim Tilmon setzte sich aber offenbar durch und für besagtes Album Feel The Need meldete sich auch der abtrünnige James Mitchell wieder zurück.

Aber Moment mal jetzt, Feel The Need hatten wir doch bereits anno ’72!
Richtig, der Titel wurde – weshalb auch immer – ein weiteres Mal aufbereitet und geriet wiederholt zum Hit, Platz 12 im Königreich und Platz 14 in der überseeischen Heimat. Trotz dem sich schnell verändernden musikalischen Umfeld gingen die Detroit Emeralds modischen Trends noch aus dem Weg, zumindest teilweise, ihr Soul war noch immer Soul und hatte sich nicht wie bei vielen anderen Zeitgenossen in Disco verwandelt, „Love For You“ ist ausgezeichneter Soul-Pop mit gediegener E-Sitar und „Sexy Ways“ kommt äusserst jazzy daher.

Let’s Get Together (1978) hiess das finale Album und überzeugt mich nur noch teilweise, beispielsweise mit dem Titeltrack. Abrim Tilmon klinkte sich danach langsam aus und konzentrierte sich auf seine Arbeit als Produzent, für Live-Auftritte der Detroit Emeralds engagierte er jeweils Ersatzsänger die ihn vertraten.

Abrim “Abe” Tilmon, Mastermind der Detroit Emeralds, starb am 6. Juli 1982 im Alter von nur gerade 37 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.

LONG LIVE SOULFUL MUSIC!
mellow

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